Nowsonic Umbrella Testbericht

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Nowsonic Umbrella Testbericht

Demonstrativ für den Nowsonic Umbrella Testbericht - die Vorrichtung im aufgebauten Zustand


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Was ist es?

Der Nowsonic Umbrella ist ein Absorber zur Abschwächung von (Nach-)Hall und sonstigen Umgebungsgeräuschen im Aufnahmeraum – er wird am Mikrofonstativ befestigt und im Halbkreis um das Studiomikrofon herum positioniert. So kannst Du auch in akustisch unbehandelten und daher klanglich nicht optimalen Räumlichkeiten ohne Akustikelemente relativ gute, »trockene« Aufnahmen machen. Ein solcher Absorber, der für Homerecording, Podcast-Aufnahmen zuhause und ähnliche Szenarien im Amateur- bzw. Semiprofi-Bereich typisch ist, wird auch Micscreen (Mikrofonschirm) genannt.

Die Vorrichtung besteht aus fünf Metallplatten, die einen Halbkreis bilden, und einer innen angebrachten Schaumstoffschicht für die Schalldämmung. Die zwei äußeren Metallplatten lassen sich einklappen – zur Anpassung an beengte Aufnahmeumgebungen anzupassen oder den platzsparenden Transport.

Der Nowsonic Umbrella ist zum Straßenpreis von 79,- Euro (inkl. MwSt. & Versandkosten) im deutschen Fachhandel erhältlich.

 

Nowsonic Umbrella Testbericht

Erster Eindruck, Verarbeitung und Aufbau

Es handelt sich um einen sauber und robust konstruierten Micscreen mit fest eingepasster, angeklebter Schaumstoffschicht. Das Zubehör ist in einem separaten Karton versammelt und darin noch einmal einzeln verpackt. Schade, dass es keine Aufbauanleitung gibt. Hier hätte der Hersteller meines Erachtens noch etwas zuvorkommender sein können, doch wer sich die auf der Packung aufgedruckten Beispielbilder vom fertig aufgebauten Schirm ansieht, dürfte schnell durchblicken.

Nowsonic Umbrella Testbericht

Der Nowsonic Umbrella ist einsatzbereit

Die Halterung für das Gestänge deines Mikrofonstativs wird mit einem mitgelieferten Sechskantschlüssel an die mittlere Metallplatte geschraubt. Die Befestigung am Stativ macht einen sehr vertrauenerweckenden Eindruck – ich konnte die zwei Klemmschrauben gut festziehen, wobei sich die großen Gummipolster bestens ans Gestänge schmiegten.

Nowsonic Umbrella Testbericht

So sieht der Nowsonic Umbrella von hinten aus

Gut befestigen ließ sich auch der vertikale Abstandshalter, der mitsamt angeschraubter Mikrofonspinne in die horizontale Schiene geschraubt wird. Letztere dient zum »Eintauchen« des Mikrofons in den schützenden Halbkreis des Schirms, wobei ein Spielraum von etwa 12 cm Tiefe besteht. Diese Schiene lässt sich leicht anschrauben, da der Schraubenknauf (in der Mitte unten zu sehen) angenehm handlich daherkommt.

Abschließend macht das Ganze einen stabilen Eindruck und es kann losgehen.

In der Praxis

Nach der Installation am Ständer biegt sich dieser merklich in meine Richtung – das Gewicht von 4,5 Kilogramm ist höher als bei den meisten anderen Modellen auf dem Markt. Ein stabiles Stativ ist Pflicht. In meinem Fall kam ein gehobenes Modell von König & Meyer zum Einsatz, das mir im Großen und Ganzen keine Sorgen um die Statik bereitete.

Die zwei beweglichen Seitenpaneele werden jeweils oben und unten mit einer Schraube arretiert, damit sie nicht störend herumschlackern. Klappt gut. Mit ihnen kannst Du den vom Schirm umspannten Raum verkleinern und somit a) in sehr beengten Umgebungen arbeiten sowie b) den Micscreen deutlich platzsparender transportieren/lagern.

Nowsonic Umbrella Testbericht

Der Nowsonic Umrella mit eingeklappten »Flügeln»

Der Vollständigkeit halber: Das Mikrofonstativ sollte senkrecht stehen, denn der Nowsonic Umbrella folgt dieser Orientierung und lässt sich im Winkel nicht verstellen.

Klang mit dem Nowsonic Umbrella

Nun aber zum Sound. Die folgenden Aufnahmen sind mit unserem Neumann U 87 Ai entstanden, da dessen Sound am bekanntesten für alle Leser sein wird. Außerdem kannst Du die Aufnahmen somit ansatzweise mit jenen vergleichen, die Kollege Marc für den LD Systems LDRF1 Testbericht angefertigt hat, wenngleich es damals ein anderer Aufnahmeraum war. Dann ging es über ein Vovox-Kabel in einen der Mikrofonvorverstärker des RME Fireface 800. Hier sind die Resultate:






Man muss nicht einmal die Ohren spitzen, um die durch den Nowsonic Umbrella bewirkte Halldämmung in Aufnahmen mit Kugelcharakteristik zu hören. Naturgemäß fällt der Effekt mit Nieren- oder Achtercharakteristik eher subtil aus.

Wer hätte gedacht, dass unser akustisch vernachlässigter Büroraum (okay, immerhin liegt Teppichboden aus) unter Zuhilfenahme dieses Micscreens deutlich trockener zu klingen vermag? Extrapoliert auf mehr oder minder typische Homerecording-Umgebungen lässt sich sagen, dass Du mit diesem Utensil einen Schallschlucker bekommst, der die Aufnahmen im Heimstudio spürbar hallärmer machen kann.

Natürlich muss allgemein zu dieser Kategorie von Absorber gesagt werden, dass die Ergebnisse stark von Positionierung im Raum, dem Raum selbst und dem gewählten Mikrofon abhängen. Wer bereits ein Modell mit der Richtcharakteristik Hyperniere verwendet, wird weniger Effekt hören als derjenige, der eines mit Kugelcharakteristik nutzt.


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GUT

Nowsonic Umbrella Testbericht am 26.01.2015

Produkt:      Nowsonic Umbrella
Hersteller:  

Preis:  79,00 Euro
UVP:    79,00 Euro

Kurzfazit

Gelungener Micscreen. Dieser Mikrofonschirm sitzt sicher am Stativ, dämmt zuverlässig und bietet flexible Seitenpaneele.

Für wen

Einsteiger und Fortgeschrittene, die ihre Mikrofonaufnahmen am Stativ trockener haben wollen.

Wichtige Merkmale
  • Micscreen aka Mikrofonschirm (Absorber)
  • Zur Befestigung am Mikrofonstativ
  • Höhe verstellbar
  • Tiefe des Mikrofons verstellbar
  • Einklappbare Seitenpaneele
  • Gewicht: 4,5 kg

 


Lesermeinungen (4)

zu 'Nowsonic Umbrella Testbericht: Günstiger Micscreen auf dem Prüfstand'

  • Skellington   26. Jan 2015   17:36 UhrAntworten

    Dass das Ding Aufnahmen mit Kugelcharakteristik trockener macht, ist in der Praxis (wo man gerade Gesang i.d.R. mit Niere aufnimmt) ca. so viel wert, als stünde auf einem Regenschirm "feuerfest" drauf, während er andererseits wasserdurchlässig ist ;)

    Immerhin – vielleicht würde es was bringen, noch ein zweites Exemplar hinter dem Talent aufzustellen.

  • M. Uschi   26. Jan 2015   20:26 UhrAntworten

    Zitat aus http://sengpielaudio.com/LiveEndDeadEndUndDasReflexionFilter.pdf :

    »Das Mikrofon vor dem "Filter" zeigt mit seiner großen Empfindlichkeit voll in den reflektierenden Live-Raum.
    Das "Filter" dämpft den rückwärts schon gedämpften Schalleinfall des Nierenmikrofons ein wenig mehr.
    Das mechanische "Filter" selbst erzeugt topfig-klingende Kammfilter-Reflexionen, die vom Mikrofon aufgenommen
    werden. Die erzeugten frühen Reflexionen der Schallquelle im Studioraum werden hierdurch nicht gedämpft.
    Die Werbung verspricht, dass das "Filter" den Bau einer Gesangskabine ersparen soll. Das wäre ein Wunder.«

    Die Graphiken dort erklären das auch nochmal sehr deutlich.

  • Jay   27. Jan 2015   08:42 UhrAntworten

    Volle Zustimmung. Und ein schönes Beispiel, wie wichtig es ist, vor dem Muckemachen bzw. einer Studiokonzeption sich erstmal intensiv mit Tontechnik auseinanderzusetzen, bevor man Geld ausgibt.
    Natürlich ist ein Effekt zu hören, vor allem naturgemäß bei Audiofile Nr. 1. Aber das "Wunder" tritt nicht ein...und kann es auch nicht. Sengpiel rules;-)

  • Carsten   28. Jan 2015   08:51 UhrAntworten

    Technisch gesehen ist das Konzept (böse gesagt) Bauernfängerei, und ein Esoterikmesse wäre wohl der bessere Ort dafür.
    Performancemäßig kann es beim Sänger eventuell den "Neumann-Großmembraneffekt" hervorrufen, was positiv wäre. Und das für wenig Geld.
    Ansonsten ist es wirklich erstaunlich, das so viele Firmen wie SE Electronics, Vicoustic, T.Bone und jetzt Nowsonic so ein Ding anbieten.
    Im Gegegensatz dazu können z.B. ein paar "EQ Acoustics FreeSpace" HINTER dem Sänger, also im Ziel des Nierenmics, die oberen Mitten und die Höhen verbessern. Bei schlechter Raumakustik sind so Dinger hilfreich.

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