Berufe in der Musikbranche: Abschlüsse, Titel & Co.

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Berufe in der Musikbranche im Überblick: Ganz gleich ob Du ins Studio, vor oder hinter die Bühne möchtest, hier findest Du alle Jobs im Musikbusiness im Überblick.

So erfährst Du in diesem Artikel, welche Berufe (mit Tontechnik) es gibt. Die Berufe reichen vom klassischen Tontechniker bis hin zum Komponisten. Dann werfen wir einen Blick auf die Studiengänge, dank denen Du die Musik als Hobby zum Beruf machen kannst.

1. Berufsbilder – Berufe in der Musikbranche

Tontechniker / Audio Engineer

Tontechniker (auch als Audio Engineer bezeichnet) gibt es hauptsächlich im Studio oder live. Aber auch in TV- und Radiosendern, in der Regel sogar mit einer Festanstellung.

In diesem Beruf gibt es immer auch die Option, sich mit einem kleinen Projektstudio oder einem Team an Studiobetreibern selbstständig zu machen. So kannst Du dir Namen für Musik- und/oder Sprachproduktionen machen. Neben kleineren Indielabels stellen nämlich selbst die großen Major-Labels nur noch in den seltensten Fällen hohe Produktionsbudgets bereit und buchen mittlerweile kleinere, spezialisierte Studios. Wenn Du dich beispielsweise mit einem eigenen Studio auf Musik im Metal-Bereich oder für Choraufnahmen spezialisierst, könnte dies genau der richtige Weg sein, um im jeweiligen Bereich Fuß zu fassen.

Als FOH- oder Monitormischer ist man hingegen fast immer freiberuflich von Projekt zu Projekt beschäftigt. Die Arbeitszeiten sind weit entfernt vom typischen 9-to-5-Bürojob, aber genau das macht den Reiz für viele Tontechniker aus.

Hier liest Du mehr über die Audio Engineer Ausbildung »

Produzent

Der Produzent hat im Tonstudio keine eindeutig definierten Aufgaben – im Vergleich zum Mixing- oder Mastering-Engineer. Trotzdem ist er in größeren Produktionen eine zentrale Figur, denn er ist in der Regel die Schnittstelle zwischen Künstlern und Technikern und muss sämtliche Anforderungen an eine Produktion (künstlerisch, technisch, wirtschaftlich) zusammenbringen. Meistens sind Produzenten selbst Tontechniker und werden von Musikern oder Plattenfirmen als eine Art “Supervisor” gebucht, der immer wieder auch als Psychologe für empfindliche Künstlerseelen herhalten muss.

Eine bekannte Produzentenpersönlichkeit der letzten Jahre ist zum Beispiel Rick Rubin, der mit seinen unkonventionellen Herangehensweisen Alt-Stars wie Johnny Cash und Metallica zu einem neuen, frischen und zeitgemäßen Sound verholfen hat. Daraus leitet sich auch eine der wichtigsten Eigenschaften ab, die ein Produzent haben muss: Den berühmten “Riecher”, um zu entscheiden, was funktioniert und was nicht.

Auch als Produzent arbeitest Du in der Regel als Selbstständiger. Eine Festanstellung als Produzent ist in den meisten Fällen auch gar nicht gewünscht. Schließlich schränkst Du damit deine Kreativität und dein Leistungsspektrum ein und musst dich an den Zielen deines Arbeitgebers orientieren.

Sound-/Audiodesigner

Die Berufsbilder Sound- und Audiodesigner finden sich überwiegend bei Produktionsfirmen im Film-, TV- und Radiobereich. Aber auch in Gaming-Entwicklerstudios oder Werbe- und Kreativ-Agenturen. Letztere spezialisieren sich immer häufiger auf das sogenannte “Audio Branding”, also die Erstellung von Sound- und Audiologos für Unternehmen – “Da-Da-Da-Di-Da”, die Telekom lässt grüßen.

Audiodesigner (und vor allem auch Game Sound Designer) benötigen eine einzigartige Mischung aus künstlerischer Kreativität und technischem Verständnis, da sie sowohl Komponist als auch Techniker sind. Im Gamedesign kommen weitere Erfordernisse hinzu, die stärker in den Bereich “Programmierung” reichen. Natürlich brauchen Videospiele auch stimmige Soundtracks, die es aufzunehmen gilt; die eigentliche Arbeit eines Game-Audio-Designers befasst sich jedoch mit dem Entwickeln einzelner Sounds sowie komplexen Interaktions- und Erzählmustern – schließlich weißt Du als Game-Audio-Designer nicht immer, was der Spieler zuhause als nächstes macht. Hier kannst Du mehr über die Sounddesigner Ausbildung » lesen.

Live-Tontechniker

Live-Tontechniker arbeiten als Mixer am FoH (Front of House) oder Monitorplatz oder auch als System Engineer (Planung, Konfiguration und Einrichtung der PA) und unterscheiden sich von ihren Studiokollegen in vielen Punkten. Stundenlang am idealen Mix sitzen – so viel Zeit wirst Du gar nicht haben. Hier herrscht so gut wie immer Zeitdruck, dem man am besten mit viel Erfahrung begegnet. Früh und klein übt sich also, um die Scheu vor dem “großen Pinsel” zu verlieren und ein Gespür für unterschiedliche Locations zu bekommen – vom Club über die Stadthalle bis zur Open-Air-Veranstaltung. Zudem solltest Du dich mit diversen Live-Mischpulten auskennen bzw. schnell in deren unterschiedliche Bedienkonzepte einarbeiten können.

Lies hier wie Du zum FoH-Techniker werden » kannst.

TIPP: Jede Stadt hat meist eine eigene Kirmes oder ein Stadtfest, an dem Bands auftreten. Informiere dich nach den Veranstaltern und bitte dort um ein Praktikum oder einen Nebenjob. Helfende Hände werden hier immer gebraucht. Und auf diesem Weg bekommst du definitiv einen Fuß in die Tür.

Komponist

Es gibt einen wunderbaren Essay des Autors und Musikers Max Goldt über die Arbeit eines Komponisten für TV-Filme und Dokumentationen. Dort ist die Rede von den immer gleichen beiden Sample-CDs, mit denen der fiktive Komponist seit Jahren seine Jobs zur vollsten Zufriedenheit seiner Kunden erledigt: “Mönchschöre” und “Extrem verhallte Wummersounds” steht auf diesen beiden CDs.

Nun – ganz so einfach ist es wohl nicht, für die unterschiedlichsten Bereiche tätig zu sein: von Filmen und Dokus über Videospiele, Jingles und Werbespots bis hin zu Theatern und Musicals. Ein Komponist muss viele Anforderungen erfüllen: neben Musiktheorie & Arrangement sowie der Fähigkeit, unter Zeitdruck kreativ zu sein, muss er auch ein Gespür für Sounds und Klänge und deren schnelle produktionstechnische Realisierung mitbringen. Immer nur die gleichen beiden Sample-CDs reichen in der Realität wohl doch nicht aus.

2. Studiengänge

Für Allrounder

Da es sich bei den hier vorgestellten Ausbildungsanbietern ausschließlich um private Institute handelt, hat jeder die freie Wahl, wie er seinen Studiengang nennt. Oftmals verbergen sich hinter den unterschiedlichen Bezeichnungen jedoch stark ähnliche bzw. dieselben Inhalte.

So umfassen beispielsweise die Studiengänge “Audio Engineering Diploma” (SAE), “Audio Engineer” (Deutsche POP), “Advanced Diploma in Music Production and Engineering” (Abbey Road Institute) und “Tontechniker FH” (SET) die grundlegenden Themen und Aspekte der Aufnahme und Weiterbearbeitung Musik und Sprache mit Schwerpunkt Studio: Akustik, Studiotechnik, Digital Audio, Recording, Mixing, MIDI, Mehrkanalton usw.

Berufe in der Musikbranche: Abschlüsse, Titel & Co.

Ein Studium steigert die Chancen auf Berufe in der Musikbranche. Dabei muss der Spaß nicht zu kurz kommen!

Spezialisten

Die meisten Institute – allen voran die Deutsche POP – bieten auch stärker spezialisierte Studiengänge mit deutlichem Fokus auf bestimmte Aspekte der Audioproduktion. So konzentriert sich der “Mastering Engineer” auf die finale Veredelung von Audiomischungen; der “Music Designer” legt den Fokus auf elektronische und digitale Produktion mithilfe von Software, Samplern, Synthesizern und Effekten.

Spezialisten besetzen die Nischen

Eine interessante Richtung schlägt auch der “Medienkomponist (FH)” an der SET School of Entertainment & Technology ein: Hier stehen neben der Produktion auch Komposition und Arrangement auf Basis von Musiktheorie & Harmonielehre auf dem Programm – eine Kombination, die auch die EMS (Electronic Music School) mit ihren beiden Hauptkursen “Producer” und “Composer” abdeckt. Zudem werden dir als “Medienkomponist (FH)” Fähigkeiten in der Cross-Media-Produktion für Film-, Game- und Werbemusik vermittelt.

Allen spezialisierten Kursen gemein ist nichtsdestotrotz die Grundlagenausbildung in der Studiotechnik – um das Basiswissen kommt man nicht herum.

Audio-Vielfalt – Die Kurse im Überblick

SAE

Diploma:

  • Audio Engineering Diploma

Bachelor (Weiterbildung nach Audio Engineering Diploma):

  • Audio Production BA/BSc (Hons)

Deutsche POP

Diploma:

  • Audio Engineer
  • Sound Engineer
  • Audio Designer
  • Audioproduzent
  • Mastering Engineer
  • Tonmeister
  • Musicdesigner

Bachelor (Weiterbildung nach Diploma Sound Engineer & Audio Engineer):

  • Music Technology Specialist (BA Hons)

Abbey Road Institute

Diploma:

  • Advanced Diploma in Music Production and Engineering

SET School

FH:

  • Tontechniker FH
  • Medienkomponist FH

Bachelor:

  • Musikproduktion (B.A.)
  • Populäre Musik (B.Mus.)

Audiocation

  • Audio Engineer Professional

EMS – Electronic Music School

  • Producer Kurs
  • Composer Kurs

Musikbranche: Berufe und deren Abschlüsse

Diploma, Bachelor, FH – was sagen diese Bezeichnungen für Abschlüsse an den einzelnen Instituten aus? Ist ein Diploma dasselbe wie ein Universitäts-Diplom? Und ist die SET School eine Fachhochschule, wenn sie Abschlüsse mit der Bezeichnung “FH” anbietet?

Berufe in der Musikbranche: Abschlüsse, Titel & Co.

Irgendwann hast Du es Schwarz auf Weiß – doch wie unterscheiden sich die Abschlüsse und Titel? Lies weiter…

Zugegeben – diese ganzen Bezeichnungen können verwirren und man würde sich wünschen, dass diesbezüglich mehr Einheitlichkeit herrschen würde. Daher bringen wir nun etwas Licht ins Dunkel:

Diploma: Diploma-Ausbildungen werden von der SAE, der Deutschen POP und dem Abbey Road Institute angeboten und sind in der Regel kürzer ausgelegt als die Bachelor-Ausbildungen. Allein anhand der Tatsache, dass Diploma-Kurse unterschiedlich lang sind, kannst Du erkennen, dass hier keine übergeordneten Vorgaben gelten. Auch aus diesem Grund haben Diploma-Studiengänge nichts mit dem bekannten Uni-Diplom zu tun.

Sämtliche hier vorgestellten Ausbildungsanbieter sind private Schulen, die ihre Inhalte auf Basis von Erfahrungen in der Medienbranche größtenteils selbst festlegen dürfen.

Bachelor: In unserer Übersicht bieten sowohl die SAE als auch die Deutsche POP und SET School die Möglichkeit zum Bachelor-Studium an. Ein Bachelor-Titel (zum Beispiel B.A. für Bachelor of Arts oder B.Mus. für Bachelor of Music) darf in Deutschland ausschließlich von einer Hochschule oder einer Berufsakademie vergeben werden.

Aus diesem Grund kooperieren private Ausbildungsanbieter mit in- und ausländischen Universitäten, die den Bachelor-Abschluss an dich vergeben dürfen. Bei der SAE ist dies die Middlesex University London, bei der Deutschen POP die University of West London, bei der SET die H:G Hochschule für Gesundheit & Sport, Technik & Kunst in Berlin.

Dies bedeutet: Bachelor-Studiengänge an privaten Instituten sind “echte” Bachelor und ermöglichen dir theoretisch das weitere Master-Studium an einer Hochschule. Theoretisch deshalb, da ausländische Bildungsabschlüsse von deutschen abweichen können und nicht zwingend gleichgestellt sein müssen. Für die Anerkennung eines ausländischen Abschlusses in Deutschland musst Du diesen daher zunächst von der Zentralstelle für ausländisches Bildungswesen (ZAB) bewerten lassen.

FH (Fachhochschule): In unserer Übersicht bietet lediglich die SET School of Entertainment and Technology FH-Kurse an, zum Beispiel den “Tontechniker (FH)”. Am (erfolgreichen) Ende dieses Kurses hast Du ein staatlich bzw. international anerkanntes Hochschulzertifikat in der Hand, das Du dir für ein späteres Studium an einer Hochschule anrechnen lassen kannst. Daher benötigst Du für ein Studium an der SET auch eine offizielle Hochschulzugangsberechtigung, sprich: Abitur oder Fachabitur.

Wie auch die Bachelor-Abschlüsse an SAE und Deutsche POP, darf auch die SET School ihre Hochschulzertifikate nicht selbstständig vergeben. Daher kooperiert sie mit der H:G Hochschule für Gesundheit & Sport, Technik & Kunst, an deren Campus in Berlin und Ismaning Du auch während der Präsenzphasen des “Tontechniker (FH)”-Kurses studierst.

Mediengestalter/in – Bild und Ton

Der Mediengestalter – Bild und Ton ist ein seit 1996 staatlich zugelassener Ausbildungsberuf mit dreijähriger Ausbildungszeit im dualen System (Ausbildungsbetrieb + Berufsschule). Der Mediengestalter wurde geschaffen, um den damals immer komplexer werdenden Anforderungen in der Bereichen Audio- und Videotechnik entgegenzukommen und eine verlässliche Qualifikation für diese sicherzustellen.

Die Ausbildungsinhalte umfassen die komplette Medien- bzw. AV-Produktion mit Schwerpunkt Ton und Video, darunter u.a. Produktionen in Tonstudios, in der Veranstaltungstechnik oder bei Rundfunk und Film.

Die typischen Ausbildungsbetriebe sind Rundfunkanstalten, Produktionsfirmen, Medien- und Werbeagenturen, Verlage, u.v.m.

Durch den Zusatz “Bild und Ton” eignet sich der Mediengestalter für diejenigen, die sich nicht ausschließlich auf Tontechnik spezialisieren möchten, sondern sich insbesondere für das crossmediale Zusammenspiel von Audio und Video interessieren.

Was bedeutet “staatlich anerkannt”

Wenn Du dich mit den privaten Anbietern wie SAE, Deutsche POP, SET & Co. auseinandersetzt, wirst Du früher oder später auf Begriffe wie “staatlich anerkannt”, “zertifiziert”, “staatlich zugelassen” usw. stoßen. Doch was bedeuten diese Bezeichnungen, was sagen sie über deinen Abschluss aus und sollten Sie dich überhaupt interessieren?

Anerkannt wird, was vom Staat inhaltlich festgelegt wurde

“Staatlich anerkannt” ist eine Ausbildung, wenn für diesen eine Ausbildungsordnung gemäß § 5 BBiG erlassen wurde, d.h. wenn der Staat die Ausbildungsinhalte festsetzt. Dies betrifft allein die in Deutschland staatlich anerkannten Ausbildungsberufe – von A wie Altenpfleger/in bis Z wie Zahntechniker/in – oder auch den Mediengestalter – Bild und Ton, der den privaten Ausbildungen am nächsten kommt. Diese Berufe werden dual ausgebildet, d.h. abwechselnd im Ausbildungsbetrieb (Praxis) und der Berufsschule (Theorie).

Bei den Bachelor-Studiengängen, wie zum Beispiel an der SAE, werden die Abschlüsse zwar über eine anerkannte ausländische Universität vergeben – ob bzw. in welchem Umfang dein spezifischer Bachelor-Abschluss letztendlich an einer deutschen Uni anerkannt wird, hängt von der Bewertung der Zentralstelle für ausländisches Bildungswesen (ZAB) ab (siehe oben).

“Staatlich zugelassen” sind Ausbildungen und Studiengänge, wenn sie staatlich begutachtet und zertifiziert wurden. Dies gilt für Fernlehrgänge und kombinierte Ausbildungen mit Fernlehranteilen, wie bei der SET oder Audiocation.

“Zertifiziert” bedeutet, dass ein Ausbildungsanbieter von der AZWV (Anerkennungs- und Zulassungsverordnung Weiterbildung) anerkannt ist. Dies ist für Dich besonders wichtig, da Du dann Bildungsgutscheine bei der Agentur für Arbeit beantragen kannst.

Fazit – Berufe in der Musikbranche

Fassen wir zusammen: Die Ausbildungen im Bereich Musik der in diesem Special vorgestellten privaten Bildungsanbieter haben nichts mit den staatlichen Ausbildungsberufen, wie dem “Mediengestalter Bild & Ton” zu tun. Vielmehr handelt es sich um Aus- und Weiterbildungen, die branchenintern bekannt sind und dir deshalb einen bestimmten Kenntnisstand garantieren. Handfester und “offizieller” wird es, wenn eine Schule zertifiziert ist. Dann kannst Du staatliche Finanzierungszuschüsse beantragen.

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