Homerecording & Musikequipment: Wie viel Geld muss ich dafür ausgeben?

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Homerecording & Musikequipment: Wie viel Geld muss ich dafür ausgeben?

Je mehr Musiker ich kennen lerne, desto mehr Einblicke bekomme ich in die Relation zwischen teurem Musikequipment und der damit entstehenden Musik. Es gibt eine klar erkennbare Tendenz: Je mehr Geräte ein einzelner Musiker hat, desto mittlemässiger sind die Einzelstücke. Verständlich, betrachtet man sich mal die Kosten für die High-End Geräte.

Da gibt es die Tonstudios, die für jede erdenkliche Situation ein eigenes Mikrofon besitzen, mehr Eingänge zur Verfügung haben, als eine durchschnittliche Band je benötigen würde und überhaupt voller eierlegenden Wollmilchsäuen strotzen. Und dann sind da die kleinen Tonstudios, die nur sehr wenige Geräte besitzen – diese aber alle in bester Qualität.

 

Preiswertes Musikquipment

In der Musikbranche scheint es ein ungeschriebenes Gesetz zu sein, dass gutes Musikequipment einen esoterischen Preis haben muss. Auf der preiswerten Seite hingegen gibt es für wenig Geld eine Menge LED’s, die schön blinken und rege Aktivität zeigen. Dazu noch unwahrscheinlich viele Features und Funktionen, die den Kauf für diesen Preis mehr als nur rechtfertigen. Auf dem Papier ein Wahnsinnsdeal – wer kann da schon widerstehen?

Ich will gar nicht bestreiten, dass sich mitunter echte Perlen unter den preiswerten Angeboten finden lassen. In der Regel ist preiswertes Musikequipment aber aus billigen Komponenten gebaut – und klingt dementsprechend. Und auch die Lebensdauer ist ein Thema, das Du beim Kauf von Geräten für dein Homerecording-Tonstudio bedenken solltest. Oftmals halten die preiswerten Lösungen nicht allzu lange und der Wiederverkaufswert ist meistens gleich Null.

Ich erinnere mich zum Beispiel an den Kauf eines kleinen Röhrenpreamps für Gitarrenaufnahmen. Damals hatte ich nur wenig Geld zur Verfügung und ich wollte etwas menr Wärme und analogen Klang ins Studio holen. Nun, begonnen habe ich nach einem kurzen Check, dass es tatsächlich nach Röhre klingt, mit einem einfachen A/B-Test. Dieser brachte dann auch sehr schnell zutage, dass ein grosser Teil des Gitarrenklangs vom Gerät verschluckt wurde. Oder in anderen Worten: Es klang einfach deutlich schlechter und war unbrauchbar. Beim Wiederverkauf hatte ich allerdings Glück – ich verlor lediglich 50,- Euro dabei.

 

Teures Musikequipment

Auf der anderen Seite gibt es gutes Musikequipment, das allerdings nur eine einzige Sache kann. Diese eine Sache, diese eine Funktion kann es dann aber auch richtig gut. Gutes Equipment ist für allerbeste Klangqualität in einem bestimmten Bereich gebaut.

Auch beim Wiederverkauf kann die teure Variante Punkte sammeln: Der Wert der Geräte bleibt weitestgehend stabil und das selbst über Jahrzehnte hinweg. Bei manchen Produktkategorien, zum Beispiel bei vielen High-End-Mikrofonen, sind fast gar keine Wertverluste zu bemerken und nach einiger Zeit können sie sogar an Wert hinzugewinnen.

Die richtig teuren Geräte sehen oftmals sehr unspektakulär aus – keine blinkenden LEDs und keine zehntausend Funktionen. Und dann ist da noch die Lebensdauer. Gerade vor ein paar Tagen hat mir ein befreundeter Toningenieur, der beim ZDF arbeitet, erzählt, dass sie dort Mikrofone einer bestimmten Marke aus Berlin manchmal sogar über Nacht und selbst bei Regen hängen lassen. Und das seit Jahren. Sind diese mal nass, werden sie auf der Heizung getrocknet und dann einfach weiterverwendet.

 

Musikequipment teuer oder preiswert kaufen?

Das ist die Gretchenfrage. Ist es besser, mittelmässiges Equipment mit vielen Funktionen preiswert einzukaufen oder soll ich doch lieber teures Equipment kaufen, das nur eine Sache kann, diese aber richtig gut?

Die Antwort kann nicht generell A oder B lauten. Es kommt immer darauf an, wohin Du mit deiner Musik möchtest. Wenn Du mit den besten Produktionen dieser Welt konkurrieren willst, musst Du ihren Sound kaufen. Das bedeutet das bestmögliche Signal aufzunehmen und gleichzeitig der Verzicht auf eine Vielzahl von Peripheriegeräten, die richtig viel Geld kosten würden.

„Ihren Sound kaufen“ muss aber mitnichten bedeuten, dass Du ein Mischpult für einen sechsstelligen Betrag für die Aufnahme deiner Musik benötigst. Ein „goldener Kanal“ reicht bei vielen Musikern dicke: Ein gutes Mikrofon, ein gutes Mikrofonkabel, einen guten Mikrofonvorverstärker und einen guten Wandler. Diese Anschaffung dieser Geräte haben die höchste Priorität.

Im Jahr 2010 musst Du dir keine Sorgen um gute Halleffektgeräte, Equalizer und dergleichen machen, die erst beim Abmischen benötigt werden. Die Musiksoftware hat sich so blendend in den letzten Jahren weiterentwickelt, dass viele virtuelle Prozessoren richtig gross klingen und dabei nur einen Bruchteil der Anschaffungskosten einer Hardware erfordern.

Wenn es noch professioneller klingen soll (oder muss), dann kannst Du noch immer deine Aufnahmen in ein professionelles Tonstudio bringen, wo sie mit all dem teuren Musikequipment abgemischt werden können. Hier hast Du bei einem guten Aufnahmeweg gleich noch einen Zeitvorteil, denn das Tonstudio muss dann weniger Zeit damit verbringen, deine Aufnahme zu bereinigen. Und das kann dir eine Menge Geld ersparen.

Solltest Du dir hingegen absolut sicher sein, dass Du dein Musikequipment nur benötigst, um einige Ideen schnell aufzunehmen, dann reicht ganz sicherlich auch die preiswerte Variante. Meine persönliche Empfehlung wäre das aber nicht, denn die Grundfunktionen zum Aufnehmen von Ideen kannst Du selbst mit der Onboard-Soundkarte erreichen. Lieber etwas Geld zusammensparen und dafür gutes Musikequipment (das muss nicht immer High-End bedeuten) kaufen, das Du nicht mehr verkaufen musst.

 

Homerecording Musikequipment Beispiele

Und da ich weiss, dass es hier Fragen hageln wird, was ich denn ganz konkret empfehlen würde, habe ich mal drei Beispiele zusammengestellt für den Anfang eines goldenen Kanals. Der Preamp ist natürlich als letztes aufgeführt, da es für den Anfang auch ohne ihn gehen würde:

Setup 1: etwa 2.100,- Euro
Gesangsmikrofon: Rode NT2-A (+Spinne+Kabel) / Audio Interface: Motu 828 MK2 / Preamp: SPL Goldmike MK2

Setup 2: etwa 3.700,- Euro
Gesangsmikrofon: Brauner Phantom Classic / Audio Interface: RME Fireface 400 / Preamp: Universal Audio LA-610

Setup 3: etwa 6.000,- Euro
Gesangsmikrofon: Neumann U87ai / Audio Interface: Apogee Rosetta 200 / Preamp: Millenia TD-1

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Lesermeinungen (13)

zu 'Homerecording & Musikequipment: Wie viel Geld muss ich dafür ausgeben?'

  • thanassis   07. Feb 2010   15:28 UhrAntworten

    Die 3 gezeigten Setups von Delamar sind schon sehr gut. Allerdings könnte man bei Setup 2 vergleichsweise viel Geld mit gleichwertigem Equipment sparen:
    Mikro: NEUMANN TLM 103
    Interface: RME 400 Firewire
    Preamp: Universal Audio 710.
    Zusammen: 2500 €.
    Meiner Einschätzung nach genau so gut wie das Setup 2 und das für 1200 € weniger:)

  • Skeb   07. Feb 2010   15:45 UhrAntworten

    warum werden eigentlich nur firewire interfaces empfohlem? wo sind die vorteile?

  • thanassis   07. Feb 2010   16:26 UhrAntworten

    Im übrigen fehlen in der Berechnung noch die Nahfeld-Monitore! Wieso finden die keine Erwähnung? Wie will man den ohne Abhöre "homerecording" vollziehen?

  • Marc   07. Feb 2010   17:48 UhrAntworten

    @thanassis Stimmt, die Monitore sollte man nicht ausser acht lassen. Da gibt es schon annehmbare Modelle ab 180 Euro (Wharfedale – Diamond Studio 8.2 ) über KRK-RP8 (297 Euro), ADAM-A5 (333 Euro) bis hin zu APS – Aeon (898 Euro).

    Allerdings gibt es zum Thema Abhöre so kontroverse Meinungen, welche nun gut klingen oder nicht, dass das jeder für sich rausfinden muss.

    @Skeb firewire interfaces sind im Vergleich zu USB bi-direktional und noch etwas schneller. Allerdings arbeite ich selbst mit einem USB-Interface und konnte dort die Latenz annehmbar zurückschrauben.
    Wobei das RME 400 echt gute Kritiken hat und in dem Preissegment allen USB-Interfaces weit überlegen ist, die ich kenne.

  • atomic2.0   07. Feb 2010   19:18 UhrAntworten

    ich bevorzuge die KRK RoKit RP6 (Nicht die G2)
    die RP 8 ist im Bassbereich zu wuchtig für stimmabnahme....

    wem bei der die höhen zu sehr spitzen, soll mal die
    Samson Resolv 65a gegenhören

    Gruss Atomic

  • Ramon Smith   08. Feb 2010   00:38 UhrAntworten

    für ne ganze rockband sieht die welt aber anders aus. immerhin muss hier ein ganzes schlagzeug mikrofoniert werden....

    aber das ist auch das einzige, was mehr als zwei kanäle benötigt. oder?

    kennt sich jemand mit den alten Digidesign 882 Interfaces aus? aus 'Session 8' zeiten? Hab hier eins umsonst bekommen - lief aber iwann über nacht nicht mehr. die software findet das interface nicht - sagt ich sollte kabel checken. wie üblich ist es, das sich ein interface bei stillstand verabschiedet? (interner defekt)

  • Marc Shake   08. Feb 2010   11:32 UhrAntworten

    Mein Rekord, niederpreislich gesehen ist das 650 Euro Tonstudio ;)

    http://trancefish.de/blog/show/Musikproduktion/Das+650+Euro+Tonstudio/

    Fairerweise natürlich sei angemerkt, dass da noch einiges fehlt. Für elektronisches Zeugs ist das aber noch ausreichend.

  • Funatyc   08. Feb 2010   13:00 UhrAntworten

    Hi,

    @Marc Shake: also für 650 geht es durchaus günstiger und auf jedem Fall deutlich besser. Und schon gar nicht mit Reaper. Sorry. Für die 60 € gibt es Samplitude Music Studio 16 und die kann deutlich mehr als Reaper, energyxt2 usw. aber das ist mal eine andere Geschichte.

    @all: Seit gestern halte ich von "günstig" Equipment nichts mehr. Habe für mein KORG Tr 61 1090 € bezahlt. Das Gerät ist jetzt 3 Jahre in meinem Nichtraucherstudio und befindet sich in einem Exzellenten Zustand. Ich baue mein Studio und Equipment um deshalb dachte ich es wäre an der zeit einige Geräte zu verkaufen. Gestern lief die Auktion aus und ich habe für mein KORG ganze 320 € und ein Herzinfarkt bekommen! Ist das normal? Diese scheiß Schnäppchen-Mentalität und der Geiz ist unbeschreiblich. Als ich es gesehen habe dachte ich zunächst daran mir eine Axt zu kaufen und das Gerät mutwillig zu zerstören um es zu diesem Preis nicht abgeben zu müssen. Das war auch das wirklich letzte mal wo ich zum "günstig" Gerät greife. Als nächstes kommt KORG OASYS oder Yamaha S90ES, Clavia NordStage oder Yamaha MOTIF XS 8 ins Haus sonst nichts. Auf keinem Fall etwas was unter 2500 € zu bekommen ist. Schnauze echt voll! Und das solltet ihr euch vor dem Kauf echt mal überlegen. Auf der einen Seite wird gespart und auf der anderen wirft man es einfach nur selbst vom Fenster hinaus. Wer bin ich? Sohn von Onasis, um das Geld weg zu werfen?

    Miene Ex- Schwiegermutter hatte in einem Punkt immer Recht. Sie sagte "Ich bin zu arm um mir Billigschrott zu kaufen. Bei Markengeräten gebe ich das Geld nicht zweimal aus". Hier kann ich ihr nur zustimmen und mich in Zukunft auch daran halten.

    Ok, es gibt Geräte die etwas weniger kosten und durchaus zu gebrauchen sind. der Wertverlust beim Wiederverkauf ist aber unbeschreiblich.

    LG Marek

    P.S: Wie bindend ist eigentlich so ne Auktion?

  • Philipp   08. Feb 2010   16:53 UhrAntworten

    Hallo zusammen,

    @ Carlos. Du schlägst beim 2.100,- Setup den Goldmike MKII vor. Vergleichen sollte man hier mindestens mit dem Goldmike 9844, dem fehlt im Unterschied, so wie ich das sehe, nur der Compressor, der Instrumenteneingang und 1 kg Gewicht. Die Ersparnis liegt bei etwa 550,-.

    @ Marek (Funatyc).
    Ich verstehe, dass du enttäuscht bist, aber ich verstehe nicht, dass du dich darüber aufregst.

    Du weißt: der Markt bestimmt den Preis. Als Verkäufer hast du die Möglichkeit, an der Preisbildung mitzuwirken. Wenn du dies allein den Käufern überlässt brauchst du dich nicht wundern. Wahrscheinlich hattest du einen sehr geringen Einstiegspreis, vllt. sogar bei 1 €. Vllt hättest du deine Preisvorstellungen konkreter darlegen sollen, z. B. über Sofortkauf oder einen höheren Einstiegspreis. So brauchst du dich über den geringen Preis nicht wundern. Die Nachfrage war zu gering.

    Das Gerät ist jetzt so für 950,- neu zu bekommen. 2/3-Preisverlust ist bei technischen Geräten nix unbedingt ungewöhnliches. Der technische Fortschritt überholt die Geräte. Garantie gibst du nicht und die Gewährleistung hast du als Privatverkäufer bestimmt ausgeschlossen. Das Risiko, dass das Gerät morgen kaputt geht, trägt allein der Käufer. Dieses Risiko muss er mit kalkulieren und entsprechend er auch weniger.

    Die Aktion platzen zu lassen würde ich mir zweimal überlegen.
    1. Überlegung: So wie ich das sehe, hast du einen bindenden Kaufvertrag geschlossen. Du bist verpflichtet zu liefern und das Eigentum zu übertragen - auch wenn's bei dem Preis schwer fällt. Brichst du den Vertrag, begehst du eine Pflichtverletzung. Der andere könnte zb Schadensersatz verlangen. Bei Ebay gibt's jetzt 2 gebrauchte TR61, das günstigste für 550. Kauft dein Käufer das, weil du ausgestiegen bist, ist ihm ein Schaden von 230 € entstanden, den er dir gegenüber geltend machen kann. Nagel mich nicht auf die Richtigkeit dieser Aussage fest, dass ist hier lediglich meine laienhafte (!) Rechtsansicht und keine professionelle Rechtsberatung, schon gar keine Handlungsempfehlung... ;)

    Zweite Überlegung ist die, dass du eine rote Bewertung bei Ebay bekommst. Ich zweifel an, dass du dann beim nächsten Mal mehr Käufer findest.

    Schöne Grüße
    Philipp

  • atomic   08. Feb 2010   16:57 UhrAntworten

    Beitrag 8 und 9: was hat das mit dem Artikel zu tun?

  • Philipp   08. Feb 2010   17:08 UhrAntworten

    Beitrag 10: "Oftmals halten die preiswerten Lösungen nicht allzu lange und der Wiederverkaufswert ist meistens gleich Null." steht im Artikel. Darum geht's, in 9 geht es zudem um einen der vorgeschlagenen Preamps, in 8 um günstige DAW-Software.

    Was hat Beitrag 10 mit dem Artikel zu tun?

  • Chris van Oz   01. Jun 2011   21:01 UhrAntworten

    ich habe mit dem musik machen schon im recht frühen alter angefangen und hatte leider keinen der mir gute tipps geben konnte. von daher war bei mir kaufen und glauben was der händler dir sagt angesagt. auf die art hab ich bis heute schon ca 30.000 euro für musik mach maschinen investiert. aber es hat sich am ende trotzdem gelohnt. denn jetzt hab ich ein hochwertiges home studio und hab durch die vielen geräte auch mein wissen und arbeitsweisen verbessern und ausbauen können :)

  • Tony   27. Aug 2012   22:23 UhrAntworten

    Kann mir einer helfen ich will much aufrüsten und wollte
    Euch fragen was ich brauche also meine Frage were...
    Welches Equipment passt zu brauner phantom
    Classic ? Wo ich sparsam bin und trotzdem Eine
    Qualität gab die nicht scheiße ist :D ? Ich will nur wissen
    Welche geräte ich genau brauche will nix falsches kaufen
    Und die da oben angegebene sind mir zu teuer :(

    Würde mich echt freuen wenn einer mir helfen kann

    Liebe Grüße

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