Mixing: Parallel Compression

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Parallel Compression – Wann und warum?

Beim Komprimieren von Audiospuren ist es je nach Material manchmal nicht gerade einfach den richtigen Kompressionsgrad zu finden. Komprimiert man zu wenig, springen einem einzelne Töne oder Passagen förmlich entgegen. Verwendet man hingegen zu viel Kompression, klingt die Spur überkomprimiert, undynamisch und langweilig.

Bei perkussivem Material – wie zum Beispiel Schlagzeugspuren – kommt noch hinzu, dass man die Wirkung der Komprimierung auf die Transienten (sagen wir mal Attack oder Anschlag) sehr deutlich hören kann. Die Veränderungen an den Transienten kann dazu führen, dass der Punch der Spuren / Instrumente völlig verloren geht.

Und genau hier greift die parallele Kompression ein: man kann einen hohen Kompressionsgrad erreichen ohne dabei alle Transienten und alle Dynamik zu verlieren und bekommt auf diesem Weg einen transparenten Mix.

 

Wie funktioniert “Parallel Compression”?

Die verwendete Technik ist relativ einfach und schnell zu verstehen. Wir nehmen eine beliebige Audiospur (für das Beispiel einfach die Subgruppe Drums) und duplizieren diese in unserem Sequencer.

Die Originalspur nennen wir “Drums O” und die zweite Spur nennen wir “Drums P“. Das P steht hier für Parallel, denn dies ist die Spur, auf die wir den parallelen Kompressor (manchen auch bekannt als Side-Kompressor) anwenden werden. Die Originalspur lassen wir soweit unangetastet.

Auf Drums P legen wir also nun einen Kompressor unserer Wahl. Zu beachten gilt hierbei – gleich ob wir im analogen oder digitalen Bereich arbeiten – etwaige Laufunterschiede der Audiospuren müssen ausgeglichen werden.

Beide Spuren müssen synchron laufen. Bei den meisten Sequencern muss hier in der Regel nichts gemacht werden, da diese mit internem Latenzausgleich arbeiten. Im analogen Bereich wird man es wahrscheinlich nie zu 100% hinbekommen, da muss man mit einigen Phasenauslöschungen leben.

Der einfachste Weg, um die richtige Einstellung für die Verzögerung herauszufinden ist, die Phase einer der beiden Spuren zu drehen und die Einstellung langsam zu ändern bis beide Audiospuren sich komplett auslöschen. Anschließend dreht man die Phase wiederum, damit beide Spuren zu hören sind und zieht Drums P im Volumen herunter.

Und damit kommen wir wieder zurück zum parallelen Kompressor auf unserer Audiospur Drums P.

 

Einstellungen am Kompressor

Als Treshold-Wert nehmen wir eine relativ hohen Wert. Alles von 40-60dB dürfte unseren Ansprüchen genügen. Die Ratio können wir zu Anfang auf 2:1 oder 4:1 stellen, wer mehr Crunch will kann sich gerne auch mal mit 10:1 versuchen.

Der Attack wird so schnell wie möglich eingestellt. Auf die Transienten brauchen wir bei dieser Spur keine Rücksicht nehmen. Den Release stellen wir auf einen relativ hohen Wert zwischen 500ms und 800ms ein.

Die komprimierte Audiospur sollte solo angehört ziemlich schräg und crunchy klingen. Wir ziehen sie an dieser Stelle im Volumen ganz zurück und hören uns die Originalspur im Mix an. Dann geben wir die parallel komprimierte Spur langsam dazu und beobachten, wie sich der Klang unserer Drums ändert.

Die Drums werden etwas kontrollierter und komprimierter klingen, werden aber ihre Dynamik nicht vollends verlieren und der Punch bleibt uns erhalten.

Je nach Kompressor und Einstellung kann man die parallele Kompression auch dazu nutzen, den Audiospuren mehr Breite zu geben. Im Fall unserer Drums können wir feststellen, dass sie mehr sustain bekommen.

An dieser Stelle solltet ihr mit dieser Technik etwas herumspielen und verschiedene Kompressoren und Klangquellen antesten. Besonders gut eignet sich meiner Meinung nach der UAD-Kompressor 1176LN, denn er fängt an bei großem Kompressionsgrad leicht zu verzerren.

In den folgenden Tagen werde ich einige Audiobeispiele posten. Also stay tuned!

In diesem Artikel:
      

Lesermeinungen (16)

zu 'Mixing: Parallel Compression'

  • Uli   08. Jan 2009   10:51 UhrAntworten

    Hallo,
    danke erstmal für die Mühe, diese doch sehr umfangreiche Materie verständlich darzustellen!
    Verstehe ich das richtig, dass ihr die Schlagzeugspuren unbearbeitet(!) als Subgruppe für die Parallelkompression erstellt?
    Gruss Uli

  • Carlos (delamar)   08. Jan 2009   18:48 UhrAntworten

    Das ist natürlich kein Muss, aber die unbearbeiteten Spuren haben mehr Dynamik. Normalerweise wird aber nur der unbearbeitete Submix auf eine Gruppe geroutet, die dann so richtig komprimiert wird.

  • Lex   21. Mrz 2009   11:57 UhrAntworten

    Hallo liebe Mit-Delamar-Begeisterte
    Ich hätte noch einen kleinen Tip wie es noch schneller gehen könnte.
    Ich benutze den Kompressor für die Parallelkompression als Send-FX im Prefadermodus und kann ihn im Mix dann genauso hinzufügen wie oben beschrieben.
    Alles Liebe
    Lex

  • nevi   22. Mrz 2009   01:26 UhrAntworten

    Ich verwende auch eher einen Send oder noch lieber ein Gruppen-Routing, damit Automatisierungen nicht ständig dupliziert werden müssen. Vermutlich lässt sich generell so auch noch ein wenig CPU-Leistung sparen – im Falle eines VSTi als Originalspur sowieso.

    Der Unterschied in der Verwendung von Gruppe oder Send liegt darin, dass beim Send keine weiteren Insert-FX verwendet werden können, um das komprimierte Signal zu modifizieren – z.B. mit Tube oder EQ etc. Dafür ist ein Send einfacher bzw. übersichtlicher.

    Einige Kompressor-Plugins haben inzwischen einen eigenen Mix-Regler, mit dem das Verhältnis Dry/Wet geregelt werden kann. Das wäre dann sozusagen ein eingebautes Feature für Parallelkompression.
    Der Vorteil hierbei ist die Möglichkeit, Insert-FX hinter dem Kompressor auf das gesamte Signal wirken zu lassen, ohne auf eine weitere Gruppe zu routen.

    lg nevi

  • dr_gruenspan   30. Apr 2009   23:14 UhrAntworten

    Kann man das auch über send machen? (ableton live)
    oder muss ich dann die latenz korrigieren weil bei mir klingt das immer irgendwie so ‘doppelt’.
    was mach ich falsch???
    ist die technik auch für sehr natürlich klingende musik relevant???

    danke im voraus

  • Carlos (delamar)   01. Mai 2009   11:00 UhrAntworten

    Willkommen auf delamar, dr_gruenspan!

    Natürlich ist diese Technik für natürlich klingende Musik relevant, denn da kommt sie her. Sie wurde ursprünglich dazu verwendet, fettere Drumaufnahmen zu schaffen.

    In Ableton lässt sich die Technik auch nachbilden, keine Frage, und das geht auch ohne Latenz. Im Zweifelsfall kannst Du die Audiodaten ja immer noch einige Samples nach vorne schieben, um die Latenz auszugleichen.

    Aber vielleicht findet sich ja ein Ableton Live Nutzer, der Dir da mehr Auskunft geben kann.

  • nevi   03. Mai 2009   04:00 UhrAntworten

    @dr_gruenspan:
    Ableton hat einen automatischen Latenzausgleich für Plug-Ins, insofern brauchst Du da nichts zu korrigieren. Ein Send erzeugt auch keine Latenz. Wenn etwas “doppelt” klingt, wird es daran nicht liegen.
    Das Verfahren ist übrigens für JEDE Art von Musik geeignet ;-)

    Gruß nevi

    p.s.
    Hast Du eine recordete Aufnahme genommen oder spielst Du live ein?

  • Stefan   27. Apr 2010   12:31 UhrAntworten

    Zu erst: DANKE, DANKE, DANKE für diese Seite und die anderen auch!!!!!!

    in Frage: Ich habe ein Drum Line genau so, wie erklärt parallel komprimiert und habe das Problem, dass wenn es zur Stelle kommt, wo die Drums double bass spielt, es zu einer Übersteuerung kommt. Was habe ich da falsch gemacht?
    Habe Logic 9, den “normalen” Compressor, der von Haus aus in dem Programm ist, verwendet: Attack 200.0ms Release 529.0ms, Ratio 4.4:1, compressor Threshold -50dB, Gain 4.0dB, limiter Trehshold 0.0 dB, Auto Gain off. Circuit Time: Class A_R, Side Chain detection: Max
    Habe den Compressor über einen Send geschickt, da das Schlagzeug aus mehreren Tracks besteht.
    Bin noch ganz neu, also wenn´s geht, dann möglichst einfach erklären!

    VIELEN DANK noch einmal für deine Seite!!!

  • JFK   24. Mai 2010   16:49 UhrAntworten

    Man kann das nicht nur auf den Drums anwenden einfach mal probieren was passiert wenn man für jede Instrumenten-Gruppe via Send parallele Kompression anwendet.

    Viele Leute beschweren sich das es ITB nicht so richtig zusammen klebt.
    Kann es aber sehr wohl wenn man für jede Gruppe einen SUB MIX mit P-Kompression macht.

    Klar der Mix wird dann immer komplexer die Arbeit lohnt sich aber.

    Wer dann noch einen SSL-G-Master-BUS Kompressor sein eigenen nennt und mit der Summe raus in die analoge Welt geht dürfte nur noch wenige Wünsche nach einen noch besseren Sound haben.

    Und selbst wenn man den nicht als Hardware besitzt kommt man mit dem Waves SSL-G-Master-Bus-Plug-In auch sehr weit, ganz weit sogar.

  • David   30. Okt 2012   13:54 UhrAntworten

    Für alle Logic User:

    Der Compresor in Logic hat noch Zusatzoptionen die man unten einblenden kann und da gibt es einen Mix Regler!!! Hier kann man direkt den Anteil des komprimierten Anteils einstellen OHNE irgendwelche Sends Latenzausgleich etc. steht so übrigens auch im Manual von Logic, einfach mal lesen! ;-)

  • Malleus Vocis   06. Sep 2013   18:48 UhrAntworten

    Bei Ableton benutze ich den einen der beiden send channels und route dann die einzelnen Spuren auf diesen besagten channel. Wichtig ist, das der gain des parallelen channels nicht bis ins Maximum gefahren wird, sondern wirklich nur wohltemperiert dazu gemischt wird.
    Lg

  • John   09. Feb 2014   12:15 UhrAntworten

    Warum schreibt man den SSL-BUSS Kompressor im Plugin mit Doppel-S? Macht doch eigentlich keinen Sinn, es ist ja bekanntlich die Abkürzung für “Binary Unit System” und es wird sonst immer als BUS geschrieben.

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