Abmischen: Gesangsaufnahme fetter machen

Abmischen: Gesangsaufnahme fetter machen

Wenn denn die Gesangsspur fertig eingesungen und geschnitten ist, geht es an das abmischen und anfetten der Vocals. Es gibt diverse Herangehensweisen und Optionen, die Du hier für deine Produktion verwenden kannst. Bei einigen wird der Gesang gedoppelt (wie im oben erwähnten Artikel schon beschrieben), aber bei fast allen ist vor allem eines wichtig: Den Effekt subtil unterzubringen, damit der Hörer nicht gleich mit der Nase darauf gestossen wird.

Einen sehr guten Effekt und deutliche fettere Vocals bekommst Du übrigens durch die Kombination der untenstehenden Tipps und Tricks. Diese sind nämlich keineswegs für sich allein genommen zu sehen.

 

1. Equalizer
Bevor es daran geht, die Effektküche für eine ausgefallene und fette Gesangsaufnahme zu bemühen, greifen wir zum Equalizer. Allein durch das Anheben bzw. Absenken bestimmter Frequenzen kann der Gesang deutlich an Format gewinnen.

 

2. Kompression
Ähnliches gilt für die Verwendung von Kompression auf den Vocals. Der richtige Kompressor mit gut austarierten Einstellungen kann dem Gesang zur nötigen Prominenz im Mix verhelfen. Oftmals braucht es kaum mehr als Equalizer und Kompressor, um das Vocal in das rechte Licht zu setzen. Im Übrigen gibt es differierende Meinungen, ob zuerst Kompressor oder Equalizer verwendet werden sollte. Mein Tipp ist: Einfach beide Varianten testen und dann für die besser klingende entscheiden.

 

3. Hall / Raum
Über das Thema Hall haben wir bereits einige gute Artikel hier auf delamar veröffentlicht. Deswegen möchte ich an dieser Stelle nur einen kurzen Hinweis darauf, dass der richtige Einsatz von Hall auf einem Vocal schon ausreichen kann, um eine bessere Gesangsaufnahme zu machen, die die notwendige “Breite” mitbringt.

 

4. NYC Compression Trick / Parallele Kompression
Mein persönlicher Favorit ist die parallele Kompression, die ich auch schon in diesem Video erklärt hatte.
Der grosse Vorteil hierbei ist (im Gegensatz zur normalen Kompression), dass das Vocal zwar fetter wird und nach vorne rückt, es aber nicht überkomprimiert klingt.

 

5. Overdrive
Ein leichtes Anzerren mit einer Röhrenvorstufe, einem Plugin mit simulierter Röhre oder einer Bandsättigung kann eine Gesangsaufnahme schön breit und rund machen. In der Profiliga soll es tatsächlich noch vereinzelte Tonstudios geben, die die gesamten Spuren durch eine alte Studer Bandmaschine durchlaufen lassen. In der Zwischenzeit gibt es aber einige wirklich hervorragende Plugins zur Simulation von Bandsättigung, die wahrscheinlich selbst von gestandenen Toningenieuren im Doppel-Blindtest nicht von der echten Bandmaschine unterschieden werden könnten.

 

6. Split Harmonizer Effekt
Wie man den Split Harmonizer Effekt für fettere Gesangsaufnahmen hinbekommt habe ich ja bereits früher erklärt. Mit diesem Trick kannst Du die Gesangsaufnahme in der Stereobreite strecken. Allerdings musst Du hierbei vorsichtig sein, denn schnell klingt der Effekt übertrieben.
Ich gehe an die Sache so heran: Wenn ich den Effekt nach meinem Gusto mit den Plugins eingestellt habe, ziehe ich die gedoppelte Spur im Mixer auf unhörbar zurück. Jetzt starte ich den Mix und gebe langsam mehr von der Effektspur hinzu. Meistens nutze ich den Split Harmonizer Effekt so subtil, dass ich mir selbst nicht sicher bin, ihn verwendet zu haben.

 

7. Chorus
Eine andere Art von Stereoeffekt kannst Du mit dem Chorus erzielen. Du schickst die Gesangsaufnahme zu einem Chorus und drehst den Return im Panorama nach ganz links. Diesen Schritt wiederholst Du und drehst dieses Mal das Panning nach ganz rechts. Jetzt musst Du noch die Phase des rechten (oder linken) Kanals invertieren, um die Vocals mit einem schönen Stereoeffekt zu überziehen.
Da dieser Trick nicht monokompatibel ist, darfst Du nicht zuviel davon verwenden, wenn Du nicht möchtest, dass die Gesangsaufnahme beim Abspielen auf einem Monogerät völlig verschwindet.

 

Abschliessende Gedanken zum Abmischen / Gesangsaufnahme fetter machen

Oftmals reicht es, den Gesang ausreichend laut im Mix zu positionieren und mit Equalizer, Kompressor und Hall zu behanden, um den gewünschten Effekt einer fetteren Gesangsaufnahme beim Abmischen zu erreichen. Manchmal fehlt es nicht an Breite, sondern an Tiefe. Da sind dann Delay und wieder der Hall gefragt. Nicht selten hatte ich auch schon den Fall, dass ein Lead-Vocal sich deswegen zu dünn anhörte, weil der Chor im Hintergrund zu laut war und der Gesangsaufnahme “die Show stahl”.

Bei allen Tricks und eigentlich auch jederzeit beim Abmischen gilt es, die Mono-Kompatibilität zu überprüfen und darauf zu achten, dass bei aller Breite nicht die Klarheit und Präsenz der Gesangsaufnahme flöten geht.

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Lesermeinungen (5)

zu 'Abmischen: Gesangsaufnahme fetter machen'

  • Juan
    22. Okt 2009 | 00:09 Uhr Antworten

    !Hola Carlos!

    Interessanter Artikel. Für mich aber eher noch mal eine kompakte Zusammenfassung dessen, was man schon irgendwo aufgegriffen hat. Das man auch auf den Vocals NY-Style-Compression verwendet ist mir neu…
    Zum Thema anzerren, Sättigung: gibt es da vielleicht ein paar heiße Tipps von euch, welche Plugins empfehlenswert sind um die Preamp-Stufe zu simulieren? Die meisten Homerecordler (so wie ich) arbeiten fast ausschließlich mit Plugins…

  • Mr. Freeze
    22. Okt 2009 | 09:03 Uhr Antworten

    Ich habe beim Abmischen von Vocals gute Erfahrungen mit dem Voxengo Voxformer Channel Strip gemacht.

    Da hat man EQ, Kompressor, Gate, De-Esser und Sättigung direkt und übersichtlich am Start.

    Das Ganze für homerecording-freundliche 70 $.

    http://www.voxengo.com/product/voxformer/

  • R-Face
    22. Okt 2009 | 16:51 Uhr Antworten

    als röhren preamp benutz ich wenn es wirklich nötig ist rubytube von silverspike

    http://www.silverspike.com/?Products:RubyTube

    und für die bandsättigung kann ich ferox von jeroen breebaart empfehlen. ist bisher das am besten klingende bandsättigungs plugin imo.

    http://www.jeroenbreebaart.com/

  • Der mit dem wissensdurst ^^
    24. Okt 2009 | 20:47 Uhr Antworten

    Bei der NY Compression….arbeitest Du da auch mit verschiedenen Compressoren ??

    Ich habe herrausgefunden wenn man dezent 2 verschiedene also zb. ne optosimulation und ne fet simulation hintereinanderschaltet…das es so ziemlich sound macht….hört man das dann auch bei der ny compression noch so raus ??

  • Carlos (delamar)
    25. Okt 2009 | 11:16 Uhr Antworten

    Ich arbeite bei der parallelen Kompression / NY Trick hauptsächlich mit dem 1176SE aus der UAD. Manchmal passt der Sound nicht und dann suche ich einen anderen Kompressor.
    Mehrere Kompressoren hintereinander habe ich bei Vocals auch schon verwendet, das passt aber nicht immer. Beim NY Trick würde ich das aber eher lassen. Da sollen die Begleitspuren ja nicht zu weit nach vorne rücken.

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