Ableton Live 8 Testbericht: Ein deutlicher Schritt nach vorne

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Ableton Live 8 Testbericht

Die Evolution von Ableton Live geht stetig voran und die Programmierer machen einen guten Job, Fehler mit mehr oder weniger regelmäßigen Patches auszubügeln. Seit der Veröffentlichung hat sich also einiges getan, und so möchten wir diesen Ableton Live 8 Testbericht damit eröffnen, Dir die wichtigsten Änderungen bis zur aktuellen Version 8.0.9 zusammenzufassen.

Die Gewissenhaftigkeit bei der Aktualisierung der Hilfe und des Handbuchs ist vorbildlich – bei den Patches, die Ableton seit der Veröffentlichung von Live 8 herausbrachte, findet sich in regelmäßigen Abständen ein Vermerk, daß alles auf den neusten Stand gebracht wurde.

Bild von Akai APC40 / Ableton Live 8 TestberichtBesonderes Augenmerk galt der reibungslosen Zusammenarbeit mit dem Akai APC40, wobei zahlreiche Fehler behoben werden konnten. Das Handbuch enthält 11 Seiten, die sich mit der Einrichtung und Konfiguration dieses Controllers befassen.

Zudem werden nun die Controller Akai MPD-18, MPK-25, MPK-61 und MPK-88 unterstützt, ebenso wie die Geräte von OpenLabs. Diese Änderungen gelten auch für das kürzlich veröffentliche Update auf Ableton Live / Live Suite 7.0.18.

Eine Kontrolloberfläche für das Novation Launchpad und einige Bugs mit Automap wurden bereinigt.

Und sonst? Die Kompatibilität mit zahlreichen Plugins, darunter denen von FabFilter wurde verbessert und kritische Bugs wie das Nicht-Funktionieren des Konfigurations-Modus für einige Plugins und für sämtliche Audio Units unter Mac OS X konnten behoben werden. Auch der Kooperation mit Windows 7 hat man sich angenommen und so finden sich mehrere Einträge über diesbezügliche Fehlerbereinigungen in der Versionshistorie. Und übrigens lassen sich mittlerweile in sämtlichen Windows-Versionen bis zu 256 Audiokanäle nutzen, sofern ASIO verwendet wird. In der aktuellsten Version findet sich nun eine fehlerbereinigte Unterstützung des M-Audio Axiom Pro.

Falls Du zum ersten Mal in Ableton Live 8 hineinschnupperst, seien Dir die mitgelieferten Einführungskurse empfohlen. Du findest sie im Hilfe-Fenster, das mit dem Menüpunkt Ansicht > Hilfe-Ansicht aktiviert wird.

 

Die wichtigsten neuen Features in Ableton Live 8 (Testbericht)

  • Neue Warp-Engine
  • Neue Groove-Funktion
  • Crossfades in der Arrangement-Ansicht
  • Verbesserungen beim MIDI-Editor
  • Gruppen-Spuren
  • Gleichzeitige Parameter-Änderungen
  • Neue Instrumente und Effekte

Diese und zahlreiche weitere Neuerungen möchten wir Dir im Folgenden vorstellen.

 

Neue Groove Engine in Ableton Live 8 (Testbericht)

Die neue Groove Engine erlaubt es Dir, aus beliebigen Audio- oder MIDI-Dateien Grooves zu extrahieren und zur ohnehin schon umfangreichen Groove-Bibliothek hinzuzufügen. Die dynamische Steuerung des Timing-Verhaltens pro Clip, von subtilen bis hin zu extremen Timing-Änderungen, ist nun möglich. Bestehende Grooves lassen sich per Drag & Drop applizieren – einfach klicken und auf Audio- oder MIDI-Clips in Deinem Set ziehen.

Zudem gibt es eine von 0 bis 100 Prozent skalierbare Zufallsfunktion, die den Spuren einen unvorhergesehenen Swing verpasst. Audio und MIDI lassen sich in Echtzeit quantisieren.

 

Ableton Live 8: Warping

Bild von Warping / Ableton Live 8 TestberichtWarping ist seit jeher ein echtes Alleinstellungsmerkmal von Ableton Live gewesen. Es entstehen wenig Artefakte und die erzielte Klangqualität ist durchweg gut. Diese Funktion besitzt nun eine verbesserte Transienten-Erkennung sowie eine umgestaltete Bedienoberfläche, mit der Warp-Marker viel intuitiver erzeugt und bearbeitet werden können. Warp-Marker werden an bestimmten Punkten im Sample festgepinnt und lassen sich entlang der feststehenden Zeitachse ziehen. Mit gedrückter Strg-Taste / Apfel-Taste (Mac) lässt sich übrigens das Tempo-Raster umgehen und schon kannst Du die Warp-Marker nach Herzenslust überall abseits des Taktes platzieren. Fein!

In der kleinen Leiste unter jener mit den Warp-Markern sind die Transienten des Samples mit kleinen Strichen gekennzeichnet. Wenn Du mit der Maus über diese Striche fährst, erscheint ein Pseudo-Warp-Marker. Dieser kann doppelgeklickt oder gezogen werden, um einen echten Warp-Marker zu erzeugen. Per erneutem Doppelklick wird aus dem echten wieder ein Transienten-Strich.

Neue Transienten-Loop- und Hüllkurven-Parameter im Beats-Modus ermöglichen das Warping mit höherer Soundqualität, insbesondere bei langsamen Tempi. Zusätzlich können mit dem Quantisieren-Befehl im Bearbeiten-Menü nun auch Audio-Clips quantisiert werden.

 

Die Crossfades im Ableton Live 8 Testbericht

Bild von Crossfade / Ableton Live 8 TestberichtMit der neuen Version können Crossfades zwischen benachbarten Clips in der Arrangement-Ansicht erzeugt werden. Diese können in der neuen Fades-Ansicht betrachtet und bearbeitet werden; die Kurvenformen lassen sich justieren. Schade: es können keine weiteren Kurvenpunkte hinzugefügt werden, um komplexere Fades zu erzeugen. Aber wie wir Ableton kennen ist es durchaus möglich, daß das irgendwann implementiert wird.

Du kannst automatisch 4 Millisekunden lange Fades zum „De-Klicken“ an den Clip-Grenzen erzeugen lassen, indem die entsprechende Option in den Record/Warp/Launch-Voreinstellungen aktiviert wird.

 

Ableton Live 8

MIDI-Editor

Der MIDI-Editor wurde überarbeitet und die MIDI-Bearbeitung ist nun der Bearbeitung im Arrangement ähnlich. Ein Einfüge-Marker bestimmt genau die Stelle, an der Zwischenablagen-Operationen ausgeführt werden und ermöglicht somit das Kopieren, Einfügen, Einsetzen und Löschen an jeder beliebigen Stelle im Clip.

Der Einfüge-Marker ermöglicht Dir auch die Step-Aufnahme von MIDI-Noten. Dazu musst Du die Aufnahmebereitschaft der MIDI-Spur und den Vorhör-Schalter des Clips aktivieren, dann in den MIDI-Editor klicken, um den Einfüge-Marker an die gewünschte Startposition für die Aufnahme zu setzen. Alle Noten, die gehalten werden, während Du die rechte Pfeiltaste drückst, werden dem Clip hinzugefügt und der Einfüge-Marker bewegt sich zur nächsten Rasterlinie weiter. Falls die Tasten oder Pads Deines Controllers anschlagssensitiv sind, wird die Anschlaghärte (Velocity) mit aufgezeichnet.

Der Workflow beim Editieren wurde durch neue Tastaturbefehle zusätzlich verbessert. Eine vollständige Übersicht über diese Befehle ist im Kapitel „MIDI-Noten bearbeiten“ im Handbuch zu finden.

 

Ableton Live 8 Testbericht: Die Gruppen-Spuren

Die einfachen Ideen sind oft die besten. Audio- und MIDI-Spuren können nun zu Gruppen-Spuren zusammengefasst werden. Sie lassen sich ein- und ausklappen, um Dir bei der Organisation Deines Arbeitsablaufs in der Session- und der Arrangement-Ansicht zu helfen.

Sie können zwar keine Clips enthalten, besitzen jedoch ähnlich wie Audiospuren eigene Mixer-Parameter und können auch Effekte enthalten. Alle Clips einer Gruppe können über einen gesonderten Start-Knopf ausgelöst werden.

 

Gleichzeitige Parameter-Änderungen

Sind mehrere Spuren ausgewählt, führt das Ändern von Mixer- oder Routing-Parametern bei einer der Spuren auch zu einer Änderung des gleichen Parameters bei allen anderen gewählten Spuren. Ein wichtiges Detail wurde dabei beachtet: Besitzen die Spuren der Mehrfachauswahl unterschiedliche Werte für einen bestimmten Parameter, bleibt dieser Unterschied beim Einstellen des Parameters erhalten.

Diese Parameter in Ableton Live 8 lassen sich gruppiert verstellen:

  • Lautstärke
  • Panorama
  • Sends
  • Taster für Spuraktivierung, Solo und Aufnahmebereitschaft
  • der In/Out-Bereich, inklusive Routing-Menüs und Monitor-Schalter
  • Automations-Wahlmenüs und Taster zum Ein-/Ausklappen der Spur in der Arrangement-Ansicht

 

Neue Instrumente und Effekte im Ableton Live 8 Testbericht

Der klassische FM-Synthesizer Operator wurde mit 14 neuen Filtertypen (auch selbstoszillierend), einer Modulationsmatrix und verbesserten Hüllkurven ausgestattet. Für alle Oszillatoren, die nicht von einem solchen moduliert werden, gibt es einen Feedback-Regler. Du kannst jetzt die Wellenformen auch selbst zeichnen und als ams-Datei speichern.

Für die Synthese von Stabspiel- und Perkussionsinstrumenten wie Xylophon oder Marimba ist der neue Synthesizer Collision zuständig. Dessen Resonator-Bereich ist auch als separater Effekt einsetzbar, heißt Corpus und verfügt über MIDI-Sidechaining, mit dem die Resonanz-Stimmung der Tonhöhe empfangener MIDI-Noten folgen kann.

Bild von Vocoder / Ableton Live 8 TestberichtLive hat jetzt einen Vocoder an Bord. Das Signal lässt sich in bis zu 40 Bänder aufteilen. Klingt nicht überragend aber ordentlich und ist mit Attack, Release, Hüllkurven-Intensität, Formanten-Verschiebung und Dry/Wet flexibel genug. Zum Vergleich: Der kürzlich veröffentlichte Vocodex von Image-Line geht wesentlich feiner abgestuft an’s Werk. Die Bearbeitungsoptionen sind umfangreicher und der Sound ist etwas brillianter und voluminöser.

Looper bietet klassisches, Tape-basiertes Loop-Overdubbing, einfachen Clip-Export über Drag & Drop, MIDI-zuweisbare Parameter, optimierte Bedienung mit Fußpedalen und vieles mehr.

Bild von Multiband Dynamics / Ableton Live 8 TestberichtNeue Dynamikeffekte sind ebenfalls dabei: ein Brickwall Limiter und Multiband Dynamics – das Gerät ermöglicht Upward/Downward-Kompression und -Expansion mit maximal drei Frequenzbändern. Das war überfällig, könnte man frech meinen.

Overdrive ist ein neuer Verzerrer mit Sättigungseffekten, die auf den Schaltungen klassischer Gitarrenpedale basieren. Von dezentem „Anwärmen“ bis zu brachialen Zerstörungsorgien reicht das Spektrum. Lässt sich wirklich hören.

Der Frequency Shifter kombiniert klassische Frequenzverschiebungseffekte und Ringmodulation in einm Gerät. Nutze den Effekt für subtile Tremolo- bzw. Phasing-Effekte oder um dissonante und metallische Klangfarben zu erzeugen. Ein LFO kann die Frequenzverschiebung zusätzlich modulieren.

 

Erwähnenswert…

Bild vom Browser Preview / Ableton Live 8 TestberichtDer Browser wurde um ein kleines Preview-Fenster erweitert, das die Wellenformen der Samples darstellt, die Du vorhören möchtest. Das allein wäre ein nettes Gimmick, doch zudem findet sich eine sehr nützliche Funktion: bei aktiviertem „Raw“-Knopf wird das Material ohne Warping und ungeloopt abgespielt. Nicht nur DJs werden jetzt aufhorchen: Man kann in Ableton Live 8 beim Vorhören in der Mitte einer Datei beginnen und scrubben. Bisher war es lediglich möglich, am Anfang zu starten und dann brav durchzuhören.

Instrumente und Effekte können jetzt mit den standardisierten Zwischenablagen-Tastenkombinationen kopiert, ausgeschnitten und eingefügt werden.

Spuren, Szenen und Makros können nun individuelle Farben zugewiesen werden. Du kannst aus der gleichen Farbpalette wählen wie bei den Clips. Die Palette erscheint nach einem Rechtsklick auf das gewählte Objekt. Auch Rack-Ketten lassen sich so einfärben.

Der Bildschirm-Zoom in den Look-und-Feel-Voreinstellungen ermöglicht es, die Größe der auf dem Bildschirm angezeigten grafischen Objekte zu bestimmen und auf einen Wert zwischen 50 und 200 Prozent der Standardoberflächengröße zu skalieren. Alle Grafiken und Regler bleiben deutlich les- und bedienbar, unabhängig von der eingestellten Zoom-Größe.

Ein weiteres neues Feature wurde leider auf unbestimmte Zeit verschoben. Schade, denn das klang nun wirklich sehr interessant. Besagtes Feature wird Dir die Möglichkeit eröffnen, eine Zusammenarbeit mit anderen Anwendern von Ableton Live zu erleichtern und mit dem Menübefehl „Tausche Live-Set“ Deine Projekte über den Ableton-Webserver hoch- oder herunterzuladen. Alle von Deinen Live-Sets benötigten Medien-Dateien werden dann automatisch hochgeladen, wenn sie sich nicht bereits auf dem Ableton-Server befinden. Ebenso werden alle benötigten Medien-Dateien von Sets, die Du herunterladen möchtest, nur dann heruntergeladen, wenn Sie diese noch nicht besitzen. Diese Dateiverwaltung wird automatisch stattfinden und wird sicherlich zu ganz neuen Erfahrungen in der Verwendung von Ableton Live führen.

 

Übersicht Ableton Live 8 Testbericht

Pro:

  • Tolle Bearbeitungsmöglichkeiten
  • Mehr Instrumente und Effekte
  • Crossfading von Clips
  • Gute Dokumentation

Contra:

  • Abstürze

 

Fazit: Ableton Live 8 Testbericht

Mit Version 8 sind einige sehr interessante Bearbeitungsmöglichkeiten, Instrumente und Effekte hinzugekommen. Die komfortabel zu verwaltenden Grooves können Deinen Produktionen mehr Leben einhauchen und das Crossfading der Clips ist ein Feature, das man nicht mehr missen möchte – auch wenn es derzeit nur sehr einfache symmetrische Fades erlaubt. Die Transienten-Erkennung beim Warping ist ungemein nützlich und arbeitet bis auf wenige Ausnahmen akkurat. Der Operator hat sich zu einem sehr manierlichen Synthesizer gemausert. Die neuen Effekte sind sinnvolle Ergänzungen und schließen die Lücken, die bisher im Arsenal der Mixing- und Mastering-Werkzeuge klafften.

Negativ aufgefallen ist, daß während der Arbeiten zu diesem Ableton Live 8 Testbericht mein Audio Computer mit Windows XP SP3 doch relativ häufig abstürzte. Zum Beispiel als ich bei einem laufenden Track die Suche im Browser bemühen wollte. Auch beim Justieren von Parametern diverser Plugins klappte mir das System zusammen. Hier sei auf den Ableton Support verwiesen, der schon in der Vergangenheit gute Arbeit verrichtet hat und auf die häufigen Updates mit Fehlerbereinigungen.

Alles in allem stellt Version 8 wieder einen deutlichen Schritt nach vorn dar. Das Arbeiten macht Laune, ist performant und die neuen Funktionen sind ausreichend dokumentiert. Wir sind sehr gespannt, was Ableton in Zukunft noch aushecken wird.

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Lesermeinungen (8)

zu 'Ableton Live 8 Testbericht: Ein deutlicher Schritt nach vorne'

  • oliver schmitt   19. Nov 2009   19:11 UhrAntworten

    hi! bin selbst ein absoluter ableton fan. der seq. ist einfach nur der knaller. unglaublich easy in der bedienung und die echtzeitmöglichkeiten sind in keinem anderen sequencer zu finden - hammer!

    gruss,
    olli

  • Justus   19. Nov 2009   23:10 UhrAntworten

    mal ne blöde frage. immer, wenn ich das interface sehe, bekomme ich das gefühl, dass ableton kein multimonitoring unterstützt, ergo alles auf einem bildschirm laufen muss. ist dem so?

  • Sascha   20. Nov 2009   08:41 UhrAntworten

    @ justus
    Ja, dem ist so....

    Contra: Abstürze??? Ich kenne keine DAW, die stabiler läuft !

  • Justus   20. Nov 2009   14:41 UhrAntworten

    dem find ich blöd :/

  • Carlos (delamar)   24. Nov 2009   19:46 UhrAntworten

    @Sascha
    Die Sache mit den Abstürzen ist wahrscheinlich nicht immer so wie bei unserem Tester. Ich habe zwar Ableton Live 8 nicht hier, aber die 7er Version hatte bei mir nie Probleme gemacht.

  • Marcus Horndt   26. Nov 2009   14:21 UhrAntworten

    Doch, man muss sagen, dass es seit Version 7 (Mac) und auch in der 8 (sehr unvorhersehbar, hier auch in Arrangements mit vielen Schnitten, sogar beim Bouncen) recht oft abstürzt.

  • Marcus Horndt   26. Nov 2009   14:23 UhrAntworten

    Aber prinzipiell ist das Programm unglaublich. So komplex und gleichzeitig so intuitiv...

  • Frank   22. Jan 2013   13:42 UhrAntworten

    Hi+hallo..an Alle,
    die sich hier in diesen ganz tollen-einigartigen deutschen-Musik-portal..einbringen...!!

    Ich bin total begeistert..dieses Portal durch Zufall gefunden zu haben....!!!
    "1000"-Dank für Eure tollen sehr interssanten+verständlichen guten Tutorials...usw....!!!!
    Ich kann nur sagen...,macht bitte weiter..so....ich möchte auch mit dabei sein...?!!
    Liebe Grüße....aus Leipzig...,

    Frank Ivandic

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