Mit dem Vir2 Electri6ty will der Hersteller ein virtuelles Musikinstrument auf dem Markt haben, das realistische E-Gitarrren-Klänge über MIDI bietet. Ob ihm das gelungen ist und wie realistisch dieses Instrumenten-Plugin klingt, das erfährst Du in diesem Vir2 Electri6ty Testbericht. Lies selbst.
Was ist es?
Bei diesem VST-Plugin handelt es sich um ein virtuelles Instrument, das für die realistische Emulation von E-Gitarren-Klängen sorgen möchte. Hierfür wurden echte E-Gitarren in Samples gewandelt, die beim Abspielen entsprechend getriggert werden. Um die typischerweise faden MIDI-Gitarren-Klänge zu verbessern und mehr Realismus zu bringen, kommt bei diesem Instrument eine Skript-Technologie der Entwickler zum Tragen, die automatisch die richtige Spielweise aussucht.
Vir2 Electri6ty Testbericht
Obwohl es ja gefühlt mehr Gitarristen als Chinesen auf dieser Welt gibt, hat der Hersteller Vir2 das virtuelle Instrument Electri6ty zur Simulation der E-Gitarre auf den Markt gebracht. Das wahnwitzig anmutende VSTi kommt mit einer sage und schreibe 27 GB großen Sample Library und über 24.000 Samples daher. Beinhaltet sind folgende acht E-Gitarren: Fender Stratocaster, Fender Telecaster, Gibson Les Paul, P 90, Rickenbacker, Gibson ES 335, Danelectro Lipstick und die L 4.
Jetzt schimpft natürlich sofort jeder Gitarrist los – so ein Plugin kann ja gar nicht authentisch klingen! Aber ist das wirklich so? Der Scripter Benjamin Stelzer hat nämlich eine grandiose Engine entwickelt, die abhängig von der Velocity (der Anschlagsstärke auf der Tastatur) das jeweilige Sample (der aufgenommene Einzelton) auswählt und das funktioniert in verschiedenen Modi. Zum Beispiel kontrollierst Du über den Anschlag, ob ein Ton oder Akkord abgedämpft oder offen erklingen soll. In einem anderen Modus wird der Oktav- bzw- Quintoberton (Powerchord) ab einer bestimmten Anschlagsstärke abgespielt.
Der Legato-Modus (legato = gebunden) wiederum verfügt über eine Erkennung der realistischen Spielbarkeit der Melodie. Du musst also nicht für jede einzelne Note selbst entscheiden, ob sie via Hammering (dem festen Aufdrücken des Fingers auf der schon schwingenden Seite in einem höheren Bund) oder Pull-Off gespielt werden würde. Ist ein Legatospiel auf der selben Saite nicht möglich, so bleibt der erste Ton liegen, bis der zweite erklingt und wird beim nächsten Anschlag automatisch weggenommen.
Natürlich gibt es jede Note in den verschiedenen Artikulationen als Up-Stroke (dem Anschlagen von unten nach oben) und Down-Stroke (vice versa). Auch hier wählt das virtuelle Musikinstrument die angemessene Variante aus – Hartgesottene können alles auch manuell anwählen, klar. Deutlich werden die Unterschiede zwischen Up- und Down-Stroke besonders bei langsam geschlagenen Akkorden. Apropos Akkorde – für alle, die gerade keine Akkordtabelle im Kopf haben, erkennt das Programm den „pianistisch“ gespielten Drei- oder Mehrklang und wandelt ihn, der Lage des Akkords angemessen, in einen der 2000 hinterlegten „gitarristischen“ Akkorde um. Fein.
Auf Grund der permanenten Analyse der gedrückten Tasten und den darauf folgenden Entscheidungen, was wie erklingen soll, ergibt sich eine Latenz von 25 ms, wie der Hersteller in der sehr ausführlichen und verständlichen Beschreibung zugibt. Also nichts für das Live-Spielen.
Mitgelieferte Klangfarben & E-Gitarren-Sounds
Zu den Gitarren, „die in keiner Sammlung fehlen dürfen“:
Nach der Installation findest Du in deinem Sampler-Instrument Kontakt zunächst die Unterteilungen DI und Amped. Also die komplett trockenen Signale der Gitarren und Presets mit Einbindung der im Programm enthaltenen Effekt-Engine inklusive Amp-Simulationen. Die E-Gitarren wurden im Übrigen alle direkt über eine DI-Box aufgenommen, also ohne jedwede weitere Bearbeitung.
Die Effektkette hat drei Insertpositionen, die in Reihe geschaltet sind: einen FX-Slot (Reverb/Delay/Chorus/Flanger/Phaser) danach den Screamer (Verzerrer) und natürlich den Amp. Letzterer ist in den gängigen Typen (British, Classic, Clean, Jazz, Metal, Modern und Rock) verfügbar.
Dahinter stecken natürlich die üblichen Verdächtigen der Unternehmen Vox, Marshall, Fender, Mesa Boogie usw. Die Qualität der hier verwendeten Algorithmen können aber nicht mit den auf dem Markt befindlichen virtuellen Gitarren Effekten mithalten. Das muss hier gleich mal angemerkt werden.
Wer sich die DI-Signale der Gitarren allerdings schnappt und durch einen virtuellen Amp jagt oder sogar ein echtes Reamping macht, der erkennt die wahre Qualität dieses Instruments. Das zeigt auch der Hersteller Vir2 Plugins auf seinen diversen Produktvideos – unter anderem in diesem, in dem berühmte Gitarren-Riffs von eifrigen Programmierern nachgebaut wurden.
Wer gerne seine Pre-Production im Zug ändert, wird jede Menge Spaß mit Vir2 Electri6ty haben, auch wenn der Einstieg einhergeht mit dem Auswendig-Lernen der Controller-Befehle für die gewünschte Artikulation. Wer sich entsprechend in dieses Musikprogramm vertieft, kann damit sogar Ergebnisse erzielen, die sich auch in einer Demo, vielleicht sogar in einem offiziellen Release hören lassen können.
Das liegt aber auch an den komplett editierbaren Programmparametern. Ist einem das Vibrato zu langsam, hat man es mit 3 Klicks geändert. Jede E-Gitarre ist übrigens auch in den Stimmungen “Dropped D” und “Dropped C” abgesamplet. Weitere Klangfarben bieten die Samples aus den Aufnahmen mit dem Steg- und Hals-Pickup sowie beiden zusammen. Eine 7-saitige Schönheit fehlt allerdings in der Sammlung. Nun, die kann auch kaum ein Gitarrist wirklich spielen ;)
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25. Okt 2011 | 16:37 Uhr
Na, beim Anhören und Ansehen der Beispiele war ich dann doch wieder sehr schnell auf Ruhepuls … ;-) Wir sind dann doch nicht ersetzbar; noch nicht, jedenfalls …
25. Okt 2011 | 16:53 Uhr
Hehe, das ist wahr. Ein echter Gitarrist ist so einfach nicht zu ersetzen. Das gilt für Pianos und Pianisten ebenso :)
08. Dez 2011 | 13:19 Uhr
vielleicht nicht zu ersetzen, aber mit electricity hat man einen gitaristen der A) nicht immer zu laut ist, B) genau das macht was man will C) im rythmus bleibt und D) ich stelle ihn aus wenn er mich nervt :)