Drums Producing mit Sampler: Noch mehr Realismus für deine Drums (Teil 2)

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Inhalt

  1. Grundlagen & Spielweise eines Schlagzeugs
  2. Timing und die Quantisierung

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Drums Producing mit Sampler: Noch mehr Realismus für deine Drums (Teil 2)

Den Einfluss der Anschlagsstärke bzw. Velocity auf das Klangverhalten haben wir bereits im ersten Teil besprochen. Ebenso ging es um den Einfluss der Verwendung zahlreicher unterschiedlicher Samples für realistischere Drums. Deswegen geht es jetzt direkt weiter mit…

 

Das Timing, die Quantisierung und der Machinengewehr-Effekt

Es wäre auch zu perfekt, wenn der Drummer immer exakt die Zählzeiten trifft. Keiner schafft das, nicht einmal die besten Drummer der Welt. Und deswegen kann jeder auch sofort heraushören, wenn eine Drum Machine oder ein Sampler am Werk ist. Schlecht umgesetzt, schlagen diese nämlich exakt in der Zählzeit und immer gleich hart an.

Also hauchen die menschlichen Fehler den Aufnahmen erst das Leben oder den Groove ein. Das Verschieben und Geraderücken einzelner Schläge in einem Sequencer nennt sich Quantisierung. Meistens lassen sich mit dieser in den gängigen Sequenzern Noten bis auf die 128tel quantisieren – normal, triolisch oder punktiert. Und damit es nicht zu perfekt wird, bieten die meisten Musikprogramme hier auch einen Faktor „Swing“ oder eine „Humanisierung“ an. Diese helfen dabei, mehr aus den Drums aus der Dose herauszuholen.

Das Zusammenspiel von Velocity und Quantisierung ist das ganze Geheimnis eines menschlich klingenden Grooves aus der Dose.

Kommen wir mal zum Maschinengewehr-Effekt. Stell Dir einen Snareroll mit einem einzigen Sample vor. Das Ergebnis klingt wie ein Stottern, eine Art Maschinengewehr-Effekt, das dadurch erzeugt wird, dass ein einziges statisches Sample sehr schnell hintereinander abgespielt wird. Bei der Aufnahme einer echten Snare Drum klingt ein solcher Roll aber ganz anders, was damit zu tun hat, dass der Drummer unterschiedliche Stellen auf der Trommel mit unterschiedlich viel Kraft trifft und das Trommelfell dabei immer in Bewegung bleibt, was zusätzlich für sich immer ändernden Klang sorgt.

Die Lösung? Unterschiedliche Lautstärkepegel, mehrere Samples einer Snaredrum und etwas Quantisierung mit Swing oder Groove. Damit wirst Du dem Original verdammt nahe kommen können.

 

Dies & Das sowie weitere Tipps für menschlich klingende Drums aus der Dose

  1. Overheads
    Immer wieder kannst Du den Begriff Overheads im Zusammenhang mit den Drums lesen. Was sind Overheads? Overheads sind die beiden Mikrofone „über dem Kopf“ des Drummers, also oberhalb des Drumkits. Einerseits nimmt dieses Stereopärchen die beiden Becken ab, andererseits fängt es auch den Raumklang des Drumsets mit ein. Ein vollkommen trockenes Drumset wird sich in keinen Mix wirklich einfügen wollen und klingt zumeist unnatürlich.
    Abhilfe schaffen entweder Samples, die entsprechend mit Raum aufgenommen wurden oder in der Not auch ein Halleffekt mit Room als Einstellung.
  2. Panorama
    Des Weiteren solltest du die Panoramaverteilung beachten. Stell dir das Drumkit im Raum wie in der Grafik oben vor. Wie unschwer zu erkennen ist, nimmt die Kick Drum ihre Position in der absoluten Mitte ein. Die Hihat dagegen ist auf der linken Seite zu finden, die Snare etwas rechts. Die Toms eignen sich, um sie von links nach rechts zu verteilen wie im Bild. Die beiden Becken sind ebenfalls seitlich angeordnet.
    Es geht einfach darum, die einzelnen Bestandteile des Drumsets im Stereopanorama realistisch zu verteilen. Bei keinem Drumset der Welt kommen alle Sounds direkt aus der Mitte.
  3. Sticks und Besen
    Die Snare Drum wird üblicherweise mit einem normalen Drumstick oder einem Besen geschlagen. Die Variante mit Besen trifft man des öfteren in jazzlastiger Musik. Betitelt sind diese Samples meistens mit „Brush“.
  4. Rimshot
    Auch der Rimshot hat mit der kleinen zentralen Trommel, der Snare Drum zu tun. Der Rimshot ist nichts anderes als ein Schlag mit dem Drumstick auf den Spannring (den Rand) und das Schlagfell der Trommel zur selben Zeit. Ein Evergreen, das in jeder Sample Library zu finden ist.
  5. Sidestick
    Auch der Sidestick stammt von der Snare Drum ab. Es ist ein Schlag auf den Spannreif bei aufgelegtem Stick auf das Fell der Snaredrum. Du siehst, wenn Du also ein Sidestick Sample verwendest kannst du auf dieser Zählzeit kein anderes Drumsample des Sets abspielen, bei welchem der Drummer seine Sticks einsetzen würde.

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Lesermeinungen (6)

zu 'Drums Producing mit Sampler: Noch mehr Realismus für deine Drums (Teil 2)'

  • S. Power   10. Apr 2010   15:31 UhrAntworten

    Schönen guten Tag,

    also, an sich ein sehr schöner Artikel. Eine kleine Anmerkung hätte ich aber noch: Der Punkt 5 ist ja so nicht ganz richtig, weil der Drummer dazu ja nur einen Stick verwendet, das heißt, die andere Hand ist noch frei (also auch die Möglichkeit, ein anderes "Stick-Sample" abzurufen).

    Schönen Gruß.

  • ingo   10. Apr 2010   16:04 UhrAntworten

    ja, interessanter artikel, für eingefleischte leute natürlich nichts neues, dennoch sehr gut.
    ich persönlich habe mit dem wort "realismus" ein problem. es wird oft suggeriert, dass realismus gleich "gut" ist, oder "besser".
    ich gehe mal davon aus, dass ein drummer, wenn er denn hypotetisch, sagen wir mal 4 arme und hände hätte, dass er selbige auch verwenden würde - nicht zum eier kraueln, sondern zum schlagzeug spielen. mit einem sampler hat man so viele arme und hände wie man braucht, also ist es nicht verwerflich, wenn da mal eine open und eine closed hihat zusammen spielen. es geht doch darum, dass es gut klingt. mehr zählt nicht. sich an unzulänglichkeiten des menschlichen körpers zu orientieren ist meiner meinung nach, wenn es um die musikproduktion geht, immer falsch.
    nicht falsch verstehen, das ist nur eine andere perspektive. super artikel!

  • olaf   11. Apr 2010   16:35 UhrAntworten

    da muss ich ingo durchaus recht geben! es kommt eben immer darauf an, was man machen will. elektronische musik darf auch ruhig elektronisch und maschinell klingen. man stelle sich nur mal kraftwerk mit "echtem" schlagzeug vor - es wäre irgendwie nicht mehr kraftwerk...

    wenn man natürlich ein realistisches schlagzeug simulieren will, können diese tipps sehr hilfreich sein.

  • marcel   18. Apr 2010   14:53 UhrAntworten

    genial, dankeschön!!!

  • ae   28. Feb 2013   14:13 UhrAntworten

    besten Dank für die ganzen nützlichen Tipps, ich habe eure Seite erst vor kurzem Entdeckt und ja, ihr habt einen neuen Stammleser dazu bekommen:-)

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