Mackie Onyx 1200F Testbericht: FireWire Audio MIDI Interface

Mackie Onyx 1200F Testbericht: FireWire Audio MIDI Interface

Ich war schon länger auf der Suche nach einer neuen Lösung für Mobiles Recording. Mehrspurrekorder und Mischpult sind doch deutlich unhandlicher als Laptop und Interface. Allerdings habe ich kein Interface gefunden, welches die gleiche Stabilität und vor allem die gleiche Flexibilität (Routing, Submixing…) zu bieten hätte wie eine Mischpult/Rekorderlösung. Ich habe mir einige angesehen und auch das Ein oder Andere getestet, aber glücklich bin ich nie geworden. Leider brauchte ich dann schließlich eine Lösung, und kaufte wenig später ein anderes bevor ich auf das Mackie Onyx 1200F traf.

Mackie Onyx 1200F Firewire Audio / MIDI Interface Frontpanel

Mackie Onyx 1200F Firewire Audio / MIDI Interface Frontpanel


Mit der Onyx-Serie beschreitet Mackie einen neuen Weg. Auf den ersten Blick ist der Weg und die Idee gar nicht zu neu. Stimmt! Mackie hat das Bandmaschine/Mischpult-Konzept ins einundzwanzigste Jahrhundert geholt. Die meisten Geräte der Onyx-Serie sind Mischpulte mit darin enthaltenem Wandler. Solche Modelle gibt es zwar schon öfter, aber diese sind nur mit einem Stereo-Interface ausgestattet. Mit dem Onyx kann ich nun beispielsweise eine Beschallung fahren, und ganz bequem per Firewire einen Mehrspurmitschnitt anlegen, soweit die Theorie. Das hier vorliegende Onyx 1200F kommt ohne „Mischpult“ aus, und ist ein sehr tiefer 2HE großer Kasten. Wie, ohne Mischpult? Nein, das Mackie Onyx 1200F verfügt über einen sehr mächtigen DSP-Mixer. Mit diesem Mixer ist ein flexibles Routing und Submixing möglich, fast so, wie bei einem richtigen Mischpult.

 

Treiber und Software Installation des Mackie Onyx 1200F

Getestet wurde das Interface an einem Windows XP-Notebook und an einem MacBook (Mac OS 10.5.7). Die Installation auf dem Windows-Rechner gestaltete sich ein wenig abenteuerlich. Zunächst schien der PC das Interface gar nicht zu erkennen. Nach einer erneuten Treiber Installation zeigte der PC alle 10 Sekunden eine Fehlermeldung bezüglich des Onboard-Sounds, das Onyx lief aber einwandfrei am PC. Ein Neustart ließ dann den regelmäßigen Fehler verschwinden. Da von anderen PC-Usern diese Probleme nicht geschildert wurden, kann man getrost davon ausgehen, dass solch ein Verhalten eher nicht zum Standard gehört. Das Firewire Interface selbst tat auch sofort seinen Dienst. Die „Installation“ unter Mac OS X war hingegen ein Selbstläufer. Anschließen, „Console“ starten (das Mixer-Programm, wie im Bild zu sehen) und schon konnte es losgehen.

 

Mixerpanel der Treibersoftware

Mixerpanel der Treibersoftware

 

Wermutstropfen: Manche einfacheren Programme (Audacity) wollten auf der Seite des Ausgangs mit dem Onyx gar nichts zu tun haben, schade. Mit Cubase (5.0) war der Mac sofort bereit für die erste Session. Als einziges die Beschriftung der Ausgänge bereitet auf dem Mac ein wenig Kopfzerbrechen. Unter Windows sind die einzelnen Kanäle genau beschriftet. Somit kann in zum Beispiel Cubase bequem der „Kopfhörer Ausgang 1“ oder Adat-Kanal 4 gewählt werden. Auf dem Mac werden die Verbindungen zum Interface schlicht durchnummeriert:

Durch das Einrichten von Template-Sessions, lässt sich dieses „Problem“ aber auf ein Minimum reduzieren.

 

Mackie Onyx 1200F Ausgänge in Cubase

Mackie Onyx 1200F Ausgänge in Cubase

Bedienung des Onyx 1200F

Die Bedienung am Gerät ist sehr intuitiv, und auch die Software erschließt sich auf den ersten, spätestens jedoch auf den zweiten Blick. Sehr übersichtlich und einfach gehalten: klasse! Die Potis an der Vorderseite sind allerdings eine wackelige Sache. Noch nicht so schlimm, dass man die „Rote Karte“ zeigen müsste, aber die B-Note leidet in der Wertung ein wenig. Inputs und Outputs bietet das Mackie Onyx 1200F zu genüge. Alleine 12 (in Worten ZWÖLF) Mic-Eingänge erlauben schon kleineren Besetzungen komplette Live-Aufnahmen.
Die ersten beiden Kanäle haben sogar einen Insert der, ganz traditionell, mittels Y-Kabel (Klinke) genutzt werden kann. Die Kanäle 11 und 12 bieten noch einen Instrumenteneingang (Bass, Gitarre, Keyboards…). Jeder der Mic-Preamps bietet 48V Phantompower, getrennt schaltbar, was sicherlich nicht alltäglich ist. Metering (sofern diese „LED-Ketten“ diesen Begriff überhaupt verdienen), Clock-Source und Sampling-Frequenz lassen sich wahlweise am Gehäuse oder per Software schalten. Die Sampling-Frequenz lässt sich bis 192kHz schalten. Allerdings stehen dann nur noch 16 Eingänge zur Verfügung. Bei 88,2 bzw. 96kHz transportieren die ADAT-Kanäle nur noch vier statt 8 Spuren, was aber am Standard liegt, und nicht am Interface.

 

Routing und Anschlüsse

Zu bieten hat das Onyx 1200F, nebst den 12 Mic-Eingängen, auch 4 voneinander unabhängige und direkt aus der DAW-Software (hier Cubase) beschickbare Kopfhörer-Kanäle. Kleiner Nachteil: Es ist nicht möglich, den Ausgang für zum Beispiel, „Output 1“ an „Headphones 1“ weiter zu leiten. Das kann man als Vorteil UND als Nachteil sehen. DAWs wie Nuendo Verfügen über eine ausgefuchste Control-Room-Section, in der solche Verschaltungen mühelos vorgenommen werden können. Da wir gerade von Control-Room, also von der Regie sprechen: Das Interface verfügt über zwei Stereopaare als Ausgänge, an denen unterschiedliche Boxenpaare betrieben werden können. Ein Lautstärke-Regler für diesen Zweck ist auf der Front des Gehäuses angebracht. Fehlen nur noch Talkback, DIM, Mono-Schalter (usw.). Talkback bietet das Mackie Onyx 1200F von Haus aus an. Es ist möglich ein TB-Mikro an der Extra dafür vorgesehenen Buchse an der Rückseite anzuschließen. Der Taster auf dem Front-Panel ermöglicht dem Recording Engineer mit den Künstlern auf der anderen Seite der Glasscheibe zu sprechen. Auf der Rückseite ist noch der Anschluss für einen Talkback-Fußschalter.
Hier wird das Konzept deutlich, welches Mackie hier zu verfolgen scheint: Das Onyx 1200F soll, zusammen mit der DAW, das Mischpult in Gänze überflüssig machen, und Einzug in die Mittelklasse-Studios dieser Welt halten. Auf der Rückseite findet sich noch eine Sub-D-Buchse, die 8 analoge Ausgänge beherbergt. Damit lässt sich also auch eine Surround-Abhöre betreiben.

Mackie Onyx 1200F Rückseite

Mackie Onyx 1200F Rückseite


Je zwei ADAT-Ein- und Ausgänge bieten die Möglichkeit weitere Analog- bzw. Mikrofoneingänge anzuschließen. Somit ist das Mackie Onyx 1200F „im Nu“ auf 28 Analoge Eingänge aufgerüstet. Mit zwei MIDI Ein- und Ausgängen, sowie je einem AES/EBU (Digitalschnittstelle) und je einem S/P-DIF Ein- und Ausgang rundet Mackie sein Angebot an Input und Output ab. Der Wordclock- Ein- und Ausgang befindet sich ebenfalls an der Rückseite. Strom bekommt das Onyx 1200F durch ein Kaltgerätekabel, sehr schön. Wie ich bereits bei diversen Gelegenheiten zum Besten gegeben habe, habe ich eine Aversion gegen diese „Wandwanzen“, Pardon, externen Netzteile.

Mackie Onyx 1200F Testbericht: Fazit

Das Mackie Onyx 1200F klingt wirklich phantastisch! Die Preamps lösen sehr schön auf, und der Rauschabstand kann sich hören lassen, oder besser gesagt kann sich kaum hören lassen. Das Interface ist sehr kompakt gebaut, und eines der zweckmäßigsten Geräte die ich kenne. Aufgrund der sehr kompakten Bauweise sehe ich das Gerät eher im mobilen Recording-Einsatz, als fest installiert in einem Studio. Trotzdem würde es auch dort eine blendende Figur machen.
Ich bin begeistert!

Pro:

  • Kompakte Bauweise
  • durchdachtes Konzept
  • Klangqualität
  • Control-Room-Features (z.B. Talkback)
  • üppige Anschlussmöglichkeiten
  • 2 MIDI In-Out

Contra:

  • Qualität der Potis
  • Kompakte Bauweise nicht immer optimal in der Festinstallation

Mackie Onyx 1200F: Preis & Verfügbarkeit

Der Straßenpreis des FireWire Audio Interfaces Mackie Onyx 1200F liegt bei aktuell 1.695,- Euro bei den bekannten Musikalienhändlern.

 

Mackie ONYX 1200F Front

Mackie ONYX 1200F Front

Mackie ONYX 1200F Rückseite

Mackie ONYX 1200F Rückseite

 
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