Ausbildungsinstitute in der Musikbranche:
Wer bietet was?

978
SHARES

Um es direkt klarzustellen: Die perfekte Ausbildung im Audiobereich gibt es nicht! Dafür sind sowohl die Ansprüche der Suchenden als auch die Herangehensweisen der Anbieter zu vielfältig. Zudem erstreckt sich der Bereich “Audio” über ein zu weites Feld, um eine universale Ausbildung anbieten zu können.

Ausbildungsinstitute in der Musikbranche: Wer bietet was?

Das richtige Werkzeug verwenden – viele Ausbildungsinstitute bieten opulente Mischpulte wie dieses Neve 88R

Fokus: Tonstudio

Grundsätzlich liegt der Fokus aller Ausbildungsangebote auf der Studiotechnik. Während die einen deutlich Fokus auf software-basiertes Arbeiten setzen, versuchen Andere, auch die analogen Grundlagen, auf denen letztendlich alles aufbaut, gleichwertig zu vermitteln.

Eine Empfehlung, welche Herangehensweise die bessere ist, verbietet sich – hier muss jeder für sich entscheiden, was ihm wichtig ist und in welche Richtung er sich entwickeln möchte. Unserer Erfahrung nach hilft tontechnisches Grundwissen – so irrelevant es manchmal auch wirken mag – häufig dann weiter, wenn Andere für die Lösung eines Problems bereits in den unendlichen Tiefen von Google und Youtube verzweifeln.

Die meisten Anbieter haben gleich mehrere Audio-Kurse bzw. -Studiengänge mit unterschiedlichem Umfang bzw. unterschiedlicher fachlicher Ausrichtung im Angebot. Für unsere Übersicht haben wir uns jeweils auf diejenigen Kurse konzentriert, die einer vollwertigen Ausbildung am nächsten kommen und möglichst die gleichen Themengebiete vermitteln.

Zudem wirst Du auf Anbieter stoßen, die sich rein auf Audio fokussieren, zum Beispiel das Abbey Road Institute. Andere, wie die SAE oder Deutsche POP, decken den kompletten Bereich der Medienproduktion ab – von Film über Webdesign bis hin zum Medienmanagement.

Auch wenn Du dich rein auf Audio konzentrieren willst – diese zusätzliche Cross-Kompetenz-Vermittlung kann durchaus von Vorteil sein. Schließlich wirst Du auch als Audio Engineer in Zukunft immer wieder mit Filmern, Webdesignern oder Grafikern zusammenarbeiten. Wer sich in solchen Fällen schnell in die Workflows und Erfordernisse der Kollegen reindenken kann, profitiert davon auch für die eigene Arbeit.

Wo kann ich mich ausbilden lassen?

In unserer Karte findest Du eine Übersicht der Standorte, an denen Du ein Studium oder eine Ausbildung absolvieren kannst. Vielleicht stößt Du auch auf ein Institut ganz in deiner Nähe, von dem Du noch nichts wusstest?

Ausbildungsinstitute im Überblick

SAE Institute

Das SAE Institute wurde 1976 vom Australier Tom Misner gegründet und gilt mit 54 Standorten in 26 Ländern als weltweit größtes privates Ausbildungsinstitut im Mediensektor. Neben den klassischen Bereichen Audio und Film bietet die SAE u.a. auch Ausbildungen als Game-Programmer, Webdesigner, Musik- und Eventmanager sowie für den Bereich Cross-Media-Production & Publishing an. Die Ausbildungen können in Teil- sowie in Vollzeit absolviert werden und dauern zwischen 12 und 24 Monaten.

Ausbildungsinstitute in der Musikbranche: Wer bietet was?

Das Audio Engineering Bachelor Programm deckt den ganzen Bereich der Audioanwendungen ab und befasst sich neben dem Arbeiten in Tonstudios auch mit Live-Technik, Gamesound, Sounddesign, Hörfunk und Filmton. Neben diesem Programm, das zusätzlich zu audiotechnischen Fähigkeiten auch musik-/medienwirtschaftliche Kenntnisse in den Bereichen Kreativwirtschaft, Projektmanagement, Urheberrecht vermittelt und im späteren Verlauf eine tontechnische Spezialisierung ermöglicht, gibt es auch das etwas kürzere Diploma-Studium. Hier entfällt der musikwirtschaftliche zweite Ausbildungsteil.

Mit “SAE Online” hat die SAE auch einen Online-Campus für das virtuelle Lernen im Angebot. Einen weiteren Vorteil bietet die “SAE Alumni Association” – ein Netzwerk für SAE-Studenten und Absolventen aller Fachrichtungen, das als Kommunikationsplattform für Medienkreative dient und bei der Vermittlung von Projekten und Jobs hilft.

Abbey Road Institute

Das Abbey Road Institute ist Teil der legendären Abbey Road Studios in London. Das „Advanced Diploma in Music Production and Engineering“ bietet dir praxisnahe Lerninhalte in großen Studios und in kleinen Gruppen.

Ausbildungsinstitute in der Musikbranche: Wer bietet was?

Ein Start ist zum Sommer- und Wintersemester möglich und kann am Standort Frankfurt, Berlin oder München absolviert werden. Zugang zu den Studios, die ganz nach Abbey Road Studio-Vorgaben gebaut und ausgestattet wurden, hast du während der gesamten Öffnungszeit am Standort. So ist gewährleistet, dass Du jederzeit an deinen Projekten arbeiten kannst.

Auch eine Studiosession in den Abbey Road Studios in London ist im Rahmen der Ausbildung vorgesehen. So hast Du nicht nur die Möglichkeit in einem Studio zu arbeiten, in dem schon Robbie Williams oder die Beatles standen, sondern auch die Möglichkeit wertvolle Kontakte zu knüpfen, die dir in deinem späteren Berufsleben von Vorteil sein können.

In der Ausbildung werden dir nicht nur Inhalte zur Tontechnik vermittelt, sondern auch Management Skills und Studio-Etikette. Dieser ganzheitliche Aspekt bewährt sich in der späteren Arbeit in der Branche und hilft dir als Newcomer, dich sehr schnell im Berufsleben zurechtzufinden.

Der Lehrgang zum Advanced Diploma in Music Production and Engineering dauert 12 Monate und basiert auf einem Vollzeit-Programm. In Deutschland ist das Abbey Road Institute erst 2015 ganz frisch gestartet und profitiert hier von der jahrelangen Erfahrung in anderen Ländern, wie Großbritannien und Frankreich.

SET school of entertainment and technology

Bei der 2007 gegründeten SET school of entertainment and technology steht die semi-virtuelle Wissensvermittlung, also die Kombination aus einer Online-Lernplattform und Präsenzphasen an den verschiedenen Standorten in Deutschland. Die angebotenen Kurse und Ausbildungen decken eine breite Palette der Medienbranche ab – von Audio, Video und Fotografie über Web- und Mediendesign bis hin zu Medien- und Kulturmanagement.

SET - School of Entertainment & Technology

Grundsätzlich kannst Du bei der SET zwischen sechsmonatigen Online-Kursen, 12-monatigen FH-Studiengängen sowie einem mehrjährigen Bachelor-Studium entscheiden. Das Besondere: Für FH-Studiengänge, wie zum Beispiel den hier vorgestellten “Tontechniker (FH), erhältst Du am Ende der Ausbildung ein Hochschulzertifikat, das in Kooperation mit staatlich anerkannten Hochschulen verliehen wird. Für die mehrjährigen Bachelor-Studiengänge benötigst Du selbstverständlich eine Hochschulzugangsberechtigung, also Abitur bzw. Fachabitur.

Das semi-virtuelle Konzept sieht für den Kurs “Tontechniker (FH)” fünf Präsenzphasen zu je drei Tagen vor – der Rest passiert auf der Online-Lernplattform, auf der Du Zugang zu digitalen Skripten, Online-Tutorials und die sogenannten virtuellen Klassenzimmer hast, in denen die Online-Vorlesungen mit den Dozenten und Kommilitonen über Voice Chat und Video stattfinden. In den Präsenzphasen werden unter anderem Bandaufnahmen im hauseigenen Studio sowie Mixdown- und Masteringsessions durchgeführt.

HOFA-College

Das HOFA-College ist so etwas wie die Mutter der Tontechnik-Fernkurse in Deutschland. Bereits seit 2005 bietet es staatlich zertifizierte Fernkurse im Bereich Recording, Mixing und Musikproduktion an. Die Hauptkurse “HOFA BASIX” (6 Monate) und “HOFA PRO” (12 Monate) richten sich an Anfänger bzw. Fortgeschrittene und können jeweils monatlich begonnen werden. Für unsere Übersicht haben wir uns jedoch für das “HOFA COMPLETE” Bundle entschieden, das nicht nur die beiden Hauptkurse, sondern auch die vier Kurzkurse “Mastering”, “Drum Programming”, “Vocals” und “Filmton Produktion” beinhaltet.

Ausbildungsinstitute in der Musikbranche: Wer bietet was?

Das Konzept des HOFA-College basiert auf einer Mischung aus theoretischen und praktischen Lerneinheiten, die Du auf DVD jeden Monat per Post zugeschickt bekommst.

Während der theoretische Teil die jeweiligen Grundlagen vermittelt, enthält die darauf abgestimmte Praxis-DVD Einzelspuren einer Produktion für die monatliche Mixing-Übung. Das Ergebnis wird im Anschluss von den HOFA-Engineers analysiert und bewertet.

Das Besondere: Wenn Du möchtest, kannst Du den 24-monatigen Kurs auch in deutlich weniger Zeit absolvieren und dir mehrere Übungen pro Monat zuschicken lassen.

Neben den Lerneinheiten bietet auch das HOFA-College einen Online-Campus als multimediale Lernplattform. Dort findest Du Video-Tutorials und weitere Infos rund um deinen Fernkurs. Die Fernkurse am HOFA-College beinhalten keine festgelegten Präsenzphasen; Du hast jedoch die Möglichkeit, an kostenlosen, eintägigen Studioworkshops an den HOFA-Studios in Karlsdorf (Baden-Württemberg) teilzunehmen, die sich verschiedenen Aspekten der Musikproduktion widmen (z.B. “Recording mit Ribbon-Mics” oder “Drumset-Mikrofonierung”).

Akademie Deutsche POP

Die Akademie Deutsche POP bildet seit 2005 an mittlerweile zehn Standorten in Deutschland und Österreich aus. Die Spanne an privaten Aus- und Weiterbildungen ist beachtlich und bietet die größte Auswahl aller hier vorgestellten Ausbildungsanbieter: Musik, Ton, Bild, Management, Kommunikation, Design, Tanz und Mode decken so ziemlich jeden Bereich im Medienbusiness ab, was mit Sicherheit auch dem interdisziplinären Networking zu Gute kommt.

Arbeiten in der Musikindustrie

Je nach Umfang dauert die Ausbildung zwischen zwei und fünf Semestern, also 1 und 2,5 Jahren – abhängig davon, ob Du nach dem Deutsche POP Diploma noch ein Bachelor-Studium dranhängst, das in Kooperation mit der University of West London vergeben wird.

Der Fachbereich “Ton” bietet verschiedene Ausbildungsgänge an, die zwischen zwei und fünf Semestern umfassen. Der Diploma-Studiengang “Audio Engineer”, den wir uns für diese Übersicht ausgesucht haben, liegt in etwas in der Mitte und umfasst drei Semester. Wie jede Ausbildung an der Deutschen POP, besteht auch dieser aus verschiedenen Einzelkursen. Je nachdem, ob Du zwei Einzelkurse parallel belegst bzw. aus zeitlichen Gründen belegen kannst, wird die Ausbildung in Voll- oder Teilzeit absolviert.

Pro Einzelkurs sind bei der Deutschen POP zwischen 1.598,- und 1.998,- Euro fällig – je nachdem, ob Du in monatlichen Raten, halbjährlich im Voraus oder den Gesamtbetrag der kompletten Ausbildung vorab bezahlst. Für die letzte Variante werden so knapp 4.800,- Euro für die Ausbildung zum “Audio Engineer” fällig, womit die Deutsche POP preislich im Mittelfeld der Ausbildungsanbieter liegt.

Audiocation

Die Audiocation Audio Akademie setzt komplett auf Online-basiertes Lernen und bietet drei- bis zwölfmonatige Webkurse im Audiobereich an. Das Studium über Audiocation bietet dir dabei zwei Besonderheiten: Zum einen ist der einjährige Hauptkurs “Audio Engineer Professional” (wie auch der Ableton Live-Kurs) von der staatlichen Zentralstelle für Fernunterricht anerkannt und somit entspricht damit den Anforderungen des Fernunterrichtschutzgesetzes. Beachte: Diese Anerkennung ist nicht mit einer staatlichen Anerkennung als Ausbildung zu verwechseln!

Ausbildungsinstitute in der Musikbranche: Wer bietet was?

Zum anderen bietet Audiocation spezialisierte Kurse an, die Du sonst bei keinem anderen Anbieter findest, z.B. “Real Drum Programming” oder “Vienna TC”, der sich dem Arbeiten mit den Orchester-Produkten der Vienna Symphonic Library befasst.

Der einjährige “Audio Engineer Professional”-Kurs kostet 149,- Euro pro Monat und wird mit einem Aufwand von 8 bis 10 Stunden in der Woche eingeschätzt. Sämtliches Unterrichtsmaterial wird dir von Audiocation monatlich online zur Verfügung gestellt. Deine abgeschlossenen praktischen Übungen und Mixdowns werden von den Dozenten analysiert und bewertet.

Mit dem Virtual Recording bietet Audiocation zudem ein besonderes Verfahren für das Online-Lernen: Über ein virtuelles Mischpult kannst Du zwischen unterschiedlich mikrofonierten Spuren eines Takes auswählen und so die Auswirkungen unterschiedlicher Mikrofone bzw. Mikrofonierungen virtuell nachvollziehen.

Ein Onlinekurs wie dieser, bietet sich vor allem dann an, wenn Du etwas „weg vom Schuss“ lebst und wegen einer Ausbildung erst einmal nicht in eine der größeren Städte umziehen kannst. Aber auch dann, wenn Du nur einzelne Aspekte deines Könnens vertiefen möchtest.

Private Ausbildungsinstitute im Check
[klicken zum Vergrößern oder Link in neuem Tab öffnen]

Ausbildungsinstitute in der Musikbranche: Wer bietet was?

Förderung durch Bildungsprämie und Bildungsscheck

Die Bildungsprämie und der Bildungsscheck sind staatliche bzw. länderspezifische Bildungszuschüsse, die Du für deine Weiterbildung beantragen kannst. Während die Bildungsprämie in Form eines Prämiengutscheins von einmalig bis zu 500 Euro deutschlandweit vergeben wird, ist der Bildungsscheck ausschließlich für Bewohner von bzw. Arbeitnehmer in Nordrhein-Westfalen und Brandenburg verfügbar. Auch hier erhältst Du einen Zuschuss von bis zu 500 Euro.

Wichtig: Sowohl die Bildungsprämie als auch der Bildungsscheck gelten für sozialversicherungspflichtig beschäftigte Arbeitnehmer. Für den Prämiengutschein der Bildungsprämie musst Du zudem mindestens 25 Jahre alt und mindestens 15 Stunden pro Woche erwerbstätig sein. Zudem darf dein zu versteuerndes Jahres¬einkommen 20.000 Euro nicht überschreiten.

Weitere Informationen findest Du unter:
» Was ist die Bildungsprämie?
» Bildungscheck

Staatliche Hochschulen als Ausbildungsinstitute

Neben den privaten Anbietern, kannst Du auch an einigen deutschen Hoch- bzw. Fachhochschulen ein tontechnisches Studium absolvieren. Hier handelt es sich um in Deutschland anerkannte Bachelor-Studiengänge, für die keine Studiengebühren anfallen, jedoch in allen hier vorgestellten Fällen Aufnahmeprüfungen absolviert werden müssen.

Ausbildungsinstitute in der Musikbranche: Wer bietet was?

Auch staatliche Ausbildungsinstitute haben einiges zu bieten – hier erfährst Du, was in Deutschland geht.

Hochschule für Musik Detmold

Die Hochschule für Musik in Detmold ist untrennbar mit dem Begriff bzw. der Ausbildung zum “Tonmeister” verbunden, die innerhalb der Branche einen ausgezeichneten Ruf genießt.

Das Tonmeister-Studium geht dabei wesentlich weiter als die privaten Tontechniker-Ausbildungen und beinhaltet auch musikalisch-praktische (Erst- und Zweitinstrument) sowie ausgeprägte musiktheoretische und naturwissenschaftliche Fächerbereiche.

Das Tonmeisterstudium nennt sich offiziell “Musikübertragung/Tonmeister (B.Mus.)” und ist ein Bachelorstudiengang über acht Semester. Wie auch die anderen hier vorgestellten Hochschulstudiengänge, musst Du für den Tonmeister an der Hochschule für Musik eine Aufnahmeprüfung bestehen, die sich in Detmold über zwei Tage erstreckt. Geprüft werden unter anderem musiktheoretische, analytische und technische Kenntnisse. Am zweiten Tag steht dann das praktische Vorspielen auf zwei Instrumenten an, von denen eins immer Klavier sein muss.

Nach dem Bachelor-Abschluss hast Du in Detmold die Möglichkeit auch den Master-Abschluss „M.Mus. Musikregie/ Tonmeister“ zu absolvieren. Das besondere an der Hochschule für Musik Detmold: Hier kannst Du nach deinem Tonmeisterstudium auch promovieren und einen offiziellen Doktortitel in „Musikalische Akustik“ erhalten.

Universität der Künste Berlin

Auch an der größten Kunsthochschule Europas, an der Universität der Künste (UdK) in Berlin, kannst Du den “Tonmeister” als 8-semestrigen Bachelorstudiengang studieren. Auch ein Masterabschluss wird in Berlin angeboten.

Die Anforderungen und Inhalte der UdK sind beinahe deckungsgleich mit denjenigen der Hochschule für Musik Detmold, jedoch gilt die Detmolder Ausbildung bei vielen als die noch einen Schritt anspruchsvollere. Diese Einschätzung ist jedoch bis zu einem gewissen Punkt subjektiv.

Die Universität der Künste verfügt – wie auch die anderen Hochschulen – über eine absolute tontechnische Topausstattung. In Berlin stehen zum Beispiel gleich acht Tonstudios für unterschiedliche Zwecke bereit. Vermittelt werden hier unter anderem Kenntnisse in Musikgeschichte, Formenlehre, Instrumenten-, Partitur-, Werk- und Stilkunde. Das Klavierspiel ist an der Universität der Künste ein Pflichtfach; Grundkenntnisse sind hier also absolut von Vorteil.

Unter den Absolventen der UdK befinden sich übrigens auch Max Raabe und Toshio Hosokawa.

Hochschule Darmstadt

Am Mediencampus Dieburg hat die Hochschule Darmstadt eine interessante Alternative zu den privaten Ausbildungen sowie dem Tonmeister-Studium an den staatlichen Hochschulen im Angebot: den Bachelorstudiengang “Sound and Music Production (Bachelor of Arts)”, für den insgesamt sieben Semester angesetzt sind. Inhaltlich will das Studium die komplette Spanne der tontechnischen Medienproduktion abdecken und erstreckt sich auch auf die Bereiche Film, Gaming oder Internet.

Im Studienfach Sound and Music Production gibt es jede Menge integrierte Kursangebote aus Kultur, Gesellschaft und Sprachen. Auf diesem Weg hast du die Möglichkeit deine Soft Skills während dem Studium zu verbessern.

Ähnlich wie bei den Tonmeisterstudiengängen erwarten dich auch an der Hochschule Darmstadt eine Mischung aus theoretischen und praktischen Inhalten inklusive musiktheoretischen sowie musikalisch-analytischen Fächern. Erste eigene Projekte werden bereits ab den ersten beiden Semestern gefordert. So lernst Du auch schnell das praktische Arbeiten an einer Produktion, inklusive dem Organisationsaufwand, dem richtigen Team und mit Termindruck.

Um einen Studienplatz zu ergattern musst du dich einer Aufnahmeprüfung stellen, die aus einem Interview und einem praktischem Teil besteht. Außerdem musst du die Fachhochschulreife besitzen. Um Aufgenommen zu werden, musst du allerdings kein Instrument beherrschen, wie es an anderen Schulen oft Zugangsvoraussetzung ist.

Staatliche Ausbildungsinstitute im Check
[klicken zum Vergrößern oder Link in neuem Tab öffnen]

Ausbildungsinstitute in der Musikbranche: Wer bietet was?

EMS Electronic Music School

Mit der EMS – Electronic Music School (kurz: EMS) verfügen die Standorte Köln und Berlin seit 2010 bzw. 2011 über ein Novum: ein Ausbildungsinstitut rein für Elektronische Musik. Ganz gleich ob House, Techno, Minimal, Electro, Dubstep oder Drum ‘n’ Bass – dieses Institut will die volle Bandbreite der EDM abdecken.

Berufe in der Musikbranche: Abschlüsse, Titel & Co.

In der Electronic Music School gibt es mehr als reichlich zu schrauben, so viel ist sicher. (Bild: Infinitas Animae)

Für diesen Zweck hat sich Gründer und Besitzer Jeyênne erfahrene Dozenten ins Boot geholt: nationale wie internationale DJs, Produzenten und Live-Performer, die mit den verschiedensten Stilistiken, Techniken und Produkten der Elektronischen Musik in der täglichen Praxis vertraut sind.

Im Gegensatz zu den “großen” Ausbildungsinstituten SAE & Co. bietet die EMS – Electronic Music School eine enorme Menge an 1-tägigen Workshops (und sogar Einzelcoachings) zu Teilbereichen der Musikproduktion an – von Intensivkursen zu Ableton Live, NI Maschine oder Traktor über DJ- und Mixing-Workshops bis hin zu grundlegenden Themen wie Notenlehre oder der Selbstvermarktung als Künstler.

Nichtsdestotrotz bietet auch dieses Institut Langzeit-Kurse an, die zwischen mehreren Wochen bis hin zu sechs Monaten variieren. Ob Workshops oder Langzeit-Kurse – die Teilnahme erfolgt stets vor Ort in den Räumlichkeiten der Schule in Köln oder Berlin.

Producer oder Composer?

Für Freunde einer ganzheitlichen Ausbildung bieten sich beispielsweise die jeweils sechsmonatigen Kurse “Producer” oder “Composer” an. Während “Producer” die tontechnischen Grundlagen in den Vordergrund rückt, setzt “Composer” stärker bei der kreativ-musikalischen Seite an.

Beide haben jedoch eins gemeinsam: den klaren Fokus auf die Elektronische Musik. So lernst Du zum Beispiel nicht einfach nur, was ein Sidechain ist, sondern konkret, wie sich dieser für die Produktion von typischen EDM-Effekten einsetzen lässt. Composer erfahren unter anderem, wie sie die oftmals so graue Musiktheorie zielbringend für Melodien, Harmonien und den Aufbau von Arrangements einsetzen können.

Mit erschwinglichen Kosten von 169,- Euro monatlich für die Langzeit-Kurse “Producer” und “Composer” sowie zwischen 79,- und 179,- Euro für die 1-tägigen Workshops bietet die Electronic Music School ein erfreuliches Konzept, das sich auch an Interessenten wendet, die ihr Know-how gezielt weiterentwickeln möchten.

Eine staatliche Anerkennung oder Zertifizierung gibt es für die Kurse nicht – was der individuellen Ausrichtung des Instituts entspricht.

Wie auch bei den meisten anderen Ausbildungsinstituten, profitierst Du als Schüler an der Schule von Partner-Rabatten, speziellen Angeboten und EDU-Preisen beim Equipment-Kauf – von Audio Interfaces über Monitore, Kopfhörer bis hin zu Masterkeyboards und DJ-Mixern oder Musiksoftware.

Der Gründer: Jeyênne

Der DJ, Produzent, Musiker und Live-Performer Jeyênne ist der Gründer und Besitzer der EMS – Electronic Music School. Alles fing bei ihm mit einem Atari und einem KORG Poly 800 an. Inspiriert durch die aufkeimende Technobewegung, fand er schnell die Liebe zum DJing. Es folgten Veröffentlichungen und Remixe für Bands wie Scooter und Hooligan sowie Konzerte und Tourneen mit Moby, The Prodigy, Sven Väth, Richie Hawtin, Jeff Mills und Carl Cox.

Ausbildungsinstitute in der Musikbranche: Wer bietet was?

Jeyênne (Bild: Infinitas Animae)

Die EBM Pioniere Front 242 remixten sein „Darkness“ und VIVA und MTV strahlten einige seiner Videos aus. 1998 gründete er schließlich sein Bandprojekt XPQ-21. Es folgten Tourneen durch die USA und Europa.

2010 gründet er die EMS – Electronic Music School und 2014 sein neues Label: The Organ. (Sublabels: Eave, Korgen Aamat, Monsters & Heroes), der Kreis schließt sich. Jeyênne unterrichtet in Köln und Berlin und gibt Einzelcoachings in Producing, Beatprogramming, Arrangement, Songstruktur sowie Künstlerselbstvermarktung und allgemeine Fragen zu GEMA und Label.

Abbey Road Institute

Das Abbey Road Institute ist der jüngste Ausbildungsanbieter auf dem Markt – sein Hintergrund könnte jedoch historischer kaum sein, denn das Abbey Road Institute ist tatsächlich Teil der legendären, 1931 gegründeten, Abbey Road Studios im Londoner Stadtteil Westminster. Unter dem Namen “Advanced Diploma in Music Production and Engineering” bietet das Abbey Road Institue einen 12-monatigen Vollzeitkurs mit 48 Wochen Unterricht an, der sich in drei Bereiche aufteilt: Musiktheorie & Produktion, Tontechnik & Akustik sowie Management & Musikbusiness.

Ausbildungsinstitute in der Musikbranche: Wer bietet was?

In den berüchtigten Londoner Abbey Road Studios nahmen die Beatles und etliche andere Legenden ihre Alben auf.

Progressive Continuous Learning

Für die Wissensvermittlung greift die Ausbildung am Abbey Road Institute auf eine besondere Lehrmethode zurück: Progressive Continuous Learning (PCL). Hierbei werden die einzelnen Module in kleine Themengebiete unterteilt und schrittweise sowie in logischer Reihenfolge theoretisch und praktisch vermittelt. Für jeden Studenten stehen dabei an sämtlichen Standorten vollausgestattete Apple-Workstations inklusive Audio-Interface und DSP-Processing bereit, an denen die theoretischen Inhalte in zahlreichen Praxisübungen vertieft werden.

Die einzelnen Module umfassen das komplette Spektrum der Musikproduktion und wurden in Zusammenarbeit mit den Engineers und Technikern der Abbey Road Studios entwickelt: von den akustischen und musiktheoretischen Grundlagen über analoges wie digitales Equipment, Recording, Mixing und Mastering bis hin zu geschäftlichem Know-how sowie rechtlichen Grundlagen (Copyright) rund um das Musikbusiness.

3 Standorte in Deutschland

Neben den internationalen Standorten Frankreich, Großbritannien und Australien kannst Du seit diesem Jahr auch an drei deutschen Standorten studieren: Berlin, Frankfurt und München. Die Kurse starten am 06. März 2016 in Berlin und Frankfurt; in München geht’s im Herbst 2016 los. Die Kosten für den einjährigen “Advanced Diploma in Music Production and Engineering”-Kurs bewegen sich in etwa auf dem Niveau der SAE – zählen also nicht zu den günstigsten Studienangeboten, bieten Dir jedoch eine intensive Full-Service-Ausbildung inkusive High-end-Ausstattung für das praktische Lernen. Wenn Du den vollen Betrag nicht auf einmal zahlen möchtest, kannst Du den Gesamtbetrag auch beim Abbey Road Institute in monatlichen Raten entrichten.

Internationale Ausbildung

Wie es der Name “Abbey Road” vermuten lässt, bekommst Du als Student auch die Möglichkeit, den legendären Studiokomplex in London zu besuchen und dort an einer Session teilzunehmen – eine Erfahrung, die sicherlich kein anderes Ausbildungsinstitut bieten kann. Der internationale Anspruch des Abbey Road Institutes drückt sich zudem auch in der Unterrichtsgestaltung aus. So werden einige Vorlesungen und Workshops von englischsprachigen Vortragenden gehalten. Gute Englischkenntnisse sind für die Studenten also von Vorteil, ebenso Kenntnisse in Musiktheorie.


Alexander Cevolani Von