5 Schritte zu besser klingenden Drums

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5 Schritte zu besser klingenden Drums Quelle: www.delamar.de

5 Schritte zu besser klingenden Drums | Foto: slgckgc [CC BY 2.0]

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Fette Drums in 5 Schritten

Möchtest Du druckvolle Drum-Sounds, ohne dass deren natürliche Dynamik flöten geht? Willst Du durchsetzungsfähigere, breiter und brillanter klingende Kicks, Snares & Co., die und als Herzschlag deiner Produktionen eine bessere Figur abgeben? Dann findest Du hier eine bewährte Methode. Du brauchst einen Equalizer und einen Kompressor.

Dabei kannst Du Effektgeräte (Hardware) oder Audio-Plugins für deine DAW nutzen. Fällt deine Wahl auf Letztere? Dann schau mal auf unsere große Liste mit kostenlosen Effekten in die Rubriken »Dynamikeffekte« sowie »Filter & Equalizer« – lade dir ein paar Kandidaten herunter und probiere, welche für dich am besten klingen. Hier:

» Free VST Plugins: Die besten kostenlosen Audio Plugins

5 Schritte zu besser klingenden Drums

  1. Busse für den Drum-Mix & das Effektsignal erstellen
  2. Kompressor auf ~12 dB Gain Reduction fahren
  3. Feintuning für die Kompression
  4. EQ zum Anheben der Bässe & Höhen nutzen (~100 Hz & ~9 kHz: +6 bis +9 dB)
  5. Pegel des trockenen & bearbeiteten Signals abstimmen

1. Busse für den Drum-Mix & das Effektsignal erstellen

Der Kompressor muss sich auf das komplette Schlagzeug auswirken. Schicke daher zunächst die Signale aller Einzelspuren auf einen Bus 1 (Gruppenspur in der DAW-Software oder AUX-Weg auf dem Mischpult).

In der DAW kannst Du beliebig viele Gruppenspuren erstellen, also nutze dieses Feature: Kreiere einen Bus 2, den Du ebenfalls mit allen Drum-Einzelspuren speist. Zusätzlich kommen auf diesen Bus nun noch die Kompressor- und EQ-Plugins als Insert-Effekte, wie in den nachfolgenden Punkten beschrieben.

Mit einem Mischpult musst Du das Signal von Bus 1 via Send-Buchse an deinen Hardware-Kompressor und deinen EQ schicken und es anschließend per via Return-Buchse wieder zurückführen. Der DAW-Methode entsprechend leitest Du das Return-Signal im Idealfall auf einen dedizierten Stereo-Kanalzug mit Fader (oft mit »[FX] Return« o.Ä. beschriftet).

2. Kompressor auf ~12 dB Gain Reduction fahren

Stell den Parameter »Ratio« (Kompressionsrate) auf sein Maximum. Regle nun den Parameter »Threshold« von 0 dB ausgehend langsam in den negativen Dezibelbereich herunter, bis in den Maximalwerten der Gain Reduction etwa 12 dB erreicht werden.

5 Schritte zu besser klingenden Drums - VU-Meter

So kannst Du die Gain Reduction überwachen: Die Mehrzahl der Hardware-Kompressoren und alle Plugins in unserer oben verlinkten Bestenliste verfügen über eine entsprechende Anzeige – entweder eine LED-Kette oder ein VU-Meter mit Pegelnadel, siehe Bild rechts.

3. Feintuning für die Kompression

Sind bei deinem Kompressor noch weitere Parameter einstellbar? Dann gehe wie folgt vor. Für die parallele Kompression brauchen wir keine Transienten, also kannst Du das Attack sehr niedrig einstellen. Auch das Release bleibt vergleichsweise klein. Weitere Parameter folgen nun in der Checkliste:

  • Attack: 0 ms oder so niedrig wie möglich
  • Release: 40 – 120 ms
  • Hochpassfilter (»HP«, »HPF«, »Low Cut« o.Ä.): deaktiviert bzw. 0 Hz
  • Tiefpassfilter (»LP«, »LPF«, »High Cut« o.Ä.): deaktiviert bzw. ~20 kHz
  • RMS Size: 0 ms oder so niedrig wie möglich (Peak-Kompression)

4. EQ zum Anheben der Bässe & Höhen nutzen

Verwende einen Equalizer, um die tiefen und hohen Frequenzen anzuheben:

  • Bässe bei ~100 Hz: +6 bis +9 dB
  • Höhen bei 8 bis 10 kHz: +6 bis +9 dB

5 Schritte zu besser klingenden Drums

Bei den Filtertypen sollte es sich um Peak-Filter handeln (alternative Bezeichnungen: Bell- bzw. Glockenfilter). Dadurch finden nur verhältnismäßig eng umgrenzte Anhebungen in den genannten Frequenzregionen statt – punktuell wirkende Boosts sind in der Regel besser als die Verstärkung der kompletten Bässe und Höhen durch Shelving-Filter. So bleibt der Mix transparent und punchy.

5. Pegel des trockenen & bearbeiteten Signals abstimmen

Stelle sicher, dass der Fader von Bus 2 ganz unten (stumm) und der von Bus 1 auf ±0 dB (Normallautstärke) steht. Jetzt wird es spannend … schiebe den Fader von Bus 2 ganz langsam nach oben, bis der effektveredelte im Mix mit dem trockenen Sound durchscheint.

Fertig. Die Drums werden jetzt größer, breiter, fetter klingen, ohne dass die Transienten plattgewalzt wurden. Das ist der Hauptzweck der parallelen Kompression. Viel Spaß beim Ausprobieren!

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Lesermeinungen (21)

zu '5 Schritte zu besser klingenden Drums'

  • mad   07. Jan 2008   19:49 UhrAntworten

    Dann aber besser die Mitten absenken als Bässe und Höhen boosten, nicht?

  • carlos (delamar)   07. Jan 2008   20:13 UhrAntworten

    Da scheiden sich die Geister, aber ich würde Dir im Prinzip zustimmen, dass eine inverse Absenkung immer etwas besser als eine Anhebung klingt.

    Für diesen ganz speziellen Anwendungsfall bevorzuge ich allerdings einen etwas aggressiveren Sound, und diesen erreiche ich eher durch das Boosten.

  • mad   07. Jan 2008   21:21 UhrAntworten

    Ok.

  • DasDAS   17. Jan 2008   12:56 UhrAntworten

    Hierfür empfehle ich gern den SafeSoundAudio P2 - eine Hardware 19"Unit, mit der paralelle Compression direkt am Gerät eingesetzt werden kann.

    Hier ein Link zu dem Gerät mit Demonstrationsvideo zu dem Thema.

    safesound.blogsport.de/2008/01/14/new-york-kompressionparalelle-kompression

  • carlos (delamar)   18. Jan 2008   01:26 UhrAntworten

    Eine solche Hardware ist natürlich eine feine Sache!

  • Sascha   02. Nov 2008   08:08 UhrAntworten

    @ mad: Anhebung mit Shelving-Filtern.

    Ich benutze gern auch einen Kompressor abschließend auf der Master-Summe(!) - aber nur mit 1 bis 2 dB Gain Reduction
    Release ganz genau einstellen, so dass der Groove stimmt. (Testweise mit höherem Ratio wert). Gibt einen ganz minimalen, subtilen Pump-Effekt.

  • carlos (delamar)   02. Nov 2008   11:14 UhrAntworten

    Auf dem Master-Buss ist ein Kompressor immer so eine Sache, da er nicht nur die Drums bearbeitet, sondern auch den Rest der Mischung beeinflusst.

    Ein solches (wenn auch nur leichtes) Pumpen kann bei Vocals sehr störend wirken.

  • Manuel   31. Aug 2009   21:38 UhrAntworten

    Ich habs heute mal endlich ausprobiert.

    SEHR FETT, was da noch rausgeholt wird aus den Drums.

    Vielen, vielen Dank. Auf so eine Idee wäre ich nie im Leben gekommen.

  • Mando   05. Sep 2009   19:26 UhrAntworten

    Klasse Tipps, habe die wie Manuel angetestet und die Drums klingen wirklich besser danach. Vielen dank für die Tipps und auch dafür, dass sie so schön kurz gehalten sind. Das geht einfach besser umzusetzen.

  • Sizzle   06. Nov 2009   11:18 UhrAntworten

    Kenn ich schon was länger, aber unter dem Namen "NYC-Compressor-Trick" ;] Aber trotzdem sehr lesenswert!

    Much Luv
    Itz Yo Boi

  • Cutoff   12. Mai 2010   21:43 UhrAntworten

    klasse

  • bohst   08. Sep 2010   21:39 UhrAntworten

    ich arbeite mit ableton ... versteh aber eins nicht:
    ich habe z.b. drei midi spuren: auf der ersten spur eine kick auf der zweiten eine snare und auf der dritten eine hihat.

    als vierte spur habe ich eine audio spur (=bus) auf die ich die drei anderen spuren route ... soweit müsste ich alles verstanden haben.

    aber jetzt ?! .... lege ich den kompressor auf eine return spur, stelle in dort extrem ein und mische dan einen kleinen anteil der kompresson über sends in die bus spur hinein ?!

    oder gibt es noch einen anderen weg, weil irgendwie versteh ich das oben geschriebene so:
    ich lege den kompressor auf die bus spur ... aber wie soll ich dan einen kleinen anteil der extremen kompresson dazu mischen ?!?

  • Manuel   09. Sep 2010   09:28 UhrAntworten

    Du legst den extremen Kompressor auf eine eigene Gruppenspur, auf die du dann deinen Drum-Bus per Send routest (100%).

    Anschließend kannst du dann über den Volume-Regler das Verhältnis zur Drum-Bus Spur regeln. Dabei machst du die komprimierte Spur deutlich leiser als deine eigentliche Drumspur. Somit hast du das nur zu einem kleinen Teil hinzugefügt.

    Ich hoffe, ich konnte dir damit etwas weiterhelfen. Kenne mich mit Ableton leider nicht aus.

  • Wvlf   13. Aug 2011   07:38 UhrAntworten

    Es ist vielleicht bereits hinfällig, aber der Vollständigkeit halber beschreibe ich hier noch schnell, wie ich es unter Ableton Live umsetzen würde:

    Zunächst sollte man eine Return-Spur anlegen, die man mit dem Kompressor mit den beschriebenen Einstellungen belegt. Alle Drum-Spuren routet man via Send-Regler auf diese Return-Spur, am besten Pre-Fader. Jetzt kann man die Return-Spur den eigenen Vorstellungen entsprechend hinzumischen, unabhängig von den Drum-Spuren. Das war's dann auch schon wieder.

  • Noob XD   07. Sep 2014   20:14 UhrAntworten

    Hi.
    Frage 1: Bevor man die Drums auf eine Gruppenspur legt, hat man die einzelnen Signale schon teilweise mit Eq und Compressor bearbeitet? Oder schickt man die Signale unbearbeitet in den Gruppen-Bus?

    Frage 2: "Der Return des Kompressors wird wieder in das Mischpult geführt." Was genau ist damit gemeint? Wird ein neuer Kanal angelegt und der return wird darauf geroutet? Oder wird der Return wieder zurück geroutet? (kann ich mir aber schlecht vorstellen...

    Frage 3: "Jetzt werden die Fader des Kanals mit dem komprimierten und dem EQ bearbeiteten Signal langsam angehoben, bis es gerade eben hörbar wird" Welche Fader? Ist doch nur ein Fader, da die Signale ja auf ein BusKanal geroutet wurden? Oder versteh ich da was falsch?

    Danke für die Tuts

  • Patrick   17. Mai 2016   22:33 UhrAntworten

    Vielen Dank für diese 5-Schritte-Anleitung. Gibt's so etwas zufällig auch für Instrumente wie Klavier oder akustische Gitarren, damit die etwas dichter klingen? ;-)

    • Patrick   28. Jun 2016   14:08 UhrAntworten

      Bin jetzt endlich mal dazugekommen, es quasi am "lebenden Objekt" auszuprobieren. Das klingt ja hammermäßig. Ich bin zwar nicht so ganz nach Lehrplan über Gruppenspuren vorgegangen, sondern hatte einen Mixdown von einer Drumspur, diese hatte ich dann dupliziert und dann die zweite Audiospur parallel komprimiert. Dürfte ja im Prinzip dieselbe Vorgehensweise sein. Auf jeden Fall klingt's jetzt schon mal um einiges fetter als zuvor. Nochmals vielen Dank für diese lehrreiche Anleitung. :-)

      • Felix Baarß (delamar)   29. Jun 2016   09:12 Uhr

        Hallo Patrick,

        das freut uns! =] Es sich lohnt auch sehr, diverse Kompressoren auszuprobieren. Einer meiner Favoriten ist in letzter Zeit der Red Phatt Pro von Jeroen Breebaart - schon ziemlich alt, aber ein absoluter Geheimtipp: https://web.archive.org/web/20130608183939/http://www.jeroenbreebaart.com/audio_vst_jb.htm

        Ich hatte bei den empfohlenen 6-9 dB Boost für Bässe und Höhen anfangs Skrupel, aber bei der Spur für die parallele Kompression kann man ja ruhig dick auftragen. Daher auch der niedrige bis nicht-existente Attack-Wert für den Kompressor.

        Viele Grüße,
        Felix

      • Patrick   29. Jun 2016   11:09 Uhr

        Hallo Felix! Vielen Dank. Hättest du eventuell einen ähnlichen Tipp für die Verdichtung von Akustikgitarren oder Piano Tracks oder gibt es diesbezüglich hier auch ein Tutorial? ;-) Bzw. lässt sich so etwas generell alles mit Parallelkompression realisieren und wie wären dann die Parameter einzustellen? LG Patrick

      • Felix Baarß (delamar)   30. Jun 2016   11:33 Uhr

        Ich glaube nicht (wenn, dann ist es ein uralter Artikel, der hier irgendwo im Archiv vergraben ist) ... aber mit modifizierten Kompressor- und EQ-Parametern könnte die hier vorgestellte Technik ganz gut auf Gitarre und Piano übertragbar sein.

      • Patrick   30. Jun 2016   17:05 Uhr

        Okay, danke. Wie wären denn die Parameter ungefähr bei einer Gitarre oder einem Piano? Sorry, bin aber auf dem Gebiet Parallelkompression noch ein Anfänger. :-)

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