Lautstärke angleichen: 3+1 Tipps, um die Lautstärke auf Spuren gleichmässig anzupassen

Lautstärke angleichen: 3+1 Tipps, um die Lautstärke auf Spuren gleichmässig anzupassen

Wenn es um das Comping von Vocalspuren (Zusammenfassen von mehreren Takes zu einer perfekten Aufnahme) geht, sind die Schwankungen der Lautstärke in den Gesangsaufnahmen eine erste Herausforderung. Nicht immer sind diese nämlich durch die Gesangstechnik mit Absicht herbeigeführt. Sänger, Rapper und Sprecher sind nicht bei jedem Take gleich laut – so sehr sie sich Mühe geben mögen. Sei es, dass der Sänger den Mund etwas vom Mikrofon wegdreht, sich einige Zentimeter in seiner Position bewegt hat oder einfach aufgrund seiner Tagesform unterschiedlich laut singt – diese Volumenänderungen sind für das Comping unterschiedlicher Phrasen und Takes störend und müssen beseitigt werden.

Lautstärke angleichen Tutorial

Lautstärke angleichen Tutorial

Hier sind 3+1 Tipps, die dir helfen werden, deine Vocalaufnahmen noch professioneller zu gestalten.

 

1. Lautstärke angleichen manuell

Viele Musikprogramme (DAWs, Sequenzer) legen einzelne Takes gleich als eigenständige Audioclips oder Events im Arrangement ab, die einzeln bearbeitet werden können. Der einfachste Weg ist sicherlich, die einzelnen Clips mithilfe der Hüllkurve für die Lautstärke direkt im Arrangement anzugleichen. Hierzu stellt jedes Musikprogramm eigene Werkzeuge zur Verfügung, oftmals mit kleinen Kästchen am Clip markiert.

Manchmal ist es allerdings so, dass sich die Lautstärke einer Aufnahmen innerhalb eines Takes deutlich ändert. Du könntest hier zwar mit einem Kompressor arbeiten, doch dieser greift häufig auch in den Klang ein. Besser ist es (noch vor der Verwendung von jeglichen Dynamikeffekten) den Take in zwei Clips zu zerlegen und anschließend das Volumen der beiden Teile einzeln mithilfe der Hüllkurve anzupassen.

Von einer destruktiven und dauerhaften Änderung an der Audiodatei selbst würde ich allerdings abraten. Wie oben angesprochen bietet Musiksoftware Werkzeuge wie Hüllkurven, um das in Echtzeit zu berechnen. So ersparst Du dir böse und irreversible Überraschungen mit Clippings und dergleichen zu einem späteren Zeitpunkt.

Lautstärke angleichen in der DAW-Software

Lautstärke angleichen in der DAW-Software

2. Automation zum Lautstärke angleichen

Eine andere valide Methode ist die Verwendung von automatisierter Lautstärke für die gesamte Spur. Hierbei sind allerdings zwei Dinge zu beachten: Erstens kannst Du das Volumen der Spur beim Abmischen nicht mehr einfach anpassen, indem Du den Volumen-Fader hochziehst. Dieser ist ja nun automatisiert und muss demnach in der Automationsspur geändert werden. Der zweite Grund ist allerdings derjenige, der schwerer wiegt. Beim Abmischen nutze ich nämlich gerne die Automation, um die Vocals dynamisch an den Backing Track bzw. das Instrumental anzupassen. Dieses ist ja ebenfalls dynamisch und nimmt mal mehr, mal weniger Platz ein. Um dafür zu sorgen, dass der Gesang immer genau richtig im Mixdown sitzt, verwende ich die Automation.

Wenn ich jetzt dennoch die gesamte Spur für das Lautstärke angleichen nutzen möchte, so kann ich das Ergebnis einfach in eine neue Audiodatei exportieren (bouncen). Diese ziehe ich in eine neue Spur in meinem Projekt, die ich wiederum automatisieren oder mit dem Fader bearbeiten kann.

Am Rande bemerkt: Ich nutze die erste Variante.

 

3. Kompression zum Lautstärke angleichen

Wenn die Lautstärkeschwankungen nicht allzu stark sind, die Zeit knapp ist oder ich nicht manuell eingreifen möchte, greife ich zu einer sanften Kompression. Da der Kompressor die Dynamik einer Aufnahme auf Basis unterschiedlicher Parameter reduziert (also angleicht), klingt das Ergebnis homogener. Positiv oder negativ: Plugins und Hardware verpassen der Spur ihren eigenen Sound. Wer zu diesem Weg greifen möchte, sollte den Kompressor erst einstellen und danach eine etwaige Automation angehen.

Die Gefahr bei dieser Methode besteht darin, dass das Ergebnis übermäßig stark komprimiert klingen kann. Hier ist Fingerspitzengefühl gefordert.

 

3+1 = Lautstärke angeleichen durch neu aufnehmen

Gerade bei Projekten im Bereich Homerecording sollte das erneute Aufnehmen von Vocals kein Problem darstellen, da nur Zeit, jedoch keine Kosten dadurch verursacht werden. Wenn also die Aufnahmen schon sehr stark im Volumen variieren, lohnt es sich vielleicht, gleich erneut aufzunehmen. Vorher bietet es sich an, die Ursachen für die starken Schwankungen zu analysieren, um bei einem erneuten Recording darauf zu achten, die Fehler nicht nochmals zu wiederholen.

Eine Sache, auf die Du immer achten kannst ist der Abstand zum Mikrofon: Je näher Du den Sänger an die Kapsel stellst, desto auffälliger werden seine Kopfbewegungen im Klang (zumindest bei der Richtcharakteristik Niere) und desto deutlicher die Lautstärkeunterschiede in den Takes. Positionierst Du den Rapper oder Sprecher einfach in einem grösseren Abstand, so haben die kleinen Bewegungen vor der Kapsel einen kleineren und weniger hörbaren Einfluss. Der Trick liegt darin, einen angemessenen Kompromiss zwischen Raumklang und Direktklang zu finden. Du kannst hier mal mit einem Abstand von 10-15 Zentimetern experimentieren.

Ebenfalls möglich ist es, gleich beim Vocal Recording einen Kompressor mit einer Ratio von 2:1 bis 3:1 zu verwenden. Dieser sorgt dann dafür, dass Lautstärkeschwankungen etwas ausgeglichen werden und die Aufnahme konsistenter klingt.

 

Schlussgedanken zum Lautstärke angleichen

Mit diesen 3+1 Tipps sollte es dir ein Einfaches sein, etwaige Lautstärkeschwankungen in deinen Gesangsaufnahmen auszugleichen. Bei der Bearbeitung selbst bietet sich etwas Fingerspitzengefühl an und am Anfang kannst Du auf die Analyse-Tools deiner DAW-Software zurückgreifen, um dir mal das Volumen und den RMS-Wert ausgeben zu lassen.

Beim zweiten Durchlesen dieses Tutorials ist mir gerade noch eingefallen, dass es einige Plugins auf dem Markt gibt, die diesen Job automatisiert erledigen wollen. Ich habe allerdings keinerlei Erfahrungen mit diesen gemacht und kann deswegen nur auf deren Existenz hinweisen.

Welchen Weg gehst Du, um deine Vocalaufnahmen zu perfektionieren? Wie gehst Du das Lautstärke angleichen an? Schreib uns deine Erfahrungen in die Kommentare und teile sie mit den anderen delamari!

Lesermeinungen (17)

zu 'Lautstärke angleichen: 3+1 Tipps, um die Lautstärke auf Spuren gleichmässig anzupassen'

  • Henry
    22. Aug 2011 | 15:13 Uhr Antworten

    Hi Carlos,
    Danke für ein weiteres sehr hilfreiches Tutorium.
    Hier v. A. Punkt 2., auf den man ja auch selbst kommen könnte ;-)
    Sehr gut und hilfreich!!!

  • Ramon Smith
    23. Aug 2011 | 09:15 Uhr Antworten

    Ich habe für mich ganz klar die do-it-yourself-Methode gefunden:
    nachm Comping gehe ich in Ruhe die ganzen Vocalsspuren durch und gleiche Lautstärken an, in dem ich einzelne Clips mache und rücke dabei direkt die dubs gerade, schneide alle ungewollten Atmer etc raus, klaue den untighten dubs die Transienten oder unpassenden Endungslaute etc.
    Kann man auch alles mit Dynamikplugins machen – klingt aber nie im Leben so sauber und ist viel schwerer zu kontrollieren.
    Wenn man selbst schneidet, angleicht etc kann man individuell auf jeden take, jede phrase, jeden songabschnitt eingehen.

    Wenns überfüllt und knifflig wird die gruppe exportieren und dann damit weitermischen. das war wohl zu simpel, alsdas ich hätte selber drauf kommen können. Danke für den Ideeenanstoß, Carlos!
    Der Artikel gefällt mir gut.

    Was ich noch zu 3+1 sagen möchte: Im Homerecording arbeiten keine fertig gelernten Profis. Mal ganz davon abgesehen, dass man nie “ausgelernt” hat, ist es grundsätzlich zu empfehlen, lieber neue Takes zu machen und dabei alles, was man beim bisherigen arbeiten gelernte neu umzusetzen.
    Das aktuellste Projekt klingt doch immer um Welten besser, als alles andere vorher!

  • Matze
    23. Aug 2011 | 10:59 Uhr Antworten

    Schade dass Punkt 1 in Logic nicht so wirklich möglich ist.

    Eine weitere interessante und nach meiner Erfahrung wirklich gut funktionierende Variante ist der Vocal Rider von Waves: http://www.waves.com/content.aspx?id=9945

  • Thomas
    02. Sep 2011 | 22:12 Uhr Antworten

    Vocal-Editing ist gerade in Cubase (Nuendo) eine wunderbar schnelle und komfortable Sache:
    – zum einen die bekannte Volumeautomation mit eigener Spur
    – die “Volume/Fade-Anfasser” jeder einzelnen Region
    – viele kennen evtl. auch nicht die “Unter-unter”-Volumeautomation – nämlich die –> Event-Volume-Automation, welche mit dem Stiftwerkzeug direkt (!) in die WAV einmalbar (!) ist (die optische WAV-Darstellung passt sich sofort an!), alles non-destruktiv, versteht sich. Und so etwas gibt es bei keiner anderen DAW, hier ein Screenshot davon:
    media.soundonsound.com/sos/nov04/images/sx3envelopeevent.l.jpg

    Beim Vocal-Editing zoome ich angemessen heran, mit “Alt” schneide ich größere passende Häppchen, dann einfach nur die Volumeanfasser der Regions nutzen und passend zurechtziehen. Dann Taste “X” (Crossfade, wg. Knackser) über alles – fertig! geht sauschnell mit dieser Methode.
    So bleibt der insertierte Compressor für solch “gröberen” Eingriffe gänzlich frei, und kann definiert und musikalisch/mixtechnisch eingesetzt werden.

    Und dickes Danke, Carlos, für den tollen Artikel!
    Sehr gut gemacht, gerne mehr!
    :-)

    Gruss Thomas

    • Carlos San Segundo (delamar)
      03. Sep 2011 | 11:26 Uhr Antworten

      Danke dir für die Tipps, das kannte ich nicht einmal. Werde mal reinschauen.

    • docmidnite
      03. Sep 2011 | 14:59 Uhr Antworten

      Hi Thomas, leider funzt Dein link nicht zur jpg.
      Da mit dem einzeichenen muss ich unbedingt suchen, ist ein sehr wertvoller Tipp. Danke!!

      • John The Revelator
        10. Sep 2011 | 12:28 Uhr

        Doch der Link funktioniert, nur wenn du ihn kopierst, wird automatisch ein delamar-Slogan mit in die Zwischenablage reinkopiert (genau wie bei Thomann, beides sehr nevig und zeugt nicht gerade von Professionalität und Userfreundlichkeit finde ich)

      • John The Revelator
        10. Sep 2011 | 12:35 Uhr

        BTW: Wenn du Firefox benutzt, kannst du den Link markieren und mit Rechtsklick “Link öffnen” sehr schnell unkompliziert öffnen, wenn er nicht als Hyperlink hinterlegt ist. ;)

    • Klaus Feurich
      20. Feb 2014 | 12:14 Uhr Antworten

      Samplitude beherrscht die nicht destruktive Lautstärkekorrektur mittels Stift genauso.

      Deswegen hab ich mich “damals” für diese DAW entschieden und nicht für Cubase, weil das konnte das da noch nicht. ;)

  • John The Revelator
    10. Sep 2011 | 12:32 Uhr Antworten

    Hey,

    ich mache es auch meist so wie von Thomas beschrieben. Das funktioniert in MAGIX Samplitude übrigens genauso. In den meisten Fällen reicht es aber aus, die Stille aus der Spur rauszuschneiden und dann – wie schon von delamar geschrieben – mit 2 bis 3 Ratio zu komprimieren. Aber kommt auf das Material an, ich spreche hier von meiner eigenen Stimme und so extreme Dynamikänderungen habe ich da meist nicht drin. Ansonsten, wie gesagt, so wie von Thomas beschrieben. Mit Auto-Volumekurve zu arbeiten ist mega stressig, und gerade bei Samplitude z.B. doppelt stressig, weil, wenn man Objekte oder Bereiche verschiebt die Kurven nicht automatisch mitverschiebt, sondern nachziehen muss. Jedenfalls habe ich bislang keine gute Lösung dafür gefunden ;)

    • Klaus Feurich
      20. Feb 2014 | 17:57 Uhr Antworten

      Du kannst Kurven mit den dazugehörigen Objekten verbinden. Da gibt es ne Schaltfläche für. Neben der Schaltfläche “Objekte festsetzen”.

  • docmidnite
    06. Mrz 2012 | 10:34 Uhr Antworten

    Ich hab mir den VocalRider geleistet! Funzt!

  • Egge
    20. Feb 2014 | 14:31 Uhr Antworten

    Ich hätte da noch ‘ne Frage dazu?

    Könnte man auch einen Limiter dafür verwenden oder würde dadurch der Sound zerstört werden bzw hat das überhaupt einen Sinn?

  • Cruenta Venganza
    20. Feb 2014 | 22:42 Uhr Antworten

    Am Schluss von Punkt 2 kommen mir direkt ein paar Fragen. (“Wenn ich jetzt dennoch die gesamte Spur für das Lautstärke angleichen nutzen möchte, so kann ich das Ergebnis einfach in eine neue Audiodatei exportieren.”)
    1. Ginge alternativ auch einfach das Senden an einen Submix-Bux? An diesem Submix-Bus könnte man dann wieder eine Automation vornehmen und man hat weniger Dateien herumzuliegen. Oder übersehe ich da etwas?
    2. Wenn ich eine Volumen-Automation einstelle und dann z.B. Kompressor, EQ usw. auf die Spur lege, an welcher Stelle der Kette steht dann überhaupt die Automation? Richtig wäre ja die erste (im Fall der Anwendung als Angleichen der Lautstärke). Wenn es nicht so wäre, würde die Automation ja erst auf Grundlage der mit Effekten versehenen Spur arbeiten. An welcher Stelle kann ich die Reihenfolge überhaupt bei Samplitude einstellen? Weiß da jemand Bescheid?

    • Klaus Feurich
      21. Feb 2014 | 11:42 Uhr Antworten

      Die Volumeautomation greift erst am Ende ein.
      (Zumindest die des VIP. Du kannst aber mein ich auch auf wav Ebene arbeiten, dann greift sie entsprechend vorher.)

      Was auf alle Fälle geht ist die Geschichte mit dem Submixbus. Also die Spur erst selbst automatisieren und dann die gesamte Bearbeitung auf dem Submixbus. Ich persönlich würde aber die Spur dann eher bouncen und dann reimportieren.

      Du kannst bei Samplitude hat die Reihenfolge der FX einstellen und ob pre oder post, der Volumefader, und der wird halt automatisiert, kommt aber immer am Ende.

      • Klaus Feurich
        22. Feb 2014 | 13:19 Uhr

        Na da hab ich doch gestern glatt Unfug geschrieben ;)

        Die Lautstärkeautomation des Faders ist natürlich in der Kette und nicht am Ende, logisch. Sri für den (dummen) Fehler.

        Heißt, die postfader liegenden FX werden natürlich bereits mit korrigierter Lautstärke genutzt.

  • Tom
    21. Feb 2014 | 22:42 Uhr Antworten

    In Fl Studio gibt es ein kleines Plugin, welches sich Fl-Balance nennt. Ich leg dieses immer auf den jeweiligen Channel Instert. Unangetastet des Haupt Volumenreglers kann ich im Plugin selber Balance und Volumen automatisieren. Wenn ich dann das Hauptvolumen des Channels erhöhen oder niedriger einstellen möchte kann ich das tun. FL-Balance nimmt sich immer den Wert des Hauptvolumens und berechnet dann die Automation für das FL-Balance Plugin. Im Grunde ändert sich die Automation dann nicht. Sie wird nur genauso angehoben oder abgesenkt wie die gesamte Spur angehoben oder gesenkt wird.

    Ergo mein FAV is Automation :D
    Aber den Vocal Rider kenne ich, der is Mega. Ist leider sehr Performance lastig. Aber das wäre auch was für mich….

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