Mikrofonvergleich: Wie man Klangunterschiede in Mikrofonen heraushört und vergleicht

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Mikrofonierung & Mikrofone

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Wie man Klangunterschiede in Mikrofonen heraushört und vergleicht

Auf der Jagd nach professionellen Aufnahmen bin ich (wie viele andere auch) den Weg über preiswerte Mikrofone und die Suche nach der eierlegenden Wollmilchsau gegangen. Gelandet bin ich am Ende doch wieder bei den üblichen Verdächtigen, die leider auch ein verdächtig grosses Loch in den Geldbeutel reissen, aber das ist mal ein anderes Thema.

Ich erzähle dies, weil Du dich in dieser Geschichte vielleicht auch selbst wiedererkennen kannst. Zunächst fehlte mir das Geld und ein einfaches dynamisches Mikrofon musste es richten. Gesang, Rap und Gitarre habe ich mit respektablen Ergebnissen über dieses aufgenommen. Etwas später hatte ich mehr Geld zur Verfügung und konnte mir endlich ein Großmembrankondensator einer renommierten Marke kaufen, das mir endlich diesen professionellen Touch geben sollte.

Mikrofonvergleich erklärt

Mikrofonvergleich erklärt

Am Anfang war ich hellauf begeistert. Da war er, „der Sound“. Da waren die vielen Details, von denen immer alle gesprochen hatten. Nachdem ich das Kondensatormikrofon nun eine Weile besessen und damit alle möglichen Aufnahmen gemacht hatte, verflog die anfängliche Freude wieder. Irgendwie war der Frequenzgang zu harsch in den Höhen und es hatten einen ganz eigenen Klang, der mit keinem Equalizer wegzubekommen war.

Irgendwann bekam ich schliesslich noch mit, dass einige Instrumente einfach besser klangen mit einem dynamischen Mikrofon und dann ging das Spiel wieder von vorne los. Ich brauchte ein neues Grossmembrankondensatormikrofon.

Vielleicht ist dieser Weg nicht ganz günstig gewesen, aber ganz sicher hat es mir geholfen, die Klangunterschiede zwischen dynamischen und Kondensatormikrofonen kennen zu lernen.

 

Mikrofonvergleich – Wie es geht

Um wirklich verlässliche Aussagen über die Unterschiede zweier Mikrofone zu bekommen, müssten in einer perfekten Welt die Testbedingungen identisch sein. Ganz so perfekt ist die reale Welt nun nicht, daher gilt es, die Bedingungen so gut wie möglich zu kopieren.

  1. Du brauchst zwei gleiche Mikrofonkabel. Am besten dasselbe Modell vom selben Hersteller.
  2. Zwei Mikrofonverstärker vom selben Typ. Ein herkömmliches Audio Interface bietet meistens zwei Eingänge an.
  3. Alle Effekte, Equalizer oder sonstiges Routing sollte bei einem Mikrofonvergleich ausgeschaltet sein. Bei einem Mischpult kannst Du alle Potis des EQs auf 12 Uhr stellen.
  4. Bereite zwei Audio-Kanäle in mono in deiner DAW-Software vor und stell das Routing so ein, dass jeweils ein Mikrofon auf eine eigene Spur geht.
  5. Du brauchst einen qualitativ hochwertigen Kopfhörer, mit dem Du deine Aufnahmen überprüfen kannst.
  6. Die beiden Mikrofone kommen jeweils auf ein eigenes Stativ und können sich einen einzigen Poppschutz teilen.
  7. Die Mikrofone sollten relativ nah beieinander stehen (~5 cm) und leicht zueinander angewinkelt werden.
  8. Jetzt kommt der schwierige Teil. Beide Preamps und Mikrofone müssen auf den selben Wert eingepegelt werden.
  9. Hierzu reicht es natürlich nicht, beide Vorverstärker auf den selben Wert einzustellen. Während Du in beide Mikrofone gleichzeitig sprichst, musst Du das leisere Mikrofon so lange anheben, bis es passt.
  10. Achte auch darauf, dass Du immer dieselbe Position beim Sprechen oder Singen einhältst, damit der Mikrofonvergleich auch sinnvoll wird.
  11. Jetzt nimmst Du 2-3 Minuten Gesang und/oder Sprache mit beiden Mikrofonen in deine DAW auf.
  12. In deinem Musikprogramm kannst Du nun in aller Ruhe beide Aufnahmen vergleichen und analysieren.

 

Mikrofonvergleich: Worauf Du achten kannst

  1. Das Mikrofon, das mehr verstärkt werden muss, ist weniger empfindlich als das andere.
  2. Ein Analyzer kann dir den tatsächlichen Rauschabstand der Mikrofone berechnen, vorausgesetzt es war auch wirklich still im Tonstudio während der Aufnahme für den Mikrofonvergleich.
  3. In den leisen Passagen kannst Du normalerweise schnell heraushören, welches der Mikrofone mehr rauscht.
  4. Du kannst darauf achten, wie schnell das Mikrofon reagiert, indem Du auf die harten Konsonanten achtest.
  5. Mit einem Spektralanalyzer kannst Du dir den Frequenzgang der Aufnahme zeigen lassen.

 

Am Ende entscheidet das Ohr über den Mikrofonvergleich

Es gibt nur ein Kriterium, das am Ende wirklich zählt bei Mikrofonen: Klingt es gut auf der aufgezeichneten Stimme oder dem Instrument oder nicht? Bauart, Richtcharakteristik, Preis und Renomée des Herstellers sollten hier nur wenig bis gar kein Gewicht haben. Darüber hinaus gibt es natürlich immer Standard und typische Go-To-Mikrofone, die eigentlich immer funktionieren. Mal mehr, mal weniger.

Wenn Du wissen möchtest, welches Mikrofon besonders gut für welchen Einsatzzweck dient, dann kannst Du auch unseren Artikel hierzu lesen: Welches Mikrofon kaufen oder welches Mikrofon man wofür einsetzt

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