Nugen Audio VisLM 2 Testbericht

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Nugen Audio VisLM 2 Testbericht

Histogramm & Log - zwei der bemerkenswerten Features im Nugen Audio VisLM 2 Testbericht


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Was ist es?

Bei Nugen Audio VisLM 2 handelt es sich um eine Software zur Lautstärken- und Lautheitsmessung, unter anderem gemäß EBU R128, ITU-R BS.1770/1771 und ATSC A/85. Sie bietet Pegelanzeigen sowie – das sind die Besonderheiten – ein Histogramm (graphische Darstellung diverser Lautstärke- und Lautheitswerte im Zeitverlauf) und eine Log-Funktion zu Auswertung in Tabellenkalkulationen.

Die Einsatzfelder umfassen Postproduktion, Mixing und Mastering, Broadcast und Übertragung sowie die Audioarbeit für Computerspiele.

Nugen Audio VisLM 2 Testbericht

Um diese Software geht es im Nugen Audio VisLM 2 Testbericht auf delamar

Der Betrieb ist wahlweise als Plugin oder in Form einer Standalone-Version (eigenständig lauffähig) möglich, jeweils für Windows und Mac OS X. Zwei Versionen sind zu haben: Das hier getestete VisLM-H2 (mit der angesprochenen Historiendarstellung) und VisLM-C2 (»Compact«, ohne Historie). Beide Varianten sind noch einmal unterteilt in Stereo- sowie Surround-5.1- und -7.1-Ableger.

Die Software ist zum Preis von 416,50 Euro (inkl. MwSt.) über die Website des Herstellers erhältlich.

 

Nugen Audio VisLM 2 Testbericht

Erster Eindruck von Nugen Audio VisLM 2

Sämtliche virtuellen Effekten des Herstellers können direkt über das Plugin-Fenster registriert werden. Alternativ lässt sich die Lizenz auf einen USB-Dongle vom Typ iLok2 übertragen. Meine Wahl fiel auf Ersteres – flugs war die Software mit dem per E-Mail zugeschickten Lizenzcode freigeschaltet .

Die graphische Oberfläche punktet mit modernem »flat design« (keine fotorealistisch nachgestellten Drehregler von Hardware-Geräten o.Ä.). Zudem lässt sie sich stufenlos skalieren – so gelingt die detaillierte Begutachtung von Zahlenwerten, Pegelbalken und Lautheitshistorie gleich viel besser. Einen halbwegs hochauflösenden und großen Bildschirm vorausgesetzt, versteht sich.

Pegelanzeigen

Sowohl für die Spitzenwerte (Lautstärke nach True Peak) als auch für den Durchschnittspegel in einem gewissen Zeitfenster (Lautheit nach LUFS, relativ zu digitalem Vollpegel) gibt es Pegelanzeigen. Diese sind weitreichend konfigurierbar.

So kann etwa der Anzeigebereich eingegrenzt werden (z.B. nur ab -35 dB aufwärts), um die wirklich interessanten Pegelregionen besser im Blick zu haben. Für bestimmte Pegelbereiche kannst Du Farbcodierungen festlegen, was ein schnelles Erkennen kritischer Lautstärken und Lautheiten erheblich einfacher macht. Für die Ballistik sind mehrere Standards wählbar.

Bei der LUFS-Messung können beispielsweise die Segmentgröße, abermals die Eingrenzung des Anzeigebereichs oder das Zeitfenster verstellt werden. Hinzu kommen groß dargestellte Werte für Short-term, integriert und Loudness Range.

Die Sektionen für die Peak- und die LUFS-Messung können jeweils einzeln oder kombiniert angezeigt werden. Im Einzelmodus profitierst Du von größeren und damit besser lesbaren Darstellungen.

Alles in allem ist das Plugin schon im Bereich der Pegelmessung sehr stark bestückt – nicht mehr und nicht weniger liefert die angesprochene Kompaktversion Nugen Audio VisLM-2C im Lieferumfang (siehe Bild unten). Die Variante 2H bietet aber noch attraktivere Features und Alleinstellungsmerkmale in ihrem Preisbereich, um die es im Folgenden gehen soll.

Nugen Audio VisLM 2 Testbericht

Die mitgelieferte Kompaktversion Nugen Audio VisLM 2C

Log-Funktion

Bis zu zehnmal pro Sekunde können die wichtigsten zwölf Werte der True-Peak- und LUFS-Messung ausgelesen und in eine CSV-Datei (für Excel & Co.) exportiert werden – inklusive Uhrzeit und Position auf der Zeitleiste in deinem DAW-Projekt. So lässt sich detailliert Buch führen, von der Erstellung mannigfaltiger Graphen mit Tabellenkalkulationen ganz zu schweigen. In meinem Test funktionierte das bestens.

Insbesondere die Log-Funktion unterstreicht die Tauglichkeit des Plugins für professionelle Anwendungen in hohem Maße. Sie ist ein gewichtiges Argument bei der Rechtfertigung des Kaufpreises, der für viele Musiker und Produzenten zunächst hoch erscheinen mag, im Vergleich zu funktionell ähnlichen Lösungen aber als Schnäppchen gelten kann.

Histogramm

Kommen wir zum Prunkstück des Plugins – der Historiendarstellung für Lautstärke und/oder Lautheit mit diversen Visualisierungsformen, die eine Analyse »on the fly« erlauben. Also auch ohne die per Auswertung von Spreadsheets fernab des Workflows im DAW-Fenster. Bis zu zwölf Stunden am Stück können somit protokolliert und graphisch aufbereitet werden. Die Historie einer Session wird als Plugin-intern innerhalb einer DAW-Projektdatei gespeichert.

Zeitformat

Grundsätzlich wählst Du eine von drei Aufzeichnungsformaten:

  • Time Code – Protokollierung der Position auf der Zeitleiste deines DAW-Projekts
  • Elapsed – Protokollierung der seit dem Startbefehl vergangenen Zeit
  • System – Protokollierung der auf dem Computer eingestellten Uhrzeit – nützlich zur Analyse von Live-Audiosignalen

Datendarstellung

Aufgezeichnet werden eine Vielzahl von Lautstärke- und Lautheitswerten, wobei Du für jeden Wert einzeln bestimmen kannst, ob er angezeigt werden soll. Dazu gehören:

  • LUFS integriert
  • LUFS Short-term
  • True Peaks
  • Lautstärke (momentan)
  • Varianz (Unterwert für die Loudness Range)

Ferner werden durch die Verteilungskurve links die Häufigkeiten verschiedener Lautheiten ersichtlich.

Im folgenden Beispiel ist die Darstellung aller Daten aktiviert und das Zeitformat ist auf »System« gestellt (am unteren Rand des Graphen sichtbar):

Nugen Audio VisLM 2 Testbericht

Transportkontrolle

Rechts im Feld für die Pegelanzeigen finden sich die Transportkontrollen der Aufzeichnung/Darstellung, mit denen Du je nach Zeitformat die aufgezeichneten Kurven löschen bzw. die Aufzeichnung an sich pausieren/fortsetzen kannst. Eine zuschaltbare Automatik bestimmt, ob nach Aufzeichnungsstopp beim Neustart/Fortsetzen eine komplett neue Kurve gezeichnet oder die alte fortgeführt werden soll.

Das System ist in der Praxis schnell durchschaut und sehr bald ist eine zielgerichtete Steuerung je nach Anwendungsszenario möglich.


Mehr zum Thema:
                    

EXZELLENT

Nugen Audio VisLM 2 Testbericht am 01.10.2015

Produkt:      Nugen Audio VisLM 2
Hersteller:  

Preis:  416,50 Euro
UVP:    416,50 Euro

Kurzfazit

Messung, graphische Darstellung und Logging von Lautheit & Lautstärke nach diversen Standards. Diese Software dient zur Lautheits- und Lautstärkenmessung nach etlichen Standards, ist sehr frei konfigurierbar und stellt die Informationen klar dar. Vor allem trumpft sie aber mit dem Histogramm und der Log-Funktion auf.

Für wen

Toningenieure und Produzenten in Sendeanstalten.

Wichtige Merkmale
  • Standalone & Plugin für Windows & Mac OS X
  • VST, VST3, AAX, AU, AudioSuite (32 & 64 Bit) sowie RTAS (32 Bit)
  • Lautheitsmessung nach EBU R128, ITU-R BS.1770/1771 und ATSC A/85 & Co.
  • Lautstärkenmessung nach True Peak
  • Histogramm
  • Log-Funktion

 


Lesermeinungen (7)

zu 'Nugen Audio VisLM 2 Testbericht: Lautheitsmessung mit Histogramm'

  • Stefan Schneider   02. Okt 2015   20:19 UhrAntworten

    Mittlerweile bieten einige DAWs und eine Fülle von Gratis-PlugIns diese Funktionen. Ich verwende mehrere davon und brauche keine teure Lösung.

    • Felix Baarß (delamar)   02. Okt 2015   20:33 UhrAntworten

      Das Histogramm und die Log-Funktion? Das bezweifle ich, würde mich aber über entsprechende Belege freuen. Die genannten Funktionen sind die Hauptattraktionen des Plugins. Sie sind wichtig für Sendeanstalten und reichen weit über die bloße Pegelmessung hinaus, die - wie schon im Test indirekt erwähnt - selbstverständlich mit kostenlosen Plugins möglich ist.

  • Stefan Schneider   03. Okt 2015   08:29 UhrAntworten

    Die mir bekannten Rundfunk- & Fernsehanstalten arbeiten nicht mit PlugIns, sondern mit Hardware von RTW.

    • Felix Baarß (delamar)   03. Okt 2015   11:11 UhrAntworten

      Das mag so sein. Unabhängig davon ist die Funktionalität des hier vorliegenden Plugins derzeit nicht in kostenloser Software bzw. als DAW-Komponente zu finden.

      • Konstantin   30. Okt 2015   19:49 Uhr

        Meiner Meinung nach sind die Messgeräte von RTW wesentlich aussagekräftiger als die Nugen Tools. Sicherlich ist dies eine Preisfrage... Stefan hat zudem Recht - beim Rundfunk wird Hardware eingesetzt. Und: Sequoia v12/13 bietet beispielsweise die Histogrammfunktion als integriertes Plug-in.
        Eine Sache möchte ich aber klarstellen was hier falsch steht: "Lautheit nach LUFS, relativ zu digitalem Vollpegel" ist FALSCH!!!
        LUFS ist das absolute Lautheitsmaß zu dBFS! Relativ wäre es in LU anzugeben.
        Ebenso ist dBTP keine Lautstärke sondern der elektronische Vollaussteuerungspegel. Lautstärke gibt man in dB SPL an!
        Diesen Test kann ich nicht Ernst nehmen.... Sorry Leute...

      • Felix Baarß (delamar)   30. Okt 2015   20:29 Uhr

        1. Ich habe nie in Abrede gestellt, dass irgendwelche Hardware möglicherweise aussagekräftiger sein könnte als die hier getestete Software. Mit keinem Wort wurde das im Test unterstellt. Dennoch danke für deine Einschätzung - wer ein opulentes Budget hat, sollte wohl über derlei Gerätschaften nachdenken, anstatt nur ein Auge auf die Tools von Nugen Audio zu werfen.

        2. Bezüglich Sequoia: Interessant, danke für die Info! Abermals ein Hinweis auf den Preis: Sequoia kostet knapp 3.000 Euro. Die Frage wäre nun noch, ob Stefans Aussage, dass »mehrere DAWs« eine solche Funktion enthalten, der Wahrheit entspricht. Sorry, das Wochenende bricht an und ich habe momentan keine Lust, zu recherchieren. :)

        3. Gut möglich, dass ich mich bei LUFS textlich vertan habe; noch einmal der Hinweis auf's Wochenende - bei Gelegenheit wird's präzisiert bzw. korrigiert.

        4. Wo wir schon bei Spitzfindigkeiten sind: »Lautstärke gibt man in dB SPL an!« - Nein. db SPL ist die Einheit für den Schalldruckpegel. »Lautstärke« ist ein rein psychoakustischer Begriff.

  • Konstantin   30. Okt 2015   21:43 UhrAntworten

    Ok. Bei 1. ging es ja darum das beim Rundfunk meistens Hardware eingesetzt wird. Das ich RTW von der Optik und Genauigkeit her besser finde ist meine persönliche Meinung. P.S.: Die haben sogar recht preiswerte Plug-ins...
    2. liegt daran weil ich dieses teure Programm nutze - stimmt.
    Das mit 4. liegt daran weil ich so viele Tests lese und so Sachen wie bei 3. passieren.
    ... hat aber nix mit dem Produkt zu tun.

    Eine Frage hab' ich aber noch: Was genau macht man anschließend mit diesem Log-File?

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