Ton angeln – Tonaufnahme am Set, Teil II

Die Aufgabe des Anglers – Ton angeln, How-To

Du findest sie am Set, in Making-Ofs und bei Umfragen auf der Straße. Der Angler (»Boom Operator«) hat eine wichtige Funktion im Film und Fernsehen, er soll gewissermaßen den Ton angeln und so einen feinen Sound aus dem großen Rauschen des Meeres fischen. ;) Er stellt die Aufnahme des Originaltons (O-Ton) sicher und muss das Mikrofon bestmöglich auf den Mund des Protagonisten richten. Dies ist nicht immer ganz einfach – der Kameraausschnitt und Störgeräusche sind die größten Feinde des Anglers. Er muss sich nach dem Regisseur und dem Kameramann richten und teils über längere Zeiträume unbequeme Positionen einnehmen. Dazu muss er genügend Kraft und Ausdauer mitbringen, um die bis zu 6 Meter lange Angel halten zu können.

Tonaufnahme am Set

In diesem Teil der Reihe Tonaufnahme am Set geht es um das Ton angeln

Bei Störgeräuschen macht sich die Toncrew am Set oft unbeliebt. Stell dir Folgendes vor: Die Schauspieler sind bereit, ein schöner Kameraausschnitt ist gewählt, das Set ist super ausgeleuchtet, alle sind hochkonzentriert und dann kommt der Angler und sagt, dass es so nicht geht, weil der Straßenlärm im Hintergrund zu laut und die Protagonisten kaum zu verstehen sind. Jetzt muss entweder ein Kompromiss her oder gar das Set umgebaut werden, schließlich funktioniert ein Film ohne guten Ton nicht. Somit muss der Angler auch genügend Selbstbewusstsein mitbringen und es allen mitteilen, wenn die Aufnahme nicht möglich ist.

Der Angler hat eine Tasche um, in der ein analoger Mischer liegt; dieses Gerät werde ich in einer der den nächsten Folgen noch genauer vorstellen. Der Mischer besitzt einen Kopfhöreranschluss, über den der Angler den Ton abhören kann.

Ton angeln

Je nachdem, wie die Stimme des Protagonisten klingen soll, musst Du auch die Angel ausrichten. In Richtung Brust bekommt die Stimme mehr Bassanteil, während sie nasaler klingt, wenn die Angel eher auf das Gesicht gerichtet wird.

Eine weitere Aufgabe des Anglers ist das Signal mit dem Analogmischer einzupegeln. Der Pegel sollte um die 0 dB liegen.

Kommunikation ist das A und O beim Ton angeln

Der wichtigste Punkt am Set ist die Absprache zwischen Kamerafrau/-mann und dem Angler. Die Person an der Kamera muss dem Angler sagen, ob die Angel im Bild zu sehen ist oder nicht. Auch sollten beide Beteiligten stets Blickkontakt halten. Eine gute Kommunikation erleichtert die Arbeit enorm.

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Lesermeinungen (4)

zu 'Ton angeln – Tonaufnahme am Set, Teil II'

  • André Bauscher
    26. Feb 2013 | 18:48 Uhr Antworten

    Ziemlich tückisch kann auch der Schatten der Tonangel sein. Meist sieht man ihn nicht auf den ersten Blick aber gerade, wenn die Angel dann zu unruhig gehalten wird, kann man den bewegten Schatten sehr deutlich wahrnehmen. Dies kann in einer eigentlich festen, szenischen Lichtsituation störend auffallen.

    Bei Variante C ist natürlich noch hinzuzufügen das Griffgeräusche an der Angel sich im Ton bemerkbar machen können, wenn sie auf dem Aluminium bzw. Carbon der ausgefahrenen Angel ihren Ursprung haben. Die Hände auf dem gepolsterten Griff zu platzieren ist also wichtig um Störgeräusche zu vermeiden.

    Insgesamt ein schöner Artikel und das Shooting der Fotos hat Spaß gemacht.

    Viele Grüße
    André

  • Bony
    26. Feb 2013 | 19:15 Uhr Antworten

    Danke für Bemerkung! Ist natürlich richtig dies zu ergänzen.

    Viele Grüße
    Bony

  • Hans
    27. Feb 2013 | 03:09 Uhr Antworten

    …. wobei Andrés Bemerkung durchaus erweiterbar ist – je nach den Bedingungen am Set hat ein Ton-Angler auch gerne mal mit gemeinen Spiegelungen zu tun, wobei sich mitunter nicht nur die Angel sondern auch der Angler selbst aus dem Bild schaffen muss. Schwarze Kleidung kann da schon hilfreich sein, und es kann auch gerne mal ein aus Molton zusammen genähter schwarzer Kapuzen-Poncho sein. Das wichtigste dabei ist, der Kamera möglichst schnell eine Lösung anzubieten.

  • Fabo
    28. Feb 2013 | 13:53 Uhr Antworten

    Schöner Artikel, noch ein paar Anmerkungen:
    Nicht alle Angeln haben einen gepolsterten Griff. Quikpole Angeln z. B., dann können gepolsterte Fahrradhandschuhe helfen. Auch bei der Schuhauswahl sollte das Augenmerk auf wenig Geräuschentwicklung beim Laufen gelegt werden, da es auch nicht immer möglich ist von einer Position zu angeln. Notfalls sollte man auch immer genug Cityclean-Matten dabei haben, um Laufwege zu dämpfen, auch die der Kamera oder des Grippers der vielleicht den Dolly zieht. Den Vorschlag des Molton-Ponchos finde ich nicht so gut, weil man unter dem Zeug echt heftig schwitzen würde. Ein guter Angler ist eh schwarz gekleidet und hat auch immer eine schwarze kapuzenjacke dabei.
    Man sollte sich auch immer mit der Licht-Crew gutstellen, sonst würd man später eventuell Probleme bekommen, wenn es darum geht z.B. ein störendes Vorschaltgerät auszulagern, einen pfeinenden Brenner auszutauschen oder einfach nur eine Fahne aufzustellen um Schatten oder Spiegelungen zu vermeiden.
    Leider lernt man Ton aber nicht durch lesen lernen, sondern muss raus und es ausprobieren…und am Besten am Anfang alles falsch machen :)

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