Flexibles Monitoring beim Recording per Universal Audio Apollo Twin

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Monitoring Routing Tutorial

Monitoring Routing Tutorial

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Monitoring & Routing durch Virtual I/Os

Das Szenario: Die Aufnahme einer kleinen Band mit Gesang, Background-Chor, Gitarre und Bass. Der Einfachheit halber hat die Band Dir vorab eine programmierte MIDI-Schlagzeugspur als Wav-Datei sowie eine Guide-Piano-Spur als MIDI-Datei geschickt, sodass Du bereits eine Session in Deiner DAW anlegen konntest. Nun gilt es, die anwesenden Musiker im Studio mit individuell abgestimmten Kopfhörermixen zu versorgen.

Anhand der Monitoring-Zentrale »Console« des Audio-Interfaces Universal Audio Apollo Twin erfährst Du, wie Du Dir ein flexibles Setup für das Monitoring aufbaust. Aber lies selbst:

 

1 Anschlüsse

Monitoring beim Recording

Das kompakte Thunderbolt-Desktop-Interface bietet Dir verschiedene Anschlussoptionen. Eingangsseitig findest Du auf der Vorderseite den Hi-Z-Anschluss für hochohmige Signale wie E-Gitarren und E-Bässe sowie für Akustikgitarren mit integriertem Pickup-System. Auf der Rückseite sitzen die beiden XLR-Eingänge, die auf die zwei Mikrofonpreamps mit separater Phantomspeisung geschaltet sind. Somit kannst Du maximal zwei Mikrofonsignale gleichzeitig aufnehmen. Beachte, dass Du bei Verwendung des Hi-Z-Anschlusses immer einen der beiden Preamps des Audio-Interfaces ansteuerst und Dir somit nur noch ein Mikrofoneingang auf der Rückseite zur Verfügung steht!

Ausgangsseitig gibt es zwei Monitor-Outs für den Anschluss Deiner Studiomonitore sowie zwei zusätzliche Line-Outs (zum Beispiel für einen separaten Kopfhörerverstärker). Auf der Vorderseite findest Du den regulären Stereo-Kopfhörerausgang, den Du über den mittig auf der Frontplatte platzierten Drehregler des Apollo Twin im Pegel steuern kannst.

Neben den analogen Klinken- und XLR-Eingängen kannst Du dem Apollo Twin Duo auch externe digitale Signale zuführen. Dafür steht auf der Rückseite eine TOSLINK-Buchse bereit, die sowohl mit ADAT- als auch mit S/PDIF-Signalen umgehen kann. Über diesen digitalen Eingang kannst Du – zusätzlich zu den analogen Eingängen – bis zu acht weitere Kanäle (ADAT) aufnehmen.

 

2 Console – Überblick

Flexibles Monitoring beim Recording per Universal Audio Apollo Twin

Die »Console« ist die Schaltzentrale des Apollo Twin. Hier siehst Du die Eingangssignale, regelst das Monitoring und setzt die UAD-Plugins ein. Neben Signalbearbeitern, wie dem FET-Kompressor 1176, einem Pultec-Equalizer oder dem Realverb Pro, kannst Du Deine Spuren dank der Unison-Technologie des Apollo Twin auch durch den virtuellen Röhren-Preamp 610-B schicken.

Mit im Lieferumfang befinden sich die »Softube Amp Room Essentials«, die Dir einen virtuellen Marshall JCM800 für Gitarren sowie die Nachbildung eines Ampeg SVT 810 mit 8×10-Box für Bässe zur Verfügung stellen. Du hast die freie Wahl, ob Du die Verstärkersounds direkt mit aufnimmst, nur zum Einspielen verwendest oder zu einem späteren Zeitpunkt im Mix per Reamping hinzufügst.

Neben der quasi latenzfreien Verwendung der UAD-Plugins bietet Dir Console auch ein sehr flexibles Routing der Eingangs- und DAW-Return-Kanäle. Das Zauberwort lautet »Virtual I/O«. Diese virtuellen Kanäle kannst Du mit beliebigen Ein- und Ausgangssignalen beschicken. In unserer fiktiven Studiosituation ermöglichen Dir die Virtual I/Os, das Monitoring flexibel und ausschließlich über Console zu steuern, ohne permanent den DAW-Mixer zu bemühen und Dich mit den Ein- und Ausgangslatenzen beim Monitoring innerhalb der DAW zu befassen.

 

3 Console – Routing

Flexibles Monitoring beim Recording per Universal Audio Apollo Twin

Im Folgenden erhälst Du einen Überblick über die Routing-Möglichkeiten von Console. Wie im vorherigen Kapitel erwähnt, kannst Du nicht nur die physikalisch vorhandenen Ein- und Ausgangskanäle zuweisen, sondern auch die rein virtuell existierenden Virtual I/Os. Zudem verfügt Console über zwei Aux-Wege, die Du von jedem Kanal aus ansteuern und auf jeden freien Ausgangskanal routen kannst.

Die Virtual I/Os dienen in erster Linie dazu, DAW-Outputsignale zu verarbeiten. Die Adressierung nimmst Du daher direkt in Deiner DAW vor, in der die Virtual I/Os als Ausgangsbus zur Verfügung stehen.

Neben den Virtual I/Os sind die Aux-Wege das zweite wichtige Mittel, um über Console ein flexibles Monitoring umzusetzen. Jeder Eingangskanal verfügt über zwei separat adressier- und regelbare Aux Sends. Mit diesen kannst Du die beiden Stereo-Aux-Return-Kanäle ansteuern. Letztere verfügen ebenfalls über vier Insert-Slots für UAD-Plugins und können über Drehregler auf die physikalischen Ausgänge des Interfaces (HEADPHONE und LINE OUT 3-4) geroutet werden, die wir in unserer fiktiven Studiosituation für die getrennten Kopfhörermischungen benötigen.

Du kannst wählen, ob Du die Aux Sends der Eingangskanäle pre- oder post-fader abgreifst. Bei Letzterem beeinflusst die Stellung und Schaltung des Level-Faders im Eingangskanal den Pegel der Aux Sends. So gelangt zum Beispiel kein Pegel auf die Aux-Return-Kanäle und damit auch nicht auf die Kopfhörermixe für die Musiker, wenn Du einen Eingangskanal in deinem Regiemix mutest. Um vom Regiemix unabhängige Kopfhörermixe zu erstellen, wählst Du daher den pre-fader-Abgriff.

 

4 Console + DAW

Flexibles Monitoring beim Recording per Universal Audio Apollo Twin

Für unser Beispielsetup arbeiten wir mit Steinberg Cubase 7 Elements. Natürlich kannst Du aber auch jede andere DAW verwenden – die benötigten Funktionen gehören zur Standard-Featureliste jeder ausgewachsenen DAW. Nachdem Du die bereits vorhandenen Spuren im DAW-Projekt angelegt hast, musst Du diese für das Monitoring in Console aus der DAW herausführen. Dazu erstellst Du zusätzliche Ausgangsbusse – in Cubase über die VST-Verbindungen. Für die Drums erstellen wir einen Stereo-Ausgang, der auf die Virtual I/Os 1 und 2 führt. Die Piano-Guide-Spur routen wir mono auf Virtual 3, einen zusätzlichen Click auf Virtual 4.

Nun kannst Du die Signale über die Virtual I/Os in Console im Pegel steuern und über die Aux Sends passende Kopfhörermixe für das Monitoring der Musiker in Deinem Studio erstellen. Die Fader dieser DAW-Spuren solltest Du ab jetzt nicht mehr bewegen, damit keine Verwirrung zwischen den Pegeln innerhalb der DAW sowie innerhalb Console entsteht.

Beachte: Wenn Du Console zum Monitoring für die Musiker im Studio nutzt, solltest Du das Software-Monitoring innerhalb Deiner DAW deaktivieren, da es aufgrund der Latenz der DAW in der Regel zum Flanging beider Signale kommen wird.

 

5 Effekte im Monitorweg

Flexibles Monitoring beim Recording per Universal Audio Apollo Twin

Kaum ein Musiker bzw. Sänger mag seinen Kopfhörermix staubtrocken, also ohne Raum- oder Hallanteile. Auch ein Equalizer oder Kompressor kann wertvolle Dienste leisten, damit sich der Künstler unter seinem Kopfhörer wohl fühlt. Wenn Du dem Gitarristen und/oder Bassisten, der über den Line-Eingang direkt ins Pult bzw. über das Audio Interface auf die Festplatte spielt zusätzlich noch einen virtuellen Verstärker anbieten kannst, hast Du die wichtigsten Voraussetzungen für eine gelungene Studio-Session erfüllt.

Console bietet Dir zwei Optionen an, wie die UAD-Effekte verwendet werden können: »Monitor with effects« und »Record with effects«. Bei Letzterem werden die auf den Insert-Slots der Eingangskanäle verwendeten UAD-Plugins mitaufgenommen und können somit nachträglich nicht mehr entfernt werden. Da Du die Effekte jedoch nur für das Monitoring der einspielenden Musiker verwenden möchtest, wählst Du über den Auswahlschalter »INSERT EFFECTS« rechts oben in Console MON.

 

6 Bassist

Flexibles Monitoring beim Recording per Universal Audio Apollo Twin

In unserem fiktiven Studiobeispiel sitzt der Bassist neben Dir in der Regie und spielt seinen E-Bass direkt über den Hi-Z-Eingang ein. Auf diese Weise hast Du bei der nachfolgenden Mischung die Möglichkeit, den Basssound mittels virtueller Verstärker zu re-ampen und den Klang präzise in den Mix einzupassen.

Um dem Bassisten beim Einspielen trotzdem einen »echten« Verstärkerklang zu bieten, kannst Du beim Apollo Twin auf die erwähnten UAD-Plugins der »Softube Amp Room Essentials« zurückgreifen. Da der Musiker direkt neben dir sitzt, könnt ihr zusammen den passenden Sound einstellen und braucht nicht über ein Talkback-Mikrofon über zwei getrennte Räume zu kommunizieren. Das Plugin »Amp Room« setzt Du in den ersten Insert-Slot des Eingangskanals »Analog 1«, der fest mit dem Hi-Z-Eingang des Apollo Twin verbunden ist.

Für den Fall, dass der Instrumentalist oder Sänger einen eigenen Kopfhörermix benötigt, der vom Regiemix über Deine Studiomonitore abweicht, regelst Du die Pegelverhältnisse des Kopfhörermixes (am HEADPHONE-Ausgang) über die jeweiligen Aux Sends-Drehregler der verschiedenen Eingangskanäle. Wenn Du den Aux-Return-Kanal AUX 1 auf den HEADPHONE-Ausgang geroutet hast, sind dies die Drehregler, die auf AUX 1 führen. Die Stereoplatzierung für Aux-Return-Busse nimmst Du über das Panning der Aux Sends in den Eingangskanälen bzw. den Virtual I/Os vor.

 

7 Gitarrist

Flexibles Monitoring beim Recording per Universal Audio Apollo Twin

Auch Gitarristen profitieren von den Amp Room Essentials. Der enthaltene Verstärker mit mikrofonierter 4×12-Lautsprecherbox ist einem Marshall JCM800 nachempfunden, der sich insbesondere auf Crunch- und Lead-Sounds versteht.

Neben einem ansprechenden Verstärkersound benötigt der Gitarrist auch den vorher eingespielten Bass auf seinem Kopfhörermix. Da wir alle vier Virtual I/Os in Console bereits mit Signalen belegt haben, musst Du Dich entscheiden, ob Du den Bass (sowie sämtliche neu hinzukommenden Spuren) aus der DAW gemeinsam mit anderen Spuren auf einen der Virtual I/Os routest oder direkt auf den jeweiligen Hardware-Ausgang, an dem der Kopfhörer des Musikers angeschlossen ist.

Planst Du neben dem sukzessiven Recording der Einzelspuren auch ein Live Recording, bei dem mehrere Musiker gleichzeitig einspielen bzw. Einsingen? In letzterem Fall ist es von Vorteil, mehrere Kopfhörermixe anbieten zu können, um auf individuelle Wünsche eingehen zu können. Routest Du die neue Bassspur nun direkt auf einen Hardware-Ausgang, steht dir diese Spur nicht mehr bzw. nur mit weiterem Routing-Aufwand für einen zweiten Kopfhörermix zur Verfügung. Aus diesem Grund routen wir den Bass auf Virtual 4, auf dem bereits der Click sitzt. Die Pegelverhältnisse zwischen beiden Spuren musst Du nun bereits in der DAW regeln. Dafür kannst Du die neue(n) Spur(en) auch weiterhin über Aux Send 1 und 2 für verschiedene Kopfhörermixe anpassen.

 

8 Sänger/in

Flexibles Monitoring beim Recording per Universal Audio Apollo Twin

Nachdem die Instrumente auf der Festplatte sind, steht die Königsdisziplin jeder Recording-Session an: der Gesang. Damit sich der/die Sänger/in beim Einsingen wohlfühlt, solltest Du einen passenden Halleffekt auf den Kopfhörer geben. Bei einem klassischen Mixdown steuerst Du einen Hall über einen Aux Send an, damit Du diesen separat über den Aux-Return-Kanal im Pegel regeln und eventuell auch noch mit weiteren Insert-Effekten, zum Beispiel einem Equalizer, verfeinern kannst.

In unserem Fall haben wir jedoch nur zwei Aux-Return-Kanäle zur Verfügung, die wir beide für unsere Kopfhörermixe benötigen. Aus diesem Grund setzen wir den Hall als Insert in den Eingangskanal, über den eingesungen wird. Das mitgelieferte UAD-Bundle des Apollo Twin bietet Dir den sehr umfangreich einstellbaren algorithmischen RealVerb Pro. Über den Mix-Regler im Plug-in regelst Du nun das Verhältnis zwischen Direktsignal und Hallanteil – ein Wert unterhalb 10 Prozent sollte für die meisten Recording-Situationen genügen.

 

9 Background-Chor

Flexibles Monitoring beim Recording per Universal Audio Apollo Twin

Unser Background-Chor besteht aus drei Sängerinnen, die wir gemeinsam über eine XY-Stereomikrofonie aufnehmen. Dazu benötigen wir beide Mikrofon-Eingangskanäle, die wir auf einer Stereospur in der DAW aufnehmen. Dazu verbinden wir die beiden Apollo-Twin-Eingangskanäle in Console über den Taster »LINK«. In unserer DAW erstellen wir einen neuen Stereo-Eingangsbus, der die beiden analogen Eingänge 1 und 2 des Audio Interfaces zugewiesen bekommt.

Da das Einsingen mehrstimmiger Chorsätze eine exakte Intonation jeder einzelnen Stimme erfordert, nutzen wir nun beide Aux-Return-Kanäle, um über Aux Send 1 und 2 zwei verschiedene Kopfhörermixe gleichzeitig anbieten zu können.

In unserem Studiobeispiel fragen die Chorsänger/innen zudem, ob Du den Pianosound etwas ausdünnen kannst, damit dieser beim Einsingen weniger dominant im Vordergrund steht. Falls Du bis hierhin noch keine weitere Spur auf den entsprechenden Virtual I/O geroutet hast, kannst Du den Equalizer »Pultec Pro« aus dem mitgelieferten UAD-Bundle in einen Insert-Slot setzen, um den Klavierklang in den Tiefmitten zwischen 200 und 500 Hertz abzusenken. So hat der Background-Chor mehr Platz im Kopfhörermix, was wiederum die Intonation der Sängerinnen unterstützt.

Fazit: Monitoring beim Recording

In unserem fiktiven Beispiel haben wir dir nur einen der vielen Wege aufgezeigt, um deine Recording Session zu monitoren. Die Schwierigkeit ergibt sich meist aus der Menge der Recording Teilnehmer. Aber auch das ist mit Hilfsmitteln möglich. Wie überwachst Du deine Aufnahmen? Hast Du ein paar Tipps & Tricks für das Routing für unsere Leser? Wir freuen uns auf deinen Kommentar.

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