Gitarre stimmen: Tipps für die perfekte Aufnahme
Wir haben das Thema Gitarre stimmen bereits im delamar Podcast “Recording von Gitarre / Wahrheit über Casting-Shows / Abmahnungen als Geschäftsmodell” angerissen und irgendwie lässt es mich nicht los. Ich denke, es macht Sinn, nochmals etwas detaillierter auf das Thema einzugehen.
Zu oft wird das E-Gitarre stimmen bei Sessions im Tonstudio vernachlässigt und dann beim Abmischen versucht, die Probleme zu übertünchen. Und das nicht selten ohne Erfolg.
Gitarre stimmen: Tipps für die perfekte Aufnahme
Eine richtig gestimmte Gitarre macht allzuhäufig den Unterschied zwischen einem guten und einem schlechten Recording aus. Nein, ich spreche jetzt nicht von den offensichtlich verstimmten Saiten. Es geht mir hier vielmehr um die subtilen Abweichungen, die mitunter sehr schwierig als solche wahrzunehmen sind. Du hörst nur, es klingt irgendwie nicht gut, weisst aber nicht warum. Wenn es anschliessend an das Abmischen des Songs geht, bleibt häufig nur das leise drehen der Gitarren und vertuschen.
Dabei kostet ein Tuner zum Gitarre stimmen gar nicht viel Geld. Hier ist zum Beispiel ein preiswertes Stimmgerät für gerade einmal 7,90 Euro (wohlgemerkt ich habe das nicht selbst getestet). Im selbigen Shop findest Du auch noch mehr Tuner, die im Bereich unter 100 Euro und einige, die darüber liegen. Unter diesem Link befindet sich sogar ein noch günstigeres Stimmgerät für Gitarre.
Für die unbelehrbaren Sparfüchse sei noch angemerkt, dass sich im Internet auch noch diverse Webseiten finden, auf denen sogar Gitarre stimmen online möglich ist. Allerdings bringen solche Programme und Webseite im Tonstudio nur wenig bis gar nichts. Wer möchte schon mitten in der Aufnahme seinen Laptop aufklappen müssen?
Aber kommen wir zum Punkt: Deine Gitarre stimmen kostet nur wenig bis gar nichts in finanzieller Hinsicht. Und was den Zeitfaktor angeht, bist Du mit 30 Sekunden pro Vorgang mit dabei. Das ist – verglichen mit dem Aufwand eine Aufnahme zu einem späteren Zeitpunkt nochmals machen zu müssen – ein verschwindend geringer Aufwand. In einigen Fällen ist es sogar gar nicht erst möglich, die Aufnahme zu einem späteren Zeitpunkt zu wiederholen. Denn gleich, wie viel Fotos Du von den Einstellungen am Equipment während der Session geschossen hast oder wie sorgfältig alle Presets gespeichert wurden. Am Ende des Tages passt es dann doch nicht mehr zusammen.
Gitarre richtig stimmen
1. Saitenwechsel
Alte Saiten sind dreckig und lassen sich häufig nicht mehr richtig stimmen, deswegen vor dem Gitarren Recording immer neue Saiten aufziehen. Das ist ohnehin ein Tipp, den Du schon aus Gründen der Klangqualität berücksichtigen solltest.
2. Saiten dehnen
Den Effekt kennst Du sicher: Nach dem Stimmen der Gitarre spielst Du nur wenige Töne bevor diese sich wieder verstimmt hat. Das liegt daran, dass das Material, aus dem die Saiten gefertigt sind, sich aufgrund der Spannung ausdehnt. Eine Möglichkeit ist, einfach zu warten bis die Saiten sich vollständig gedehnt haben, was in bei einer Aufnahmesession im Tonstudio aber eher störend wäre.
Aber es gibt einen einfachen Trick, den Du das nächste Mal anwenden kannst, um diesem Problem aus dem Weg zu gehen. Nachdem Du die neuen Saiten aufgezogen und gestimmt hast, dehnst Du alle Saiten vorsichtig mit der Hand. Danach stimmst Du wieder nach, dehnst, stimmst, dehnst. In wenigen Minuten sind die neuen Saiten vollständig gedehnt und die Aufnahmen können weitergehen.
3. Bundreinheit
Als bundrein bezeichnet man eine Gitarre, wenn alle Saiten sowohl in offener Stimmung als auch im 12 Bund exakt gestimmt ist. Um das an deiner Gitarre zu erreichen, stimmst Du eine der Saiten so exakt wie nur möglich. Je besser deine Gitarre und das Stimmgerät sind, desto einfacher wird dir dieser Schritt fallen. Sobald die Saite gestimmt ist, spielst Du sie im 12. Bund (also eine Oktave höher) an und kontrollierst, ob die Stimmung dort exakt (bis auf den Cent) gleich ist.
Sollte sie das nicht sein, musst Du die Mechaniken der Gitarre nachjustieren. Wenn die Saite im 12. Bund zu tief ist, musst Du die Länge der Saite verkürzen. Ist sie zu hoch, so musst Du die Saitenlänge zwischen Bridge und Kopfende verlängern. Danach geht es wieder von vorne los: Zunächst die offene Saite, danach den 12. Bund kontrollieren bis die Stimung exakt ist.
Eine genauere Anleitung kann ich an dieser Stelle übrigens nicht geben, da jedes Gitarrenmodell etwas anders ist. Im Zweifelsfall solltest Du den Händler deines Vertrauens bitten, die Wartung der Gitarre für dich zu übernehmen.
Letzte Gedanken zum Gitarre stimmen
Die Stimmung deiner Gitarre ist über die reine Technik hinaus noch von einer Anzahl anderer Faktoren abhängig. Dazu gehören Luftfeuchtigkeit, Temperaturwechsel, Saitendicke etc. Wie ich oben bereits ausführte, ist es von enormer Wichtigkeit, die Stimmung regelmässig während der Aufnahme zu kontrollieren.
Viel mehr gibt es zum Thema Gitarre stimmen eigentlich nicht mehr zu sagen. Die Qualität der Verarbeitung der Gitarre spielt natürlich eine enorme Rolle. Billigste Gitarren können zum echten Problem in Sachen Bundreinheit werden. Und hier rechtfertigt sich schliesslich auch der hohe Preis von guten Instrumenten (zumindest teilweise). Diese werden nämlich mit einem hohen Aufwand so gefertigt, dass sie annähernd perfekt werden. Bei den wirklich guten Herstellern verlassen nur die Gitarren das Werk, die strengsten Kontrollen in Sachen Qualität standhalten konnten – und das hört man am Ende auch in einer Aufnahme.
Hat dir dieser Artikel gefallen? Hast Du etwas lernen können? Kennst Du vielleicht einen Bandkollegen oder Freund, der diesen Artikel vielleicht interessant finden könnte? Dann verlinke uns auf deiner (Band-)Webseite oder in deinem Lieblingsforum! Empfiehl uns weiter auf Twitter, Myspace oder Facebook und garantiere damit, dass wir auch morgen noch weitere Tutorials dieser Art kostenlos für dich veröffentlichen können. Danke!
Mehr zum Thema:
30. Okt 2009 | 18:49 Uhr
Ich hab mich gerade etwas mehr als wenig mit Stimmgeräten befasst (werde dazu evtl im Laufe des nächsten Monats bloggen) und mein vorläufiges Fazit ist: An Geräten von Korg führt kein Weg vorbei. Der Trost: Auch da ist man mit 12,50 schon dabei.
Vorsicht Falle: Wenn man mit Kapodaster spielt und dieser zu sehr zuklemmt, dann ist die Stimmung hinüber.
Und noch eine Erfahrung: Es gibt auch Nichtmusiker (also normale “Konsumenten” deiner Musik) die selbst ohne trainiertes Gehör schiefe Töne deutlich wahrnehmen und dann natürlich nicht gut finden.
Kurzum: Es gibt keine Ausreden.
31. Okt 2009 | 02:11 Uhr
Hi Carlos,
jetzt muss ich mich auch endlich mal zu Wort melden. Zunächst einmal auch von mir ein sehr großes Lob für Eure Webseite. Derart pragmatische und brauchbare Tipps findet man woanders nur schwer oder gar nicht. Ich würde mich freuen, wenn Ihr so weitermachen würdet und empfehle Eure Seite jedem meiner Bekannten, Kollegen und Freunde, der etwas mit einer Band oder Recording zu tun hat.
Nun mal eine kleine Nachbesserung zu Deinem Artikel zum Gitarrestimmen: die Bundreinheit kann nur bei der Herstellung einer Gitarre gut oder schlecht gemacht werden. Dabei geht es um die möglichst präzisen Abstände der Bünde zueinander. Was DU meinst, ist die Oktavreinheit. Die kann man einstellen und das sollte man auch tun. Anleitungen dazu findet man auf anderen Webseiten. Zum Beispiel gibt es bei Rockinger ganz nette Workshops dazu: http://www.rockinger.com/index.....shop_Setup
Dort wird zwar beschrieben, wie man nach dem Einstellen der Oktavreinheit noch weiter optimieren kann, aber eine unpräzise gebaute Gitarre kann man eben nicht bundrein machen durch Einstellen…
Desweiteren möchte ich noch anmerken, dass ich für eine Aufnahme nicht gerade ein derart billiges Stimmgerät wie die genannten unter 10 EUR nehmen würde. Als sehr genau gelten die Nadelstimmgeräte. Sie sind allerdings nicht ganz so billig. Sehr günstige Geräte haben meistens recht wenige LEDs, was das genaue Stimmen nahezu unmöglich macht. Eine trotz relativ weniger LEDs sehr genaue Stimmung ermöglichen Stimmgeräte mit Stroboskop-Modus. Hier ist zum Beispiel das Pitchblack von Korg sowohl preislich als auch von der Qualität rundum genial. Die LEDs zeigen quasi ein laufendes Muster, welches zum Stillstand kommt, wenn der Ton exakt stimmt. Auf YouTube findet man einige Videos, die das gut zeigen.
Wenn man es also ernst meint mit dem Stimmen, sollte man ruhig etwas über die 20-EUR-Grenze hinausgehen. 70 EUR sind meiner Meinung vertretbar und eine lohnende Investition für ein langlebiges genaues Gerät. Mehr als 100 EUR muss man aber wiederum kaum ausgeben.
Viele Grüße und haltet die Ohren steif! :-)
31. Okt 2009 | 09:35 Uhr
Hallo Suckspeed und vielen Dank für deinen Kommentar. Du hast natürlich recht mit der Bundreinheit, und die Oktavreinheit ist ja Bestandteil der Bundreinheit.
In Sachen Stimmgeräte zum Gitarre stimmen kann ich dir und Nils ebenfalls nur recht geben. Man sollte hier nicht sparen (wie so oft in diesem Bereich). Meiner Ansicht nach ist ein biliges Stimmgerät zumindest mal besser als gar keines.
Über das Thema haben wir übrigens auch mal im Podcast #36 gesprochen.
Grüsse,
Carlos
31. Okt 2009 | 11:10 Uhr
@suckspeed: Guter Punkt, das mit der Oktavreinheit etc. – am Bass sollte man auf jeden Fall die Oktavreinheit prüfen und ggf. neu einstellen, nachdem man einen anderen Saitentyp draufgemacht hat. Ich lasse dem Bass nach dem ersten Einstellen dann ein paar Tage Zeit, falls sich noch irgendwas wieder verziehen möchte und stelle dann nochmal ein.
Eine auf dem 12. Bund um 10 Cent (1/10 Halbton) abweichende Saite kann schon auf dem 3. Bund verstimmt klingen.
Teure Tuner lohnen sich nicht immer, ich bin zum Beispiel mit dem Fender PT-100 (mittlerweile auf 48€ gestürzt, damals ca 70) nicht glücklich. Stimmt zwar gut, das Pedal verhakelt sich aber – broken by Design. Aber gutes Gehäuse und super Ablesbarkeit.
Wer wenig Geld ausgeben will, der kann mit so einem “Taschentuner” wie dem Korg GA-1 anfangen. In der Handhabung je nach Situation mühsam (Umstöpseln, etc.) aber gut und günstig. Tut dank eingebautem Mic auch am Lagerfeuer.
Rockbrettfahrer nehmen den Korg Pitchblack. Juppies kaufen bei Peterson ein.
31. Okt 2009 | 19:21 Uhr
Stimmgeräte machen schon sinn.
Wenn mal keines am Start ist, gibt es immer noch den Trick mit der Tonschwebung.
Falls den Keiner kennt, poste ich ihn gerne nochmal hier.
13. Jul 2010 | 21:23 Uhr
Hallo liebes Delamar Team!
Ich habe eine Frage die in Richtung Gitarren Tunig geht.
Meine Band und ich nehmen demnächst unser erstes Album auf, und uns wurde ein Tipp gegeben, dass es wichtig sei, alle Gitarren (Egitarren und der E bass), im Musikfachhandel aufeinander abstimmen zu lassen, um einen guten Sound zu bekommen.
Würdet ihr mir ebenfalls dazu raten, oder bringt das nicht allzuviel?
Mfg Florian