Richtcharakteristik: Mikrofon Knowhow (mit Video)

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Richtcharakteristik Mikrofon Tutorial

Richtcharakteristik Mikrofon Tutorial

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Richtcharakteristik Mikrofone

Was sich im ersten Moment vielleicht etwas wie dröge Theorie anhört, sind einige wichtige Grundlagen, mit denen Du in der Praxis echte Fortschritte in deinem Recording erreichen kannst. Und das ohne auch nur einen Euro mehr auszugeben, sondern indem Du deine vorhandenen Mittel und Mikrofone einfach besser und gezielter einsetzt.

Insofern kannst Du in etwas mehr als fünf Minuten erfahren, wofür Niere, Kugel, Keule oder Superniere gut sind und in welcher Situation Du diese am effektivsten einsetzt. Es gibt das ein oder andere Praxisbeispiel und zusammen mit den anderen beiden Video Workshops rund um das Vocal Recording bist Du schließlich bestens gewappnet für professionelle Aufnahmen.

Ich wünsche dir viel Spaß beim Schauen!

Grundlagen der Richtcharakteristik

Die Richtcharakteristik definiert, aus welcher Richtung das Mikrofon den Schall besonders empfindlich aufnimmt. Also aus welcher Richtung aufgenommen wird. Dabei ist die Richtcharakteristik frequenzabhängig und wird in den Polardiagrammen zumeist für eine Frequenz von 1 kHz angegeben. Die Richtcharakteristik eines Mikrofons wird in einem so genannten Polardigramm dargestellt, das die Empfindlichkeit eines Mikrofons in Abhängigkeit des Einfallswinkels der Schallquelle darstellt.

Wichtig zu wissen ist auch, dass die Richtcharakteristik dreidimensional zu verstehen ist, das Mikrofon also rundherum aufnimmt. Im Video besprechen wir die wichtigsten Charakteristika, nämlich Kugel, Keule, Acht und eine Mischform: die Niere.

Da sich aufgrund der Bauform eines Mikrofons meistens keine Rückschlüsse auf dessen Richtcharakteristik ziehen lassen, empfiehlt sich ein Blick in die Bedienungsanleitung. Viele Modelle kommen auch mit einem Aufdruck, der die notwendigen Informationen bietet. Natürlich musst Du auch wissen, wie die Kapsel eingebaut ist und in welche Richtung diese schaut. Übrigens in den meisten Fällen in Richtung des Herstellerlogos.

Kugelcharakteristik

Richtcharakteristik Kugel

Die Richtcharakteristik der Kugel nennt man auch omnidirektional. Bildquelle: Wikipedia

Bei einer Kugelcharakteristik wird der Schall aus allen Richtungen gleichmäßig aufgenommen, also omnidirektional. Das bedeutet, dass Du dich nicht exakt zum Mikrofon ausrichten musst. Deswegen sind auch Ansteckmikrofone wie dieses hier als Kugel ausgelegt.

Leider ist diese Richtcharakteristik relativ rückkopplungsanfällig und daher auf lauten Bühnen ungeeignet. Auf der anderen Seite sind Mikrofone mit Kugelcharakteristik relativ unempfindlich gegenüber Popp- und Windgeräuschen.

Einsetzen kannst Du diese Modelle, wenn Du eine Gruppe von Personen gleichzeitig aufnehmen möchtest. Sie können dann rund um das Mikrofon im gleichen Abstand positioniert werden. Auch für die Aufnahmen von Atmosphären und Umgebungsgeräuschen, beispielsweise für Film und Video, ist die Kugelcharakteristik gut geeignet.

Nierencharakteristik

Richtcharakteristik Niere

Die Nieren-Richtcharakteristik eignet sich besonders, wenn man weniger Raumhall in der Aufnahme hören möchte. Bildquelle: Wikipedia

Die vielleicht am häufigsten eingesetzte Richtcharakteristik (vor allem für Vocalaufnahmen) ist die Niere. Im Gegensatz zur eben beschriebenen Kugel, nimmt die Niere bevorzugt aus der Richtung, in der das Mikrofon schaut, auf. Der Schall von hinten und von den Seiten wird zunehmend ausgeblendet bzw. abgeschwächt.

Die Mischformen der Nierencharakteristik sind: breite Niere, Superniere und Hyperniere. Hierbei bleibt die Grundform jedoch immer gleich – es ändert sich lediglich die Ausprägung.

Diese Charakteristik ist wesentlich rückkopplungsfester als die Kugel und so findet sie in vielen Mikrofonen für die Bühne Verwendung. Eine Nebenwirkung der Niere ist der so genannte Nahbesprechungseffekt: Je näher Du an das Mikrofon für das Sprechen herangehst, desto bassiger wird die Aufnahme.

Mikrofone mit Nierencharakteristik finden auf der Bühne, aber auch im Tonstudio für die Aufnahme von Vocals, Sprache und Interviews ihre Verwendung.

Keule/Superniere

Richtcharakteristik Keule

Die Richtcharakteristik Keule arbeitet direktional. Bildquelle: Wikipedia

Einen noch engeren Ausschnitt nehmen Mikrofone mit der Richtcharakteristik Keule oder Superniere auf. Das Feld, in dem aufgenommen wird, ist dabei noch schmaler, von den Seiten wird weniger aufgenommen, dafür sind diese Mikros von hinten empfindlicher als die normale Niere. Dennoch haben sie die höchste Rückkopplungsfestigkeit.

Ihren Einsatz finden Supernieren und Keulen beim Angeln von Ton auf Filmsets oder auch bei Interviews in sehr lauten Umgebungen. Einen Nachteil haben sie auch: sie sind relativ empfindlich gegenüber Popp- und Windgeräuschen, also Vorsicht.

Passend dazu: Ton angeln: So geht’s »

Acht

Richtcharakteristik Acht

Die sogenannte Acht nimmt bidirektional auf und kommt häufig in Bändchenmikrofonen vor. Bildquelle: Wikipedia

Die letzte Form der Richtcharakteristik, auf die wir hier eingehen wollen, ist die Acht. Im Englischen wird sie auch bidirectional genannt, weil Mikrofone mit dieser den Schall sowohl von vorne als auch von hinten aufnehmen, von den Seiten aber nur minimal.

Diese Richtcharakteristik ist typisch für Bändchenmikrofone und auch in vielen hochwertigen Kondensatormikrofonen vorzufinden. Für das M/S-Stereoverfahren wird ein solches Mikrofon benötigt und du kannst beispielsweise zwei sich gegenüber stehende Sänger im Studio damit aufnehmen.

Zusammenfassung zur Richtcharakteristik

Halten wir fest: Die Richtcharakteristik besagt, aus welchen Richtungen ein Mikrofon den Schall besonders empfindlich aufnimmt. Jede Richtcharakteristik hat ihre eigenen Vor- und Nachteile und wird daher für ganz unterschiedliche Zwecke und Aufnahmen eingesetzt. Die wichtigsten Formen sind Kugel, Acht und Keule sowie die Mischform Niere, die besonders gut für die Aufnahme von Vocals geeignet ist.

Dir hat der Artikel und unser Video gefallen? Du hast Feedback oder Fragen? Wir freuen uns auf deinen Kommentar und deinen Like!

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Lesermeinungen (4)

zu 'Richtcharakteristik: Mikrofon Knowhow (mit Video)'

  • Thomas   25. Dez 2013   14:28 UhrAntworten

    Sehr aufschlußreiches Video, super erklärt. Da lernt man direkt noch bissle was!! Spitze ich will mehr zu Vocal aufnehmen :D

  • Peter C.   29. Dez 2013   03:35 UhrAntworten

    Um es mit den Worten des großen Marcel-Reich Ranicki auszudrücken: "Fabelhaft- aber falsch !"
    Dieses kleine 1*1 der Richtcharakteristika ist insoweit nett erläutert, aber in einem wichtigen Punkt möchte ich mir als professioneller Tonmensch doch die drei Haare raufen, die mir noch verblieben sind.
    Dieser Punkt ist jener, das eine besondere Eigenschaft eines Mikrofons als ein "Problem" dargestellt wird !

    Es gibt keine Probleme, liebe Freunde der Tontechnik.
    Probleme tauchen höchstens nur dann auf, wenn ein Mikrofon für etwas verwendet wird, wofür es gar nicht
    konzipiert wurde und man aber gerade deswegen versucht, dadurch etwas sehr spezielles zu erbasteln und es eher schwieriger ist, damit Vorstellungen in die Tat umzusetzen.
    Oder aber- wie in den typischsten der meisten Fälle, der Mensch vor und hinter einem Mikrofon einfach keinen
    Schimmer hat, wie man mit einem Mikrofon zu arbeiten hat und welche Möglichkeiten einen eröffnet werden.

    Das Stichwort lautet :"Arbeiten !"
    Das ist das wesentliche Verständnis einer jeden Handhabung jedweden Instruments und Handels und Tun.
    Zu wissen, sein Werkzeug richtig zu benutzen um damit angestrebte Ergebnisse zu erreichen und mir aber scheint, das viele Menschen ein Mikrofon nur als ein Ding sehen, in das man halt nur hineinsingt.

    Thema Niere und Nahbesprechungseffekt. Das als "Problem" zu erklären, ist wie das Märchen vom Klapperstorch und dem Nachwuchs in stets sauberen Windeln.
    Profis arbeiten mit den Eigenschaften ihrer Instrumente um das Besondere daran heraus zu erarbeiten und dies betrifft vor allem auch das Mikrofon mit seinen Eigenschaften.
    Einen Nahbesprechungseffekt als Problem zu verkaufen- oder einem Stevie Wonder sagen zu wollen, er solle nicht zu nahe
    ans Mikrofon treten und mit dem Nahbesprechungseffekt arbeiten- also diese Person dürfte die längste Zeit einen Job als Tonmensch gehabt haben !

    Fakt ist, macht euch die Eigenschaften eurer Werkzeuge zu nutze und missversteht sie nicht als "Problem".
    Richtig dosiert eingesetzt, verleihen sie eurem Talent nicht selten gerade deswegen das gewisse Etwas.
    Zum Thema Mikrofon und vor allem Nahbesprechungseffekt kann ich jedem nur anraten, schaut euch die wahrlich großen Sänger der Musikgeschichte in Livesituationen einmal ganz genau an.
    Die wedeln nicht einfach grundlos mit dem Mikrofon in ihrer Hand herum, führen das Mikrofon und singen gekonnt hinein oder auch daran vorbei.
    Sie eliminieren unerwünschte Effekte in einem Moment, wie sie sich in anderen Passagen diese Effekte auch zu eigen machen.
    Das nennt man arbeiten mir einem Mikrofon und wenn das ein Problem darstellen soll, sollte man besser erst kein Mikrofon in die Hand nehmen !

    Das mag sehr oberlehrerhaft klingen- bin auch schon etwas älter, aber kein professioneller Sänger und Tonmensch wird dieses selbstverständliche ABC der Mikrofonarbeit als "Problem" erachten.
    Vor allem nicht den Nahbesprechungseffekt, der so wichtig für Gesang ist wie die Luft zum Atmen.

  • Robin   15. Jan 2014   13:15 UhrAntworten

    Hallo Peter, es klingt nicht nur sehr oberlehrerhaft, sondern mit dem vielem Geschreibsel hast Du auch noch kaum etwas Brauchbares und Verwertbares für eine Communitiy mitgebracht, was Ihr konkret hilft!

    Dass man an und mit seinem Instrument arbeitet, interessiert solange niemanden, solange er nicht weiss wie und einen Tipp bekommt, damit er sich verbessern kann. Das ist das so genannte gemeinte "Problem". Verstanden? Das hast Du einfach nicht richtig kapiert, kommt mir vor. Hier ist Didaktik im Spiel. Das sage ich selbst als Konzertpianist, der seit 20 Jahren eine Klavierklasse leitet. Dazu gehört schon mal die Fähigkeit, "Probleme" des Lernenden zu erkennen und verbal in Lösungen zu transformieren. Es sind nicht die Probleme der Klaviermusik, sondern des Lernenden! Sicherlich gehört dazu auch mal die Empfehlung , Madonna beim Singen ins Mikro zu beobachten. Aber ein Problem ist nun mal ein Problem und kann und muss individuell vom zu Lernenden gelöst werden! Gerade von Anfängern mithilfe erfahrener Leute, die auch didaktisch was draufhaben!

    Es ist halt genauso eine wichtige Eigenschaft, wenn man sich in einem Bereich aufhält, der etwas Pädagogisches Didaktisches mit Erklärung und Unterstützung zu tun hat.

    Nicht jeder hat scheinbar die Fähigkeit, geduldsam und ausführlich Wissen auf den Punkt zu bringen, zu vermitteln und zu erklären, immer und immer wieder.

  • Igor Bemler   13. Feb 2014   11:26 UhrAntworten

    Könnt ihr mal das Neumann Tlm 103 , Focusrite Forte & das Goldmike SPL 9844 bitte bitte bitte testen
    Es wäre auch super wenn ihr in dem Moment das Focusrite mal mit einem Rme Babyface austauscht mich würde es zu sehr Interessieren (;

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