Songwriting Teil 2: Gestaltungsmittel I

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Songwriting Teil 2: Gestaltungsmittel I

Die musikalischen Elemente füllen einen Werkzeugkasten, aus dem Du dich als Songwriter bedienen kannst. Die Voraussetzung dafür ist, dass Du deine Werkzeuge und ihre Einsatzmöglichkeiten kennst. Wer schon einmal versucht hat, eine Konservendose mit einem Vorschlaghammer zu öffnen, weiß, was ich meine. Im Folgenden möchte ich einen Großteil dieser Gestaltungselemente darstellen und Anregungen geben, wie Du sie in deinen Songs gewinnbringend einsetzen kannst. Wir beginnen mit den Aspekten auf der zeitlichen Ebene.

Songwriting - Die musikalischen Elemente

 

Zeitliche Ebene

 

Tempo

Die Wahl des richtigen Tempos ist essentiell für die Wirkung deines Songs. Spiele deinen Song/deine Idee einmal absichtlich in unterschiedlichen Tempi, um herauszufinden, welches Tempo ideal ist. Je langsamer das Tempo gewählt wird, desto mehr Zeit – und damit Gewicht – fällt auf die einzelnen Noten. So kannst Du sehr bedeutungsvolle Texte unterstreichen. Die an den Text gekoppelte Melodie erhält damit ebenfalls Gewicht. Je schneller das Tempo ist, desto mehr gewinnt dagegen der rhythmische Aspekt an Bedeutung: Text und Melodie treten zugunsten der Aufforderung zur Bewegung bzw. des Grooves (z.B. in Dance-Musik) zurück.

 

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Taktart

Die meiste Pop-, Rock- und Dance-Musik steht im 4/4-Takt. Manchmal ist auch der 6/8-Takt und ¾-Takt anzutreffen. Für das Songwriting ist es wichtig zu wissen, dass jede Taktart nicht nur Noten zu Grüppchen (Takt-»Kästchen«) zusammenfasst, um diese leichter lesbar zu machen. Üblicherweise bedeutet Taktart auch, dass ein bestimmtes Betonungsschema (Metrum) unterlegt ist. So sind z.B. beim 4/4-Takt nicht alle 4 Schläge eines Taktes gleich »wichtig«, sondern gliedern sich wie folgt: 1 – 2 – 3 – 4. Die 1 und die 3 gelten als »schwere« Zählzeiten (»Downbeat«), die auf die eine oder andere Art hervorgehoben werden. Die 2 und die 4 sind »leichte« Zählzeiten (»Backbeats«). Bereits durch diese Abfolge von schwer und leicht (siehe Kontrast aus Teil 1) entsteht eine Art Grund-Groove, der meist schon durch die Wahl der Taktart impliziert ist.

 

Notenwerte

Alles ist relativ, wie Einstein schon sagte. So auch die Notenwerte. Deren tatsächliche Dauer ist immer abhängig von Tempo, Zählwert und Artikulation. Generell kann man aber sagen, dass das, was für das Tempo galt, sich in den Notenwerten fortsetzt: Größere Notenwerte bedeuten Ruhepunkte, bedeuten »Gewicht«, während kleinere Notenwerte Bewegung bedeuten. Das Abwechseln von Bewegung und Ruhepunkten (schon wieder Kontrast!) gibt deiner Musik eine sinnvolle Struktur: Bewegung (kleine NW) → Ruhepunkt (große NW) → Bewegung → Ruhepunkt etc.

 

Rhythmus

Rhythmus entsteht aus dem Zusammenwirken von Notenwerten und dem Betonungsschema der Taktart.

Songwriting - Metrum-Takt-Rhythmus

Metrum, Takt und Rhythmus | Quelle: Wikipedia

 

Betonungen

Beim Wort Betonung denkt man zuerst an das Hervorheben eines einzelnen Tons durch höhere Lautstärke (dynamischer Akzent). Betonungen können aber auch durch andere Elemente erreicht werden – nämlich immer dann, wenn ein Element aus dem üblichen Rahmen herausragt.

Beim melodischen Akzent ragt eine Note tonhöhenmäßig aus der Menge der anderen heraus und wird so auffällig. Ein Beispiel, das Du vielleicht noch aus dem Kindergarten kennst:

Songwriting - Melodischer Akzent

 

Beim rhythmischen Akzent fällt ein rhythmisches Element aus dem Rahmen:

Songwriting - Rhythmischer Akzent

 

Die Synkope überspielt die Betonungsordnung des Metrums und geht auf diese Weise rhythmisch gegen den Strich:

Songwriting - Akzent Synkope

 

Beim harmonischen Akzent ist eine Harmonie auffallend anders als die anderen:

Songwriting - Harmonischer Akzent

 

Ein artikulatorischer Akzent ist z.B. eine Portato-Note in einem Umfeld von lauter Staccato-Noten:

Songwriting - Artikulatorischer Akzent

 

Mit all diesen Mitteln (natürlich auch mit Kombinationen) kannst Du einzelne Stellen in deinem Song besonders hervorheben, z.B. besonders wichtige Worte in deinem Songtext.

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Lesermeinungen (5)

zu 'Songwriting Teil 2: Gestaltungsmittel I'

  • nevian   13. Apr 2012   12:14 UhrAntworten

    Melodietipp von mir:

    betonte Töne, z.B. auf der 1, der 3 oder auf der entsprechenden Synkope auf AKKORDFREMDE Töne legen und dann erst auf einem Akkordton auflösen

    ;)

    • Thomas „thommytulpe“ Nimmesgern   16. Apr 2012   14:48 UhrAntworten

      Hallo!
      Meinst Du sowas wie de.wikipedia.org/wiki/Vorhalt_%28Musik%29 oder wie lehrklaenge.de/PHP/Harmonielehre2/Vorhalte.php ?

  • Christian Gehring   13. Apr 2012   12:27 UhrAntworten

    Sehr interessant ! Ich habe nachdem ich die Leseprobe bei Amazon überflogen habe, das Buch für knapp 18 Euro bestellt. Ich hoffe es kommt morgen.

    Toll ! Weiter so .

    Gruß
    Christian

  • Wirgefuehl   16. Apr 2012   09:28 UhrAntworten

    Toller Artikel! Danke dafür!

  • nevian   19. Apr 2012   11:09 UhrAntworten

    @Thommy:

    Ja genau! Nur generell braucht man sich nicht nur auf Sekunden beschränken, wobei die Sekunde abwärts sicherlich am gebräuchlichsten ist.
    Bei Synkopen finde ich das besonders effektiv.

    Gibt glaub ich sogar Studien, die nachweisen, dass die Verwendung von Vorhalten als "Erkennungskriterium" für Hits in der Popmusik gelten kann (wohl so ähnlich wie "die" 4 Akkorde, nur nicht so abgelutscht ^^)

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