Musikproduktion als staatliches Studium

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staatliches Studium

Was unterscheidet einen staatlichen, akkreditierten Studiengang von einer Ausbildung an einem privaten Institut? Hier bekommst Du Antworten

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Staatliche Bildung

In diesem Ratgeber fokussieren wir uns im Speziellen auf staatliche Ausbildungsgänge oder – schlicht – das klassische Studium an Hochschulen im Bereich der Musikproduktion. Die Qual der Wahl plagt sicher nicht nur dich: Schulabgängern, die nach dem Abitur vor der gewaltigen Palette an Studiengängen stehen, fehlt es nicht selten an Orientierung.

Selbst, wer sich in seiner Thematik bereits sicher ist, muss sich zunächst durch den manchmal unwegsamen Dschungel der Studienangebote schlagen. Fachhochschule oder Universität? Welche Voraussetzungen muss ich erfüllen, um gegebenenfalls die Auswahlverfahren erfolgreich absolvieren zu können? Möchte ich einen rein technischen Studiengang belegen oder reizt mich auch der künstlerische Aspekt?

Um in den Sektor der Musikproduktion beruflich erfolgreich einsteigen zu können, bedarf es in heutigen Zeiten vieler Fertigkeiten, die es sich im Verlauf eines Studiums anzueignen gilt. Die Kompetenzen sind zunehmend weiter gefächert und gehen in den meisten Fällen über das Technische hinaus. In der Auswahl eines passenden Studiengangs sollte daher auf eine breite Wissensvermittlung Wert gelegt werden, um sich damit in der späteren Berufswahl möglichst viele Türen öffnen zu können. Ob Komposition, Songwriting oder das nötige organisatorische Know-how: um Musik sieghaft produzieren zu können, gilt es einiges zu beherrschen.

Grundlegendes zum klassischen Studium

Die Hochschullandschaft in Deutschland hat sich in den letzten Jahren, besonders nach der Umstellung auf das Bachelor- und Master-System, stark verändert. Der Bachelor bezeichnet das ganz normale, grundständige Studium, das Du mit einer entsprechenden Hochschulzugangsberechtigung beginnen kannst.

Einen Vorteil, den Du aller Wahrscheinlichkeit nach schon hast, wenn Du diesen Artikel liest, ist die Wahl deines Fachbereichs — Musikproduktion. Der Bachelor macht dich fit für den späteren Berufseinstieg, gilt als qualifizierender Abschluss und sogleich als der erste akademische Grad, den Du erwerben kannst. Die Studiendauer im Bachelor beträgt in der Regel drei Jahre beziehungsweise sechs bis acht Semester.

Staatliche Hoch- bzw. Fachhochschulen vs. private Institute

Kosten und Finanzierung

Was unterscheidet einen staatlichen, akkreditierten Studiengang von einer Ausbildung an einem privaten Institut? Zunächst einmal: der Preis. Man muss es so deutlich formulieren. Während sich an privat-wirtschaftlichen Ausbildungsstätten vergleichsweise stattliche Preise für die Ausbildungsgänge ergeben, bewegen sich die Kosten für ein »echtes« Studium in einem überschaubaren Rahmen.

In Deutschland gibt es kein Bundesland, in dem allgemeine Studiengebühren erhoben werden. Ein Bachelor- oder Master-Studiengang im Bereich der Musikproduktion ist in den hier erwähnten Beispielen gebühren-, aber nicht kostenfrei. Je nach Hochschule ergeben sich individuelle Semester- und Verwaltungskostenbeiträge, die stets dem Studierenden und seinem Studium dienen. Ein Beispiel:

Der Semesterbeitrag für das Wintersemester 2017/2018 an der Hochschule Darmstadt beträgt 266,- Euro und setzt sich wie folgt zusammen:

Studierendenwerk- und Studierendenschaftsbeitrag: 80,- bzw. 12,63 Euro
Fahrradverleihsystem: 2,38 Euro
Verwaltungskostenbeitrag 50,- Euro
Semesterticket: 120,99 Euro

Der größte Anteil ist hier das Semesterticket des jeweiligen Verkehrsverbunds. Eine Annehmlichkeit, der sich die allermeisten Studenten gegenüber dankbar zeigen. Wer erlaubt sich schon den Luxus eines eigenen Autos während des Studiums? Der Semesterbeitrag ist vor Beginn eines jeden Semesters, also halbjährlich, zu entrichten. Unter gewissen Umständen kann über eine Befreiung vom Semesterticketbeitrag entschieden werden.

Private Hochschulen und Institute können im Hinblick auf die Kosten nicht mithalten. Ihre Vorteile ergeben sich meist durch überschaubare Studentenzahlen, woraus sich wiederum kleinere Lerngruppen sowie individuellere Förderungen ergeben können. Soviel sei aber schon einmal verraten: eher exotischere Studiengänge, wie es die Fachrichtung Musikproduktion nun einmal ist, sind auch an staatlichen Hochschulen und Unis nicht überlaufen. Strikte Bewerbungs- und Auswahlverfahren sorgen hier von vornherein für eine selektive Platzvergabe.

Passend dazu: Sound and Music Production studieren – Interview mit Hochschulprofessor Moritz Bergfeld »

Ausbildungsförderung – ein großer Vorteil an staatlichen Unis und Hochschulen

Ein schmackhafter Anreiz, der dir bei der Wahl zwischen staatlichem und privatem Studium helfen kann, ist die Möglichkeit, während deiner akademischen Ausbildung an einer staatlichen Hochschule Ausbildungsförderung zu erhalten. Das Wort der Güte lautet hier Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG).

BAföG versteht sich als finanzielles Zubrot, das dir vom Staat unter gewissen Voraussetzungen zugestanden werden kann. Je nach »Förderungswürdigkeit« erhältst Du einen monatlichen Betrag, welcher sich hälftig als Darlehen versteht und am Ende des Studiums zurückgezahlt werden muss. Gesetzt dem Falle, dass Geld bei der Wahl des Studiums eine Rolle spielt, kann die staatliche Förderung eine starke Entscheidungshilfe sein.

Grundsätzlich gilt: schon im Vorfeld sollte eine solide, funktionierende Studienfinanzierung erdacht worden sein. Gerade Studienfächer wie Musikproduktion erfordern jede Menge Einsatz, Leidenschaft und nicht zuletzt Zeit. Doch Bildung ist (noch) kein Luxus und eine Investition in das richtige Fach macht sich früher oder später bezahlt.

Musikproduktion staatliches Studium

Bevor es im Studium richtig zur Sache geht, sollte deine finanzielle Situation geregelt sein – nur so kannst Du dich voll und ganz auf das Studium fokussieren. Foto: h_da Britta Hüning

Hier findest du Tipps zu Einsteiger-Equipment», welches du für dein Studium benötigst.

Organisation, Studentenleben

Ein Studium soll neben der reinen Wissensvermittlung auch der persönlichen Ausrichtung dienen. Wer bin ich und was möchte ich einmal aus mir machen? Es werden sich im Laufe eines Studiums existenzielle und fundamentale Fragen auftun, für die es erst einmal Zeit braucht, sie für sich zu beantworten. Sieben Semester an einer Hochschule oder Uni, im Vergleich zu teils nur 12-Monatigen Ausbildungen an privaten Instituten, räumen eine gewisse Halbwertszeit für die persönliche Prägung ein. Zeit, die sich ein späterer Arbeitgeber nicht leisten werden wird.

Interessant dazu: Jobs in der Musikbranche.»

Was muss ich mitbringen? – Zulassungsvoraussetzungen

Soll der Weg an eine Universität oder Hochschule geebnet werden, gilt es grundsätzlich, eine an der jeweiligen Einrichtung anerkannte Hochschulzugangsberechtigung zu besitzen. Anders als an privaten Einrichtungen üblich, braucht es für ein Studium an staatlichen Ausbildungsstätten mindestens das Fachabitur beziehungsweise – je nach Hochschule – eine im Rahmen von Modellversuchen zulässige Berufsausbildung oder eine bestandene Hochschulzugangsprüfung.

Während ein bestimmter Notenschnitt (Numerus Clausus) gerade im Fachbereich Musikproduktion nicht allerorts den Studiengang beschränkt, braucht es doch diverse Skills, die über das reine schulische Wissen hinausgehen. Gerade musikalisch-technische Studiengänge sind an gewisse Zulassungsbeschränkungen außerhalb des Notenschnitts geknüpft und bedürfen eines Maßes an Grundkenntnis. Um die für sich passenden Studenten aus der teils großen Menge an Bewerbern heraus filtern zu können, muss ein Interessent ein Auswahlverfahren durchlaufen.

Für gewöhnlich sind dies teils theoretische, teils praktische Tests, die zum einen vorhandenes Vorwissen abfragen, und zum anderen die generelle Motivation eines Bewerbers in Erfahrung bringen möchten. In diesen Eignungsprüfungen soll herausgefunden werden, ob ein Bewerber die nötige Reife besitzt, den Bachelor-Studiengang erfolgreich zu absolvieren.

Nicht weniger abweichend gehen private Institute vor: neben Beratungsgesprächen zu möglichen Finanzierungsmodellen, werden auch hier über Fragen zur persönlichen Motivation und eigenen Vorkenntnissen, passende Bewerber ausgewählt. Teils durchläufst Du auch hier mehrere Phasen, die vom Vorspielen eines Instruments bis zu Gesprächen mit den Institutsleitern reichen.

Checkliste

Um sich nicht selbst den künftigen Weg zu verbauen, gilt es im Vorfeld einer Bewerbung, wichtige Dinge zu beachten. Erfüllst Du die unten aufgeführten Punkte, sieht es erst einmal sehr gut aus.

  • Kannst Du dir vorstellen einmal von und mit Musik zu leben?
  • Bist Du bereit, für das bunte Campus-Leben in einer unter Umständen fremden Stadt?
  • Steht die Finanzierung für Lebensunterhalt, Wohnheim/Wohung, Semesterbeitrag etc.?
  • Hast Du Anspruch auf Ausbildungsförderung in Form von BAföG?
  • Erfüllst du die für deinen Wunschstudiengang erforderlichen Zulassungsvoraussetzungen?
  • Liegen dir alle für eine erfolgreich Bewerbung benötigten Unterlagen vor? (Zeugnisse – teils in beglaubigter Form, Motivationsschreiben, Arbeitsproben)
  • Wie lauten die Fristen zur Bewerbungsphase und Einschreibung?

Hochschulen im Bereich Musikproduktion

Hochschule Darmstadt (h_da)
Bachelor-Studiengang »Sound and Music Production« (B. A.)

In insgesamt sieben Semestern vermittelt die Hochschule Darmstadt in ihrem Studiengang »Sound and Music Production« naturwissenschaftlich-technische, akustische, künstlerische sowie musikalische Kompetenzen. Der Studiengang zeichnet sich durch hohe Praxisorientierung und berufserfahrene Lehrende aus. Das Lernumfeld ist modern, die technische Ausstattung bietet alle Voraussetzungen für ein erfolgreiches Studium.

Voraussetzungen sind (mindestens) eine Fachhochschulreife und das erfolgreiche Absolvieren einer Eignungsprüfung, welche sich aus einem Praxisteil und einem Interview zusammensetzt. Die Interview-Fragen zielen neben technischen Fragen vorwiegend auf die Motivation eines Bewerbers ab. Der Verlauf der Eignungsprüfung erstreckt sich über einen Tag. Das Vorspielen eines Instruments ist nicht erforderlich.

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Hochschule für Musik Detmold
Tonmeisterstudium »Musikübertragung/Tonmeister« (B. Mus.)

Einen angesehenen Ruf in der Branche genießt die Hochschule für Musik in Detmold. Der hier angebotene Bachelor-Studiengang verläuft über acht Semester und richtet sein Augenmerk neben der musikalisch-technischen Seite auch stark auf musiktheoretische und naturwissenschaftliche Lernbereiche. Ein ausschlaggebender Unterschied zur Hochschule Darmstadt besteht in der musikalisch-praktischen Begleitung: hier lernen Studenten ein Erst- und Zweitinstrument.

Auch hier gilt es zunächst, eine zweitätige Aufnahmeprüfung zu bestehen. Neben deinen musiktheoretischen und analytischen Fertigkeiten werden auch technische Kenntnisse verlangt. Tag zwei richtet sich dann ganz auf deine Fähigkeiten an Instrumenten: gleich zwei gilt es vorzuspielen, wobei eines immer das Klavier sein muss.

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Universität der Künste Berlin (UdK)
Bachelor-Studiengang »Tonmeister«

Wer würde nicht gerne seine Traumausbildung in der perfekten Umgebung machen und in die vielleicht kreativste Stadt Deutschlands ziehen? Klar, dass das schon viele, viele vor dir geplant hatten und sich die Auswahlverfahren der Universität der Künste in Berlin mit der Zeit äußerst streng entwickelt haben. Neben der obligatorischen allgemeinen Hochschulreife benötigst Du hier eine künstlerische sowie künstlerisch-technische Begabung. Ein nicht zu unterschätzender Punkt in den Auswahlkriterien: ein »sehr gut ausgebildetes Gehör«.

Als Student an der UdK Berlin belegst Du die gesamte Zeit über ein Hauptfach: Instrumente, Gesang oder Komposition sind bei relativ hohem Niveau zwingend. Vor deiner Bewerbung empfiehlt es sich, dich ausführlich vorzubereiten. Auf der Website der Uni heißt es dazu: »Entscheidend für die Vorbereitung ist hierbei nicht eine kurze, kompakte und intensive Beschäftigung, sondern eine über einen langen Zeitraum: quasi alltägliches Leben mit Musik.«

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Alexander Schölzel Von