Sylenth 1 Testbericht

8
SHARES
Sylenth 1

Der Sylenth 1 im Test - Wie der Synthesizer sich schlägt, erfahrt ihr in diesem Testbericht.


anzeige


Was ist es?

In diversen Online Communities wurde und wird der Sylenth 1 aus der holländischen Softwareschmiede LennarDigital auch heute noch vor allem wegen seines Klangs und seiner überaus einfachen Bedienung immer wieder empfohlen. Vergleiche mit einem Access Virus müsse er nicht fürchten, so heißt es, und auch bei einigen Szenegrößen ist er nun schon längere Zeit konstant im Einsatz. Grund genug, uns diesen Software-Synthesizer, der mittlerweile in Version 2.2 vorliegt, etwas näher anzuschauen und auf den Zahn zu fühlen.

Die Installation des Sylenth 1 ist das, was ich einen absoluten Selbstgänger nennen würde, und lief nun wirklich gänzlich reibungslos. Eine Minutensache, so mag ich das!

 

Sylenth 1 Testbericht

Sylenth 1 Testbericht: Features

Der Sylenth 1 bietet vier Oszillatoren mit jeweils acht unterschiedlichen Wellenformen. Je Oszillator lässt sich die Stereobreite sowie die Phase der Wellenform einstellen und verstimmen, bzw. oktavieren. Die Knöpfe für Stereopanorama „Pan“ und Lautstärke „Volume“ seien nur der guten Form halber erwähnt. Ein nettes Feature ist die Übertragbarkeit der Oszillator-Einstellungen per Copy & Paste von einem auf einen anderen. Das spart in der Praxis eine Menge Zeit.

Jeder Oszillator kann bis zu acht Unisonostimmen erzeugen, was in der Summe durch die maximal 16-fache Polyphonie ganze 512 (!!!) Stimmen pro Note ergibt! Das klingt im wahrsten Sinne des Wortes fett! Von voluminösen Padsounds, bis hin zu der klassischen Supersaw, welche dir aus den unterschiedlichsten Dance-Produktionen bekannt sein dürfte, ist hier eine Menge möglich. Nur so am Rande bemerkt: Die „originale“ Supersaw aus dem legendären Roland JP8000 bestand aus sieben gegeneinander verstimmten Sägezähnen… Man kann sich also leicht ausrechnen, wie fett es beim Sylenth 1 also tatsächlich klingt.

Modulation beim Sylenth 1

Neben den bereits erwähnten Oszillatoren stehen uns zwei LFOs (Low Frequency Oscillators) mit jeweils elf unterschiedlichen Wellenformen zur Verfügung. Pro LFO lassen sich zwei Modulationsziele definieren. Doch in Sachen Modulation geht sogar noch mehr am Sylenth 1:

Neben den beiden LFOs finden sich zwei Modulationshüllhurven (ModEnv = Modulation Envelopes), welche zusätzlich auf zwei weitere Modulationsziele geroutet werden können. Wem das noch nicht genug ist, der bekommt oben drauf noch zwei frei definierbare Modulationsmatrizen, bestehend jeweils aus zwei Instanzen. Das heißt im Klartext: Hier können insgesamt vier frei definierbare Modulationsquellen (ModSource) auf jeweils zwei frei definierbare Modulationsziele geroutet werden.

Ein Beispiel zur Veranschaulichung: Der AmpEnvelope steuert das Pitchverhalten des OSC A1, die Anschlagsdynamik das Filter von OSC A2, der LFO 2 die Lautstärke des OSC B1, usw. Auch die internen Effekte sind hier als Ziele auswählbar, wir kommen später dazu. Hier sind wirklich abgedrehte Sachen möglich. Insgesamt können in einem Sound also 16 verschiedene Parameter moduliert werden.

Sylenth 1

Die Oberfläche des Sylenth 1

Die Filter

Doch was wäre ein Synthesizer ohne Filter? Natürlich wurde auch hier daran gedacht. Es stehen uns zwei Filter zur Verfügung, nämlich jeweils einer pro Part (Part 1 = OSC A1 + OSC A2, Part 2 = OSC B1 + OSC B2). Der geneigte Nutzer kann zwischen drei unterschiedlichen Filtertypen wählen: Lowpass, Highpass, Bandpass, oder das komplette Filter stumm schalten. Die Flankensteilheit der Filter ist mit 12dB und 24dB frei wählbar. Cutoff und Resonanz kennst Du sicherlich von Filtern anderer Synthesizer, beim Sylenth 1 gibt es einen zusätzlichen Drive-Regler, der dem Sound mehr analoge Wärme verleiht.

Effektsektion beim Sylenth 1

Effekte sind in der Musik, wie das Salz in der Suppe, so sagt man. Nicht zuletzt deswegen finden sich am Sylenth 1 insgesamt sieben unterschiedliche Mastereffekte wieder. Das soll heissen, die Effekte können vor dem Masterausgang in den Signalweg eingeschliffen werden, jedoch nicht direkt hinter den Oszillatoren. Zur Verfügung stehen die Effekte Chorus, Distortion, EQ, Phaser, Delay, Reverb und Kompressor, dazu noch ein Arpeggiator. Die Qualität der Effekte ist durchweg brauchbar.

An einem Delay kann man nicht viel falsch machen, Chorus und Hall sind gut gelungen. Auch wenn sich besser klingende Effekte auf dem Markt der VST Plugins finden lassen – es langt vollkommen aus!

 

Der Klang beim Sylenth 1 Testbericht

Nun wissen wir, was uns dieser virtuell analoger Synthesizer bietet, aber wir klingt er denn nun? Wer die monströse Anzahl an mitgelieferten Factory Presets durchhört, wird schnell feststellen, dass dies nicht gar zu eindeutig zu beantworten ist. Von drückenden analogen Blubbersounds, über schwebende, warme Flächenklänge bis hin zu fetten Leadsounds kann der Sylenth 1 klingen, wie man möchte.

Die Klangqualität würde ich für einen virtuell analogen Software-Synthesizer als überdurchschnittlich bezeichnen. Die Höhen kommen brilliant rüber, die Tiefen sitzen perfekt. Mich hat der Klang dieses Synthesizer-Plugins sehr beeindruckt, denn das kennt man eigentlich nur von der Hardware-Fraktion. Wer sich selbst ein Bild vom Klang des Sylenth 1 machen möchte, darf sich folgendes MP3 anhören.

Auf der Webseite der Entwickler finden sich weitere unbearbeitete Hörbeispiele und eine Demo-Version, die ich jedem Interessierten ans Herz legen möchte.

Auslastung / Leistung

Nun hat ein derart guter Sound zumeist einen bitteren Beigeschmack, nämlich den des unstillbaren Hungers nach CPU-Leistung. Zumindest liegt dieser Schluss nahe, wenn man den ein oder anderen virtuellen Synthesizer der Mitbewerber genutzt hat. Wer beim LennarDigital Sylenth 1 aber von grobem Leistungshunger ausgeht, der irrt! Die CPU-Auslastung kann nicht anders als sehr moderat bezeichnet werden.

Es ist sogar noch besser. Es macht so gut wie keinen Unterschied, ob man einem Oszillator eine oder gleich acht Stimmen zuweist: Die geforderte Leistung bleibt konstant niedrig. Natürlich gilt auch bei dieser Software, dass je mehr Parameter in den Sounddesign-Prozess eingebunden werden, desto höher die CPU-Last wird. Im normalen Betrieb für diesen Sylenth 1 Testbericht auf meinem 3,0 GHz Audio Computer konnte ich problemlos mehrere Instanzen des Plugins abfeuern, ohne den Rechner aus der Puste gehen zu sehen. Das ist genial!


Mehr zum Thema:
        

SEHR GUT

Sylenth 1 Testbericht am 18.11.2009

Produkt:      Sylenth 1
Hersteller:  

Preis:  139,00 Euro
UVP:    139,00 Euro

Kurzfazit

Ein virtuell analoger Synthesizer für Windows und Mac. Der Sylenth 1 bietet vier Oszillatoren mit jeweils acht unterschiedlichen Wellenformen. Außerdem stehen dem User zwei LFOs mit jeweils elf unterschiedlichen Wellenformen, drei verschiedene Filtertypen, sowie eine Effektsektion mit sieben Mastereffekten zur Verfügung.

Für wen

Produzenten, Sounddesigner und Synth-Fans, von Einsteiger bis Experten, die einen virtuellen Synthesizer mit tollen Klang suchen.

Wichtige Merkmale
  • 4 Oszillatoren mit acht unterschiedlichen Wellenformen
  • Filter
  • 16-fache Polyphonie
  • 4 ADSR Hüllkurven Generatoren pro Note
  • 2 LFOs mit 11 unterschiedlichen Wellenformen
  • 16 Modulation-Slots mit jeweils 24 wählbaren Modulationsparametern
  • Mastereffekt-Sektion bestehend aus einem Arpeggiator und 7 Effekten: Distortion, Phaser, Chorus, EQ, Delay, Reverb und Kompressor
  • über 1300 Presets
  • unterstützt VSTi, AU, AAX
  • Windows (32/64 Bit) und Mac kompatibel

 


Sag uns deine Meinung!

EMPFEHLUNGEN