Drum Patterns programmieren: Beats dynamisch & professionell gestalten

Professionelle Beats: Drum Patterns programmieren

Ob als Basis für einen Rocksong, als Break in einem Electro Track oder als Begleitung für eine Popnummer: das Schlagzeug ist ein unerlässlicher Bestandteil heutiger Musik, der nicht mehr wegzudenken ist. Glücklicherweise ist es im digitalen Zeitalter nicht mehr notwendig, ein Schlagzeug jedes Mal neu aufzunehmen, um selbst entworfene Beats und Drum Patterns in den eigenen Projekten zu verwenden. Mit den geeigneten Samples und den folgenden Tipps ist es möglich, in der eigenen DAW-Software schnell Ergebnisse zu erzielen, die kaum von einem originalen Schlagzeug zu unterscheiden sind.

Kopie oder Original..? Drum Patterns

Wer mit Samples einen Beat baut, setzt sich zwangsläufig mit dieser Frage über die Natürlichkeit auseinander. Die Antwort ist jedoch nicht immer eindeutig. Die Mikrofonierung eines Schlagzeugs ist eine Wissenschaft für sich, bei qualitativ hochwertigen Samples ist dieser Teil der Arbeit jedoch bereits erledigt.

Es ist also durchaus möglich, dass ein gut programmierter, auf Samples basierender Drum Beat besser klingt als ein schlecht aufgenommenes Schlagzeug. Jedoch fehlen beim »künstlichen« Schlagzeug meist Feeling und Groove, das Resultat klingt unecht. Ein wichtiger Aspekt für das Programmieren eines natürlich klingenden Schlagzeugs ist es also, sich so nah wie möglich an der »Natur« zu orientieren.

Drum Patterns programmieren

1 Idee

Zunächst solltest Du dir klarmachen, welche Rolle die Drums in deinem Projekt spielen sollen. Sind die Melodien und Instrumente schon eingespielt/programmiert und wird der Drum Beat nur noch als Unterstützung benötigt? Oder stehst Du am Anfang deines Projektes und willst mit dem Schlagzeug als Inspiration beginnen, um auf dieser Basis den restlichen Song zu entwickeln?

Wenn Du nicht von vorneherein eine Idee hast, lass Dich von professionellen Bands, Produzenten oder Schlagzeugern inspirieren, um eine Vorstellung davon zu bekommen, wie der Beat in deinem Projekt wirken und klingen soll.

Drum Patterns programmieren

2 Samples finden

Wenn klar ist, welchen Style dein Beat haben soll, such dir die entsprechenden Samples heraus. Es gibt sehr viele qualitativ hochwertige kostenlose Samples im Internet, die Du verwenden kannst. Alternativ kaufst Du dir eine professionelle Sample Library. Neben den einzelnen Samples zum gezielten Zusammenbasteln von Drum Patterns sind meist auch Drum Loops in solchen Libraries enthalten, die zur Inspiration dienen können.

Wichtig ist hierbei: Suche nach Sample-Paketen, in denen beispielsweise die Snare Drum mehrfach aufgenommen wurde. In einem »natürlichen« Beat erklingt die Snare sehr oft und in kurzen Abständen. Wenn man jedes Mal exakt dasselbe Sample hört, ist das Resultat ein unecht klingender Beat. Denn: Anders als ein Computer wird es ein echter Schlagzeuger niemals schaffen, exakt denselben Klang immer und immer wieder zu erzeugen, jeder Anschlag klingt geringfügig anders.

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3 Grundgerüst

Wenn die passenden Samples parat sind und Du im Groben eine Vorstellung von deinem Beat hast, dann fange an, das Grundgerüst in deinem Sequencer oder Drum Computer zu programmieren. Am besten ist es, mit Bass Drum und Snare Drum anzufangen. Lass das Metronom deines Sequenzers mitlaufen und verschiebe die Samples oder MIDI-Noten, bis Du mit dem Ergebnis zufrieden bist. Anschließend kannst Du Hihats, Crash- und Ride-Becken und/oder andere Percussion hinzufügen, um deinen Beat abzurunden.

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4 Leben einhauchen

Was deinem Beat jetzt noch fehlt, ist die Dynamik. Wichtig ist, dass Du dir klarmachst, an welche Stellen der Beat betont werden soll. Eine gute Weise, die Betonungen festzustellen, ist das »Mittrommeln« des Beats – klopfe auf deinem Tisch oder einer Unterlage den Beat mit. Die Stellen, die Du etwas energischer klopfst, stellst Du im Sequencer etwas lauter. Bedenke hierbei, dass es nicht immer reicht, ein Sample leiser bzw. lauter zu machen. Bei einem Becken oder einer Snare Drum ändert sich mit der Anschlagsstärke nicht nur die Lautstärke, sondern auch die Klangfarbe. Wenn Du, wie in Schritt zwei beschrieben, Samples in den entsprechenden Variationen geladen hast, ist hier der Moment, diese zu verwenden.



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6 Drums abmischen

Um einen Beat noch lebensechter klingen zu lassen, ist es notwendig, Panorama und Lautstärke sinnvoll zu regulieren. Auch hier hilft es, sich am Original zu orientieren. Stell dir vor, Du stehst frontal vor einem echten Schlagzeug. Die Bass Drum sollte folglich in der Mitte erklingen; ob Du dasselbe mit der Snare Drum machst oder diese ein klein wenig nach links oder rechts verschiebst, ist Geschmackssache. Cymbals verteilst Du von rechts nach links, um das Panorama auszunutzen, dasselbe machst Du mit den Toms.

Die Lautstärke regelst Du am besten im Verbund mit dem kompletten Projekt. Wenn es nur darum geht, das Schlagzeug an sich abzumischen, achte darauf, dass Snare Drum und Bass Drum genug Beachtung bekommen, ansonsten geht die klare Linie des Beats verloren. Wenn Du magst, kannst Du abschließend noch einen dezenten Halleffekt hinzufügen, achte aber darauf, dass dieser kaum bemerkbar ist.

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7 Raster / Grid

Computer unterscheiden sich vom Menschen unter anderem in einer Hinsicht: Sie sind bis auf die Tausendstelsekunde genau. Kein echter Schlagzeuger schafft es jedoch, mit einer solchen Präzision die Zählzeiten zu treffen. Manche DAWs besitzen eine sogenannte Humanizer-Funktion, mit der die programmierten MIDI-Noten um einige Millisekunden verschoben werden. Diese leichten Abweichungen können in manchen Sequenzern auch für die Anschlaghärte, die Lautstärke oder gar noch andere Parameter vorgenommen werden, was die natürliche Anmutung noch erhöht.

Aber es ist auch möglich, diesen Effekt manuell hervorzurufen. Stelle das Raster deines Sequenzers aus und verschiebe einige Samples ein wenig, jedoch nicht wahllos. Oft reicht es etwa bei einem schleppenden Reggae Beat schon, die Snare ein wenig nach hinten zu verschieben und sie bei einem treibenden Blast Beat wiederum um einige Millisekunden vorzuziehen.

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8 Feilen

Gerade Anfänger sind schnell frustriert, weil sie merken, dass ihr Beat nicht so klingt, wie sie sich ihn anfangs vorgestellt haben. Behalte stets im Hinterkopf, dass ein Beat mit der Zeit wächst. Nach den ersten zwei Schritten wird er sicherlich nicht so ausgereift klingen, wie das gegen Ende der Fall ist. Beat Making ist Übungssache, analysiere deine Ergebnisse und versuche dich stetig zu verbessern.

Suche dir verschiedene Tutorials heraus und schau dir insbesondere von Profis Tricks ab. Übrigens stehen die MIDI-Noten für Beats einiger berühmter Produzenten im Internet zum Download zur Verfügung. Diese mit den eigenen zu vergleichen, ist eine gute Möglichkeit, sich einiges abzuschauen.

 

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Lesermeinungen (12)

zu 'Drum Patterns programmieren: Beats dynamisch & professionell gestalten'

  • Handwäsche45°
    14. Jan 2013 | 17:18 Uhr Antworten

    Feine sache ;-) Das mit dem Panorama hab ich mitlerweile schon gut drauf… nur die Kicks an sich klingen manchmal etwas..naja ^^
    Vorallem wenn ich im letzen Schritt ins Premastern gehe und anfange mit dem EQ rumzuspielen. Aber auch das lerne ich noch.

    Und was ich bei euch/von euch vor kurzen als MEIN TIP der WOCHE aufgeschnappt habe, ist lieber mal ein Tasten Instrument zum einspielen benutzen…
    Die derbe Superkorekte Quantiesierung habe ich mir dadurch auch abgewöhnt…

    Danke Delemar :-)
    Music is my Choice

    LG MArcel aka Handwäsche45° from HH

  • Stauderer Christian
    15. Jan 2013 | 13:39 Uhr Antworten

    Hallo
    Mein Problem beim Drumtrack liegt darin, daß ich keine Fills programmieren kann, da ich kein Schlagzeuger bin. Den EZ-Drummer kann ich nicht verwenden, da mein Computer gestohlen wurde. Gibt es im Netz andere Hilfmittel, die ich auf meinen Korg M3 übertragen kann? (MidiFiles etc….)

    LG
    Stauderer Christian

  • Mave
    16. Jan 2013 | 10:31 Uhr Antworten

    Hi zusammen,

    hab mal dazu eine rechtliche Frage.
    Ich habe von einer bekannten Band Remix Stems genommen und daraus Drumslices (Kick,Snare,Percs ect.) für ein “eigenes” Drumset verwendet. Die Frage ist nun, da ja die Band dieses Material bereitgestellt hat, ob ich dieses für meine eigenen Projekte verwenden darf? Ich meine nur die einzelnen Drumslices/Samples. LG Mave

  • Mave
    16. Jan 2013 | 10:54 Uhr Antworten

    @Stauderer Christian,

    dies soll keine Werbung sein, jedoch kann ich Dir zum Thema Midi-Drum-Fills nur groovemonkee.com/en/products wärmstens empfehlen. Es gibt auch kostenlose Packs. Ganze “Drumsongs” und falls Du was kaufen magst, kannst Du ein Auszug davon vorher downloaden und testen. Da es Midifiles sind, kannst Du diese dann nach Deinem Geschmack anpassen. Für Deinen Korg, gehst Du innerhalb des Packs in den Ordner GM Mapped, damit hast Du also General Midi kompatible Drums.

    Ich hoffe das hilft Dir. Gruß Mave

  • ingo
    16. Jan 2013 | 11:23 Uhr Antworten

    @Mave
    Gute Frage,da die Band das Material wahrscheinlich für einen Remix Contest bereit gestellt
    hat, tendiere ich eher zu nein.Es kommt ausserdem darauf an unter welcher Lizenz dies
    geschehen ist d.h Copyright oder Creative Commons.
    Du könnest entweder bei der Band anfragen,ob du die Drumsamples verwenden darfst
    oder versuchen heraus zufinden welches Drumkit oder Drummachine verwendet wurde und dann mit ein bißchen tweaking die Stems zu rekreieren.

  • bastian
    17. Jan 2013 | 20:27 Uhr Antworten

    “Wichtig ist hierbei: Suche nach Sample-Paketen, in denen beispielsweise die Snare Drum mehrfach aufgenommen wurde.”

    WER HAT (KAUF-)TIPPS FÜR SOLCHE SAMPLE PAKETE MIT MEHRFACH AUFGENOMMEN SAMPLES, … gibt es sowas ZUSÄTZLICH auch von 909 oder 707 ?!?!

  • funkydoc
    18. Jan 2013 | 10:24 Uhr Antworten

    könnt ihr ein paar links zu “MIDI-Noten für Beats einiger berühmter Produzenten im Internet” posten – vielleicht beats von modernen bekannten pop-producern?
    hab selbst nichts gescheites gefunden…
    danke!

    • Carlos San Segundo (delamar)
      18. Jan 2013 | 12:09 Uhr Antworten

      Das mag daran liegen, dass damit die Urheberrechte der Beat Produzenten verletzt werden. Also: Leider nein.

  • Marc Bohnen
    19. Jan 2013 | 15:50 Uhr Antworten

    bastian
    Den Tipp mit den mehrfach aufgenommen Samples solltest Du nur beim Programmieren von akustischen Drums anwenden! Als Samplelibrary kann ich Dir dafür “Native Instruments Battery 3″ empfehlen, der passende Sample Player ist da auch schon enthalten.

  • Dave
    24. Jan 2013 | 13:17 Uhr Antworten

    Schönes Tut, einiges gelernt. Was ich noch hinzufügen würd ist das man sich auch ein fertiges Drumloop nehmen kann, und dann sliced(Sind 2 Klicks bei live, aber geht sicher auch in andern DAW’s). Dadurch hat man einerseits natürlich klingende Samples und kann das Loop nach belieben verändern

  • Flo
    13. Feb 2013 | 22:34 Uhr Antworten

    Richtig gut gemachtes Tutorial. Danke! Mal wieder ein bisschen schlauer :)

  • Michael
    22. Mai 2013 | 14:34 Uhr Antworten

    Hallo!
    Ich (Gitarrist) nehme mit Ableton Live (lite) Songideen auf, bisher ohne Drumspur…da ich jetzt auch mal “ganze” Songs “vorproduzieren” möchte (als Ideenskizzen), habe ich mir Ez-Drummer zugelegt. Ich komme damit allerdings nicht wirklich klar. Nach längerem Herumprobieren habe ich es geschafft, das plugin von Ez-Drummer im Ableton Sequenzer sichtbar zu machen. Aber was nun? wie kann ich mir jetzt eine Drumspur “basteln”? Brauche ich dazu ein Midi-Pad oder gar ein E-Drum set? Ich habe das mal so gesehen, dass man einfach mit der Maus eine Drumspur “zeichnen” und das dann für beliebig viele Takte loopen kann, aber so eine Möglichkeit finde ich in Ableton leider nicht. Ich kann zwar das Ez-Drummer Plugin auf eine Midi-Spur hereinziehen, aber es erscheint dann kein “Zeichenblatt” für die Drumspur…bin ich da jetzt ganz falsch, oder knapp dran? :o)
    lg!

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