Redmatica Keymap Testbericht – Compendium Bundle

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Redmatica Compendium Bundle Testbericht Teil 2: Keymap

Das zweite Programm im Compendium Bundle nennt sich Redmatica Keymap und liegt für diesen Testbericht in der Version 1.5 vor. Dient der im ersten Teil beschriebene Autosampler noch zur Aufnahme und Digitalisierung von Instrumenten, so geht es bei der Redmatica Keymap Software um das Bearbeiten der Samples. Und das kann mit dieser Musiksoftware in erstaunlich vielschichtiger Art und Weise geschehen.

Was kann Redmatica Keymap?

Bearbeiten von gesampelten Audiomaterial

Nach der Installation von Redmatica Keymap erscheint dieses als Menü im Optionsbereich des EXS von Apple Logic. Auf diese Weise können EXS und Redmatica Keymap parallel betrieben und editiert werden. Allerdings sei ausdrücklich an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass das EXS-File keineswegs dasselbe wie das Keymap-Dokument ist. Alle in Keymap vorgenommenen Änderungen und Funktionen sind erst im EXS hörbar, nachdem alle Samples und Einstellungen erneut in den Sampler geladen wurde. Bei ungleichen Dateien kann sich ein anderes Klangbild beim Abhören ergeben, das schnell zu Verwirrung führen kann.

 

Die GUI von Redmatica Keymap

Die GUI von Redmatica Keymap

 

Nachdem das im ersten Schritt erstellte Audio- und Samplermaterial importiert ist, kann man in Keymap genau so direkt darauf zugreifen wie man es von AutoSampler gewöhnt ist. Es können WAV, AIFF, MP3 oder das AAC geladen werden. Redmatica Keymap lässt sich hierbei direkt aus dem Logic-Sampler EXS heraus aufrufen und bedienen. Natürlich lassen sich auch im Nachhinein noch eigene Samples importieren, wenn man – wie im ersten Teil im Testbericht beschrieben – einige Oktaven austauschen möchte.

Wer an den Yamaha DX7 in den 80igern zurückdenkt, wird sich bestimmt noch an die „Breakpiont“-Funktion erinnern, mit der es möglich war, die Tonerzeuger ab einem bestimmten Notenwert organisch ausfaden zu lassen. Genau diesen Effekt kann auch Redmatica Keymap mit seiner als „Quadrasmooth“ bezeichneten Funktion erreichen. Das Wort „Quadra“ impliziert zurecht, dass es sich um vier Zonen handelt. Diese vier Zonen können in Abhängigkeit der Velocitykurve editiert werden.

Die Samples lassen sich über den im Programmen enthaltenen „Dynamic Envelope“ sehr intuitiv und angenehm nachbearbeiten. Die grafische Darstellung des dynamischen Envelopes (Hüllkurve) wirkt sehr übersichtlich auf mich. Es lassen sich bis zu zehn Punkte zu einer völlig neuen Hüllkurve kombinieren. Die genauso einfache wie geniale Funktion „Crossfade“ bewirkt, dass sich unterschiedliche Samplezonen derart überlagern, dass aus dem Samplevorgang fehlende Dynamikstufen interpoliert werden.

 

Envelopes in Redmatica Keymap

Envelopes in Redmatica Keymap

 

Mit einer weiteren Hüllkurve ADR (Attack, Release, Decay) lässt sich das Anschlagsverhalten nochmals weiter verfeinern.Für fortgeschrittene Anwender werden hier zwei unterschiedliche Modi in Bezug auf den Anschlag (Attack) angeboten: Slow für die normale Anwendung und Fast für perkussives Audiomaterial.

Im Bereich Stimmen und Tuning bieten sich bei Redmatica Keymap die üblichen Funktionen, die zu erwarten gewesen wären: Tuning von bis zu 50 Cent nach oben und unten und Stimmen in Halbtonschritten bis zu zwei Oktaven. Sensationell hingegen ist die Tatsache, dass die Editiersmöglichkeiten, die schon bei der Velocity zur Verfügung stehen, genauso für sämtlich bekannte Controllerfunktionen gelten. Hier zeigt sich, wie intensiv und leidenschaftlich die Programmierer an diesem Produkt arbeiten. Volume, Balance, Panposition, Effect Control 1 & 2, Choruslevel, Effectslevel, Phaserlevel, Soundtimbre, u.v.m. lassen sich hier detailliert editieren.

Die aus dem EXS bekannte Group steht auch in Keymap zur Verfügung. Die bisher beschriebenen Funktionen beziehen sich allesamt auf eine solche Group. Darüber hinaus kann aber eine so genannte Zone mit x-beliebig vielen Groups belegt werden. Soundtüftler können jetzt wohl schon erahnen, welche Möglichkeiten sich mit „Keymap“ auftun.

Sehr modern und professionell sind auch die Optionen, die Redmatica Keymap für Filmmusiker in Sachen Surround und Ausgänge bietet. Bis zu 16 Outputs können konfiguriert werden, die in einem Raumdiagramm verteilt werden können. Das kann begeistern. Zu den weiteren Funktionen gehören Keyswitches und Groupzuweisungen via Midikanal sowie ein ADR-Envelope für sämtliche Controllerfunktionen.

 

Arbeiten mit dem Spectratuner aus Keymap

Arbeiten mit dem Spectratuner aus Keymap

 

Bearbeiten des Klangs in Redmatica Keymap

Das war die Pflicht, kommen wir jetzt zur Kür. Die Rede ist von der Bearbeitung der Klangfarbe des gesampelten Audiomaterials bzw. Instruments. Wenn der gesamplete Sound zum Beispiel Probleme mit der Intonation im Ausklangverhalten aufweist und dadurch zu Verstimmungen im Zusammenklang mit anderen Patches führt hilft der Wave Editor. In diesem kann Redmatica Keymap die Samples stimmen und den Intonationsverlauf von jedem einzelnen Sample anzeigen. Es gibt zudem einen so genannten Spectraltuner, dessen Anzeige über einen hervorragenden Zoom verfügt.

 

Über den Wave Editor lassen sich zudem die Volumenamplitude, Formantverlauf, Timeline und die Pitch-Kurve anzeigen. All diese lassen sich neu gestalten und an die eigenen Bedürfnisse anpassen. Dies kann über das direkte Einzeichnen mithilfe eines Stiftes über die Funktion „Draw“, über „Smear“ und „Red/Exp“ geschehen. Die Arbeitsweise dieser Werkzeuge verhält sich ähnlich zu der eines parametrischen Equalizers. „Draw“ arbeitet punktuell, „Smear“ beinflusst das nähere Umfeld des Samples und „Red/Exp“ ist die größtmögliche „Glocke“.

Die Parameter für das „Grobe“ finden sich im Sample-Editor unterhalb der Wavedarstellung. Dort befinden sich auch sämtliche Informationen über das sich gerade in Bearbeitung befindliche Sample. Trotz aller Details haben die Machen von Redmatica Keymap hier eine exzellente Übersichtlichkeit gewahrt.

 

Der Sampleeditor / Wave-Editr

Der Sampleeditor / Wave-Editr

 

Looping/ Slicing:

Der Hersteller enttäuscht nicht: Redmatica Keymap bietet das automatische Finden von Loop-Punkten, mit der dieser Vorgang in wenigen Minuten erledigt ist. Für die Bearbeitung des Loops stehen dann noch Werkzeuge für das Tuning und Finetuning. So kann der Loop um die Hälfte verlängert oder verkürzt oder um eine 1/16-Note nach vorne oder hinten versetzt werden. Bei der Bearbeitung des Audiomaterials stehen hier diverse Formantmodi zur Verfügung, die sorgfältig ausgewählt werden müssen, wenn unerwünschte Pitchingnebeneffekte vermieden werden sollen.

Sehr schön sind auch die Optionen für Slicing und Splitting von rechter und linker Spur einer Stereodatei. Die automatische Erkennung von Samples rundet das Angebot ab. Mit dem Wave Editor ist sogar eine Umkehrung der Velocitykurve auf einfachste Weise möglich. Einzig ein Resampling wurde bisher noch nicht vom Hersteller integriert, aber das ist vielleicht ja für eine der nächsten Versionen geplant.

Audioeffekte:

Bei Redmatica Keymap finden sich die typischen Brot und Butter Effekte für die Bearbeitung von Samples: Lowpass / Highpass Filterfrequency sowie LP/ HP Resonance Filter können eingesetzt werden. Noch besser als diese gefielen mir die zwei (!) Saturator-Effekte, die gehörig Dampf machen und genau wie die Filter hervorragend klingen.

Dieser Testbericht ist so ein bisschen wie ein Spaziergang durch den Wald. Hin und wieder bleibe ich stehen, deute auf einen Baum und sage: „Schau mal da, wie schön!“. Jede einzelne Funktion dieser umfangreichen Musiksoftware zu präsentieren würde den Rahmen dieses Artikels sprengen – auch wenn ich gerne jeden einzelnen Baum würdigen wollte.

 

Der Instrumenteneditor in der Übersicht

Der Instrumenteneditor in der Übersicht

 

Fazit – Redmatica Keymap Testbericht

Professioneller hätte in Programm zum Bearbeiten von Samplelibraries jeglicher Komplexizität kaum ausfallen können. Bei jedem Arbeitsschritt ist deutlich zu spüren, dass die Entwickler sich lange und ausgiebig mit Redmatica Keymap beschäftigt haben. Mit einem angemessenen Arbeitsaufwand lassen sich mit Keymap umfangreiche und professionelle Samplelibraries auch für den professionellen Markt erstellen.

Eine Unstimmigkeit, die in der Zusammenarbeit mit dem im ersten Teil beschriebenen AutoSampler auffällt, ist diese: Während sich in AutoSampler Instrumente mit bis zu 192 kHz Samplingauflösung aufnehmen lassen, kann Redmatica Keymap nur bis 96 kHz arbeiten. Davon abgesehen kann wahrscheinlich keiner etwas ernsthaft an dieser Musiksoftware bemängeln.

Redmatica Keymap ist so verständlich und intuitiv aufgebaut, dass jeder Freund des Samplings schnell erstaunliche Ergebnisse haben wird. Das Programm läuft stabil und ich kann es nur weiterempfehlen.

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