Welches Mikrofon fĂĽr welches Instrument?

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Erfahre hier und heute, was die besten Mikrofone für Vocals, Drums, E- und Akustikgitarre, Klavier, Bläser und Percussion sind. Zudem findest Du wichtige Kniffe und bewährte Techniken zur Mikrofonierung dieser Klänge – dein Wegweiser durch den Dschungel beim Band Recording.

Du bekommst in jeder Sparte konkrete Empfehlungen: einige der besten Mikrofone, die an Instrument X oder zum Vocal Recording perfekte Resultate liefern können. Außerdem siehst Du hier, welche Typen von Mikrofonen und welche Richtcharakteristik Du für welchen Zweck nutzen kannst.

Bilderstrecke Neumann-Mikrofone

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Zuerst wollen wir aber noch zwei wichtige Begriffe klären, denen Du im Verlauf dieses Artikels immer wieder begegnen wirst:

Nahabnahme (»close miking«):

Je näher das Mikrofon an der Schallquelle ist, desto weniger Raumklang (Hall und Echos) wird mit aufgenommen. Kondensatormikrofone weisen hierbei den Nahbesprechungseffekt auf – der Klang wird basslastiger, je kleiner der Abstand zwischen Klangquelle und Mikrofonkapsel ist. Außerdem gibt es bei der Nahabnahme weniger Übersprechen, siehe nächster Punkt.

Ăśbersprechen:

Wenn ein Mikrofon, das eigentlich Klangquelle A einfangen soll, gleichzeitig Klangquelle B im Hintergrund mitaufzeichnet. Das wird etwa bei den einzelnen Trommeln/Becken eines Schlagzeugs gerne bewusst gemacht bzw. in Kauf genommen, aber verschiedene Instrumentengattungen solltest Du nicht derart vermischt aufzeichnen.

 

Allgemeine Informationen

In den folgenden Kapiteln erfährst Du, welche Mikrofone sich für welche Instrumente mit welchen Mikrofonierungstechniken in vielen Jahrzehnten der Tonstudiopraxis bewährt haben. Es ist freilich nicht ausgeschlossen, dass die Missachtung dieser Gebote zu Resultaten führt, die technisch besser sind oder künstlerisch eher zu deiner Musik passen. Auch gibt es innerhalb der Instrumentengattungen große Unterschiede zwischen einzelnen Modellen, so dass bestimmte Mikros womöglich besser in deinem Fall passen als die, die Du in unseren Empfehlungen findest.

Es gibt kein perfektes Mikrofon. Aber sehr flexible.

Und nimm dir zu Herzen, dass sich auch die Musiker bei der Session mit dem Klang des Mikrofons wohlfĂĽhlen sollen.

Keyboards, Synthesizer und elektrische Pianos bzw. Orgeln müssen nicht mikrofoniert werden, da sie über einen Audioausgang verfügen (Ausnahme: das Fender Rhodes mit seinem ganz eigenen Charakter der integrierten Lautsprecher). Auch der E-Bass wird heute immer öfter über das direkte Audiosignal aus seinem Klinkenausgang aufgenommen und, wenn überhaupt, erst im Nachhinein verstärkt per Mikrofon abgenommen.

 

Vocals Mikrofon

Vocals Mikrofon

Gesang

Für die Gesangsaufnahme einer einzelnen Stimme im Studio eignen sich Kondensatormikrofone mit Großmembran am besten, da sie einen intimen, ausdrucksstarken Klang liefern. Für Metal und andere härtere Gangarten empfehlen wir dynamische Mikrofone, da sie höhere Lautstärken verkraften, ohne dass die Aufnahmen verzerrt werden.

ĂśberprĂĽfe vor dem Kauf, wie stark die »Popp«-Laute (»p«, »b«, etwas schwächer auch »t« und »d«) aufgenommen werden. Flexibilität bringt ein zuschaltbarer Low-Cut (Hochpassfilter) am Mikrofon, wenn der Klang zu bassig wird…zum Beispiel wenn Du nicht anders kannst oder möchtest, als beim Singen/Shouten sehr nah an dein Kondensatormikrofon heranzurĂĽcken. Und natĂĽrlich empfiehlt sich immer der Einsatz eines Popschutzes, um die Luftstöße beim Singen vom Mikrofon fernzuhalten.

Schließlich solltest Du sichergehen, dass die Musik aus deinem Kopfhörer nicht derart laut nach außen dringt, dass sie als Hintergrundgeräusch auf deinen Vocals wieder mitaufgenommen wird.

  • Kondensatormikrofon mit GroĂźmembran oder dynamisches Mikrofon
  • Nieren- oder Supernierencharakteristik
  • Empfehlungen: Neumann U 87 Ai, Neumann M 147, Neumann TLM 49, Neumann TLM 102, Miktek CV3, Miktek CV4, AKG Perception 420, Rode NT1, Rode NT2-A, Electrovoice RE20, Audio Technica AT4050 SM, Shure SM7B, Neumann KMS 104/105 (BĂĽhne)

 

Drums

Besonders bei Drums musst Du die Anzahl der Mikrofone mit Bedacht wählen: Je mehr Mikrofone Du einsetzt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit von Phasenverschiebungen und damit von unerwünschten Wechselwirkungen im Klang – die Signale können sich etwa gegenseitig auslöschen, ob vollständig (Stille) oder teilweise (dünner, hohler Klang). Bei vielen klassischen Schlagzeugaufnahmen wurden nur zwei oder drei Mikros verwendet.

Natürlich gibt es auch über die Genres hinweg Unterschiede. Für ein Jazz-Schlagzeug reicht schon ein Mikrofonpärchen in der Overhead-Position und ein drittes Exemplar für die Bass Drum bzw. Kick Drum.

Wenn es keine getrennten Kabinen für die Aufnahme gibt oder diese zwecks geselligerer Sessions nicht erwünscht sind, kannst Du Trennwände aufstellen, um das Übersprechen einzudämmen. Diese kannst Du auch selbst bauen – drei zurechtgesägte Tischplatten mit Scharnieren verbinden, innenseitig mit Pyramidenschaumstoff bekleben und mit Rollen zum Verschieben ausstatten.

 

Bass Drum

Eine Kick Drum bzw. Bass Drum erfordert Mikrofone, die einen hohen Schalldruck verkraften. Daher empfehlen wir den Einsatz eines dynamischen Mikrofons.

Wenn Du eine Bass Drum ohne Resonanzfell oder eine mit einem Loch im Resonanzfell nutzt, kannst Du den Klang des Anschlaggeräuschs beeinflussen – je näher das Mikrofon am Schlagfell ist, desto deutlicher erklingt der »Kick« des Klöppels im Verhältnis zum bauchigen Sound der Trommel. Experimentiere zunächst mit Abständen zwischen 10 und 20 cm.

Bei einer Platzierung in der Nähe des Schalllochs ist es wichtig ist, das Mikro nicht dicht davor, sondern DARIN zu positionieren. Du solltest es also mindestens ein paar Zentimeter weit »eintauchen«, sonst schnellt der Schalldruck bei jedem Klöppelanschlag explosionsartig hoch.

Wenn Du hingegen eine Trommel mit geschlossenem Resonanzfell nutzt, kannst Du das Kickgeräusch nur mit einem zusätzlichen Mikrofon am Schlagfell deutlicher hervorheben – dieses Mikro befestigst Du am besten mit einer Klammer am Snare-Ständer.

  • Dynamisches Mikrofon
  • Nierencharakteristik
  • Empfehlungen: Neumann TLM 102, Neumann TLM 107, Neumann BCM 705, Sennheiser e902, Sennheiser e 602-II, AKG D12 VR, AKG D112, Shure Beta 52A, Audix D6, Electrovoice RE20

 

Snare & Tom

Bei der Snare-Abnahme mit einem einzigen Mikrofon sollten sich das Snare-Fell und die Mikrofonkapsel nicht oder nur am äußersten Rand überschneiden, wenn Du senkrecht von oben draufschaust.

Versuche es zunächst mit einem vertikalen Abstand von zwei bis fünf Zentimetern zwischen Fell und Mikrofonkapsel – weiter entfernt wird der Sound offener und luftiger, näher dran wird er wärmer und mulmiger. Richte die Mikrofonmembran in Richtung Fellmitte aus, um dem Sound mehr »Körper« zu verleihen und voluminöser zu machen. Bei einer senkrechten Orientierung bekommst Du hingegen mehr vom impulsiven Anschlaggeräusch, dem »Attack«.

Achte auf eine ausreichende Trennung zum Hihat-Mikrofon, wobei Du den »toten Winkel« der Nieren- oder Supernierencharakteristik (die von der Einsprechrichtung abgewandte Seite) ausnutzen kannst. Alternativ oder zusätzlich kannst Du eine akustisch dämmende Trennscheibe zwischen beide Mikros stellen.

FĂĽr Toms gilt im GroĂźen und Ganzen das Gleiche wie fĂĽr die Snare.

  • Dynamisches Mikrofon
  • Nieren- oder Supernierencharakteristik
  • Empfehlungen: Neumann TLM 102, Neumann TLM 107, Sennheiser MD 421-II, Sennheiser MD 441-U, Neumann KM 184, Shure SM57, Shure Beta 57A, Shure Beta 56A, Shure PG56

 

Hihat

Oft wird die Hihat schon durch die Overhead- bzw. Beckenmikrofone aufgezeichnet, aber bei einer separaten Abnahme gilt es, ein paar Dinge zu beachten: Richte das Hihat-Mikrofon so aus, dass es weg vom Geschehen zeigt und mit seiner Achse gerade so den äußeren Rand des Hihat-Beckens streift, um möglichst wenig Übersprechanteile einzufangen.

Platziere die Hihat-Becken niemals auf einer Höhe mit dem Snare-Mikrofon, da es sonst Popgeräusche verursacht, die vom Luftdruck der zusammenklappenden Becken stammen.

  • Kleinmembrankondensator oder dynamisches Mikrofon
  • Nieren- oder Supernierencharakteristik
  • Empfehlungen: Neumann KM 184, Rode NT5, Shure KSM137, Neumann U 47

 

Becken & Overheads

Die als Overhead (über Kopf) aufgehhängten Mikros dienen nicht nur als typische Aufnahmemethode für Becken, sondern auch zum Einfangen des gesamten Schlagzeugklangs im Raum. Generell gilt: Je höher Du die Overhead-Mikrofone hängst, desto mehr wird von allen Instrumenten (also nicht nur von den Becken) sowie vom Raumhall und den kurzen Echos eingefangen.

Bei der Stützmikrofonierung (Mikrofone senkrecht über dem linken und dem rechten Becken) musst Du darauf achten, dass beide Mikros den gleichen Abstand zum Becken haben – oft hängt ein Becken höher als das andere und der eingefangene Sound soll ja über beide Kanäle gleichlaut und mit einheitlichem Klangcharakter vorliegen. Halte auf beiden Seiten einen einheitlichen Wert zwischen 50 und 100 cm ein.

Bei Pop-Produktionen, in denen die Snare fast immer mittig abgemischt wird, sollten beide Overhead-Mikrofone denselben Abstand zur Snare haben. Dadurch erklingt die Snare auch im Overhead-Anteil zentral.

  • Zwei identische Kondensatormikrofone bzw. dynamische Mikrofone mit Kleinmembran
  • Nierencharakteristik
  • Empfehlungen: Neumann KM 184, Neumann TLM 102, Rode NT4, Shure PG81

 

E-Gitarre

Du benötigst ein Mikrofon, das mit einem hohen maximalen Schalldruckpegel zurechtkommt – auf der sicheren Seite bist Du bei Modellen mit ca. 145 dB SPL (bei 0,5% THD mit 1 kHz), wobei dieser Wert eventuell erst durch das Zuschalten der Vordämpfung (»Pad«) erzielt wird.

Combo-Gitarrenverstärker oder Gitarrenboxen (»Cabinets«) besitzen meist bis zu vier Lautsprecher, bei der Aufnahme orientiert man sich aber nur an einem davon. Der Klang kann durch den Abstand zwischen Mikrofonmembran und Lautsprechermittelpunkt beeinflusst werden – je weiter weg von der Mitte, desto geringer der Anteil der hohen Frequenzen.

Ein weiterer Faktor ist der Abstand zwischen Mikrofon und Verstärker/Cabinet. Je weiter Du das Mikrofon vom Lautsprecher wegbewegst, desto stärker sind die Reflexionen und der Nachhall des Aufnahmeraums zu hören. Heute wird überwiegend der Klang der Nahabnahme bevorzugt, also ist es empfehlenswert, nur wenige Millimeter zwischen Mikrofon und Gitter bzw. Stoffabdeckung zu lassen und in dieser Technik Routine zu gewinnen. Zudem können Halleffekte auch noch später beim Abmischen in sehr guter, authentischer Qualität hinzugefügt werden.

  • Dynamisches oder Kondensatormikrofon
  • Nierencharakteristik
  • Empfehlungen: Neumann TLM 102, Sennheiser e906, Sennheiser e609, Sennheiser MD 421-II, Neumann KM 140, AKG 414, Shure SM57, Shure SM7B, Electrovoice RE20, Neumann U87 ai

 

Akustikgitarre

Für die Akustikgitarrenaufnahme mit deutlichem Raumklang eignet sich besonders beim Homerecording das M/S-Verfahren – nutze zwei direkt nebeneinander platzierte Mikrofone, das eine mit Kugel- und das andere mit Nieren- oder Achter-Charakteristik.

Zur Nahabnahme brauchst Du ein oder zwei Mikrofone mit Nierencharakteristik. Direkt am Schallloch ist der Sound ziemlich basslastig, experimentiere also bei Bedarf ein wenig mit Stellungen, die näher in Richtung Hals zielen, wenn Du nur ein Mikrofon verwendest. Bei der Nahabnahme mit zwei Mikros kannst Du das eine auf den hinteren unteren Korpus (warme Klanganteile) und das andere auf die Mitte des Griffbretts (höhenreiche Saitenanschläge) richten.

  • Dynamisches oder Kondensatormikrofon
  • Niere (Nahabnahme) oder Kugel/Niere + Acht (MS-Mikrofonierung mit Raumklang)
  • Empfehlungen: Neumann KM 184, Neumann TLM 49, Miktek CV3, AKG 414, AKG C451B, Rode NT1

 

Klavier

Die Methoden zur Klavieraufnahme sind ungeheuer vielfältig. Hier betrachten wir ausschließlich die für Pop, Rock und Jazz typische Methode – ohne den opulenten Raumklanganteil klassischer Musik und mit geringem Übersprechen. Es handelt sich um die AB-Variante mit zwei Mikrofonen im Abstand von etwa 20 cm parallel zu und senkrecht über den Hämmern. Du solltest stets das zweigestrichene f als Symmetrieachse, also als Mittelpunkt zwischen den beiden Mikrofonen heranziehen.

Ungeachtet dieser speziellen Aufnahmetechnik haben wir die folgenden Empfehlungen wieder für ein breiteres Spektrum an möglichen Geräten geöffnet:

  • Kondensatormikrofon(e)
  • Nieren- oder Kugelcharakteristik
  • Empfehlungen: Neumann M 147 Tube, Neumann KM 184, AKG C414, Miktek C7

 

Blechblasinstrumente

Besonders Trompeten und Posaunen entwickeln einen enormen Schalldruck, also brauchst Du Mikrofone, die das aushalten, ohne stark zu verzerren – mit dynamischen Mikrofonen bist Du auch bei Nahabnahmen meist bestens bedient.

Richte dein Mikrofon direkt auf die Stürze (den großen Schalltrichter), denn die Töne treten fast ausschließlich aus dieser einen großen Öffnung aus. Wenn der Klang zu harsch ist, kannst Du das Mikrofon leicht wegdrehen. Eine Ausnahme bildet das Waldhorn – dieses Blasinstrument sollte indirekt aufgenommen werden, die Stürze also vom Mikrofon weg zeigen, wenn es orchestertypisch klingen soll.

  • Dynamisches Mikrofon (Kondensator u.U.)
  • Nierencharakteristik
  • Empfehlungen: Shure SM57, Electro-Voice RE20, (Neumann TLM 102, Neumann U87 ai)

 

Holzblasinstrumente

Durch den im Vergleich zum Blech viel geringeren Schalldruck kannst Du fĂĽr Holzblasinstrumente ein Kondensatormikrofon verwenden, auch hier am besten mit Nierencharakteristik.

Bei Saxophonen und ähnlichen Holzblasinstrumenten strömt der Klang nicht nur aus der Stürze, sondern mindestens genauso stark aus den Grifflöchern unter den Klappen. Besonders bei Pop und Balladen sollte dein Mikrofon also beide Quellen einfangen. Stell das Mikrofon in einem Abstand von etwa einem halben Meter auf und richte es knapp am Rand der Stürze vorbei auf die Schallröhre.

  • Dynamisches oder Kondensatormikrofon
  • Nierencharakteristik
  • Empfehlungen: Neumann KM 184, Neumann TLM 102, Miktek CV3, Shure SM58 (Mundharmonika)

 

Percussion

Für Perkussionsinstrumente wie Bongos und Congas gilt das gleiche Prinzip wie bei der Abnahme von Snare & Tom: Platziere das Mikrofon mit der Kapsel ca. 5 cm über dem äußeren Rand des Fells und richte es mehr oder weniger schräg in Richtung der Fellmitte aus – je weiter Du nach innen zielst, desto bauchiger, wärmer wird der Klang. Für mehr Raumanteil bietet sich auch hier der Einsatz von Overhead-Mikrofonen an.

  • Dynamisches Mikrofon
  • Nieren- oder Supernierencharakteristik
  • Empfehlungen: Neumann TLM 102, Sennheiser MD 421-II

 


Von Felix BaarĂź