Numark NS7 II Testbericht

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Numark NS7 II

Wieso der Numark NS7 II ein Volltreffer ist - hier und jetzt ...


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Was ist es?

Der Numark NS7 II ist ein vierkanaliger Controller für Serato DJ mit einem Funktionsumfang, der sich gewaschen hat. Neben zahlreichen Potis und Fadern zur lückenlosen Steuerung aller nur denkbaren Parameter der DJ-Software wartet der Bolide mit zwei Mikrofon- sowie vier Line-Eingängen auf, von denen sich zwei standesgemäß auf Phono (Schallplattenspieler) umschalten lassen.

Sehr spannend sind die 16 Akai MPC Pads zum Triggern von Cue-Punkten, Samples, Loops, Loop-Rolls und nicht zu vergessen dem wirklich tollen Slicer, auf den wir später noch zu sprechen kommen. Nicht ganz neu, aber für den ein oder anderen bestimmt wichtig sind die zwei motorisierten Plattenteller inklusive Slipmats und 7″-Vinyls. Diese sollen »klassischen« DJs ein möglichst authentisches Auflegen vermitteln, was übrigens tadellos funktioniert.

Stand 2017: Der Numark NS7 II ist nur noch in Restbeständen bei Musikalienhändlern erhältlich, hat aber schon länger einen Nachfolger – den NS7 III.

 

Numark NS7 II Testbericht

Äußerlichkeiten und innere Werte

Die erste Auffälligkeit beim Auspacken des Geräts sind die separat beiliegenden Vinyls, Slipmats und Plattenteller, deren Montage an die eines Technics 1210ers im Miniaturformat erinnern. Für ein erstes Lächeln war damit gesorgt.

Numark NS7 II Test - Der DJ Controller von oben

Der Numark NS7 II stellt sich vor

Apropos 1210er – die müssen dem Controller erst mal weichen, denn der Numark NS7 II ist wirklich ein Riese: 76 cm breit und 40,5 cm tief nimmt er mächtig viel Platz ein, sodass zumindest gängige Wohnzimmer-Setups einen parallelen Aufbau von Controller und Turntables eher nicht zulassen.

Als Zweites fällt auf, dass keine Software beiliegt. Im Zeitalter allgegenwärtiger Internetverbindungen sollte das zwar kein Problem darstellen, aber so eine Installer-CD kann im Notfall ja auch nicht schaden.

Mit seinem Gehäuse aus gebürstetem Aluminium vermittelt der Numark NS7 II eine absolut vertrauenswürdige Robustheit, die durch das stattliche Kampfgewicht von 15,5kg noch weiter untermauert wird. Alle relevanten Teile des Controllers sind verschraubt, was auf einen unkomplizierten Austausch von beispielsweise Fadern oder Buchsen schließen lässt. Optisch gibt es schlichtweg nichts auszusetzen: Die Kombination von Hochglanz und matten Oberflächen wirkt nicht nur edel, sondern trennt auch die einzelnen Bereiche (Decks: matt, Mixer: glänzend) voneinander ab.

Das Bedienfeld selbst ist trotz der großen Menge an Knöpfen und Reglern noch gut überschaubar, um nicht zu sagen intuitiv aufgebaut.

Anschluss gesucht?

Auf der Rückseite des Geräts finden sich die vier Line-Eingänge, von denen sich zwei auf Phono umschalten lassen. Diese sind fest den jeweiligen Kanälen der Mixersektion zugeordnet, was auch absolut Sinn ergibt. Einer von insgesamt zwei Mikrofon-Anschlüssen befindet sich ebenso auf der Rückseite. Er verfügt über eine XLR/Klinke Kombibuchse und kann flexibel jedem der vier Kanäle des Mixers zugewiesen werden.

Der USB-Anschluss, symmetrische XLR-Ausgänge (Master) sowie zwei unsymmetrische Cinch-Ausgänge (Master und Booth) befinden sich ebenso auf der Rückseite. Auf der Vorderseite findet sich der zweite Mikrofon-Eingang, welcher ebenfalls als XLR/Klinke Kombibuchse vorliegt und über Regler für Gain, Bass und Treble verfügt. Ein Contour-Regler für den Crossfader, Schalter zur Crossfader-Zuweisung der einzelnen Kanäle sowie ein äußerst komfortabler Kopfhörer-Bereich runden die Front ab. Bei letztgenannten stehen großartiger Weise gleich zwei Klinkenbuchsen (6,3 und 3,5mm), ein Blend-Poti zum Vorhören zwischen Cue- und Mastersignal, ein schaltbarer Split-Cue sowie ein Lautstärkeregler mit ordentlich Power zur Verfügung. Besser geht’s kaum.

Numark NS7 II Review - Crossfader

Der standesgemäß überzeugende Crossfader des Numark NS7 II im Glamour-Shot abgelichtet

On the Decks

Die beiden Decks sind eine jeweils spiegelverkehrte Abbildung ihres Gegenübers. Das ist logisch, ergonomisch und absolut sinnvoll, stellt aber doch eine kleine Widersprüchlichkeit dar: Schließlich will man mit den motorisierten Plattentellern die Vinyl-Fraktion überzeugen, welche jedoch den Pitch auf der rechten, den Start- / Stop-Schalter auf der linken Seite gewohnt ist. Jedenfalls verfügen die Plattenteller über einstellbare Anlauf- und Stopzeiten sowie die Möglichkeit zwischen High- und Low-Torque umzuschalten, was die Herzen der Turntable-Freunde wieder höherschlagen lassen dürfte.

Unterhalb der Plattenteller befindet sich das kreative Herz des Numark NS7 II: Je acht anschlagdynamische Akai MPC Pads stehen zur Steuerung von Cue-Punkten, Samples, Roll- und Loopeffekten sowie dem Slicer zur Verfügung. Der Slicer zerschneidet einen wechselnden Bereich des laufenden Tracks in wiederum acht Teilbereiche, welche über die Pads getriggert werden können. In Kombination mit extremen Pitch-Werten, Effekten oder identischen Tracks auf mehreren Decks lassen sich so beeindruckende Live-Remixe und Edits erzielen.

Im oberen Bereich jedes Decks finden sich die Regler für die individuell zuweisbaren Effekte der Software. Ein besonderer Clou ist hier die zuschaltbare Berührungsempfindlichkeit der Potis. Direkt neben diesen befindet sich der Strip-Search, mit dem innerhalb eines Tracks navigiert werden kann. Ein klassischer Pitch-Regler, Pitch-Bend-Tasten zur Feinjustierung des Mixes und natürlich die obligatorischen Start/Pause, Cue und Sync-Tasten seien ebenso erwähnt. Dazu kommen Reverse-Funktion, die Schalter zum Finetuning der Beatgrids und nicht zuletzt die Umschalttasten zwischen den Decks.

Einige der Schalter verfügen übrigens über Doppelbelegungen, welche mittels gedrücker Shift-Taste ausgeführt werden können. Dadurch gestaltet sich das Design trotz der imposanten Menge an Features angenehm überschaubar.

Mixer & EQ des Numark NS7 II

Die Mixersektion ist absolut klassisch aufgebaut und besteht aus vier Kanälen mit Linefader, Drei-Band-EQ und Gain. Dazu kommen jeweils ein Vorhör-Button, ein Wahlschalter für die Eingangsquelle (PC, Mikrofon oder Line) sowie ein Knopf für die Zuordnung von Effektbank A oder B. Darüber hinaus verfügt jeder Kanal über einen angenehm großen Regler, der wahlweise einen Filter oder den Filter plus einen frei wählbaren Effekt steuert.

Als wäre das nicht schon großartig genug, kommt an dieser Stelle eine weitere Geheimwaffe des Numark NS7 II zum Einsatz: Die Filter Roll Funktion macht aus dem Regler ein berührungsempfindliches Kreativwerkzeug das Filter und Roll-Effekt kombiniert. Die EQs unterdes sind schlichtweg hervorragend: Ganz nach links gedreht schalten sie ihren Frequenzbereich komplett aus, sodass sich ein Signal vollständig eliminieren lässt. Des Weiteren sind die Frequenzbereiche sehr gut verteilt, sodass jeder Regler auch wirklich nur den Bereich manipuliert, den er manipulieren soll.

Unglücklicher Weise sind die Regler für Gain, Treble, Mid und Bass etwas klein ausgefallen. Ein größerer Durchmesser oder zumindest eine griffige Gummierung wären wünschenswert gewesen, aber selbst der Goliat unter den Controllern stößt irgendwann an seine räumlichen Grenzen.

Fader & Kanal

Abzüge gibt es auch bei den Linefadern, die zwar eine vorbildlich weiche Faderkurve bieten, aber ansonsten recht leblos daherkommen. Beim Crossfader hat Numark dann wieder alles absolut richtig gemacht und einen CP-Pro Crossfader verwendet, der u.a. schon im hervorragenden X5 Battlemixer zum Einsatz kam. Die Faderkurve ist stufenlos regelbar und macht schnelle Cuts ebenso mit wie weiche, fließende Übergänge.

Pro Kanal steht eine sage und schreibe elfstellige LED zur optischen Überwachung des Signals zur Verfügung. Zwei elfstellige LEDs warnen vor Pegelspitzen des Master-Signals. Dass diese prinzipiell rot leuchten passt zwar zum Farbkonzept des Controllers, wirkt aber anfangs etwas verwirrend.

Im oberen Bereich der Mixersektion findet sich dann, neben den Lautstärkereglern für Master und Booth, noch eine Bedieneinheit für die Software Serato DJ: Playlists und Crates können hier ausgewählt und Tracks in die Decks geladen werden, so dass der Griff zum Laptop vollständig überflüssig wird. Die Mixersektion funktioniert, so wie man sich das wünscht, auch ohne angeschlossenen Rechner als Standalone-Mischpult für externe Klangquellen.

Numark NS7 II Testbericht

Die Jog-Wheels des Numark NS7 II sind tadellos

Praxis & Klang im Numark NS7 II Test

In der Praxis schlägt sich der Numark NS7 II hervorragend. Eine Einarbeitungszeit ist dank des selbsterklärenden Konzepts kaum nötig und im Zweifelsfall hilft das verständlich geschriebene Manual weiter. DJ Controller und DJ Software laufen auch über längere Zeit zuverlässig und lassen sich durch nichts aus der Ruhe bringen.

Der Sound ist erwartungsgemäß gut: Der Numark NS7 II ist druckvoll, laut und klanglich über jede Kritik erhaben. Das gilt gleichermaßen für die digitalen Decks, wie auch für die analogen Eingänge für Line- und Phono-Quellen. Zwar ist der Sound keinesfalls besonders charakteristisch, aber das lag augenscheinlich auch nicht im Fokus der Entwickler.

Der Spaßfaktor und die kreativen Möglichkeiten die dieses Schlachtschiff bieten sind einfach nur berauschend, verleiten aber auch zu übertriebenen Spielereien, die den Dancefloor ganz schnell wieder leerfegen können. Wer aber mit der Fülle an Features sparsam oder zumindest gezielt umzugehen weiß, hat mit diesem Gerät ein mächtiges Tool in der Hand, dessen Potenzial die wenigstens DJs so schnell ausschöpfen werden.


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SEHR GUT

Numark NS7 II Testbericht am 22.07.2014

Produkt:      Numark NS7 II
Hersteller:  

Preis:  1.099,00 Euro
UVP:    1.499,00 Euro

Kurzfazit

Großer DJ Controller mit kleinen Abstrichen. Vierkanaliger DJ-Controller für den professionellen Bereich, der durch ein sehr gutes Konzept, tolle Verarbeitung und eine Fülle kreativer Features glänzt – aber nur bedingt als mobiles Gerät eignet.

Für wen

Professionelle DJs und zur festen Installation in Clubs und Bars

Wichtige Merkmale
  • DJ-Controller mit 4 Kanälen für Serato DJ
  • Integriertes Audio Interface mit 24 Bit & 44,1 kHz
  • Motorisierte, 7″ durchmessende Plattenteller
  • Teils berührungsempfindliche Regler
  • Pads der Akai MPC zum Triggern von Loops, Rolls und Samples
  • Vier Line-Eingänge, zwei davon als Phono-Eingänge nutzbar
  • Vollwertiges Mischpult
  • Symmetrische Ausgänge
  • Metallgehäuse

 


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