Filmton, Videoton & Vertonung – Einführung (Teil 1)

Einführung in Filmton, Videoton & Vertonung

Ton spielt heutzutage in Film und Video eine große Rolle. Der Filmton erweckt die bewegten Bilder erst zum Leben und macht mindestens 50% eines Filmes aus. Umso wichtiger ist es also, dem Ton viel Aufmerksamkeit zu widmen. Aber wie geht man eine Tonmischung im Film oder Video an? Welche Ebenen gibt es im Filmton? Welche Vorbereitungen müssen getroffen werden? Was muss man bei der Summenbearbeitung beachten? Diese und andere Fragen gilt es zu klären.

Beginnen wir mit den verschiedenen Ebenen. Es existieren sechs unterschiedliche: Sprache, Musik, Geräusche, Special Effects (SFX), Atmosphäre und die Stille.

 

Sprache im Filmton & Videoton

Die Sprache gliedert sich in

  • O-Ton,
  • Off-Text und
  • ADR.

O-Ton und Off-Text kommen sowohl im Fernsehen oder Webvideo, als auch im Radio vor. Beim Film gibt es den O-Ton und die ADR. O-Ton heißt „Original Ton“ und bezeichnet den einmaligen, also nicht reproduzierbaren Ton. Dazu gehört zum Beispiel das Interview eines Politikers. Der Off-Text hingegen wird nachträglich eingesprochen. Dieser kann von einem Nachrichtensprecher oder Moderator vorgelesen werden.

Des Weiteren gibt es auch noch die Synchronisation von Film und Video. An dieser Stelle verwendet man den Begriff ADR (Automated Dialog Replacement). Bei diesem Verfahren wird der Original Ton durch einen besser verständlichen O-Ton oder eine Übersetzung ersetzt.

Filmton Videoton & Vertonung

Filmton Videoton & Vertonung - Wichtiger Bestandteil

Filmmusik oder Musik im Film?

Bei diesem Thema fällt oft ein Name: Hans Zimmer. Filmmusik ist vielleicht die Königsdisziplin für einen Komponisten. Die Verbindung von Bild und Musik ist magisch und erzeugt bei vielen Menschen Gänsehaut, wenn sie gelungen ist.

Musik im Film kann sowohl Emotionen betonen, als auch die Wirkung des Bildes völlig umkehren. Somit ist klar, dass Musik als eigenständige Ebene im Film eine große Rolle spielt. Bei vielen Videobeiträgen ist es jedoch leider so, dass die Musik mehr oder weniger als „Lückenfüller“ dient, was in vielen TV-Berichten zu beobachten ist. Die Bedeutung der Musik geht dabei verloren.

Auf der anderen Seite kann Musik richtig eingesetzt, zum Beispiel in Reportagen, eine große Wirkung erzielen.

 

Foley

Der Begriff „Foley“ wurde von dem amerikanischen Geräuschemacher Jack Foley geprägt. Er war einer der ersten, der Geräusche im Film nachträglich vertonte. Aufgrund seiner außergewöhnlichen Arbeit wurden alle Geräuschemacher ihm zu Ehren mit dem Titel „Foley-Artist“ bezeichnet.

Ein Foley Artist erschafft Klänge für Schritte, sich verbiegendes Metall, kratzen der Fingernägel an einer Tafel, ein Leuchtschwert und vieles mehr.

 

Special Effects / SFX

Als Special Effects werden technische oder mechanische Einzelklänge bezeichnet. Beispiele hierfür sind quietschende Autoreifen oder auch Explosionen. Die SFX können synthetisch erzeugt oder auch akustisch aufgenommen werden. Häufig wird auch eine Mischform von beidem eingesetzt.

Hierbei ist zu sagen, dass die Arbeit von Foley Artist´s und SFX Editoren verschwimmen kann. Ein Bespiel dafür, ist das Sounddesign für den Film Transformers „The Dark Side of the Moon“.

 

Atmosphäre

Diese Ebene beschreibt die Atmosphäre, die die Umgebung charakterisiert, in der ein Film oder ein Video gedreht wurde. Einfaches Beispiel: Straßenatmosphäre. Man hört anfahrende und stoppende Fahrzeuge, Autos, die hupen, und quietschende Reifen. Beim Schließen der Augen hörst Du nur die Atmosphäre und hättest sofort das Bild einer befahrenen Straße vor dir. Atmosphären schaffen sozusagen ein akustisches Abbild der Umgebung.

 

Stille

Erst durch Stille wird es erst möglich, Spannung aufzubauen – beispielsweise um etwas Neues anzukündigen oder eine Handlung zu beenden. Sie kann auch die Leere in einem Menschen betonen oder die Angst vor etwas Unbekanntem.

Richtig eingesetzt kann sie eine große Wirkung haben.

Im nächsten Teil Filmton, Videoton & Vertonung wird es dann ein kurzes Tutorial geben, wie Du die oben genannten Ebenen miteinander abmischst und zu einem Ganzen verbindest. Stay tuned, der zweite Teil kommt in den nächsten Tagen. Bis dahin freuen wir uns über dein Feedback in den Kommentaren.

Lesermeinungen (9)

zu 'Filmton, Videoton & Vertonung – Einführung (Teil 1)'

  • Gerald
    02. Mai 2012 | 17:09 Uhr Antworten

    Danke für den gut zusammengefassten Beitrag! Da Filmton u.a. auch Thema meiner Bachelor-Arbeit war, möchte ich an dieser Stelle noch die Bücher “Audiodesign” von Hannes Raffaseder und “Sound Design” von Barbara Flückiger empfehlen – wirklich sehr informative Werke, auch wenn man z.B. bei kleineren Film-Projekten für den Soundtrack zuständig ist!

    • Bony
      02. Mai 2012 | 19:20 Uhr Antworten

      Hallo Gerald,

      danke für die Empfehlungen! Bin mir sicher, dass die Werke auch für den einen oder anderen Delamari nützlich sein werden.

      Viele Grüße.
      Bony

  • Sogyra
    06. Mai 2012 | 11:41 Uhr Antworten

    Allerdings!

    Freu mich schon auf die nächsten Teile ;)

  • Tomani
    29. Mai 2012 | 20:59 Uhr Antworten

    waere toll wenn ihr euch auch mit dem thema der tonaufzeichnung am drehort beschäftigen könntet und darüber was schreiben könntet. welche möglichkeiten gibt es sound mobil zu recorden und abzumischen, welche geräte eignen sich dafür. wie wird alles synkron, wie microfoniert man ein set richtig um alles wesentliche aufzunemen…

  • Bony
    30. Mai 2012 | 15:41 Uhr Antworten

    Danke für die Anregung. Ich hatte auch schon die Idee, dass man zum Aufnehmen auch noch einen Artikel macht. Das wird noch was kommen;-)

    LG, Bony

  • Thomas
    10. Jun 2012 | 09:16 Uhr Antworten

    ich schließe mich gerne an. Ich habe aber noch eine andere Frage: gelegentlich muss ich Theaterstücke mtschneiden. Wie kann ich möglichst unauffälllig Mikros platzieren, um die Sprache gut drauf zu kriegen? Wenn ich die Kameramikros nehme, bin ich immer zu weit weg…

    • Bony
      10. Jun 2012 | 13:29 Uhr Antworten

      Hallo Thomas,

      meine Empfehlung wäre Grenzflächenmikrofone am Bühnenrand zu platzieren. Diese sind unauffällig und sind vom Publikum kaum bzw. gar nicht erkennbar. Ein weiterer Vorteil ist, dass du da durch ein schönes Stereobild in deiner Aufnahme bekommst.

      Beste Grüße
      Bony

  • Thomas
    10. Jun 2012 | 17:48 Uhr Antworten

    Supi! Vielen Dank, ich werd’s probieren!

  • Tomani
    10. Jun 2012 | 23:05 Uhr Antworten

    achte aber darauf die grenzflächen zum boden hin ausreichend abzuschirmen. am besten mit schaumstoff. ein rumpel/tritschall filter ist warscheinlich auch ein muss. sonst hast du nur schritte und gekrach in der aufname. ich würde ja eher 2 kleinmemrane am beleuchtungsstativ anbringen, falls o etwas vorhanden ist. da hast du auch ein schönes stereobild und weniger trittschall. muss man mit der richtchatakteristik unter umständen etwas experimentiern.

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