7 Filter Tricks, mit denen Du den kreativen Durchbruch schaffst – delamar Mixdoc #007

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Filtertricks

Feinste Filtertricks auffĂĽhren - mit einem Plugin wie dem Universal Audio Moog Multimode Filter XL kein Problem. Spannend fĂĽr alle Arten von Instrumenten und teils richtig abgefahrene Sounds ...

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delamar Mixdoc #007 – Kreatives Filtern

Diesmal geht es nicht um die Lösung typischer Probleme im Mixing-Prozess, sondern um kreatives Sounddesign. Dafür ist ein Filter wie geschaffen, zumindest wenn sich um ein relativ komplexes, mit vielen Modulationsoptionen ausgestattetes Plugin handelt.

Thom Wettstein nutzt daher den Universal Audio Moog Multimode Filter XL für dieses Video. Dieses virtuelle Filter für die DSP-beschleunigte UAD-2-Plattform mit Sequenzer und allem Pipapo lässt uns alle Freiheiten und ist sehr charakterstark. Du kannst praktisch jedes Instrument damit bearbeiten – Drums, Synthesizer, Bass, Rhodes, Gitarre und mehr. Alles zum Plugin im …

Universal Audio Moog Multimode Filter XL Test

Video Tutorial
🎬 7 Filter Tricks – delamar Mixdoc #007

Drums – Das eingekerbte Wow mit Bassboost

Unser erstes Szenario ist die kreative Filterung einer Schlagzeugaufnahme. Wir nutzen zwei Instanzen des Plugins, die ganz unterschiedliche Aufgaben ĂĽbernehmen.

Filter #1

Die erste Instanz des Plugins operiert im Modus Kerbfilter. Die Filterfrequenz (CUTOFF) steht auf 250 Hertz und wird nun mit dem integrierten HĂĽllkurvenfolger (ENVELOPE) moduliert.

Nun bewirken wir durch eine relativ niedrige Einstellung des Schwellenwerts bzw. der Empfindlichkeit (SENSITIVITY), dass die Filterung jeweils nur bei den Anschlägen der Kick und der Snare getriggert wird.

Zum Timing der Filterung: Ein leicht erhöhtes ATTACK sorgt dafür, dass nach jedem Triggern erst mit einer gewissen Verzögerung die eingestellte maximale Modulationshöhe (AMOUNT) erreicht wird – Thom nennt das den Wow-Effekt. Wir wählen den Wert so, dass die Filterimpulse sich vom Timing her hübsch in den Beat einpassen.

Filter #2

Die zweite Filterinstanz wirkt statisch, es werden also keine Parameter moduliert. Wir stellen das Filter auf den Tiefpassmodus und wählen als Basis ein CUTOFF von etwa 80 Hertz, also eine sehr starke Filterung.

Hörst Du Filter #2 mit voller Effektintensität (MIX auf 100%) ab, erklingt der typisch dunkle, warme Tiefpass-Filtersound. Es sind praktisch nur noch die bauchigen Anteile der Kick-Drum-Anschläge präsent.

Um einen Akzent, gewisse »Schmissigkeit« bei 80 Hertz zu setzen, schrauben wir die Resonanz (RESONANCE) recht weit hoch auf circa 7.

Der Clou ist jedoch, dass wir diesen dunklen Basssound lediglich dafür nutzen, um unser ursprüngliches, im Spektrum unbeschnittenes Signal kräftiger zu unterfüttern … wir regeln die Effektintensität herunter und heben die Gesamtlautstärke etwas an. So wird der Bassboost nur leicht zum Ursprungssignal hinzugemischt. Das Verfahren ist vergleichbar mit dem schlichten Boost eines Equalizer-Bands, klingt aber doch irgendwie apart durch die Moog-typische Filterkurve.

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E-Piano – Die rhythmische Wärme des Sägezahns

Um unser eintönig vor sich hin dudelndes E-Piano aufzupeppen, nutzen wir einen LFO im Bereich MODULATION. Wir beschränken uns auf LFO A.

Die LFO-Frequenz, also die Geschwindigkeit der Schwingung dieses Niederfrequenzoszillators, synchronisieren wir mit dem Tempo, in dem auch die Anschläge des E-Pianos gespielt werden – Achtelnoten.

Wir wählen die Wellenform Sägezahn, damit pünktlich bei jedem Anschlag das Filter wieder geöffnet und lediglich innerhalb des Zeitfensters bis zum nächsten Anschlag ein »abflauender« Sound entsteht.

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Lead Synthesizer – Wah Wah Wahnsinn!

Hier möchten wir einen automatisierten Wah-Wah-Effekt erzielen. Dafür setzen wie bei den Drums das ENVELOPE-Modul ein, um die Filterfrequenz dynamisch auf den Pegelverlauf des Eingangssignals reagieren zu lassen. Diesmal wählen wir jedoch den Tiefpassmodus.

Außerdem nutzen wir ein langsameres Attack. All das führt schließlich zu einem Wah-Wah-Effekt, der dem nackten, tristen Signal zu einem warmen, atmosphärisch schimmernden Sound verhilft.

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Bass Synthesizer – Das unvermeidliche Wobbeln

In unserem Exposé kreativer Filtermodulationen soll das speziell beim Dubstep populäre »Wobbeln« eines Bass-Synthies nicht fehlen.

Zunächst stellen wir den Hüllkurvenfolger auf ein schnelles ATTACK und ein moderates RELEASE. Die eigentliche Attraktion ist hier aber der Step-Sequenzer. Mit einer Synchronisierung der Steps auf 16tel-Noten können wir ausreichend schnelle, flockige Modulationen bewirken.

Wir programmieren ein musikalisch passendes Pattern für die CUTOFF-Modulation durch die Steps – hier keine Gesetze, allerdings sollte der Kontrast zwischen einigen direkt benachbarten Steps relativ groß sein. Zusätzlich modulieren wir mit einer zweiten Sequenzerspur darunter noch die Resonanz ein wenig.

Das Ganze klingt noch extrem kantig und abgehackt, aber wir wollen eine weiche Bewegung, ein organisch wirkendes Wobbeln. Das gelingt mit dem Glide-Regler!

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Rhodes – Flimmernder Stereosound, aufgekratzt

Um das Rhodes räumlicher und durch Schwebungen »flimmernder« klingen zu lassen, kreieren wir einen Chorus-Effekt. Und zwar mithilfe der LFOs, die beim Universal Audio Moog Multimode Filter XL die CUTOFF-Frequenz modulieren. LFO A wird dazu auf 1/8 und LFO B auf 1/1 (ganze Note) getaktet. Als Wellenform wählen wir jeweils Sinus, um »rund« und organisch klingende Schwingungen zu erzeugen.

Der Width-Regler auf -10 bewirkt, dass sich LFO A nur auf den linken Kanal und LFO B nur auf den rechten Kanal auswirkt. Diese scharfe Trennung, kombiniert mit den unterschiedlichen Taktungen der LFOs, verwandelt unser Monosignal in ein klar als solches zu vernehmendes Stereosignal – der linke und der rechte Kanal »führen ein Eigenleben«. Damit sich beide LFOs in gleicher Intensität auf ihre respektiven Kanäle auswirken, stellen wir BALANCE in die Mittelposition.

SPACING bewirkt nun bei Bedarf einen noch deutlicheren Stereoeffekt, da damit das Signal des rechten Kanals in Relation zum linken Kanal verzögert werden kann (Stichwort: Phasenverschiebung). Wir stellen ihn ungefähr auf +1, um den zeitlichen Versatz nicht zu weit auseinanderklaffen zu lassen.

Übrigens: Mit dem DRIVE-Regler kannst Du das Rhodes zusätzlich etwas rauer klingen lassen – seit jeher greifen Musiker gerne zu diesem Stilmittel bei E-Pianos.

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Gitarre – Wah Wah mit exakt sequenziertem Timing

Wir kehren noch einmal zum Wah Wah zurück, diesmal aber auf der Gitarre und mit einer anderen Modulationsquelle – dem Sequenzer. Anders als bei der gleichmäßigen Schwingung der LFOs sind hier rhythmisch exakt programmierbare Filterverläufe möglich.

Wir brauchen nur eine einzige Spur im Sequenzer, mit der wir das CUTOFF unseres Bandpass-Filters modulieren. Dann setzen wir die Steps so, dass sie das Ă–ffnen/SchlieĂźen des Filters genau an den Stellen bewirken, die musikalisch perfekt zu unserem Gitarrenrhythmus passen.

Normalerweise würde eine sequenzierte Cutoff-Modulation im wahrsten Sinne sehr abgestuft klingen, wie der Begriff »Step« schon nahelegt. Die Lösung: Dreh den Glide-Regler voll auf, damit die Kanten »rundgelutscht« werden – genau wie bei den kontinuierlich beweglichen Pedalen von Wah-Wah-Bodeneffektgeräten.

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Selbstoszillation – R2D2 lässt grüßen

Dreh mal die RESONANCE voll auf. Dann wird das Signal an der eingestellten CUTOFF-Frequenz so stark angehoben, dass das Filter aus eigener Kraft (auch ohne ein eingespeistes Signal) einen Ton von sich gibt. Dieses Verhalten wird als Selbstoszillation bezeichnet.

Neben dem konstanten Sinuston, der entsteht, wenn keine Modulation aktiv ist (oder manuell am CUTOFF gedreht wird), kannst Du abgefahrene Effekte erzeugen. Sie erinnern an die Geräuschkulisse alter Science-Fiction-Filme oder entfernt an das »sprechende« Piepen von R2D2 und Konsorten.

Dafür nutzt Du abermals einen der LFOs – diesmal mit der zufallsgenerierten Wellenform und bei Bedarf rhythmisch zu deinem Track passend mithilfe der Synchronisation zum Projekttempo.

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Und jetzt …

Die Kommentarbox ↓ ist hungrig – fĂĽttere sie! Zum Beispiel mit Feedback zu diesen Fragen: Kennst Du noch weitere Filter-Tricks fĂĽr kreatives Sounddesign? Bei welchem der von Thom vorgestellten und hier beschriebenen Tricks hast Du Ergänzungen, Anmerkungen oder Fragen?

Und welche Filter nutzt Du eigentlich so? Vertraust Du dabei auf Plugins? Magst Du lieber Hardware wie Pedale, große Effektgeräte (Vermona Action Filter, Sherman Filterbank etc.), Lunchbox-Module oder Filter im Eurorack-Format für modulare Synthesizer?

Wir freuen uns auf deine Rückmeldung und selbstverständlich auch über ein Like für das Video auf YouTube, ein Abo für unseren YouTube-Kanal und die Verbreitung dieses Artikels per Facebook, Twitter & Co. Herzlichen Dank!

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