De-Esser: Mit diesen 4 Techniken zähmst Du Sibilanten – delamar Mixdoc #004

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De-Esser

Ein De-Esser zum Abmildern von Sibilanten kann ein spezialisiertes Geräte/Plugin sein, doch dafür es gibt auch Techniken mithilfe anderer Werkzeuge (Kompressor, EQ & Co.) - hier im Video erfährst Du alles darüber ...

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delamar Mixdoc #004 – De-Esser: Techniken gegen ein scharfes S

In vielen Produktionen stellt sich eine Herausforderung: Die Sibilanten (Zischlaute) in Aufnahmen von Sprache und Gesang sollen nicht so scharf klingen. Am Ende soll aber auch kein Lispeln entstehen. Viele Wege führen nach Rom (in diesem Fall eher aus Essex heraus ;).

Hier stellt dir Thom Wettstein im Video vier erprobte Techniken vor, mit denen Du quasi zum staatlich anerkannten De-Esser wirst. Thom hat als Betreiber von Mondstein Records viel Erfahrung (und das nötige hochwertige Equipment), um dir alle Tricks mit geeigneten Werkzeugen und Stimmaufnahmen zu zeigen. Also denn, viel Vergnügen …

De-Esser [Video] – delamar Mixdoc #004


Grundlagen

Beim Aussprechen von Konsonanten und Sibilanten hast Du viel weniger Spielraum zwischen laut und leise, anders als bei Vokalen. Das macht sie beim Stimme aufnehmen so schwer berechenbar.

Irgendwann braucht jeder Toningenieur eine Methode zur Zähmung dieser Laute, wenn es an den Mixdown geht. Wie gut, dass wie im Folgenden gleich vier Techniken beleuchten werden, mit denen das klappt. :) Los geht’s …

Technik #1 – Zischlaute ausschneiden & separat bearbeiten

Schneide die Bereiche mit den S-Lauten aus deinen Audioclips aus und verschiebe sie auf eine separate Spur. Der Vorteil ist, dass Du die S-Laute vollständig getrennt vom restlichen Vocal-Signal bearbeiten kannst.

Und wie bearbeitest Du sie? Wie im Video von Thom angesprochen, gibt es zunächst diese Möglichkeiten:

  • Bandsperrfilter / Kerbfilter / Notch-Filter nutzen (siehe FAQ: Filter Typen)
    → Absenkung bei ~8 kHz (Frequenz variiert je nach Stimme)
  • … oder die Gesamtlautstärke der Spur senken

Hier noch eine unorthodoxe, nicht immer sinnvolle, aber künstlerisch interessante Methode: Nutze einen anderen (bzw. anders eingestellten) Halleffekt auf der Zischlaut-Spur als auf der ursprünglichen Vocal-Spur.

Technik #2 – Spezialisierten De-Esser nutzen

Ein dedizierter De-Esser – zu haben als Hardware oder Plugin – ist ein Gerät, das speziell zur Abschwächung von Zischlauten in einem Signal konzipiert wurde.

Technisch gesehen handelt es sich dabei meist um einen (Multiband-)Kompressor (siehe auch Technik #3), der nur in einem bestimmten Frequenzbereich arbeitet – eben da, wo sich die Zischlaute abspielen (wie oben erwähnt: grob gesagt bei ~8 kHz).

Aber das nur am Rande, denn im Vergleich zu den anderen Techniken funktioniert der De-Esser schnell und schmerzlos, ohne dass Du die Hintergrunde kennen musst. Allerdings birgt er immer wieder die Gefahr, dass es zu Lispeln und/oder insgesamt zu einem etwas dumpferen Sound kommt.

Technik #3 – Multiband-Kompressor nutzen

Wenn Du keinen spezialisierten De-Esser hast bzw. erst einen solchen anschaffen willst, könntest Du auch einen Multiband-Kompressor verwenden.

Erneut muss zunächst die Frequenz gefunden werden, in denen deine konkrete Stimmaufnahme am stärksten zischt. Das Frequenzband muss dann sehr eng gefasst werden, die Grenzen zu den benachbarten Bändern müssen also knapp unter bzw. über der gefundenen »Zischfrequenz« liegen.

Technik #4 – Sidechain-Kompressor & Co. nutzen

Hier brauchst Du …

  • einen Sidechain-Kompressor
  • einen relativ flexiblen Equalizer (u.a. mit steilem Bandpassfilter)
  • ein Gate

Achtung, meist werden entsprechende Kompressoren nicht als »Sidechain-Kompressor« bezeichnet. Vielmehr sind es Kompressoren, die einen separaten Eingang für ein Steuersignal haben, ohne dass das im Namen bzw. der Produktbezeichnung explizit genannt wird.

Dupliziere zunächst deine Vocal-Spur. Auf der neuentstandenen Spur B musst Du mit dem Equalizer den Frequenzbereich isolieren, in dem sich das Zischen abspielt, prinzipiell wie beim Multiband-Kompressor oben. Als nächstes folgt im Signalfluss ein Gate, um die S-Laute nicht nur im Frequenzbereich, sondern auch in ihrer Dynamik (stärker) zu isolieren. Abschließend wird dieses Signal noch komprimiert, damit alle S-Laute in etwa gleichlaut sind.

Das so skulpturierte Signal von Spur B wird nun schließlich in den Sidechain-Eingang eines Kompressors auf Spur A (deiner ursprünglichen Vocal-Spur) gespeist. Dieses Steuersignal führt dazu, dass der Sidechain-Kompressor wirklich nur an den Stellen arbeitet, wo die Zischlaute auftreten.

Und jetzt …

Wie findest Du das Videoformat? Für welchen Weg würdest Du dich entscheiden – einfach einen spezialisierten De-Esser nutzen oder mehr Aufwand für (potentiell) bessere Resultate betreiben? Welche zusätzlichen Tricks oder Anmerkungen zu den hier vorgestellten Techniken hast Du noch so auf Lager?

Mehr zum Thema: „SSS“- und Zischlaute entfernen – De-Essing von Vocals »

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Lesermeinungen (1)

zu 'De-Esser: Mit diesen 4 Techniken zähmst Du Sibilanten – delamar Mixdoc #004'

  • Alan   28. Feb 2017   23:25 UhrAntworten

    Das Timbre Thom Wettstein`s erinnert zumindest mich doch sehr stark an die des großen Josef Meinrad, genauer dessen Stimme aus dem Off zur Zeichentrickserie "Es war einmal der Mensch" aus den 1980er Jahren.
    Verblüffend.

    Zum Tutorial:
    Die obligatorischen Schritte des De-Essing sind zwar beispielhaft kurz und knapp erklärt, aber in sich schlüssig.
    Auch ich verwende keine De-Esser mehr (SPL), da die Ergebnisse stellenweise zum erwähnten Lispeln führten und auch meiner Meinung nach der gesamte Sound einer Aufnahme durch einen De-Esser geschickt, einen nasalen Klangcharakter anzunehmen schien.
    Man verbrachte wiederum viel Zeit und Aufwand mit Justieren am Equalizer, Kompressor, Limiter, Lautstärkekurve und Kopieren von Spuren etc., um den durch den De-Esser ungewollt modifizierten Sound wiederum ausgleichend entgegenzuwirken.
    Letztlich kam ich zur Erkenntnis, das es A), viel komfortabler zielgenauer und B), insgesamt weniger Aufwand kostete, die "S" und "Zischlaute" separat durch das Leveln ihrer Lautstärke zu bearbeiten und ggf. noch zu komprimieren, wie hier im Tutorial als Technik#1 beschrieben.
    Der positivste Effekt ist hierbei für mich, das die durch den EQ im Sound hart erarbeiteten und gelevelten Vocals, nicht mehr ihren Klangcharakter im Mix verlieren.

    Auch ich wende die George Michael-Technik in vielen Gesangspuren an, da der gute George (kann immer noch nicht so richtig glauben, das er von uns gegangen ist.R.I.P) einfach ein Meister im Umgang mit Reverb und Delays gewesen war und mir das immer in und durch viele seiner Songs als Lernmaterial diente.
    In einigen seiner Stücke ab "Older" hatte er es aber auch phasenweise genau umgekehrt gemacht, Zischlaute weitesgehend unangetastet im trockenen zu lassen, um den deutlich wahrnehmbaren Hallfahnen nicht auch noch Zischfahnen beizumengen.

    Reverb galt Mitte der 90er Jahre ja plötzlich als verpönt und wich mehr den völlig staubtrockenen Räumen neigenden Produktion, mit Ausnahme der Songs von George Michael und Hall auf seiner Stimme nun auch sein Markenzeichen war.
    Außer den Songs "Faith" und "It Doesn`t Really Matter" fällt mir gerade kein Stück von ihm ein, wo kein kleines oder großes Reverb oder Delay auf seiner Stimme wäre.

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