Sylenth 1 Testbericht: Virtuell analoger Synthesizer mit grossartigem Klang

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Sylenth 1 Testbericht: Virtuell analoger Synthesizer

In diversen Online Communities wurde und wird der Sylenth 1 aus der holländischen Softwareschmiede LennarDigital auch heute noch vor allem wegen seines Klangs und seiner überaus einfachen Bedienung immer wieder empfohlen. Vergleiche mit einem Access Virus müsse er nicht fürchten, so heißt es, und auch bei einigen Szenegrößen ist er nun schon längere Zeit konstant im Einsatz. Grund genug, uns diesen Software-Synthesizer, der mittlerweile in Version 2.2 vorliegt, etwas näher anzuschauen und auf den Zahn zu fühlen.

Die Installation des Sylenth 1 ist das, was ich einen absoluten Selbstgänger nennen würde, und lief nun wirklich gänzlich reibungslos. Eine Minutensache, so mag ich das!

 

Sylenth 1 Testbericht: Features

Der Sylenth 1 bietet vier Oszillatoren mit jeweils acht unterschiedlichen Wellenformen. Je Oszillator lässt sich die Stereobreite sowie die Phase der Wellenform einstellen und verstimmen, bzw. oktavieren. Die Knöpfe für Stereopanorama „Pan“ und Lautstärke „Volume“ seien nur der guten Form halber erwähnt. Ein nettes Feature ist die Übertragbarkeit der Oszillator-Einstellungen per Copy & Paste von einem auf einen anderen. Das spart in der Praxis eine Menge Zeit.

Jeder Oszillator kann bis zu acht Unisonostimmen erzeugen, was in der Summe durch die maximal 16-fache Polyphonie ganze 512 (!!!) Stimmen pro Note ergibt! Das klingt im wahrsten Sinne des Wortes fett! Von voluminösen Padsounds, bis hin zu der klassischen Supersaw, welche dir aus den unterschiedlichsten Dance-Produktionen bekannt sein dürfte, ist hier eine Menge möglich. Nur so am Rande bemerkt: Die „originale“ Supersaw aus dem legendären Roland JP8000 bestand aus sieben gegeneinander verstimmten Sägezähnen… Man kann sich also leicht ausrechnen, wie fett es beim Sylenth 1 also tatsächlich klingt.

 

Modulation beim Sylenth 1

Neben den bereits erwähnten Oszillatoren stehen uns zwei LFOs (Low Frequency Oscillators) mit jeweils elf unterschiedlichen Wellenformen zur Verfügung. Pro LFO lassen sich zwei Modulationsziele definieren. Doch in Sachen Modulation geht sogar noch mehr am Sylenth 1:

Neben den beiden LFOs finden sich zwei Modulationshüllhurven (ModEnv = Modulation Envelopes), welche zusätzlich auf zwei weitere Modulationsziele geroutet werden können. Wem das noch nicht genug ist, der bekommt oben drauf noch zwei frei definierbare Modulationsmatrizen, bestehend jeweils aus zwei Instanzen. Das heißt im Klartext: Hier können insgesamt vier frei definierbare Modulationsquellen (ModSource) auf jeweils zwei frei definierbare Modulationsziele geroutet werden.

Ein Beispiel zur Veranschaulichung: Der AmpEnvelope steuert das Pitchverhalten des OSC A1, die Anschlagsdynamik das Filter von OSC A2, der LFO 2 die Lautstärke des OSC B1, usw. Auch die internen Effekte sind hier als Ziele auswählbar, wir kommen später dazu. Hier sind wirklich abgedrehte Sachen möglich. Insgesamt können in einem Sound also 16 verschiedene Parameter moduliert werden.

 

Die Oberfläche des Sylenth 1 / Testbericht

Die Oberfläche des Sylenth 1 / Testbericht

 

Die Filter

Doch was wäre ein Synthesizer ohne Filter? Natürlich wurde auch hier daran gedacht. Es stehen uns zwei Filter zur Verfügung, nämlich jeweils einer pro Part (Part 1 = OSC A1 + OSC A2, Part 2 = OSC B1 + OSC B2). Der geneigte Nutzer kann zwischen drei unterschiedlichen Filtertypen wählen: Lowpass, Highpass, Bandpass, oder das komplette Filter stumm schalten. Die Flankensteilheit der Filter ist mit 12dB und 24dB frei wählbar. Cutoff und Resonanz kennst Du sicherlich von Filtern anderer Synthesizer, beim Sylenth 1 gibt es einen zusätzlichen Drive-Regler, der dem Sound mehr analoge Wärme verleiht.

 

Effektsektion beim Sylenth 1

Effekte sind in der Musik, wie das Salz in der Suppe, so sagt man. Nicht zuletzt deswegen finden sich am Sylenth 1 insgesamt sieben unterschiedliche Mastereffekte wieder. Das soll heissen, die Effekte können vor dem Masterausgang in den Signalweg eingeschliffen werden, jedoch nicht direkt hinter den Oszillatoren. Zur Verfügung stehen die Effekte Chorus, Distortion, EQ, Phaser, Delay, Reverb und Kompressor, dazu noch ein Arpeggiator. Die Qualität der Effekte ist durchweg brauchbar.

An einem Delay kann man nicht viel falsch machen, Chorus und Hall sind gut gelungen. Auch wenn sich besser klingende Effekte auf dem Markt der VST Plugins finden lassen – es langt vollkommen aus!

 

Der Klang beim Sylenth 1 Testbericht

Nun wissen wir, was uns dieser virtuell analoger Synthesizer bietet, aber wir klingt er denn nun? Wer die monströse Anzahl an mitgelieferten Factory Presets durchhört, wird schnell feststellen, dass dies nicht gar zu eindeutig zu beantworten ist. Von drückenden analogen Blubbersounds, über schwebende, warme Flächenklänge bis hin zu fetten Leadsounds kann der Sylenth 1 klingen, wie man möchte.

Die Klangqualität würde ich für einen virtuell analogen Software-Synthesizer als überdurchschnittlich bezeichnen. Die Höhen kommen brilliant rüber, die Tiefen sitzen perfekt. Mich hat der Klang dieses Synthesizer-Plugins sehr beeindruckt, denn das kennt man eigentlich nur von der Hardware-Fraktion. Wer sich selbst ein Bild vom Klang des Sylenth 1 machen möchte, darf sich folgendes MP3 anhören.

Auf der Webseite der Entwickler finden sich weitere unbearbeitete Hörbeispiele und eine Demo-Version, die ich jedem Interessierten ans Herz legen möchte.

 

Auslastung / Leistung

Nun hat ein derart guter Sound zumeist einen bitteren Beigeschmack, nämlich den des unstillbaren Hungers nach CPU-Leistung. Zumindest liegt dieser Schluss nahe, wenn man den ein oder anderen virtuellen Synthesizer der Mitbewerber genutzt hat. Wer beim LennarDigital Sylenth 1 aber von grobem Leistungshunger ausgeht, der irrt! Die CPU-Auslastung kann nicht anders als sehr moderat bezeichnet werden.

Es ist sogar noch besser. Es macht so gut wie keinen Unterschied, ob man einem Oszillator eine oder gleich acht Stimmen zuweist: Die geforderte Leistung bleibt konstant niedrig. Natürlich gilt auch bei dieser Software, dass je mehr Parameter in den Sounddesign-Prozess eingebunden werden, desto höher die CPU-Last wird. Im normalen Betrieb für diesen Sylenth 1 Testbericht auf meinem 3,0 GHz Audio Computer konnte ich problemlos mehrere Instanzen des Plugins abfeuern, ohne den Rechner aus der Puste gehen zu sehen. Das ist genial!

Übersicht Sylenth 1 Testbericht

Pro

  • Klang
  • Flexibilität
  • einfacher Aufbau
  • gute Oberfläche / „grafisches Display“
  • moderater Preis

Contra

  • fehlende RTAS Schnittstelle

 

Sylenth 1 Testbericht: Das Fazit

Wir haben es hier mit einem virtuell analogen Synthesizer zu tun, der mit seiner benutzerfreundlichen und übersichtlichen Oberfläche auch Einsteigern das Leben leicht macht. Alte Hasen finden alle notwendigen Parameter auf Anhieb. Ich wüsste im Moment nicht, was mir an diesem VST-Instrument fehlen könnte. Beim Sylenth 1 findet sich alles, was das Herz eines Sounddesigners wie mir begehrt. Gemütlichere Zeitgenossen werden durch die beachtliche Anzahl von mehr als 1.300 Presets voll und ganz auf ihre Kosten auf ihre Kosten kommen können. Zumal sich im Internet noch weitere Sound-Bänke zum kostenlosen Download finden.

Die Krönung des LennarDigital Sylenth 1 ist aber ohne Zweifel sein Klang – der sucht seinesgleichen. Der aktuelle Strassenpreis von 139,- Euro scheint durchaus gerechtfertigt und moderat. Und wenn ich doch noch ein Manko nennen muss, dann sei gesagt, dass ich fast schon danach suchen musste. Es handelt sich hierbei umd die RTAS Schnittstelle, ohne die Nutzer von Pro Tools nur mithilfe eines Wrapperr in den Genuss dieses grossartigen Synthesizer Sylenth 1 kommen können.

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Lesermeinungen (17)

zu 'Sylenth 1 Testbericht: Virtuell analoger Synthesizer mit grossartigem Klang'

  • oliver schmitt   18. Nov 2009   19:10 UhrAntworten

    ganz klar einer der besten softtsynths überhaupt, unglaublich flexibel bei intuitiver bedienung

    gruss,
    olli

  • Ken Adams   19. Nov 2009   07:18 UhrAntworten

    Kann auch sagen, daß dies einer der besser PlugIns ist.
    Allerdings bin ich doch überrascht, wie spät der Testbericht kommt, denn der Sylenth1 hat ja schon ein paar Jahre auf dem Buckel.
    Stören tut mich der sogenannte RAM-Bug (der Speicher wird nach Beendigung des Sylenth1 nicht geleert), der aber laut Lennard nun endlich bald behoben sein soll.
    Desweiteren gibt es bereits Gerüchte über eine neue, stark verbesserte Version.

    Gruß

  • clivedonner   19. Nov 2009   18:33 UhrAntworten

    Klingt wirklich besser als fast der gesamte andere Schmock. Ist aber schon lange bekannt.
    Gruß

  • GammaGT   19. Nov 2009   20:58 UhrAntworten

    Fehlende Pulseweiten Regelung und OSC Sync betrachte ich für einen VA schon als sehr großen Mangel. Wird sicher mit dem kommenden Update nachgeliefert.

  • eric   22. Nov 2009   11:20 UhrAntworten

    jep ein ausgezeichneter SYNTH...ich hoffe er bringt noch mehr raus!!!

  • chama   24. Nov 2009   19:01 UhrAntworten

    Fehlt:

    - PWM
    - Sync
    - FM
    - Ring

    Von daher kommen da auch nur die üblichen Klänge raus.

    Aber gut es soll ja "irgendwann" mal ein Update kommen wo das dann angeblich alles drin ist.

  • Hawu   28. Nov 2009   14:33 UhrAntworten

    Kein Wunder, dass Sync, FM und RM fehlen, das sind nämlich die kritsischen Audiobereiche, wo sich echt von virtuell unterscheidet. Von daher ist das Lob für den Klang nur Makulatur, da sich der Synth diesen "Herrausforderungen" nicht stellt. Auch der oft gestellte Vergleich zum Virus hinkt, denn im Funktionsumfang kann der Sylenth nicht mithalten, allein was Wellenformen (beim TI sogar Wavetables) und Filterflexibilität angeht. Alles nur hochgejubelt ohne echten Sachverstand.

    Übrigens: "Jeder Oszillator kann bis zu acht Unisonostimmen erzeugen, was in der Summe durch die maximal 16-fache Polyphonie ganze 512 (!!!) Stimmen pro Note ergibt!" - das ist doch eine Milchmädchenrechnung sondergleichen!

  • manuel   31. Mrz 2010   21:30 UhrAntworten

    Das Teil kostet nicht 139 Euro sondern 165 Euro!

    • NoHeDoesnt   22. Okt 2014   19:23 UhrAntworten

      nein tut er nicht!

  • Andy   07. Apr 2010   22:31 UhrAntworten

    PWM lässt sich übrigens "simulieren".

  • chama   07. Apr 2010   22:37 UhrAntworten

    @Andy

    Klingt aber nicht wirklich nach PWM.

    Auch läuft beim Sylenth1 die Welle verkehrtrum (als hätte man den Invert-Button schon mal gedrückt).

    Auch klingt der Sylenth1 komplett dünn im Vergleich zu anderen Synths (z.B. V-Station), wenn man z.B. 2 simple Saws zusammenmischt (eine -1 Octave, die andere -2 Octave). Da erwartet man den üblichen fetten Knarzbass und nicht so einen Kaninchenpubs wie ihn Sylenth1 produziert.

  • Andy   08. Apr 2010   15:59 UhrAntworten

    @chama:

    Das Sylenth1 "dünn" und nach Karikelfürzen klingt, habe ich aber bisher noch von niemandem gehört ...

  • chama   08. Apr 2010   16:25 UhrAntworten

    @Andy

    Dann probier doch einfach mal obiges Beispiel selbst aus.

    Das ist nicht nur eine kleine Differenz, sondern da liegen Welten dazwischen!

  • Vibration   25. Apr 2010   17:37 UhrAntworten

    @chama
    Bist du auch sicher bei Osc2 die Voices eingestellt zu haben?
    Bei default steht dort nämlich 0.

    Und wenn du nur 2 Voices pro Osc nimmst und diese leicht verstimmst - wie knarzig willst du es denn noch haben?

    Klingt komplett dünn - hab selten etwas dämlicheres gehört.

  • chama   25. Apr 2010   18:30 UhrAntworten

    "Klingt komplett dünn – hab selten etwas dämlicheres gehört."

    Es ist aber leider nunmal so! Ich kann doch nichts dafür das nur komische Wavetables in Sylenth1 verwendet wurden!

    1) Sylenth1 laden
    2) Init-Patch auswählen (am Ende der Patchliste)
    3) Osc A2 Saw auswählen
    4) Osc A2 Voice = 1
    5) Osc A2 Octave = -1

    Dann hast Du 2 Oscs mit einer Saw wo 1 Saw eine Oktave tiefer spielt.

    Und jetzt vergleich diesen komischen Sound mal mit denen von anderen Synths welche die gleichen Einstellungen haben!

    Sylenth1 würgt da irgendwas heraus, aber es ist eine knarzende Saw wie man sie kennt.

  • Tobias   25. Dez 2010   20:17 UhrAntworten

    Dieser Synth ist eigentlich primär nur was für Dance/Trance/Chance-Leute mit Hang zum Tekkkk-NO.
    Natürlich gehen andere Musikrichtungen auch, aber selbst die Presets stinken immer nach dem Kommerz-Dance-Schwachsinn.
    Sorry, es gibt wirklich IMHO bessere VSTis, welche zudem mehr Soundmöglichkeiten bieten. Eventuelle voreingenommene Bassschwächen o.ä. kann man wunderbar mit EQ & Co. ausgleichen, wenn man denn Mischen kann.
    Leider wird z.B. auch der Prologue (!) aus Cubase immens unterschätzt, richtig prorammiert und mit EQ, Chorus, Hall etc. versehen, schlägt das Teil von der Soundvielfalt sogar lässig ES2. Gersde Letzterer klingt nur gut, wenn er im Unisono-Modus läuft. Schaltet man den aber ab, klingen alle Logic-Synths größtenteils wirklich nur nach mumpfigem 90erJahre-Plastiksound. Schade.

  • Philipp Egger   19. Jun 2015   15:32 UhrAntworten

    wenn ichn sylenth1 auf lennardigital.com kaufe
    ist es dann als downloadversion verfügbar oder wird es geliefert ?

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