Abmischen / Tiefenstaffelung im Mix: Mehr Tiefe für deine Songs
Delay / Echo
Um noch mehr Tiefe in deinen Mix zu bekommen, kannst Du zusätzlich zum Hall auch noch einen Echo-Effekt nutzen. Digitale Delay Plugins sind hier nur bedingt nutzbar, da diese sehr genau arbeiten. Du kannst auch hier das hohe Frequenzspektrum mit einem Low-Pass-Filter oder Low-Shelf absenken, um das Gefühl von Entfernung zu erzeugen.
Natürlich gibt es auch Plugins mit fantastischen Emulationen von so genannten “Tape Echo” Effekten, die in der Regel natürlicher als digitale Delays klingen. Diese sind für diesen Zweck auf jeden Fall vorzuziehen.
Bei den Vocals nutze ich oftmals ein oder mehrere Delay-Effekte, um der Stimme mehr Tiefe zu geben. Dabei kommt es mitunter vor, dass ich den Hall gänzlich weglasse. Das funktioniert, weil Hall im Grunde genommen nichts anderes als eine Vielzahl von vieler, übereinanderliegender Delays ist. Im Vergleich zu einem Hall klingt die Stimme durch ein Delay wesentlich definierter – was nicht immer gewünscht sein muss, aber besonders gut in dichten Mischungen funktioniert.
Mehr Tiefenstaffelung durch Modulation
Fast alle Modulationseffekte tendieren dazu, das Audiosignal etwas distanter klingen zu lassen. Dies kannst Du für dein Abmischen ausnutzen und Chorus, Phaser und Flanger auf den Spuren nutzen.
Letzte Gedanken zum Abmischen und der Tiefenstaffelung im Mix
Die Werkzeuge sind jetzt klar. Elementar und trotzdem gerne mal vergessen wird die Tatsache, dass erst der Kontrast für die notwendige Tiefenstaffelung sorgt. Schiebst Du mit den oben genannten Möglichkeiten alle Klänge weiter nach hinten, dann klingt der Mix zwar distanter – aber noch immer genau so flach. Wenn Du aber einzelne Instrumente verschieden weit nach hinten rückst, bekommst Du den Eindruck von Tiefe.
In diesem Zusammenhang brauche ich eigentlich auch nicht erwähnen, dass die Tiefenstaffelung nicht im Solo-Modus durchgeführt werden sollte. Denn hierbei kannst nichts über den eben erwähnten Kontrast aussagen. Wenn Du später viel Erfahrung beim Abmischen von Songs gesammelt hast, wird sich das vielleicht auch ändern.
Beispiel für Tiefenstaffelung:
Wenn wir uns moderne Aufnahmen von Rock- oder Popmusik anhören, dann werden die Elemente oftmals sehr ähnlich abgemischt. Die Vocals sind weit vorne mit den Gitarren etwas dahinter, dann kommen Bass und Drums. Keyboards variieren in unterschiedlichen Produktionen je nach Künstler sehr stark und können den Platz der Gitarren einnehmen oder auch weiter nach hinten rücken. Percussion, Backing Vocals sowie meistens auch flächenartige Sounds und Pads sind bisweilen sogar ganz weit hinten im Mix zu finden.
Der beste Lehrer in Sachen Tiefenstaffelung bist Du selbst, indem Du einfach aktuelle Produktionen gezielt und in Ruhe anhörst und versuchst zu verstehen, was der Mixing Engineer gemacht hat.
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13. Feb 2010 | 20:18 Uhr
Danke für den Artikel Carlos.
gerade eben habe ich versucht einer Songidee einen raffmix zu verpassen und hatte genau das Problem das alles zu sehr bei einander war.
Ich werde es mal mit deinen Tipps versuchen .. und hier hätte ich eine Frage:
Im Artikel schreibst du, daß nach voc und guitar zb. der Bass kommt.
Ich dachte bis jetzt immer ein hall zb würde mir den bass vermatschen.
Hast du einen Tipp zum Bass und Tiefenstaffelung ? Nur eq? oder auch mit Hall oder anderen tricks arbeiten? Im Panorama sollte er ja mittig sein.
Ich weiss das es keine goldenen Regeln gibt aber evtl. hast du ja mal wieder einen Trick den du raushaust :=)
Danke schonmal von einem echten Homerecording noob :)
p.s. weiter so tolle Seite
13. Feb 2010 | 22:46 Uhr
Danke Carlos.
da musste mal genauer drauf eingegangen werden.
Meintest du im letzten satz vom ersten absatz zu “Equalizer für mehr Entfernung” anstatt
[..] desto mehr hohe Frequenzen solltest Du mit einem flachen Low-Cut-Filter wegnehmen
vielleicht high-cut bzw low-pass?
13. Feb 2010 | 23:06 Uhr
Moin Carlos,
ich möchte Dir bezüglich Deines kompletten Engagements hinsichtlich der delamar-Seite auch mal ein dickes Lob zollen. Die Art und Weise, in der Du technisches Know How und überhaupt Dein Expertenwissen in Sachen Recording & Co. an Interessierte vermittelst, ist einfach klasse. Wer da keinen Nutzen draus ziehen kann, dem ist dann auch nicht mehr zu helfen..;-)
Ich gehöre mittlerweile zur älteren Generation und habe noch Homerecording mit 2-Spur-Stereo-Spulentonbandgeräten von Philips und Grundig gemacht, wo als Besonderheit ein “Multiplayback-Schalter” eingebaut war, sodass man mit Trickserei 4-Spur-Aufnahmen machen konnte. Was Anderes hatten ja die Beatles in ihrer Anfangsphase auch nicht…;-)
Dann gab’s irgendwann Ende der 70er(?) den Fostex 4-Spur-Multitracker auf Kassette (!) mit 9.5 cm/sec anstatt der seinerzeit üblichen 4.75 cm/sec, mit dem ich „wie irre“ Multitracking“ gemacht habe.
Abgelöst wurde dann das Ganze Mitte der 80er durch den C-64 und der STEINBERG Pro 16+ Software, dann durch den ATARI ST, danach Anfang der 90er durch den PC mit Windows 3.1. Au backe…da lief noch nix wirklich rund…
Ab da bin ich aber u.a. aus familiären und beruflichen Gründen komplett aus der Homerecording-Sache ausgestiegen und – jetzt komme ich zum Punkt..;-) – erst seit Frühjahr 2009 wieder mit Homerecording (mit Cubase Studio 5) dabei, also nach fast 20 (!) Jahren Pause!
Ich brauche nicht groß aufzuzählen, was sich seitdem alles „in technischer und elektronischer Hinsicht“ verändert hat. Der Fortschritt in diesen Dingen ist einfach nur irre.
Durch das Internet hat man heutzutage per Klick die Möglichkeit, sich über all’ das bestens zu informieren, und da steht für mich Deine delamar-Seite an oberster Stelle. Zu meiner (aktiven) Zeit konnte man sich evtl. mal ein “Homerecording-Buch” mit einer Beispiel-Kassette kaufen…
Lange Rede, kurzer Sinn:
Deine Seite mit all’ den von Dir aufbereiteten und transportierten Informationen machen es mir auf jeden Fall leichter, nicht den Anschluss zu verpassen und sich weiterhin intensivst (!) mit einer Sache zu beschäftigen, die (mit…) zu den Schönsten auf dieser Welt zählt – nämlich dem Musik machen.
Bitte weiter so!
Michael aus OS
14. Feb 2010 | 00:19 Uhr
Ich möchte mich auch nochmal Michael anschliessen! Meine Pause beträgt zwar nur 10 Jahre aber genau so erging es mir auch. Ich konnte schon sehr viele Tipps von dieser Seite und Euren Podcasts anwenden!
Das ganze hier ist kosenlos und wächst zurecht immer weiter !
Danke “Power Carlos” ! :P
(Der macht noch ne Menge mehr .. keine Ahnung wie der das alles wuppt hehe)
und natürlich auch den anderen Jungs die hier und im Podcast mitwirken ein herzliches Dankeschön!
14. Feb 2010 | 09:45 Uhr
“Der beste Lehrer in Sachen Tiefenstaffelung bist Du selbst, indem Du einfach aktuelle Produktionen gezielt und in Ruhe anhörst und versuchst zu verstehen, was der Mixing Engineer gemacht hat.”
Das sehe ich leider nicht so. Heute wird nur noch alles gaga-mäßig zugekleistert. Um sich in die Materie (neben diesem sehr guten Artikel hier!!!) einzuhören, einfach mal wieder Thriller oder ein paar Steely Dan Aufnahmen anhören. DANN klappt’s auch mit der Tiefenstaffelung.
14. Feb 2010 | 19:33 Uhr
@Juergen: Das kommt drauf an, ob man auf gute und langlebige Produktionen aus ist, oder einen Song gemäß dem aktuellen Stand der Dinge gestallten möchte um möglichst Massenkompatibel zu sein…
Ich persönlich habe mich enorm weiterentwickelt, als ich davon abgelassen habe mich auf “good old rock’n'roll” zu fixieren und angefangen hab Elektro Produktionen und Remixes anzugehen und mich bei diesen von aktuellen Songs in meiner Arbeitsweise inspirieren zu lassen.
Ich will nicht sagen dass sie besser sind als solide Mixe die es auch in Jahrzehnten noch schaffen den Nerv der Zeit zu treffen, aber es hat mich in meiner Arbeitsweise klar vorran gebracht!
Kann ich nur jedem Empfehlen!
14. Feb 2010 | 20:11 Uhr
Klar, nicht alles, was “gestern” war, soll(te) man in den Himmel loben. Das gleiche gilt aber auch für aktuelle Produktionen, da gibt es natürlich auch “Sonnen- und Schattenseiten”.
Ob man nun mit seiner Mucke “massenkompatibel” sein möchte (oder gar sein muß), muß jeder mit sich selbst ausmachen. Jeder sollte die Mucke machen, mit der er letztendlich selbst zufrieden sein kann.
Bei der Arbeit (also im Job) geht das ja (leider) nicht immer (…), aber beim Musikmachen sollte das doch wohl möglich sein dürfen..;-)
Eines dürfte aber Jedem einleuchten: die Hörgewohnheiten haben sich im Vergleich zu früher drastisch geändert. Damit meine ich jetzt weniger, dass heutzutage fast jeder – egal wo, als Fußgänger, auf’m Fahrrad, im Fitness-Studio etc. – mit Kopfhörern bzw. “In Ear”-Modellen herumläuft und sich so mehr oder weniger physisch von der Außenwelt ausblendet (…), sondern ich meine damit z. B. die Gestaltung eines Endmix. Zum einen in der Art, wie Instrumente heute angeordnet werden (Prioritätensetzung der Instrumente) als auch die Art des eigentlichen Songaufbaus. Klar, das gilt nicht für alle Musikgenres, aber sicherlich trifft das auf viele neue Musikstile zu, die in den vergangenen ca. 15 Jahren den Weg auf einen Silberling gefunden haben.
Mir macht es durchaus viel Spaß und “bringt mich persönlich auch weiter” , wenn ich als “Sixties-/Seventies-Fan” meine Musik (per PC & Cubase Studio 5) mit neuen, zeitgemäßen Sounds anreichere, also in gewisser Weise mit der Zeit mitgehe. Und auch den Songaufbau nicht immer nach dem “alten Strickmuster” Intro, Strophe, Strophe, Bridge, Solo, Refrain, Strophe, 3x Refrain, Ende gestalte…;-)
Zuguterletzt ein Beispiel für “gute Mucke” incl. Abmischung/Studiotechnik (ist lediglich mein Tipp, es gibt unzählige gute Sachen): AYREON. Da ist von Allem was dabei: konventionelle Instrumente wie Gitarre(n), Bass, Drums als auch 1a Synth-Sounds, ob Pads oder Soli…, tolle (male + female) Vocals incl. Melodien…einfach “Hammer”. Und das sage ich als alter Moody Blues-, Kinks-, Small Faces- u.v.a.m. Fan…;-)
Bis demnächst,
Michael
15. Feb 2010 | 09:19 Uhr
Was bitteschön ist ein “raffmix”??? Soll das komisch sein oder ist das einfach nur ein Zeichen von Unwissenheit?
Es ist schon toll, wie schnell heute jemand “Experte” werden kann. Erinnert mich irgendwie an die “ARD-Experten” bei den Olympischen Spielen oder die “Jury”-Mitglieder bei Castingshows.
Kannst Du lesen? – Ok, dann bist Du jetzt unser Literatur-Experte….
15. Feb 2010 | 18:43 Uhr
Nimmst du nicht alles ein wenig zu Ernst, Ernst? :-P
Auf jedenfall interessanter Artikel!
Greetz
11. Mrz 2010 | 02:57 Uhr
Ergänzung zum Abschnitt:
“Generell gilt: Je weiter entfernt eine Schallquelle, desto später treffen die Erstreflexionen ein (bei gleichbleibender Raumgrösse). Je weiter entfernt die Schallquelle, desto näher der zeitliche Abstand zwischen Erstreflexionen und Nachhall.”
Mit dem Predelay lassen sich z.B. Vocals und Lead-Instrumente gut nach vorne holen. Durch die zeitliche Abtrennung von den Early Reflections (ER) und der Hallfahne gehen außerdem die Details nicht im Reverb unter.
Ein längeres Predelay bewirkt sogar, dass der Halleindruck intensiver wird – es wird also weniger Pegel bei der Hallfahne benötigt, um die gleiche Räumlichkeit zu erzielen!
Sehr kurze Predelays hingegen können nicht nur zu Vermatschungen sondern auch zu Klangveränderungen durch Phasenprobleme führen. Zusätzlich braucht der Hall dann mehr Pegel für den Raumeindruck.
Außerdem sollte man immer im Hinterkopf behalten:
1 ms entspricht ca. 34 cm (oder 1 m = 3 ms)
17. Jun 2010 | 00:23 Uhr
“Die Ortung der Schallquelle geschieht…”
… der Mensch ist kein Waal.
Wir lokalisieren…
17. Jun 2010 | 10:27 Uhr
Danke für die Richtigstellung. Und noch ein kleiner Tipp hinterher: Wal benötigt nur ein “a” ;)
19. Jun 2010 | 12:28 Uhr
Es war ja auch spät. :D
Noch kurz: Sehr schön erklärt. Kurz und knapp was man für Musikproduktionen im Bereich Klangdimensionierung (Tiefenstaffelung) wissen muss.
Jedoch gehört einfach riesiges Fingerspitzengefühl dazu, um es richtig einzusetzen, die man nur aus der Praxis erlangen kann.
Aber noch zum Thema verschiedene Produktionen anhören. Weil ja das Genre “verschrien” ist, nur akustischen Matsch zu erzeugen, kann ich euch hierzu ein Gegenbeispiel der Black-Metal Band “Dark Fortress” mit ihrer aktuellen Scheibe “Ylem” ans Herz legen und achtet bei der Titelnummer auf die Raumdimensionierung und wie damit massiv gespielt wird.
In diesem Sinne,
Mach(t) weiter so!
Grüße,
13. Jul 2010 | 23:10 Uhr
Eine Behauptung ist leider verkehrt:
” Je weiter entfernt eine Schallquelle, desto später treffen die Erstreflexionen ein”.
Siehe dazu: sengpielaudio.com/WasBedeutetAnfangszeitluecke.pdf
14. Jul 2010 | 15:42 Uhr
Da muss ich dir leider widersprechen, Robert, Du deutest die Aussagen im PDF nicht richtig. Wir sind uns sicher einig, dass je weiter entfernt eine Schallquelle ist, desto länger braucht der Schall, um uns zu erreichen.
Die Erstreflexionen gehen dann sogar noch einen längeren Weg, denn sie richten sich erst gegen die Wände und dann kommen sie an unser Ohr.
Tatsache ist allerdings, dass sich das Zeitverhältnis Direktschall/Hallfahne ändert, was schliesslich den Raumeindruck prägt.
14. Jul 2010 | 16:36 Uhr
@Robert
Wenn die Schallquelle weit entfernt ist, ist alles verzögert – Direktschall, Erstreflektionen + Hallfahne.
D.h. die zeitliche Differenz zwischen Direktschall und dem Reverb ist kleiner, als wenn die Schallquelle direkt neben Dir ist. Dann wäre der Direktschall sofort da, während der Hall sich erst aufbauen muss.
Angenommen das Predelay ist = 0 und die Quelle soll weit entfernt sein, dann müsstest Du theoretisch auch ein (normales) Delay mit auf die Audiospur geben, was die Entfernung repräsentiert.
09. Jul 2011 | 03:09 Uhr
Yaw Carlos.
Auch, wenn’s das Hall-Tutorial schon ne Weile gibt: Geile Nummer!
Ich bin noch ein totaler Homerecording- und Mixing-Noop – und jetzt hab ich endlich mal gerafft, was da bei Tiefen und Schichten und der Akustik dahinter so los ist.
Hab noch zwei Anregungen zu weiteren Themen (falls es die nicht auch schon gibt oder die nicht zu noopig sind):
- was ist und wann und wozu braucht man 32-bit float? im vergleich zu 24 – genauso: wann 44,1/48 (mucke/video) und wann 88,2/96 oder sogar 192 beim recorden?
- wie funktioniert Re-Amping. Was nimmt man vorher auf, was braucht man alles, wie positioniert man das Mic, lieber ein bißchen Raum oder so trocken wie’s geht…
Die Tutorials und Podcasts haben mir bisher großartig weitergeholfen. Beste Grüße
Nils aus Berlin