Roli Seaboard Rise 25 Testbericht

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Roli Seaboard Rise 25 Testbericht

Das Roli Seaboard Rise 25 mitsamt Software im großen Testbericht auf delamar.


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Was ist es?

Das Roli Seaboard Rise 25 ist ein MIDI-Controller zum Spielen von Tönen über zwei Oktaven hinweg. Anders als ein gewöhnlicher Keyboard Controller hat er keine herkömmliche Klaviatur, sondern 25 weiche, tastenartige Erhebungen (»Keywaves«) für ein sehr differenziertes Spiel. Bewege dich frei zwischen den Halbtönen und diversen Klangparametern je nach Fingerposition im Millimeterbereich und Druckstärke.

Wie empfindlich der Controller auf derlei Abstufungen von Tonhöhe, Dynamik & Co. reagiert, lässt sich mit drei dedizierten Touch-Slidern stufenlos justieren. Ein virtueller Synthesizer, der auf all die differenzierten Spielmöglichkeiten anspricht, steht zum Download für Windows & Mac OS bereit.

MIDI wird über USB oder Bluetooth gesendet, letzteres bisher nur mit einem Mac. Die Stromversorgung läuft über die USB-Buchse, alternativ sorgt die integrierte Batterie für Mobilität, laut Hersteller einen halben Tag lang (im Bluetooth-Betrieb sind es »nur« acht Stunden).

Der Controller ist zum Straßenpreis von 799,- Euro (inkl. MwSt.) im deutschen Musikalienfachhandel erhältlich. Es gibt neuerdings auch eine Variante mit 49 Tasten und einer etwas ausdauernderen Batterie – das Roli Seaboard Rise 49.

 

Roli Seaboard Rise 25 Testbericht

Erster Eindruck

Schwer und durch gummierte Auflageflächen endgültig rutschsicher steht das Gerät vor mir. Zwischen den zwei Hauptkomponenten des Chassis‘ ist das Spaltmaß verschwindend gering. Das Material ist extrem fest und verwindungssteif. Die berührungsempfindlichen Bedienelemente sind allesamt makellos in die Aussparungen des Gehäuses eingepasst.

Roli Seaboard Rise 25 Testbericht

Minimalistisches Design und hervorragende Verarbeitung – toller Ersteindruck!


Roli Seaboard Rise 25 Testbericht

Software

Das Download-Paket wiegt stolze 2,5 GB. Die Installation des Treibers und der Konfigurationssoftware verlief geschwind und ohne Stolpersteine.

Nach dem ersten Start der Konfigurationssoftware wurde ich freundlich auf ein verfügbares Firmware-Update hingewiesen, auch hier klappten Download und Installation reibungslos.

Keywaves

Den nachhaltigsten Eindruck hinterlassen die Keywaves, also die Tasten. Deren durchgängige Silikonoberfläche ist unglaublich zart und ermöglich ein entsprechend intimes Spiel – wobei man weder beim Halten eines Tons von den tastenförmigen Erhebungen abrutscht, noch beim »Streichen« daran hängenbleibt.

Dünne weiße Striche dienen zur Kennzeichnung der Tastenflächen, die auf normalen Klaviertastaturen schwarz sind, also C#, D#, F#, G# und A#. Allzu groß sind die Keywaves nicht geraten, aber durch die ohnehin unvermeidliche Phase der Gewöhnung hat man bald den Bogen raus. Wer große Hände hat und/oder sich nicht mit den relativ kleinen Spielflächen abfinden will, muss zum Seaboard Grand mit integrierter Klangerzeugung und 49 Keywaves greifen.

Touchpad & Knöpfe

Dazu gesellen sich ein Touchpad zur Kontrolle von zwei Parametern in einem Koordinatenfeld (MIDI-CC-Nummern frei zuweisbar), ein Oktavwahlschalter und Knöpfen zum Blättern zwischen den Presets des mitgelieferten Synthesizers Equator (siehe unten).

Spieltechniken

Es gibt fünf Ausdrucksformen, die Du über verschiedene Gesten mit den Keywaves spielen kannst:

  • Strike: Anschlagstärke (MIDI: Velocity) → in der Regel Lautstärke
  • Press: Anhaltende Druckstärke (MIDI: Aftertouch) → Diverses
  • Glide: Horizontales »Wischen« → Portamento, Vibrato & Co.
  • Slide: Vertikales »Wischen« → Diverses, z.B. Öffnung des Filters
  • Lift: Geschwindigkeit des Loslassens → Diverses + Release (MIDI: Note-Off)

Press, Glide und Slide können jederzeit stufenlos über die drei Touch-Slider links oben in ihrer Empfindlichkeit eingestellt werden. Bei voller Stärke reagieren sie sehr unterschiedlich je nach ausgeübtem Druck bzw. sehr empfindlich auf die exakte Fingerposition im Halbtonzwischenraum.

Roli Seaboard Rise 25 Testbericht

Die Konfigurationssoftware des Roli Seaboard Rise 25 – mächtig und übersichtlich

Bei einer vollständigen Deaktivierung hast Du quasi einen nicht-anschlagsempfindlichen, mit ganz normalen Tasten bestückten Controller vor dir. Ich finde es ganz hervorragend, dass man das Gerät derart fein und persönlichen Vorlieben entsprechend abschmecken kann.

Prima: Die Gesten werden allesamt höchst akkurat in die jeweils entsprechenden Klangänderungen umgesetzt. Nach etwas Übung und bei Bedarf Justierungen an den Transferkurven eröffnen sich ganz neue Welten.

Kompatibilität mit virtuellen Instrumenten & DAWs

Naturgemäß sind nicht alle Software-Klangerzeuger in der Lage, sämtliche Spieltechniken des Seaboard Rise 25 wie angedacht umsetzen. Das betrifft vor allem das Glide mit seinen Ausflügen in die Halbtonzwischenräume. Erwähnenswert ist zudem, dass viele Synthesizer-Plugins nichts mit dem polyphonem Pitch-Bending und den Aftertouch-Signalen anfangen können.

So geht es freilich allen innovativen Geräten – im besten Falle werden sie zu Vorreitern und ziehen nach und nach einen immer größeren Schweif von voll kompatiblen Software-Synthesizern und -Samplern nach sich, während andere zur Insellösung verkommen.

Das Seaboard Rise 25 liefert zumindest die Grundlagen zur Verhinderung von Letzterem – unterstützt wird die frisch ins Leben gerufene MIDI-Erweiterung MPE (Multidimensional Polyphonic Expression), an der etwa auch Apple, Moog und Roger Linn Instruments beteiligt waren/sind.

Roli Seaboard Rise 25 Testbericht

Tonhöhenspezifische Controller-Daten dank MPE in Bitwig

Beispielsweise konnte ich damit in der DAW Bitwig alle Parameter meines Spiels aufzeichnen, auch die Glide-Informationen (im Bild unten die kleinen Linien, die über die Notenbalken in der Pianorolle eingezeichnet werden). Der Bitwig-eigene Synthesizer »Polysynth« setzt diese um. Außerdem gibt es ja noch den mitgelieferten Synthesizer »Equator«, den wir weiter unten kurz beleuchten werden.

Hauseigene Synthesizer-Software

Im Lieferumfang findest Du eine Lizenz für den virtuellen Synthesizer Equator. Drei Wavetable-Oszillatoren (49 Wellenformen), ein Noise-Oszillator und zuschaltbare FM-Synthese für alle OSCs bilden die Grundlage der Klangerzeugung. Weiter geht es mit zwei Multimode-Filtern, einer Effekteinheit (separat zuschaltbar: 5-Band-EQ, Chorus, Delay und Reverb), zwei LFOs und fünf Hüllkurvengeneratoren. Stattlich.

Roli Seaboard Rise 25 Testbericht

Sehr bequem ist, direkt in Equator auf die Transferkurven für die Empfindlichkeit der Gesten Strike und Press sowie das Pitch-Bending zu haben. Die graphische Oberfläche ist sehr klar, sie erinnert mich an den Future Audio Workshop Circle oder den kostenlosen Helm.

Sounds

Rund 170 Presets sind an Bord, um die klanglichen Möglichkeiten zu demonstrieren. Sie sind sehr vielfältig und in der Regel klangqualitativ überzeugend, für meine Begriffe aber nicht so überwältigend wie bei den besten Synthesizer-Plugins von Entwicklern, die sich auf solche spezialisiert haben.

Das war zu erwarten und geht völlig in Ordnung. Mit der Programmierung von Grund auf kann noch etwas mehr herausgekitzelt werden, wenngleich es bei einigen anderen Plugins feinere Filter und Effekte gibt.

Jochen Aldinger am Roli Seaboard Grand


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SEHR GUT

Roli Seaboard Rise 25 Testbericht am 28.06.2016

Produkt:      Roli Seaboard Rise 25
Hersteller:  

Preis:  799,00 Euro
UVP:    950,81 Euro

Kurzfazit

Controller mit 25 weichen »Tasten« für MPE (Multidimensional Polyphonic Expression). Eine kühne Investition in Zukunft, hervorragend umgesetzt und mit enormem Potential. Die Ausdrucksstärke ist unvergleichlich, nun müssen nur noch mehr DAW- und Plugin-Hersteller nachziehen.

Für wen

Alle, die einen sehr hochwertigen, mobilen Controller für feine Zwischentöne jenseits der Halbtonschritte und mit hoher Ausdruckskraft suchen.

Wichtige Merkmale
  • Controller mit 25 weichen »Tasten«
  • MIDI via USB oder Bluetooth
  • Virtueller Synthesizer »Equator« für Mac OS
  • Anschlüsse:
    • Klinkeneingang (6,3 mm) für ein Expression-Pedal
    • USB (Typ B) für MIDI-Output & Stromversorgung
    • USB (Typ A) zum Aufladen batteriegespeister USB-Geräte
    • Buchse für ein Netzteil (nicht mitgeliefert)
  • Batterie für 12 Stunden Spielzeit (Herstellerangabe)
  • Maße: 505 x 210 x 23 mm
  • Gewicht: 2,8 kg

 


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