HipHop Recording Session meistern: Tipps für Aufnahmen mit Rapper

HipHop Recording Session meistern: Tipps für Aufnahmen mit Rapper (für Einsteiger)

HipHop ist kein Rock n’ Roll und daher muss man hier einen eigenen (geeigneteten) Ansatz finden. Es ist vor allem wichtig zu verstehen, dass HipHop nicht einfach nur eine (x-beliebige) Musikrichtung ist, sondern eine Lebenseinstellung bzw. ein Lebensgefühl. Das kommt vor allem im Miteinander und den Gesprächen mit den HipHop-Künstlern zum tragen.

Auf der technischen Seite sind die meisten HipHop Recording-Sessions nichts anderes als reine Vocalaufnahmen. Für diese benötigst Du kaum mehr als einen relativ trockenen Raum (oder gleich eine Gesangskabine), ein gutes Mikrofon, ein Audio Interface und die Musiksoftware zum Aufnehmen. Im späteren Verlauf wird dann Dein Können im Abmischen von Songs bzw. im Abmischen von Gesang gefragt sein.

Vorbereitung für die HipHop Recording Session

Vorbereitung ist alles. Die meisten DAWs (Digital Audio Workstation) bieten Dir die Möglichkeit, Vorlagen für alle denkbaren Anwendungen anzulegen. Beginnen wir also damit, eine Vorlage für HipHop-Aufnahmen zu gestalten. Diese wird es Dir ermöglichen, eine HipHop Aufnahme-Session umgehend zu beginnen, ohne dass Du Zeit in das Erstellen und Umbenennen von Spuren im Sequencer stecken musst. Der Künstler hat damit keine lästigen Wartezeiten und kann sofort loslegen. Das hält die Stimmung (und die Zahlungsmoral) hoch.

Auch wenn Anhänger dieser Musikrichtung es nicht wirklich gerne hören: HipHop ist vorhersehbar – zumindest wenn es um die Aufnahmen geht. Die Künstler haben (fast alle) ähnliche Vorstellungen von dem, wie ein Rap-Song aufgenommen werden sollte:

HipHop Template / Vorlage für den Sequencer erstellen

  1. Lege eine Spur an, die Du “Beat” oder “Track” nennst. Diese Spur sollte in stereo angelegt werden und beherbergt das vom Künstler mitgebrachte HipHop-Instrumental.
  2. Die nächste Spur legst Du in mono an und benennst diese “V1″, was für “Verse 1″ oder in deutsch “Strophe 1″ steht.
  3. Da die meisten HipHop MCs sich selbst gerne doppeln, heisst die dritte Spur (ebenfalls in mono wie auch alle anderen Spuren für den Gesang) “V1 Double”. Da ich nicht so auf lange Spurnamen stehe, nutze ich gerne die Bezeichnung “V1 DBL”.
  4. Die letzten beiden Schritte wiederholst Du für die Strophen zwei und drei. Manchmal kann es sein, dass ein Rapper eine seiner Strophen “Bridge” nennt. Für unsere Vorlage macht das allerdings nichts. Du kannst die entsprechenden Spuren entweder umbenennen oder Dir merken, welche Strophe als Bridge bezeichnet wurde.
  5. Für die Shouts und Filler legst Du am besten eine Spur “Adlibs” an (ich nenne diese kurz “AL”). Auf diese Spur kannst Du in der HipHop Recording Session die für diesen Musikstil typischen Zwischenrufe á la “Yeah” oder “Yo” aufnehmen. Für anspruchsvolle Rapper, die mehrere Versionen aufnehmen wollen oder gerne die Zwischenrufe (Adlibs) hart rechts und links möchten, habe ich sogar eine zweite Spur “AL2″ angelegt.
  6. Eine weitere Spur nebst Spur für die Dopplung kannst Du für den “Chorus” oder “Hook”, wie er im HipHop oft genannt wird, anlegen. Meine persönliche Vorliebe für Akronyme hat daraus in der Praxis “HK” und “HK DBL” gemacht.
  7. Abgerundet wird die Vorlage für den Sequencer (DAW) Deiner Wahl durch eine Spur für das “Intro” und eine für das “Outro”. Auf diese kommt das für viele HipHopper typische Gerede zu Beginn des Songs und zum Abschluss.
  8. Die Erfahrung zeigt auch, dass sich das Anlegen von mindestens einer weiteren Spur anbietet, die Du “Extra”, “Misc” oder in deutsch “Sonstiges” nennen kannst. Oft werden spontan Dinge aufgenommen, die auf keine der oben genannten Spuren

Diese Vorlage kannst Du noch beliebig und nach Herzenslust erweitern, ändern, anpassen. Eine schöne Arbeitserleichterung ist – sofern Dein Sequencer das anbietet wie z.B. Cubase 5 – das Anlegen von Ordner-Spuren. Ich habe in meiner HipHop-Vorlage z.B. einen Ordner namens “Vocals”, in dem sich alle Rap- und Gesangsspuren befinden. Darunter habe ich noch jeweils einen Ordner für die Strophen, einen für den Hook und einen letzten für die anderen Spuren. Mithilfe der Ordner kann ich sehr einfach und effizient ganze Spurgruppen stumm oder solo schalten (in einigen Musikprogrammen kann man Spuren auch als Gruppe zusammenfassen, um dieselbe Funktionalität zu bekommen. Das hat nichts mit Gruppen als Buss zu tun).

Natürlich wird keine Vorlage dieser Welt für alle Situationen ausreichen. Aber mit dieser Vorlage kannst Du bestimmt 95% aller Aufnahmen mit HipHop Künstlern abdecken. Für die restlichen 5% erstellst Du einfach weitere Spuren, wenn benötigt.

HipHop / Rapper aufnehmen: Gleich zu Beginn…

Es ist wichtig, realistische Ziele für die Recording Session zu definieren. Wenn der Rapper zum ersten Mal in einem Tonstudio aufnimmt, dann hat er vielleicht keine Vorstellung davon, wieviel Songs / Tracks er in einer einzigen Stunde aufnehmen kann. Schlimmer wird es, wenn der HipHop-Musiker falsche oder übertriebene Vorstellungen hat.

Beispiel: Der Rapper denkt, dass er fünf Tracks in zwei Stunden aufnehmen kann. Deine Erfahrung sagt Dir, dass vier Tracks wesentlich realistischer sind. Warum also dem HipHop-Künstler nicht sagen, dass Du auf jeden Fall drei Songs mit ihm aufnehmen kannst, aber versuchst, sogar vier zu schaffen. Solltest Du dann tatsächlich alle vier mit dem MC aufnehmen, so hinterlässt das ein positives Gefühl bei euch beiden.

Noch besser meiner Ansicht nach ist es, lieber weniger Songs pro Stunde aufzunehmen: Sich stattdessen mehr auf die korrekte Aussprache und Performance zu konzentrieren – in umgekehrter Reihenfolge der Priorität. Die dadurch gewonnene Zeit kannst Du mit Experimenten, Details oder einfach dem Abmischen und Herumspielen mit Einstellungen an den Effekten für die HipHop Vocals verbringen. Allein schon die kleiner ausfallenden Erwartungen an das gewählte Zeitfenster können einen HipHop-Song so richtig zum grooven bringen.

HipHop ist eine eigene Welt…

…, mit eigenen Regeln und einer ganz eigenen Sprache. Für eine erfolgreiche HipHop Aufnahmesession ist vor allem wichtig, den Flow nicht zu unterbrechen. Wenn es gerade gut läuft, dann reite die Welle bis zum Ende. Lieber eine verschluckte Silbe als eine seelenlose Performance.

Aus eigener Erfahrung weiss ich, dass MCs gerne ihre Homies zur Aufnahme bringen. Die sitzen dann im Tonstudio herum und haben an allem etwas auszusetzen (oder noch sclimmer: fangen an, willkürlich Knöpfe zu drehen). Zuschauer und Zuhörer, die sich im Tonstudio langweilgen, setzen destruktive Energie frei. Diese wird früher oder später den MC in seinem Flow stören und das Gesamtergebnis beeinträchtigen. In einer solchen Situation ist es oftmals besser, die Homies aus dem Tonstudio zu komplementieren…Playstation oder XBOX helfen hier übrigens fantastisch weiter, aber das ist ein Thema für einen anderen Artikel…

Schreib uns Deine Erfahrung mit HipHop Aufnahmen! Was sind Deine besten Tipps?

Lesermeinungen (15)

zu 'HipHop Recording Session meistern: Tipps für Aufnahmen mit Rapper'

  • el bass
    25. Aug 2009 | 13:16 Uhr Antworten

    tach!
    ich komme grade frisch vom hophopkemp in tschechien…..da hat man mir mal wieder viele tapes in die hand gedrückt……
    beim durchhören im studio ist mir mal wieder aufgefallen wieviele jungs doch die stimme fast unbehandelt lassen…oder einfach nur laut machen…..eigentlich schade….das macht vieles zu nichte….
    ich recorde selber seit 5 jahren…also ich sitze auf der seite der scheibe wo der pc brummt und die knöpfe sind….und ich weiss das viele rapper bewegung brauchen um vorm mic abzugehen…..das hat mich auch schon mein neumann gekostet…..
    kleiner tipp dazu…..lass den mc sein textblatt selbst halten…dann kann er sich nicht bewegen wie in ner sportstunde….;)
    ich schicke auch leute nach hause wenn sie ihren text nicht wenigstens ausschschnittsweise kennen…das geht nich….dauert einfach zulange….

    und noch eins…was viele rapper nich gerne hören….kiffen mag zwar kreativität steigern (in manchen fällen);)…..aber es ist der tod der aussprache….

    be a pro!!!

  • FleXx
    25. Aug 2009 | 16:49 Uhr Antworten

    Genau lieber wenige songs dafür perfekte performance harrauskitzeln mit 2 richtig guten songs fühlt man sich am ende besser als mit 5 dahergeklatschten songs das motiviert Neulinge auch mehr…Tempo wird gesteigert wenn Routine drin ist !!

    Wie immer guter Beitrag !! ;)

  • Robin
    25. Aug 2009 | 19:14 Uhr Antworten

    Guter Beitrag mit Punkten, die ich gut nachvollziehen kann. Lediglich missfällt mir die Ironie, die im Subtext zu Ungunsten des Rappers als solchem mitschwingt. Da merkt man direkt, dass du/Sie nicht gerade Fan der Musikrichtung bist und solch ein Text sollte doch möglichst sachlich und neutral bleiben. ;)

  • Carlos (delamar)
    25. Aug 2009 | 20:18 Uhr Antworten

    Danke für die Kommentare! Es freut mich natürlich, wenn der Artikel gut ankommt.

    @Robin:
    Es war keine Ironie intendiert. Ich habe sehr viel mit Rappern und HipHoppern zusammengearbeitet und dabei ganz unterschiedliche Menschen und Typen kennen gelernt. Da war alles dabei :)

  • Derek
    03. Sep 2009 | 15:23 Uhr Antworten

    Ich bin derselben Meinung von el bass,

    ich bin ebenfalls ein Mann hinter den Reglern, und aufgefallen ist mir bei vielen Sessions, das der MC irgendwas in Händen braucht.

    Gebt den Mc´s ihr Textblatt einfach auf einer festen Unterlage (keine Rasselgeräusche) in die Hand. Das wirkt wunder ;)

    und jetzt der wichtigste Tipp:
    “Solltet ihr die Recording Session unterbrechen müssen, wegen einer Klo pause oder sonstigem, dann speichert das Projekt, und macht den Bildschirm aus bevor ihr geht.

    — ich bin selbst schoneinmal zurückgekommen, und Kollegen des MC´s waren dabei mein Arrangement “übersichtlicher zu machen”….

    Sehr guter Beitrag.. aufjedenfall lesenswert.

    @el bass
    PS: Ich war auch auf dem HipHop Kemp 09 ;)

  • Martin Burkard
    19. Sep 2009 | 02:19 Uhr Antworten

    Ich habe selber schon HipHop-CDs produziert, rappen tu ich auch schon viele Jahre, trotzdem stand selbst für mich in dem artikel neues. sehr gut. homies im studio hatte ich leider noch nicht… zumindest nicht die sorte die, wenns nach ihnen ginge, auch den recording-engineer ersezen könnte :)

    Things i like to add:
    manche rapper doppeln sich sogar gerne in stereo, sprich, ein doppler links und einer rechts, nacheinander aufgenommen… in der hookline kann die anzahl der spuren auch bis ins unermessliche reichen. das hat den vorteil, dass die vocals eine ungeheure klangfülle und damit druck bekommen. probierts mal aus, wenn man cool mit lautstärkeverhältnissen um kann, lässt sich schon ein professionell klingender rapsound machen.

    auch ganz wichtig für rap sessions… wenn man als typ hinter der scheibe merkt, dass beim artist die luft raus ist (man hängt 20 minuten an einem take, es scheitert an kleinigkeiten), sagen! Lieber ne kleine Pause einlegen und sich ablenken, als noch 20 minuten an nem vierzeiler zu hängen. Lass es nen Kaffee und ne Kippe sein, irgend n Youtube-Video oder einfach nur ma 10 minuten über gott und die welt quatschen. wirkt genau dann wunder wenns wieder zurück in die kabine geht, dann wird die komplizierte line von eben zu rappen das selbstverständlichste auf der welt – zumindest ging es mir oft so.

  • b zum d
    18. Jan 2010 | 22:16 Uhr Antworten

    also ich rappe selbst und fan den artikel sehr amüsant und hilfreich…ich finde nicht das der text ironisch rüberkommt sondern auf nette art naiv. was die pause angeht wenns gerade nicht läuft kann ih meinem vorredner nur zustimmen. kurz ne kippe und alles ist gut!

    achja: hhk 09! auch da gewesen…ist ja wie ein klassentreffen hier!

  • Timo G
    26. Mrz 2010 | 22:11 Uhr Antworten

    Aw Ja geil. Ich liebe es, guten Humor über meine Musikrichtung zu hören. :D
    War Silvester im Studio und hab einen kranken “Rap” aufgenommen mit einem Atzen, der davon noch nie ein Plan hatte.. Der beste Weg, jemand zu guten Ergebnissen zu bringen, ist immernoch simple Motivation, gegenseitiges sinnloses Anbrüllen bewirkt Wunder im Adrenalinspiegel :) Jetzt kennt die ganze Schule den Track und feiert ihn.

  • Aaren
    20. Mai 2010 | 00:16 Uhr Antworten

    Super Artikel! danke.

    ich bin relativ neu im “recording-business” und recorde oft meine Kollegen beim rappen.

    Was ich auch sehr wichtig finde bei der Vorbereitung der Projekte ist zu checken, ob bei den angelegten Spuren die Mic-Inputs alle stimmen..
    hatte bei meiner ersten recording session ein riesen Problem damit und alle regten sich grausam auf.
    Passiert mir nun nichtmehr! :D

    Gruss Aaren

  • nohg
    26. Mai 2010 | 17:31 Uhr Antworten

    hallo
    delamar gefällt mir entgeil und die ganzen Artikel die man so findet! Aber eine frage hätte ich dann noch: Ich mach selber Musik und bei den 8 schritten gehe ich so ähnlich vor, nur wieso sollte man die veresen mono aufnehmen? verstehe ich nicht? ich nehme sie gleich in stereo auf….

    da mache ich doch was falsch oder wie? obwohl hört sich schon seit jahren gut an :D

    vielen dank für alles

  • Frank
    26. Jul 2010 | 12:49 Uhr Antworten

    @nohg:

    du nimmst stimme “stereo” auf – mit 2 Mikrofonen gleichzeitig? oder auf ne Stereo-Spur im sequencer/daw? Im zweiten Falle erzeugst du dadurch nur größere Datenmengen, mit denen Computer und HD umgehen müssen (ein mic auf ne stereo spur aufnehmen erzeugt ne doppel-mono-spur – macht nicht wirklich sinn..).
    mic=mono >> auf mono-spur aufnehmen!

  • Alexander
    01. Okt 2010 | 15:47 Uhr Antworten

    War vor kurzem bei einer Studio Aufnahme dabei und war wirklich begeistert. Bis zu diesem Zeitpunkt war ich immer der Meinung – ins Studio gehen, losrappen aufnehmen fertig. Aber so einfach ist es ganz und gar nicht. Das ist wirklich harte Arbeit speziell nach der Aufnahme. Was da alles bedacht werden muss und im Nachhinein angepasst werden muss ist schon genial. Freu mich schon auf meinen nächsten Besuch im Studio. Hier hab ich mir ja noch ein paar Tipps holen können das war klasse. Danke

  • Bx
    10. Dez 2010 | 14:42 Uhr Antworten

    Ich habe nicht ganz verstanden wie viele spuren man z.B für einen Part braucht?
    also :
    -alle auf mono
    -eine main spur aufnehmen ( Balance = 0 )
    -gleiche spur nochmal ( Balance -100)
    -gleiche spur noch einmal aufnehmen ( Balance +100)

    oder nur 1 mal aufnehmen erklärts mir bitte
    MFG BX

  • Suburb Kids
    03. Apr 2013 | 11:33 Uhr Antworten

    gute tipps!!! sehe ich ganz genau so!!!

    achtet auch darauf das der rapper oder die rapperin nicht wie ein bekloppter vor dem mic umherzappelt…

    wer hat schon lust auf unerwünschte nebengeräsuche und sich ständig ändernde pegel in der aufnahme…?!?!

    ich zeig den leuten immer eine handbreite abstand zum popschutz, je nach intensivität der s aussprache, das hilft imens!!!

    Keep up the good work!!!

    @el bass: kiffen im studio ist definitv genauso überflüssig wie hoher alkoholkonsum…wird doch eh wieder neu aufgenommen…IST IMMER SO!!!

  • Vlad aka ForeVa
    15. Nov 2013 | 15:30 Uhr Antworten

    Ich habe auch mal in einem Musikstudio aufgenommen und es hat Spaß gemacht, da ich meinen Flow, meine Beats und meinen Text wirklich gespürt habe. Leider ist es zu teuer für mich 80 euro oder mehr pro Stunde für das recorden im Musikstudio zu bezahlen auch wenn ich es wirklich gerne mache. Wer was von mir hören mag kann mir ja ne Mail schicken vllt gefällts euch, NEIN es wird euch gefallen :) Die Tipps sind sehr gut und ich bin ab heute ein großer Fan von dieser Page! :)

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