D16 Nepheton Testbericht: Gelungene Roland TR-808 Emulation

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D16 Nepheton: Gelungene Roland TR-808 Emulation

D16 ist mir schon lange für qualitativ hochwertige Audio Plugins bekannt gewesen. Und auch beim D16 Nepheton bestätigt sich dieser Eindruck, denn hier wurde nicht nur der Klang in exzellenter Weise, sondern auch das Design sehr stark an die Roland TR-808 angelehnt. Diese Drum Machine aus dem Hause Roland ist (genau wie die TR-909) eine ungebrochene Legende, die vielleicht von der Idee her wie ein echtes Drumkit klingen sollte, aber stattdessen einen ganz eigenen Klang produzierte.

Bekannt wurde die TR-808 nicht zuletzt durch das Jahr 1981, als alle plötzlich von „dem Lied“ sprachen. Gemeint war der Mega-Hit „In the Air Tonight“ von Phil Collins, auf dem die TR-808 im Intro eine genial programmiertere Drumsequenz spielen durfte. Bis dahin hatten Drum-Machines und Drum-Computer keine große Akzeptanz gefunden, was sich hiermit änderte. Aber genug der Nostalgie und zurück zum D16 Nepheton.

 

Die GUI D16 Nepheton Testbericht

Die GUI D16 - Nepheton Testbericht

 

D16 Nepheton: Die neuen Features

Die Bedienoberfläche des D16 Nepheton kommt dem Original in Design und in den Bedienfunktionen sehr nahe. Wer bereits eine TR-808 bedient hat, wird sich sehr schnell zurecht finden. Dem Audio-Plugin wurden einige zusätzliche Regler spendiert, die im Original nicht zu finden sind. So findet man bei der Bassdrum den Poti namens „Sweep“, wo man früher nur Regler für Tone und für Decay vorfinden konnte. Der Snare Drum wurden zusätzlich Tone und Decay spendiert, Congas und Toms bekamen noch Decay hinzu (Toms auch noch Snappy) und so weiter…

 

Im Original der Drum Machine musste man sich zwischen der Verwendung von Congas oder Toms, Claves oder Rimshot und Maracas oder Hand Clap entscheiden. Hierfür stand jeweils ein Umschalter bereit, auf den man in D16 Nepheton verzichtet hat. Im Audio-Plugin ist nämlich der Zugriff auf all diese Instrumente gleichzeitig möglich. Darüber hinaus wurde dem Nepheton noch ein Lasergun-Sound spendiert, der bei der TR-808 nicht enthalten war.

 

Die unterschiedlichen Modi im D16 Nepheton

Wie schon bei Drumazon, setzt die d16 Group auch bei Nepheton auf Altbewährtes. So stellt man dem Nutzer auch jetzt den Random Mode zur Verfügung, mit dem Pattern zufällig generiert werden. Ebenso kann man die verschiedenen Spielmodi ‚External Sequencer Mode‘ und ‚Internal Sequencer Mode‘ (unterteilt in Native Mode und Host Mode) wieder nutzen. Im External Sequencer Mode wird der D16 Nepheton via MIDI-Noten aus der Host-Applikation angesteuert. D.h. die einzelnen Drums wie Bassdrum, Snare usw. können direkt über eine Note auf dem Keyboard angespielt werden, das Triggern von Patterns steht nicht zur Verfügung und damit auch nicht die Features Fill-In und A/B-Variation.

Im Host Modus des Internal Sequencer Mode sind die beiden zuletzt genannten Features ebenfalls nicht verfügbar, denn auch in diesem Modus spielt der D16 Nepheton nur dann Noten oder Pattern, wenn ein MIDI-Event an das Audio-Plugin gesendet wird. Nutzt man die Drum Machine in diesem Modus, so entstehen ganz fantastische Drum-Patterns. Im Test konnte ich gerade im Zusammenhang mit der Note-Off Funktion (das MIDI-Event, das gesendet wird sobald die Taste am Keyboard losgelassen wird) tolle Kombinationen erstellen.

 

Die Vorlage für den D16 Nepheton

Die Vorlage für den D16 Nepheton

 

Der Native Mode ist schliesslich an der Funktionalität der TR-808 orientiert und Pattern-basiert. In diesem Modus kommen auch endlich die Features Fill-In und A/B-Variation zum Einsatz. Erst mit diesen hatte ich das Gefühl, das Drum-Machine Plugin Nepheton so richtig ausreizen. Das Feature Auto Fill-In kann über einen Regler automatisch Fill-Ins in die Drumspur spielen. Zur Verfügung stehen die Optionen auf das 2., 4., 8., 12. oder 16. Pattern (bzw. Takt) auf automatische Weise oder manuell über den Tap-Knopf ein Fill-In spielen zu lassen. Mit der A/B-Variation ist es möglich, zwei im Vorfeld programmierte Drum-Pattern immer wieder hintereinander abspielen zu lassen. Besonders interessant und kreativ wird es, wenn man die Funktionen Auto Fill-In und A/B-Variationkombiniert. Im Übrigen ist ein Export der automatisierten Patternkombinationen ohne Weiteres über den MIDI-Output möglich, um die Drumspur später in der Host-Applikation weiter zu bearbeiten.

 

D16 Nepheton: Übersicht

Pro:

  • Für Windows und Mac
  • Klang
  • TR-808 Nutzer fühlen sich zuhause
  • Kreative Arbeiten möglich

Contra:

  • Regler, Schalter und Knöpfe verwirren Einsteiger leicht

 

D16 Nepheton Testbericht: Fazit

Das Drum-Machine-Audio-Plugin D16 Nepheton wurde mit viel Liebe zum Detail und klanglich exzellent umgesetzt. Das Design lässt das Herz eingefleischter TR-808 Enthusiasten höher schlagen, für Neulinge können die zahlreichen Drehregler, Knöpfe und Schalter aber zunächst etwas verwirrend sein und erschlagend wirken. Nach der notwendigen Einarbeitung, hat man mit dem D16 Nepheton ein kreatives Werkzeug zur Hand, mit dem sich Drumpattern und inspirierende Kombinationen auf schnelle Art und Weise erstellen lassen. Gerade die Arbeit mit den Features A/B-Variation und Auto Fill-In, vor allem aber auch die Kombination der beiden, macht sehr viel Spass.

Der D16 Nepheton Preis liegt bei 139,- Euro und geht meiner Ansicht nach absolut in Ordnung. Für ein Originalgerät von Roland bezahlt man derzeit über 1.000 Euro und bei diesem muss man auf zahlreiche Features, die im D16 Group Nepheton implementiert sind, verzichten.

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Lesermeinungen (7)

zu 'D16 Nepheton Testbericht: Gelungene Roland TR-808 Emulation'

  • Richard Ellis   09. Sep 2009   12:09 UhrAntworten

    Super Testbericht.
    Kleine Bemerkung am Rande: Im Intro von "In the air tonight" trommelt eine CR78 vor sich hin, soviel ich weiss. Bekannt wurde die 8o8 eher durch "Sexual Healing"

  • Carlos (delamar)   09. Sep 2009   12:23 UhrAntworten

    Hallo Richard!
    Ich habe eben deinen Kommentar gelesen und etwas recherchiert. Du scheinst recht zu haben mit der Roland CR-78 in Phil Collins' "In The Air Tonight". Ich vermute der Autor wird die Passage dann nochmals abändern wollen.

    Danke für den Tipp! :)

  • oliver schmitt   10. Sep 2009   20:56 UhrAntworten

    hi! toller test! auch ich kann mich nur anschliessen. die kiste, klingt traumhaft, ist durchdacht und toll zu bedienen und hat weitaus mehr möglichkeiten als das original...was will man(n) mehr... :-) - wer sich da immer noch das original holt ist selbst schuld...

    gruss,
    olli

  • Phunkateer   11. Sep 2009   10:44 UhrAntworten

    Bekannt wurde die 808 (zumindest für mich) doch durch die gute alte 2Live Crew oder auch die frühen Beastie Boys Sachen.

    Mir fällt leider nichts "mainstreamiges" ein, bei dem die 808 eine zentrale Rolle spielt.

    Für mich persönlich sind die puren 808 Sounds aber schon total ausgelutscht. Was noch OK ist, sind stark nachbearbeitete 808 Sounds. Beispiel: Eine boomige 808 BD, angezerrt und mit Glide auf der Tonhöhe. Solche Sounds erreiche ich aber viel einfacher mit Samples aus der Library (in einen Sampler gepackt), als mit einer 808 Emulation.

  • DJ B&L   25. Apr 2010   00:46 UhrAntworten

    guddes teil ich arbeite weiterhin liebe mit samples steh nicht so auf midi drums aber das ding ist echt gut gelungen und miami bass kann man damit auch machen ;)

  • Jeffer   19. Aug 2010   10:13 UhrAntworten

    Gibt es denn einen Timingunterschied vom internen zu externen Sequenzer, bzw. dessen Ansteuerung?

    Dem Original sagt man ja ein etwas eigenes Timing nach..

  • rookie   11. Sep 2010   18:07 UhrAntworten

    Das Plugin finde ich ganz gut, erzeugt aber auf meinem 2008er iMac ganz schön Prozessorlast.
    808 und Mainstream: Das ist neben der 909 wohl die mainstreamigste Drummachine überhaupt! Milli Vanilli "Girl, I´m gonna miss you" anyone? :)
    Und Kanye West hat ein ganzes Album mit dem Namen "808s & Heartbreak" produziert.

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