Guitar Rig 4 Kontrol Testbericht: Die Gitarrensoftware im Test

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Guitar Rig 4 Kontrol Testbericht: Die Gitarrensoftware im Test

Welcher Gitarrist träumt nicht davon? Ein Mal in den Laden gehen und alle Verstärker, Cabinets und Stomp Effekte mitnehmen dürfen, die das Gitarristenherz begehrt. Im Grunde verspricht die Berliner Programmierer Schmiede Native Instruments (NI) mit ihrer Software Guitar Rig 4, genau diesen Traum wahr werden zu lassen. Mittlerweile bei der Versionsnummer 4 angelangt, präsentiert sich Guitar Rig als ausgereiftes und intuitiv erfahrbares Werkzeug zur Gitarren- und Bass-Produktion. In Sachen Klang und Umfang macht es seit dem Vorgänger noch mal einen guten Schritt voran und bleibt nicht umsonst die erste Wahl.

 

Einleitung

Als im Jahre 2004 die Version 1 das Licht der Welt erblickte, war Native Instruments Guitar Rig zwar nicht der erste Realtime Software Effects Processor bzw. Modelling Amp, doch zumindest der erste wirklich ernst zu nehmende. Im Zuge des bahnbrechenden Erfolgs von VST-Instrumenten, bestand schon lange das Bedürfnis, die umständliche Produktion von Gitarrenaufnahmen durch eine Softwarelösung zu vereinfachen. Dabei waren die ersten Lösungsansätze alles andere als überzeugend.

Mit den Jahren hat sich jedoch so viel getan, dass man sagen kann, dass beide Lösungen (die reale Aufnahme sowie die softwarebasierte Lösung) durch ihre gegenseitigen Vor- und Nachteile mittlerweile gleichauf nebeneinander stehen.

 

Guitar Rig 4 Kontrol: Überblick

Guitar Rig ist ein modulares System, welches vom Gitarrenverstärker über Boxen (Cabinets), Effekte, Mikrophone und Racks nach Belieben kombinieren lässt. Dabei simuliert die Software fast alle etablierten Modelle und benennt diese in wiedererkennbaren Pseudonymen. So zum Beispiel das dynamische Mikrofon Shure SM57, welches in der Software den Namen Dynamic 57 trägt.

Die Software erlaubt dabei, jeden erdenklichen Parameter zu beeinflussen – sei es per Mausklick, durch Eingriff in die Software selbst oder per MIDI-Controller. Alle Zusammenstellungen und Sounds können als Preset gespeichert und sogar mit anderen Usern getauscht werden. In der Einstellung „live“ sind die wichtigsten Funktionen für den Live-Einsatz übersichtlich dargestellt.

Das RIGKontrol, mittlerweile in der Version drei, ist ein USB-MIDI-Controller mit eingebautem Audio Interface und einer DI-Box. Frühere Versionen hatten lediglich sechs Schalter und ein Expression Pedal, mittlerweile findet man hier ganze acht. In diesem Zusammenhang ist auch noch die erfreuliche Preisentwicklung zu erwähnen. Während die Vorgängerversion des Guitar Rig Kontrol (stets bestehend aus Pro-Software und dem Controller) noch mit 499,- Euro gehandelt wurde, so wird die Kaufentscheidung heute bei einem Preis von 379,- Euro doch deutlich erleichtert.

 

Installation von Guitar Rig

Die Installation geht mit wenigen Mausklicks flott und reibungslos von statten, so dass am Ende entweder über das „Service Center“ oder in einem Menü, das beim ersten Start von Guitar Rig erscheint, die auf der Rückseite der Installations-DVD befindlichen Codes einzugeben sind. Sodann ist die Beschränkung auf die Nutzung von 30 Minuten am Stück und die limitierte Auswahl an Amps und Co aufgehoben und es kann endlich losgehen. Nur am Rande sei bemerkt, dass die oft kritisierte NI-Registrierungsform keinerlei Probleme mehr mit sich bringt und durch die Unterstützung des Update Centers eine angenehme Übersicht für mögliche Updates aller sich auf dem System befindlichen Native Instruments Produkte bietet.

 

Das Service Center beim Guitar Rig 4 Kontrol Testbericht

Das Service Center beim Guitar Rig 4 Kontrol Testbericht

Bevor jedoch der erste Ton erklingen kann, ist erstmal unter dem Menüpunkt „Audio und MIDI-Settings“ das zutreffende Gerät auszuwählen. In meinem Falle ist das das RIG KONTROL 3. In diesem Menüpunkt sind auch die Sample Rate und die Latenz einstellbar, doch bereits die Voreinstellung läuft tadellos.

Wie oben bereits beschreiben, ist das RIG KONTROL eine NI-hausinterne Entwicklung eines USB-Midi-Controllers mit eingebautem Audio Interface und DI-Box. Sozusagen eine perfekt auf den Gitarristen bzw. Bassisten zugeschnittene All-In-One Lösung, welche aufgrund ihrer unglaublich geringen Latenzzeiten wunderbar livetauglich ist – und in Verbindung mit der Guitar Rig 4 Software die aller erste Wahl ist.

Wie es sich für einen Bodenfußtretter gehört, ist das Kontrol mit einem stabilen Gehäuse versehen und besitzt zwei Ein- und Ausgänge für Audio, Midi In- und Out Ports, einen Kopfhörerausgang, acht Knöpfe auf der Oberseite und ein Expression Pedal.

 

Bild von Rig Kontrol bei Guitar Rig 4

Bild von Rig Kontrol bei Guitar Rig 4

Lediglich der USB Anschluss ist bautechnisch wackelig ausgelegt. Hier wäre wünschenswert, diesen tiefer im Gehäuse zu verankern. In seiner aktuellen Form drängt sich mir der Gedanke auf, dass dieser Steckplatz den rauen Bühnenalltag vermutlich nicht lang wird überleben können. Leider ist auch der Gummi unter dem Expression Pedal ein wenig zu groß geraten. In der Praxis bedeutet das, dass man beim Herunterdrücken nur 80% des Rahmens ausnutzt. Überwindet man den starken widerstand des Gummis ist man stets haarscharf an der Grenze das Pedal auszuschalten. Hier sollte auch noch mal feinjustiert werden.

Ansonsten ist der Umgang mit dem Board innerhalb der Software so einfach, wie man es sich nur vorstellen kann: Hat man den Button des Kontrol einmal angeklickt, ist einfach per Drag and Drop der jeweilige Schalter oder Pedal auf den jeweiligen Regler zu ziehen. Dabei können auch mehrere Regler auf einen Schalter gelegt werden. Praktisch jede auch noch so abstrus wirkende Kombination ist mittlerweile denkbar – ein Verbesserung zu den vorherigen Versionen.

 

Einstellen von Kontrol beim Guitar Rig 4

Einstellen von Kontrol beim Guitar Rig 4

Der erste Start

Beim ersten Start fällt sofort die aufpolierte, aber vor allem aufgeräumte Oberfläche ins Auge. Zwar bleibt das bekannte Grundkonzept bestehen, im linken Teil trifft man die Auswahl und im rechten Teil erscheint die Zusammenstellung. Aufgrund ausgeklügelter Auswahlhilfen (wie beispielsweise das Suchen nach Stil, Song oder Amps) ist das Navigieren kinderleicht und vollkommen intuitiv erfahrbar.

 

Arbeiten mit der Oberfläche beim GR4

Arbeiten mit der Oberfläche beim GR4

Sowieso, den ersten Schrecken des „scheinbar“ unübersichtlichen Umfangs kann man mit einem Druck auf jeden Button schnell überwinden. Sehr nützlich ist in diesem Zusammenhag auch der „Info“ Button. Drückt man diesen, so erhält man eine kurze Abhandlung über die Soundeigenschaften und eine kurze Erklärung zum Zweck der Bedienung des markierten Objekts. Sehr schön, denn so bleibt einem so manches blinde Rumprobieren erspart (und wer liest schon gerne PDF-Anleitungen).

 

Infobox links unten beim Guitar Rig

Infobox links unten beim Guitar Rig

Native Instruments Guitar Rig 4 Kontrol kommt mit 285 Werks-Presets daher. Wer sich die Mühe macht und alle durchhört bekommt einen ersten Eindruck, wie unglaublich umfangreich die Komponenten und damit wie schier endlos die Möglichkeiten sind, die man mit dieser Software realisieren kann. Hier findet wirklich ein jeder einen ersten Einstieg und vor allem Orientierung in welchen Effektketten man üblicherweise Komponenten zusammensetzt.

Und wem diese nicht genug sein sollten, der kann auf NIs hauseigener Seite unzählige weitere Presets für den Guitar Rig kostenlos laden oder auch eigene zur Verfügung stellen. Hier wiederum schön gelöst, da sofortiges Verständnis eintritt: Die Presets tragen alle lustige Namen wie „Black Angus Lead“ die gleichzeitig umschreiben und auf ihren Vertreter anspielen. In diesem Falle auf Angus Young von AC/DC, hinter dem sich eine wirklich gute Lösung seines Solo-Sounds wiederfindet, der auch für viele andere Vertreter des Hardrock funktionieren dürfte.

 

Die Namen der Presets beim Guitar Rig 4 Kontrol

Die Namen der Presets beim Guitar Rig 4 Kontrol

 

Guitar Rig 4 Kontrol Testbericht: Die wichtigsten neuen Funktionen

Amps
In der Version 4 finden sich drei vollkommen neue Amps. Der Jump ist eine nicht ganz so starke Version des Lead 800 und die Hot und Cool Plex, Variationen des klassischen Plex, wobei der Cool-Plex erst innerhalb des nächsten Updates Berücksichtigung findet. In der public Beta-Version war dieser aber schon anspielbereit und überzeugt (wie alle drei neuen Amps) durch einen guten Klang, dessen Abstammung aber deutlich hörbar ist.

Matched Cabinet
Als sehr hilfreiche und arbeitseffiziente Unterstützung präsentiert NI die neue “Matched Cabinet” Funktion. Zieht man einen beliebigen Amp in die Auswahl, so werden die passende („matched“) Box („cabinet“), sowie zwei Mikros hinzugefügt. In den meisten aller Fälle ist damit der Grundstein gelegt und das mühselige einzelne Zusammenklicken der Komponenten entfällt. Sofort loslegen war noch nie so einfach.

 

Die neue Funktion Matched Cabinets sorgt für effizientes Arbeiten mit dem Guitar Rig

Die neue Funktion Matched Cabinets sorgt für effizientes Arbeiten mit dem Guitar Rig

 

Effekte beim Guitar Rig 4

Mittlerweile umfasst die umfangreiche Sammlung der in Guitar Rig enthaltenen Effekte fast 40 an der Zahl. Zu diesen gesellen sich nun vier weitere hinzu.

Grain Delay
Wie der Name bereits verrät, kommt diesem Delay die Technik granularer Synthese zugute. Diese aus dem Synthesizerbereich stammende Technik zerteilt den Klang in viele kleine Einzelteile, um sie dann zusammengesetzt variabel in Länge und Höhe abspielen zu können. Heraus kommt ein nur als spacig zu umschreibender Sound, mit dem massive Echo-Wände realisiert und allerlei Befremdendes angestellt werden kann; wunderbar geeignet zum Experimentieren.

 

Der Effekt Grain Delay

Der Effekt Grain Delay

Twin Delay
Das Twin Delay vereint praktischerweise zwei Delays in einem. Beide Kanäle des Twin Delay lassen sich getrennt voneinander einstellen, wodurch sich besonders schöne Stereo-Effekte erzeugen lassen.

 

Das Twin Delay erzeugt klasse Stereodelays

Das Twin Delay erzeugt klasse Stereodelays

Octaverb und Iceverb
Das Octaverb hat seinen Namen von den acht möglichen Einstellungen, welches dieses early Reverb Modul bereithält. Und das Iceverb hat seinen Namen durch seine buchstäblich kühlen klang verdient. Beide Halleffekte sind als durchweg trocken zu bezeichnen und sehr spezielle und damit wiederum zum Experimentieren sehr geeignet.

 

Gut gekühlt und achtfach zugleich: Octaverb im Guitar Rig 4 Kontrol Testbericht

Gut gekühlt und achtfach zugleich: Octaverb im Guitar Rig 4 Kontrol Testbericht

Control Room
Das Herzstück in Guitar Rig 4 Kontrol und deshalb besonders hervorzuhebendes Merkmal, ist die Control Room Funktion. Diese ist eine Erweiterung und Variante der vorhandenen „Cabinets & Mics“ Funktion. Im Control Room wählt man zwischen fünf verschiedenen Boxen und kann dann, ähnlich einem Mischpult, acht der bekanntesten Mikrophone je nach Belieben anteilig zumischen.

Was dabei herauskommt ist nicht nur ein überaus überzeugendes Klangerlebnis, sondern auch eine ganz individuelle Note, die man real nur sehr aufwendig produzieren könnte. Besonders Control Room bringt Guitar Rig 4 Kontrol einem Klang, wie man ihn von einem realen Aufnahme hinterher im Mix kennt, ein ganzes Stück dichter dran.

 

Control Room ist die vielleicht beste Neuerung in GR4

Control Room ist die vielleicht beste Neuerung in GR4

Übersicht Guitar Rig 4 Kontrol Testbericht

Pro

  • Einfache intuitive Bedienung
  • Umfang und Vielfalt
  • Klang
  • Kontrol: Controller und Soundkarte in Live- und Studioqualität

Contra

  • USB Port wackelig
  • Starke Prozessorauslastung

 

Guitar Rig 4 Kontrol Testbericht: Fazit

In der Praxis mit dem Native Instruments Guitar Rig 4 Kontrol sind Zusammenstellungen und Sounds mittlerweile schnell erledigt, der neuen Übersichtlichkeit sei Dank. Leider fällt aber auch bei dieser Musiksoftware die starke Prozessorlast ins Auge. Mit meinem gut ausgestatten Audio Computer mit einer ordentlichen Portion Hauptspeicher konnte ich zwar problemlos mehrfache Instanzen von Guitar Rig 4 aufmachen, ohne das irgendwelche Aussetzer sich bemerkbar machten. Auf meinem Laptop mit vergleichsweise schwachen 1,7 MHz und „nur“ 1 GB Hauptspeicher hingegen stand das System schon auf arg wackeligen Füßen und kratzte ordentlich.

Der Sound ist fast durchweg als hervorragend zu bezeichnen, lediglich beim Wah Wah liesse sich noch nachbessern. Zwar kann man auch hier alle möglichen Parameter beeinflussen, doch die Charakteristika eines VOX oder echten Cry Babies warten bis heute auf eine überzeugende Simulation.

Das RIG Kontrol ist wunderbar praxistauglich, doch eigentlich nur denjenigen zu empfehlen, die mit der Software auch einmal live spielen oder ausschließlich Gitarren und Bässe damit aufnehmen möchten. Das RIG Kontrol kann mit der gesonderten Software Controller Editor noch als MIDI Controller in anderen Applikationen eingesetzt werden.

Meiner Ansicht nach bleibt Guitar Rig 4 der ungekrönte König der Amp-Simulatoren und die erste Wahl zur Software basierten Gitarrenaufnahme. Und vielleicht dient GR4 dem ein oder anderen ja auch als Entscheidungshilfe für den nächsten Gitarrenverstärkerkauf.

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Lesermeinungen (5)

zu 'Guitar Rig 4 Kontrol Testbericht: Die Gitarrensoftware im Test'

  • Merostic   21. Dez 2009   18:15 UhrAntworten

    Ich war selbst bis vor kurzem überzeugter Guitar-Rig Nutzer....aber mit Version 4 war für mich irgendwie dann die Luft raus.

    Habe mich mal nach Alternativen umgeschaut und finde persönlich Vandal aus Samplitude 11 extrem geil - klingt irgendwie "echter", fetter eben. Angeblich kommt da ja nächstes Jahr eine VST-Plug Version. Hoffen 'mers. ;)

  • friedel   22. Dez 2009   15:04 UhrAntworten

    Vandal gibt es schon als Plugin.

  • Carlos (delamar)   22. Dez 2009   15:19 UhrAntworten

    Das ist nur das in Samplitude integrierte Plugin. Es gibt noch kein Standalone bisher.

  • Matthias Oestreich   23. Dez 2009   14:57 UhrAntworten

    Den Vandal durfte ich auch begutachten und er ist ohne Zweifel der schärfste Konkurrent. Jedoch Komfort und Umfang sind in der Version 4 des Guitar Rig mittlerweile vollkommen ausgereift und machen den Arbeitsprozess angenehmer als jede andere Software die derzeit auf dem Markt. Ich hoffe jedoch auch, dass der Vandal bald als Plugin plattformübergreifend erhältlich sein wird, schließlich macht gerade die Vielfalt den Reiz aus.

  • fabian hapunkt   28. Jan 2010   18:58 UhrAntworten

    "Und wem diese nicht genug sein sollten, der kann auf NIs hauseigener Seite unzählige weitere Presets für den Guitar Rig kostenlos laden oder auch eigene zur Verfügung stellen."

    wie funktioniert das?
    die dateien lassen sich zwar laden, doch kann man mit der datei allein ja wenig anfange!
    bitte um hilfe!

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