Grundlagen Sequenzer & MIDI

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Wer seine eigenen Beats im Sequenzer erstellen möchte, benötigt entweder eine kompakte Groovebox oder die passenden Musikprogramme, beispielsweise einen Sequenzer. In diesem Artikel erfährst Du, wie MIDI und Audio zusammenspielen und wie am Ende ein Instrumental daraus entsteht. So kannst Du nachvollziehen, wie die Rhythmen aus deinen Fingern über einen Controller in den Computer gelangen und dort in Klänge verwandelt werden.

Grundlagen Sequenzer & MIDI

Hinter MIDI (»Musical Instrument Digital Interface«) steckt der seit gut 30 Jahren (!) in seinen Grundzügen unveränderte Standard für den digitalen Datenaustausch zwischen musikalischem Equipment. Du kannst dir das Ganze wie eine eigene Sprache vorstellen, mit dem sich Geräte und Programme verständigen. Vom Synthesizer über Musiksoftware aller Art bis hin zum modernen DJ-Controller nutzt nach wie vor die überwältigende Mehrheit der Hard- und Software dieses System. Ein klassischer MIDI-Befehl beinhaltet diese Informationen:

  • Note an/aus (»Note On/Off«)
  • Tonhöhe (Beispiel: C1)
  • Anschlagstärke (»Velocity«, Beispiel: 63)
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Mit der »Note On« weist ein Gerät bzw. eine Software den empfangenden Klangerzeuger an, einen Ton abzuspielen. »Note Off« sendet wiederum den Befehl, dass der Ton nicht mehr abgespielt werden soll und kennzeichnet damit die Länge der gespielten Note. Die zweite, stets mit Note On/Off verknüpfte Information kennzeichnet die Tonhöhe, schließlich muss der MIDI-Empfänger ja wissen, welche Note in welcher Oktave gespielt bzw. gestoppt werden soll.

MIDI: Melodik, Rhythmik & Dynamik

Der dritte wichtige Informationsschnipsel ist die Anschlaghärte (»Velocity«). Dabei wird ein Wert von 1 bis 127 gesendet, da für alle MIDI-Werte eine Auflösung von 128 Schritten (inklusive der 0) zur Verfügung steht.

MIDI-Dateien (Standard-Endung ».MID«) können ganze Songs mit mehreren Spuren beinhalten und werden digital gespeichert. Durch ihren geringen Speicherbedarf ist die Archivierung, das Versenden und der Austausch zwischen Geräten bzw. Musikprogrammen ein Einfaches.

 

Wie gelangen MIDI-Daten in den Computer?

Das häufigste Szenario: MIDI-Daten werden von einem Controller in den Computer geschickt. Hierzu wird ein MIDI-Eingang am Audio-Interface benötigt, falls der Controller diesen nicht selbst zur Verfügung stellt.

MIDI-Keyboards mit Klaviaturen stellen das klassische Eingabewerkzeug dar, doch bei den Pads von MPC, Maschine und Co. geschieht im Prinzip dasselbe. So ist in der Standardeinstellung jeder Taste bzw. jedem Drum Pad eine eigene MIDI-Note zugeordnet. Durch Anschläge werden Note-On/Off-Befehle auf der entsprechenden MIDI-Note gesendet. Der MIDI-Empfänger, also beispielsweise das virtuelle Instrument wird angewiesen, ein oder mehrere Audio-Samples abzuspielen, die dieser MIDI-Note (dem Pad) vorher zugewiesen wurden. Das lässt sich in variabler Lautstärke je nach Härte des Anschlags umsetzen.

MIDIDamit MIDI-Steuersignale in den Rechner gelangen, müssen sie per Kabel übertragen werden; es existieren auch exotischere Funklösungen. Früher wurden ausschließlich die fünfpoligen DIN-Kabel zur Verbindung mit den entsprechende Buchsen (die linke der beiden großen Anschlüsse im Bild rechts) verwendet, wohingegen MIDI heute immer öfter per USB übertragen wird. Nicht selten geht man auf Herstellerseite sogar so weit, auf die althergebrachte Verbindungsart zu verzichten und stattdessen ausschließlich USB zu nutzen.

Sequenzer

Ein Sequenzer ist ein Gerät oder ein Musikprogramm, mit dem Du Rhythmen und ganze Songs erstellst. Diese in Taktschritte unterteilten Sequenzen werden in einer festgelegten Geschwindigkeit abgespielt. Ein Sequenzer allein gibt keine Klänge von sich, er ist lediglich ein Container, in dem alle MIDI-Informationen gespeichert werden. Die Rhythmen und Melodien (MIDI-Informationen) werden erst durch Klangerzeuger (Instrumente) in Hörbares vertont.

Sequenzer gibt es in Form von Hardware oder Software

Der Begriff des Sequenzers wird sehr uneinheitlich verwendet – entweder für 1.) dedizierte Hardware, 2.) dedizierte Software oder 3.) lediglich eine Funktion bestimmter Programme bzw. Geräte.

Hardware-Sequenzer

Zum einen gibt es Klangerzeuger mit integriertem Sequenzer, zum anderen eigenständige Geräte, die nur die Rhythmen speichern. In der Anfangszeit nutzten Hardware-Sequenzer eine analoge Steuerspannung (»CV« für »control voltage«) für die Übermittlung der Noteninformationen. Seit den frühen 80er-Jahren wurden diese zunehmend durch MIDI ersetzt. Heute gibt es Geräte, die beide Methoden beherrschen, wie das folgende.

Doepfer Dark Time Red

Der Doepfer Dark Time ist ein analoger Sequenzer mit 16 Steps. Auf zwei Reihen finden sich je acht stufenlose Drehregler für Parameterwerte und zwei 3-Wege-Schalter. Letztere dienen für die Befehle Note An/Aus, Step überspringen, Sequenz stoppen und Sprung zu einem beliebigen Step. Zwei Laufrichtungen, Transponierung und Quantisierung mit Swing sind möglich. Neben den fünfpoligen MIDI-In- und Outputs gibt es ein USB-Anschluss und CV-Buchsen (3,5 mm) für Steuerspannung. Das Gerät ist wahlweise mit roten oder blauen Status-LEDs erhältlich.

Software-Sequenzer

In der jüngeren Vergangenheit erfreuen sich Software-Sequenzer durch ihren Bedienkomfort dank Maus und großem Bildschirm enormer Beliebtheit. Die Sequenzierung von Songs und Rhythmen spielt sich hier hauptsächlich in der sogenannten Pianorolle ab, in der Noten in Form von Balken auf einer Klaviatur angezeigt werden.

Software-Sequenzer - Pianorolle

Vertikal werden die MIDI-Noten in Halbtonschritten dargestellt, während sich horizontal die Zeitleiste in einem Raster für die Zählzeiten der eingestellten Taktart erstreckt. Anders als bei einem einfachen Step-Sequenzer stehen hier Möglichkeiten zur komplexen Ausarbeitung der Rhythmik und Melodik offen – beliebig lange und überlappende Noten, Akkorde, Verlaufskurven für Lautstärke oder Effektparameter, fließende Tempoänderungen, Taktwechsel und vieles mehr.

Moderne Software-Sequenzer können aber nicht nur MIDI-Daten verarbeiten, sie bieten zudem alternative Ansichten zur Bearbeitung, eigene Klangerzeuger (virtuelle Instrumente) und übernehmen die Aufgaben einer klassischen Bandmaschine bei der Aufzeichnung, Wiedergabe und Bearbeitung von Audio.

Step-Sequenzer

Step-Sequenzer sind gerade für elektronische Musik geeignet

Eine im Beat Making beliebte Unterart der Sequenzer ist der so genannte Step-Sequenzer. Bei diesem ist der programmierbare Bereich zumeist in einen 4/4-Takt und dementsprechend 16 Taktschritte (»Steps«) unterteilt. Bei dieser Art von Hardware oder Software sind die Eingabemöglichkeiten etwas übersichtlicher, was den besonderen Reiz für die Produktion elektronischer Musik ausmacht. Bei Techno, Trance und House wird beispielsweise die Bass Drum auf jede 1. Zählzeit (somit Step 1, 5, 9 und 13) und die Hihat auf jede 3. Zählzeit (Steps 3, 7, 11 und 15) gesetzt.

MIDI zu Audio machen

Zur Vertonung von MIDI-Daten aus deinem Software-Sequenzer braucht es Klangerzeuger, die entweder in Form von externer Hardware (eigenständige MPC, Drum Machine, Hardware-Sampler etc.) oder virtuellen Instrumenten (Plugins oder eigenständige Programme) daherkommen. Was Software-Lösungen angeht, sind die Flexibilität und klanglichen Möglichkeiten inzwischen sehr verlockend, eine Auswahl und weitere Informationen hierzu findest Du in unserem Artikel über Beat Maker Programme.

Klangerzeuger

Der Ausgang der betreffenden MIDI-Spur wird einem Klangerzeuger zugewiesen (»geroutet«), dann sendet sie alle MIDI-Noten an diesen. Der Klangerzeuger macht aus den Steuerbefehlen anschließend die hörbaren Töne.

MIDI zu Audio: Hardware vs. Software

Plugins und virtuelle Instrumente lassen sich unmittelbar im Rechner in deine Tracks einbinden, ohne dass der Sound erst über das Audio Interface digitalisiert und aufgenommen werden muss. Zudem werden die Sounds und Einstellungen als Bestandteil eines Projekts gespeichert; im Gegensatz dazu musst Du bei vielen externen Klangerzeugern sämtliche Regler- und Schalterpositionen wieder von Hand rekonstruieren. Nicht zu vergessen, dass Plugins meist viel günstiger sind als Hardware mit vergleichbarem Funktionsumfang.

 

MIDI-Spuren an Keyboards schicken

Falls die Melodien und Rhythmen aus deinem Software-Sequenzer von einem externen Klangerzeuger wiedergegeben werden sollen, dann müssen die MIDI-Daten aus dem Computer über eine entsprechende Verkabelung heraus.

Hierzu wird zunächst der physikalische MIDI-Ausgang an deinem Audiorechner (meistens an der Soundkarte) via Kabel mit dem MIDI-Eingang am Klangerzeuger verbunden. Die MIDI-Spur in der Software wird auf den MIDI-Ausgang der Karte geroutet und schon sollten die Noten aus dem externen Gerät ertönen. Mehr dazu im Infokasten rechts.

Jetzt aber nicht vergessen, den Audioausgang der externen Hardware mit deiner Abhöre zu verbinden, denn sonst wirst Du nichts hören können.


Von Felix Baarß