Mikrofon-Platzierung für Voice-Recording

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Mikrofon-Platzierung für Voice-Recording

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Tipps: Voice-Recording & Mikrofon-Platzierung

Als wir den ersten Teil unseres Workshops zum Stimme aufnehmen (siehe Link in der Einleitung) veröffentlichten, erreichten uns in der Redaktion viele Anfragen nach weiteren Informationen und Hintergründen zum richtigen Ausrichten und der korrekten Mikrofon-Platzierung. Daher haben wir uns vorgenommen, in diesem etwas über fünf Minuten langen Video Workshop die wichtigsten Tipps & Tricks zusammenzufassen.

Und so kannst Du hier in diesem Video alles über den Einfluss von Abstand zum Mikro, Neigung zum Sänger und Winkel zur Mikrofonmembran erfahren. Das hier vermittelte Knowhow gilt gleichermaßen für die Stimmaufnahme von Sänger, Sprecher oder Rapper.

Skript Mikrofon-Platzierung/Voice Recording

Heute erfährst Du, wo und wie ein Mikrofon am besten vor Sänger, Sprecher oder Rapper platziert wird, um professionelle Aufnahmen zu machen.

Intro —

Hallo und herzlich willkommen bei delamar, dem Fachmagazin für Musiker. Mein Name ist Christian und heute erfährst Du die besten Tipps, um professionelle Aufnahmen von Vocals und Sprache in deinem Tonstudio zu machen. Dazu gehen wir diverse Positionen bei der Mikrofon-Platzierung sowie deren Vor- und Nachteile durch.
Doch erst beginnen wir mit den Grundlagen.

Grundlagen —

Damit sich die Stimme richtig entfalten kann, sollte der Sänger oder Rapper bei der Performance stehen. Im Sitzen drückt sich das Zwerchfell zusammen, so dass die Stimme gepresst klingen kann – das wollen wir vermeiden.
Zudem hängen wir das Mikrofon tendenziell etwas zu hoch auf, damit der Sänger aufrecht steht und sich die Stimme entfalten kann.

Wenn wir gerade beim Mikrofonstativ sind, dann sollte noch erwähnt werden, dass viele Toningenieure das Mikro kopfüber aufhängen. Bei einem Röhrenmikrofon wie dem Miktek CV4, das wir hier nutzen, kann dadurch die Wärme der Röhre nach oben entweichen und muss nicht an der Membran vorbei. Zudem werden dadurch die Reflektionen minimiert, die vom Oberkörper des Sängers zurückgeworfen werden.

Abstand —

Den meisten Einfluss auf die Aufnahme nimmt der Abstand zur Membran. Je näher du beim Singen an das Mikrofon kommst, desto näher und präsenter klingt die Stimme und desto weniger Raumanteil ist zu hören. Das ist vor allem für Hobbystudios sehr interessant, da diese keine optimierten Aufnahmeräume haben.

Bei Mikrofonen mit einer Nierenrichtcharakteristik kommt bei Annähern der Nahbesprechungseffekt zum Tragen. Je näher Du an die Membran kommst, desto bassiger wird die Stimme. Gleichzeitig wird auch die Intimität der Aufnahme erhöht. Das lässt sich wunderbar zum Andicken von eher dünnen Stimmen nutzen.

Wenn Du recht nah am Mikrofon singst, hört man die Veränderung deiner Position durch das Mitwippen der Performance. In ungewollter Form bringt das später Probleme beim Mixing durch die Veränderung der Klangfarbe, insbesondere durch die seitliche Änderung zur Achse, dazu später mehr.

Die Ebbe/Flut-Technik kannst Du nutzen, um bei lauteren Passagen den Preamp nicht zu übersteuern. Dazu entfernst Du dich bei besonders lauten Stellen im Song einfach von der Membran.

Viele Einsteiger fragen sich, was eine gute Entfernung zur Membran wohl sein könnte. In vielen Fällen hat sich bewährt, etwa eine Handbreit Abstand zum Mikrofon zu lassen.

Neigung —

Beim Sprechen und Singen arbeiten sowohl Kopf als auch Brust als Resonanzkörper für die Stimme. Hellere Frequenzen gehen aus Mund und Nase tendenziell etwas mehr nach unten weg. Das können wir uns bei der Mikrofon-Platzierung zunutze machen.

Klingt ein Sänger zu nasal oder kann etwas mehr Volumen in seiner Stimme gebrauchen, dann kannst du das Mikrofon in Richtung Brust neigen und dir das Ergebnis anhören. Umgekehrt kannst Du einem sehr basslastigen Sänger auch von etwas tiefer in Richtung Kopf und Nase aufnehmen.

Wichtig ist, verschiedene Positionen für das Mikrofon zu testen und sich die Ergebnisse danach genau anzuhören.

Achse —

Das dritte Stellrad für den Sound habe ich vorhin bereits angesprochen, hier geht es um eine seitliche Versetzung zur Achse. Durch ein Vorbeisingen an der Membran des Mikrofons können die Sibilanz und die Plosive bei der Aufnahme beeinflusst werden.

Sibilanten sind scharfe Zischlaute, die bei Konsonanten wie „S“ oder „Z“ entstehen, und zu den Plosiven gehören etwa „B“ oder „P“, die zu einer Art Ploppen bei der Aufnahme führen können. Die Luftstöße gehen tendenziell vertikal nach unten und durch ein seitliches Vorbeisingen, kann man diese ohne einen Popfilter gut in den Griff bekommen.

Zusammenfassung —

Fassen wir zusammen: Durch den Abstand zum Mikrofon kannst Du sowohl die Intimität als auch den Bassanteil beeinflussen. Über die Neigung zur Brust oder zum Kopf kannst Du die Klangfarbe und den nasalen Faktor bestimmen und durch das seitliche Vorbeisprechen kannst Du Plosive und Sibilanten in den Griff bekommen.

Indem Du die hier vorgeschlagenen Platzierungen miteinander kombinierst, kannst Du für jede Kombination von Sänger und Mikrofon einen Sweet Spot finden, der besonders gut für die jeweilige Aufnahme funktioniert. Aber das kommt auch mit einem Wehmutstropfen: Es gibt auch eine Veränderung in der Präsenz der Stimmaufnahmen.

Jegliche Veränderung in Abstand, Winkel oder Neigung zieht eine Veränderung des Frequenzganges nach sich. Das ist bedingt durch die Bauweise von Mikrofonen und gilt auch für die teuersten und besten Mics, also auch für das hier verwendete Miktek CV4.

Das war’s von meiner Seite für heute mit den Tipps zur Mikrofon-Platzierung. Weitere Videos zum Thema Mikrofone und Aufnahmen findest Du unterhalb dieses Videos verlinkt, check die am besten gleich aus.

Mein Name ist Christian und wir sehen uns gleich wieder auf delamar.

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Lesermeinungen (11)

zu 'Mikrofon-Platzierung für Voice-Recording'

  • Andy F.   25. Okt 2013   16:50 UhrAntworten

    Schön erklärt! Danke!

  • Jenny   25. Okt 2013   17:30 UhrAntworten

    gibt es eigentlich so große unterschiede bei mikrofonen um frauenstimme aufzunehmen?
    meine stimme auf meinen aufnahmen ist immer so dünn wenn ich trotzdem ganz nah ran gehe ans mikrofon.
    einmal in einem richtigen tonstudio hat da der produzent erstmal ein paar mikrofone probiert und da klang meine stimme auf dem lied dann so schön warm und voll und da war ich auch ganz nah dran am mikrofon.
    ich weiß aber nicht mehr welches mikrofon das war und bestimmt kann ich es mir auch eh nicht leisten.
    darum also meine frage ob es bestimmte nicht so teure mikrofone für frauenstimmen gibt um so eine warme nahe stimme hinzubekommen wie bei aufnahmen von madeleine peyroux oder melodie gardot?

    • Hirade   26. Okt 2013   11:28 UhrAntworten

      Hallo Jenny

      Ich hatte bei meiner Sängerin das selbe Problem. Nach verschiedenen Tests sind wir bei folgender Konfiguration gelandet:

      Neumann KMS104 plus (extra für Frauenstimmen)
      ein Tube/Röhren Preamp, welcher die Stimme auch noch wärmt und samt drauflegt. Da gibts relativ gute bereits am 100 EUR

      Mit diesem Set sind wir sehr zufrieden. Möchte noch anmerken dass wir von günstigen 100EUR Dynamischen bis hin zum U-87 mehrere Klassen und Preamps getestet haben.

      Aber schlussendlich musst Du ausprobieren da ja jede Stimme eigen ist.

  • Martin Klabund   25. Okt 2013   17:37 UhrAntworten

    Wenn Ihr nicht wisst welches Mic für was und wie.. und viel mehr.. dann schaut mal die Seite an, mir hat sie RICHTIG was gebracht. MEIN Tipp der Woche für alle Mic- und Studio Ethusiasten und die es mal werden wollen!! Das muss nämlich auch mal gesagt werden ... Deutliches Daumen hoch von mir :)

    • Matt   25. Okt 2013   19:48 UhrAntworten

      Welche Seite genau ist das?

  • Mex   26. Okt 2013   01:29 UhrAntworten

    Hallo Jenny.

    Diesen sehr intimen dichten Sound a la Billie Holiday resp. Madeleine Peyroux in dieser Qualität wird man kaum mit günstigen Mikrofonen erreichen. Das sind zumeist Miks wie das legendäre U-87, die da gerne und oft zum Einsatz kommen !

    Das sind einfach DIE Miks, die für extrem intimen Vocalsound prädestiniert sind (und Nearfields kompensieren können, aber die "Farbe und Dichte" beibehalten)... aber für den Preis, bekommt man auch schon gute Gebrauchtwagen.
    Sofern es sich bei deinen Aufnahmen nicht um die Creme de la Creme professioneller Aufnahmen handelt, wäre eine solche Anschaffung reiner Irrsinn. U-87 ist was für die Champions-League unter den Profis... und es braucht auch eine Menge an akustischer und technischer Voraussetzungen, um solche Mics sinnvoll und effektiv einzusetzen, da ansonsten nichts anderes herauskommt, als bei einem 20 Euro Mik.

    Man kann dennoch mit geschickten EQ-ing einen ähnlichen (leicht Bass-lastigen) Sound mit "günstigeren" Miks herauskitzeln, indem man Mitten und insbesondere Höhen abschwächt, oder mit großzügigen De-Esser herangeht. Man erreicht dennoch bei weitem nicht diese seidige Brillanz eines z.B. U-87 trotz emulierten Vintage-Sound durch EQ-ing.

    Anstelle von Kondensatoren solltest Du bezüglich "dünner Frauenstimme" es auch einfach mal mit dynamischen Miks probieren, die Dir ohnehin voluminösen Klangcharakter verleihen können. Bei dünnen (Frauen)stimmen über Kondensatormikrofone und Nahbesprechungseffekt kann es sein, das es trotz allem ziemlich platt und dünn klingen kann. Da können dynamische Mikrofone eine gute Alternative sein, um fehlenden Bass und Volumen in einer etwas "dünneren Frauenstimme" zu verstärken, bzw. positiv zu verfärben.

    Die Faustregel ist dabei wenn immer möglich= selbst Probieren geht über ewig lang Lamentieren !

  • Hirade   26. Okt 2013   08:51 UhrAntworten

    Im Artikel wird zu wenig auf den Pop Schutz eingegangen. Mir hat es weh getan dass der Moderator ohne solchen so nahe am Mic gesungen hat. Grund: Der Pop Schutz ist nicht nur dafür da pulsive Laute abzuschwächen, sondern auch um das Mic zu schützen. Feuchte Aussprache und warme feuchte Gesangsluft schaden der Membran enorm. Gerade wenn das Mic oft benutzt wird (Studio) ist das Ding schnell mit einem Film belegt und muss teuer gereinigt werden, wenns den hoffentlich keine rostenden Teile dran hat...

    Was auch fehlt ist das Schrägstellen des Mics um pulsive Laute abzuschwächen, auch ein guter Trick aus dem Studio.

    Sonst aber wie immer Daumen hoch für Eure Berichte ;)

  • Franz – Hermann Schmidt   26. Okt 2013   09:25 UhrAntworten

    Ja Hallo,

    Mex hat es mir vorweggenommen bezüglich dynamischer Mikrophone.

    Meine Sängerin hat eine schöne saubere klare und auch hohe Stimme.
    Wenn ich aber nicht aufpasse, wird das Ganze manchmal oben zu Hart und und nervend, weil so dünn.
    Was habe ich da schon alles probiert.

    Jetzt sind wir bei einem Bayerdynamic Microphon dynamik
    gelandet, und siehe da, es ist um Längen besser.
    Etwas dichter ran mit der Gusche, sie kann die Stimme schön formen, weil sie sich nicht mehr so anstrengen muss.
    Das Timbre kommt zum Vorschein mit warmen Akzent und leichtem Vibrato.

    Herrlich.
    Es muss kein super teures Mikrophon sein. Das ist weggeschmissenes Geld.

    In den Champions Etagen sicherlich dann noch um einiges besser.90% aller Aufgaben kann man aber bei genügend Know-How auch mit Preisgünstigen Miks qualitativ hoch bewerkstelligen

    condor

    • Mex   30. Okt 2013   19:36 UhrAntworten

      Hi Condor,

      dem kann ich bezüglich Beyerdynamic-Mics und Volumen in vielen Fällen beistimmen.
      Wenn man nicht unbedingt auf absolut "Kristall klarste Brillanz" aus ist, sondern eher nach mit Seele warmen, runden aber dennoch durchsetzungsfähigen, verständlich klaren Vocalsound (insbesondere im Jazz), der findet mit Mics von Beyerdynamic gute Lösungen.

      Ich z.B. benutze für "dünnere Stimmen (bei Frauen)" gerne das TG V50 von Beyerdynamic, weil es Druck hat, eine "dünne Stimme" zusätzlich anwärmt und trotzdem sehr klar ist (und man es bei Bedarf "von Natur aus" schon extrem laut bekommt)... und das für relativ sehr wenig Geld.

      • Martin   05. Dez 2013   23:50 Uhr

        Wer Probleme hat das richtige mic finden und immer andere instrumente oder stimmen aufnehmen will kann ich das rode nt2a empfehlen meiner erfahrung nach ein allrounder durch drei umschaltbare charakteristiken und das beste ist es hat niere kugel und acht auserdem gibt es noch ein par tutorials auf öffentlichen viedeoseiten (youtube..etc.)

  • Sascha W.   24. Apr 2014   13:18 UhrAntworten

    Hiho Carlos,

    ich hätte da eine Frage, vor allem, da ich keine Großmembraner testen kann.

    Ich besitze das MXL 2001 ist schon eine Zeit alt, aber an sich gut. Nun habe ich durch Zufall von einem Wettbewerb von Audio Technica Rohdaten gefunden. Dabei ist eine Vocalspur, die wirklich erste Sahne klingt.

    Wenn ich jetzt die Rohspur mit meiner vergleiche, sind da Welten Unterschied. Da kann ich auch nichts mehr mit dem EQ machen, da ich einfach nicht die softe Wärme und die Klarheit hinbekomme. Ich habe da schon jede Frequenz durch. Aufgenommen wurde das mit einem Audio Technica 4070SVW (Kostet ca. 779€) Das MXL damals kostete nur 289€.

    Aufgenommen habe ich die Vocals allerdings etwas totgedämmt, zwischen zwei guten Absorbern.

    Gibt es eine Hoffnung, dass ich meine Spur ungefähr so wie die mit dem Audio Mikro hinbekomme, aber im Rohzustand. Hast du da ein paar gute Tipps dafür.

    Ich werde zwar nochmals alles durchprobieren, also Standort, Winkel, mit und ohne Kompressor usw. Aber langsam gebe ich die Hoffnung auf. Es kann ja auch sein, dass mein Mirko dafür einfach zu schlecht ist.

    Trotzdem ein sehr schönes Tutorial.

    Grüßle
    Sascha

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