Synchro Arts VocAlign Pro Testbericht: Die Lösung für Vocal Dopplungen

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Synchro Arts VocAlign Pro Testbericht – Die Lösung für Vocal Dopplungen

Eines der effektivsten Mittel, um einen Song breiter, voller und stärker wirken zu lassen, ist ohne Frage das Doppeln. Das können zwei Gitarren im Rock oder auch ganze Strophen im Rap bzw. HipHop sein. Doch hier merkt man sehr schnell die Unterschiede zwischen guten und sehr guten Künstlern. Wenn die Spuren zu stark voneinander abweichen, hört man sehr schnell die unterschiedlichen Timings und die Verständlichkeit verschlechtert sich! Das Ende vom Lied ist, dass der Mixing Engineer eine Menge Zeit mit dem Schneiden und Editieren der Spuren verbringen muss.

Fast wie eine Erlösung wirkt dann die Musiksoftware „VocALign“ der Firma Synchro Arts. Diese verspricht nämlich durch einen Algorithmus genau diesen Arbeitsschritt selbstständig mit einem Knopfdruck durchführen zu können. Ob und wie Synchro Arts VocAlign funktioniert, habe ich mir einmal näher angeschaut.

 

VocAlign Testbericht Project StandAlone

VocAlign Project StandAlone

 

Kurz zusammengefasst arbeitet VocALign mit zeitlichen Korrekturen, indem das analysierte Signal mit einem Time Stretching Algorithmus gestaucht bzw. gedehnt wird. Hierzu gleicht die Musiksoftware eine Doppelspur (im Progamm als Dub bezeichnet) mit einer Referenzspur (im Programm als Guide bezeichnet) ab. Nach der kurzen Spektrumanalyse und den notwendigen Zeitkorrekturen wird das Timing der Referenzspur angeglichen.

In der Standalone Version VocAlign Project werden die zu bearbeitenden Spuren zunächst aus dem eigentlichen Projekt exportiert und in VocAlign geladen. Im Programm selbst wird mit den internen Algorithmen eine neue Datei errechnet, die anschliessend zurück in den Sequencer importiert werden kann. Für Nutzer von Programmen, die lediglich eine VST-Schnittstelle mitbringen, bleibt die unbequeme StandAlone-Version von VocAlign leider auch die einzige Variante.

Doch für Sequencer, die Audio Suite und Audio Unit Schnittstellen zur Verfügung stellen, kann das Programm als Plugin in den Versionenen VocAlign Pro und VocAlign Project genutzt werden. In der Plugin-Variante muss lediglich einmal das bearbeitete Signal exportiert werden. In Logic geschieht dies mit dem Befehl „Bounce in Place“.

 

VocAlign Testbericht Plugin

Das Synchro Art VocAlign Plugin

 

Für beste Ergebnisse benötigt Synchro Arts VocALign natürlich zwei Audiospuren, die schon relativ synchron ohne grössere Abweichungen laufen. Falsche Töne oder gar variierende Texte kann das Programm nicht ausgleichen – dafür ist es ja auch nicht gedacht. Es bleibt also bei dem Grundsatz, bestmögliche Aufnahmen zu machen, die nur noch perfektioniert werden müssen.

Liegen die erst einmal vor, wird das VocAlign-Plugin zunächst in die zu bearbeitende Doppelspur als Insert geladen. In den Sidechain wird der erste Take als so genannter „Guide“ zur Orientierung geladen. VocALign nutzt diese Spur als Richtschnur, um die Dopplung auszurichten – sie wird nicht geändert oder bearbeitet. Die Spuren werden nun in Echtzeit mit der „Capture“-Funktion in das Plugin übertragen, ein Vorgang, der Melodyne Usern bekannt vorkommen dürfte.

Sind die Spuren nun auf diese Weise endgültig zur Bearbeitung in VocAlign übertragen, müssen sie erst über den Knopf „Analyze“ analysiert werden. Für die Bearbeitung über den Knopf „Align“ hält uns das Programm ganze fünf Presets vor, mit denen sich die Bearbeitung beeinflussen lässt:

VocAlign Testbericht Analyse

Einstellungen für die Bearbeitung in VocAlign

Low Flexibility
Diese Bearbeitung ist am ungenauesten und eignet sich für Spuren mit sehr guten Timings.

Normal Flexibility
Ist die Standarteinstellung bei VocAlign und ein guter Startpunkt, mit dem ich bisher ein sehr gutes Ergebnis erhalten habe.

High Flexibility
Diese Einstellung analysiert etwas flexibler als die vorherigen und kann sich bei schlechteren Timings als hilfreich erweisen.

Maximum Compression
Mit dieser Einstellung wird das Audiosignal so viel wie nötig und möglich gestaucht.

Maximum Expansion
Wie die vorherige, nur mit Dehnung des Audiosignals.

 

Details in VocAlign Pro

Eine gelbe Linie über der Referenzspur zeigt grafisch den Unterschied zwischen beiden Spuren an, der mit einem Druck auf die Leertaste nun auch vorab gehört werden kann. Für einen Vorher/Nachher-Vergleich dient der Bypass-Knopf in VocAlign. Ist das Ergebnis noch nicht zufriedenstellend, kann das Bearbeitungspreset neu gewählt werden und die Bearbeitung fängt von vorne an.

Für Nutzer der Version VocAlign Pro können zudem noch so genannte „Synch Points“ gesetzt werden. Hiermit werden Stellen in beiden Spuren als zusammengehörig markiert, die andernfalls vom Programm nicht erkannt würden und zu einer Art digitalem Zerren führten. Um diese Synch Points nutzen zu können, wird der „Align Mode – Advanced“ ausgewählt, wodurch auch ein Knopf zur automatischen Erkennung sowie zum „Löschen“ der markierten Stellen sichtbar wird.

Die Synch Points sind in der Regel eine gute Hilfe, wobei die grafische Darstellung auch detaillierter sein dürfte. Das kleine Bearbeitungsfenster erschwert trotz der Zoom-Funktion die Bearbeitung unnötig, denn die Synch Points lassen sich nur mit einigem Aufwand an die richtige Stelle setzen.

Sollte das alles mal nicht helfen, dann entfernt der „Delete“-Button die beiden Audiospuren aus VocALign und macht Platz für einen neuen Versuch. In der Regel wird aber eher der Weg über einen Klick auf „Edit“ gehen. Mit diesem wird als Ergebnis eine neue Audiospur erzeugt, die den alten Dub Track ersetzten soll.

 

VocAlign Pro in der Praxis

Im Rahmen dieses Testberichts habe ich das oben beschriebene Vorgehen mit Rap-Vocals, Gesang und Instrumenten durchgeführt. VocALign lieferte dabei immer sehr gute Ergebnisse. Die Bearbeitungen klingen natürlich und sind nach der Bearbeitung rhythmisch tight.

Als Inserteffekt kann Vocalign Pro leider immer nur eine Dopplung zur selben Zeit bearbeiten. Für jede weitere Spur, die mit dem Plugin oder Programm bearbeitet werden soll, müssen die Arbeitsschritte erneut durchgeführt werden. Das ist zwar im ersten Moment etwas umständlich, aber dem manuellen Editieren der Dopplungen immer noch weit voraus und ein echter Segen.

Vocalaufnahmen ohne Bearbeitung

Vocalaufnahmen mit VocAlign Pro

 

Das Fazit im VocAlign Pro Testbericht

Vorausgesetzt die Dopplungen sind bereits relativ gut und vernünftig, arbeitet VocALign Pro viel schneller als wenn man es von Hand schneidet und klingt dabei sogar noch besser! Der Algorithmus kann mit seinem Klang beim Stauchen und Dehnen überzeugen, die Qualität ist durchweg professionell auf ganzer Linie.

Die Version VocAlign Pro ist der kleineren und günstigeren Project-Version unter anderem durch die Synch points überlegen, allerdings auch deutlich teurer. Den besten Workflow bietet natürlich die Plugin-Variante, die allerdings den Nutzern von DAWs mit VST-Schnittstelle vorenthalten bleibt.

Bei einzelnen Wörtern hat sich die in diesem Testbericht betrachtete Version VocAlign Pro leider etwas schwer getan. Das Setzen von Synch Points hat hier zwar geholfen, aber durch das kleine Bearbeitungsfenster leidet der Zeitvorteil gegenüber dem manuellen Editieren.

Auch wenn der Preis auf den ersten Blick etwas hoch erscheint: In Anbetracht der Klangqualität und des Geschwindigkeitvorteils kann ich VocAlign Pro jedem empfehlen, der viel mit Dopplungen arbeitet und sich eine Menge Editierarbeit sparen möchte.

 

Preis & Lizenz
Die Version VocAlign Pro kostet als Download etwa 430,- Euro und die Version Project rund 239,- Euro.
Beide Versionen sind als Plugin erhältlich., die Standalone Version ist allerdings nur die Project Version. Zusätzlich benötigen die Plug Ins einen PACE Ilok zur Lizenzierung.

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Lesermeinungen (9)

zu 'Synchro Arts VocAlign Pro Testbericht: Die Lösung für Vocal Dopplungen'

  • $hotty Balle   29. Jan 2010   17:21 UhrAntworten

    sehr interessant! ich frage mich nur grade, ob cubase 5 denn Audio Suite oder Audio Unit Schnittstellen besitzt, dass man vocalign pro als plugin darin nutzen kann? kann mir das jemand beantworten? das wär nett! dann wäre es echt eine überlegung wert es evt mal zu kaufen. als standalone is es etwas arg umständlich ...

  • olaf berliner   31. Jan 2010   22:57 UhrAntworten

    @ $hotty Balle

    ach, so arg umständlich ist es gar nicht. Meistens sind es ja nur kürzere Phrasen, die man doppelt. Und dann geht es schnell. Ich liebe dieses Teil.

  • $hotty Balle   01. Feb 2010   00:31 UhrAntworten

    @ olaf berliner

    ja gut im prinzip hast du recht, besser als die cutterei. aber ich hab auch schon irgendwo mal gelesen oder so, dass man nur eine begrenzte länge dort reindroppen kann, um es automatisch verbessern zu lassen. weiß jemand bei wie viel sekunden oder minuten die grenze liegt? weil manchmal nehm ich schon komplette 16er auf, ich bin ja selbst rapper.

  • Olaf Berliner   01. Feb 2010   13:56 UhrAntworten

    ich weiß nicht, welche sekundengrenze da zu grunde liegt. aber mit 8 takten bin ich schon gut durchgekommen. Das Problem wird bei längeren Passagen wohl eher die Erkennungsgenauigkeit sein.

  • moZee   03. Feb 2010   17:37 UhrAntworten

    @ $hotty Balle :

    Cubase unterstützt nur VST. Deshalb bleibt für dich leider nur die Standalone Version übrig.

    Die Zeitbeschränkung war in den alten Versionen sehr stark. In der Pro Version 4 sind es mittlerweile 5 Minuten die VocAline am Stück analysiert und verarbeitet.

  • Olaf Berliner   03. Feb 2010   19:16 UhrAntworten

    na 5 min sollte wohl reichen :-)

  • JAN   12. Feb 2010   21:31 UhrAntworten

    Mit Logic's Flextime sollte VocAlign langsam überflüssig werden - in Logic zumindest.

  • $hotty Balle   12. Feb 2010   21:55 UhrAntworten

    Ja vielleicht, ich hab aber noch nie mit Logic gearbeitet. Ich hab mich schon voll in Cubase reingearbeitet und will schon gar nich mehr wechseln! =) Schade aber, dass nich in jeder DAW schon standardmäßig so ein Dopplungsfehler-Plugin drin is. Jetzt muss man nochmal extra ein paar Scheine blättern für diese sehr hilfreiche, aber dennoch kleine Funktion ...

  • Moritz   13. Feb 2010   00:00 UhrAntworten

    Ich habe nun mittlerweile Fley Time, sowie Vocaline oft verwendet und muss fest stellen, dass Flex Time zwar durchaus ähnliche Ergebnisse liefert, aber bei weitem mehr Handarbeit ist. Ausserdem ist der Algorithmus in VocALign um einiges ausgereifter.
    Flex Time eher bei Timig Angleichungen unterschiedlicher Spuren Sinn um z.B. ein ganzes Drumset (Kick, Hihat, Snare u.s.w.) im Timing zu verbessern oder sogar zu quantisieren.

    Und wer weiß, vielleicht ist ja eines Tages eine VocAline Alternative bei den großen Sequenzern on Board. Die Konkurrent schläft ja bekanntlich nicht ;-)

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