Neumann TLM 103 Testbericht

13
SHARES
Neumann TLM 103 Testbericht

Im Neumann TLM 103 Testbericht unter der Lupe: ein kompaktes, aber waschechtes Neumann


anzeige


Was ist es?

Das Neumann TLM 103 ist ein Kondensatormikrofon mit Großmembran und Nierencharakteristik. Es ist für fortgeschrittene, semiprofessionelle und professionelle Anwender konzipiert und möchte für die folgenden Anwendungen geeignet sein:

  • Sprache & Gesang
  • Bläser, Streicher, Percussion, Gitarrenverstärker, Schlagzeug-Overhead
  • Geräuschaufnahme & Sampling
  • Rundfunk, Synchron & Hörspiele

Ob es diesem Anspruch gerecht wird, erfährst Du im folgenden Review.

Es handelt sich um ein puristisches Modell ohne Filter oder Vorabschwächer. Die technischen Daten findest Du im Infokasten. Auffällig ist die außerordentlich kompakte Bauform – der Korpus ist genauso klein wie der Mikrofonkorb.

Das Mikrofon ist zum Straßenpreis von 885,- Euro (inkl. MwSt.) im deutschen Fachhandel für Musikalien erhältlich.

 

Neumann TLM 103 Testbericht

Erster Eindruck und Verarbeitung

In dem hübschen, cognacfarbenen Holzetui findest Du das Neumann TLM 103 und eine einfache Schwinghalterung für die Anbringung an einem Stativ. Sie verrichtet ihren Dienst anstandslos.

Neumann TLM 103 Testbericht

Grundsätzlich ist eher eine elastische Halterung (»Mikrofonspinne«) zu empfehlen – zum Testen bekamen wir die vom Hersteller selbst angefertigte Spinne »EA 1 (mt)«, die ausgezeichnet funktioniert. Trittschall und andere Vibrationen, die über das Mikrofonstativ auf das Mikrofon übergehen, werden weitestgehend gedämpft. Das erwarte ich von einem Modell für knapp 200 Euro.

Das Neumann TLM 103 ist ohne Fehl und Tadel konstruiert. Bei nur halbwegs pfleglicher Behandlung dürfte es sehr viele Jahre seinen Dienst tun, ohne auch nur einen Kratzer abzubekommen. Die Innereien und Elektronik habe ich mir für diesen Test nicht angeschaut.

Ausstattung

Hört, hört: Im Neumann TLM 103 kommt die Membran und die Elektrode des hauseigenen U87 zum Einsatz – der Studioklassiker schlechthin, was Großmembran-Kondensatormikrofone angeht. Dessen Ai-Variante leistet auch seit vielen Jahren im delamar-Studio zuverlässige Dienste

Abschließend sei bemerkt, dass dich hier ein Mikrofon mit einer übertragerlosen Schaltung erwartet. Das wird durch das Kürzel TLM (»TransformerLess Microphone«) gekennzeichnet. Das ist im Übrigen anders als beim großen Bruder U 87, weswegen es natürlich klangliche Unterschiede gibt. Weiter wollen wir nicht ins Detail gehen, schließlich interessiert uns viel eher der …

Klang des Neumann TLM 103


Grundrauschen

Das Grundrauschen ist sehr niedrig: 7 dB(A) sind ein sehr guter Wert. Perfekt für flüsterleise Passagen deiner Instrumente und Stimmen, denn sie werden garantiert nicht vom Rauschen übertüncht.

Beispielsweise bei der aus einem gewissen Respektabstand vorgenommenen Aufzeichnung eines Streicherquartetts. Außerdem werden auch mehrere Aufnahmen dieses Mikrofons, die später im Mixe gleichzeitig erklingen, nie das Rauschen zutage fördern.

Maximaler Schalldruck

Mit dem Neumann TLM 103 kannst Du Blasinstrumente, Gitarren- bzw. Bassverstärker und andere laute Schallquellen bedenkenlos abnehmen.

Denn erst bei einem Schalldruck 138 dB SPL wird ein Klirrfaktor von 0,5% erreicht. Das heißt, dass bei diesem ohrenbetäubenden Pegel (zum Vergleich: Ein startender Düsenjet aus 100 Metern Entfernung ist leiser) keine nennenswerten Verzerrungen des Klangs auftreten.

Frequenzgang

Das Timbre des Neumann TLM 103 ist dezent »getunt«, was mir in vielen Situationen bei der Aufnahme von Sprache oder Gesang richtig gut gefällt. Es klingt dadurch heller als das U87, doch alles in allem ist die für Großmembran-Kondensatormikrofone typische Höhenanhebung hier noch zurückhaltend ausgeprägt. Bei der Amp-Mikrofonierung hingegen greife ich lieber auf ein anderes Modell zurück. Hier finde ich die Anhebung meistens eher unpassend.

Neumann TLM 103 Testbericht

Der Frequenzgang und das Polardiagramm des Neumann TLM 103

Ansonsten wurde eine angenehme Abstimmung gefunden – nicht zu neutral, aber auch nicht zu weit von einem nüchternen Sound entfernt.

Nahbesprechungseffekt

Wie bei jedem Mikrofon mit Richtwirkung (alle außer jenen mit Kugelcharakteristik) tritt ein gewisser Nahbesprechungseffekt ein – der Bassbereich wird verstärkt, wenn die Schallquelle der Membran sehr nahekommt. Das kommt beim Neumann TLM 103 spätestens ab einer Entfernung von etwa 20 cm zur Kapsel deutlich ans Licht.

Viele Stimmen können diesen Bassschub gut gebrauchen, so auch meine. Ich empfinde dieses Mikrofon für meine Stimme bei den erwähnten 20 Zentimetern fast schon als ideal, würde aber noch auf etwa 15 cm heranrücken. Wie erwähnt: Je nach Stimme oder Instrument musst Du das selbst herausfinden.

Off-Axis-Verhalten

Ein weiterer Aspekt von Richtmikrofonen: Die Klangfarbe ändert sich, wenn Du nicht genau aus der vorgesehenen Einsprechrichtung auf die Kapsel singst, sprichst oder spielst – meist ist das die Seite mit dem Herstellerlogo, so auch beim Neumann TLM 103.

Wie so oft sind bei einem Winkel von 45° deutlich weniger Höhen zu hören. Verkleinerst Du den Winkel noch etwas, kannst Du dir die reduzierte Brillanz zunutze machen, auch in Kombination mit dem Nahbesprechungseffekt – wenn gewisse Stimmen oder Instrumente zu spitz klingen, würde ich das einem nachträglichen Equalizer-Einsatz vorziehen.

Impulsverhalten

Was die Abnahme von Transienten betrifft, gibt sich das Neumann TLM 103 keine Blöße. Dass Großmembran-Kondensatormikrofone die zackigen, impulsiven Klänge weniger akkurat in elektrische Signale umsetzen als die filigraneren Kleinmembraner, merkt man hier fast gar nicht. So wird ein äußerst detailgetreues, transparentes Bild gezeichnet, in dem kein Sound ansatzweise nennenswert verschwimmt.


Mehr zum Thema:
      

SEHR GUT

Neumann TLM 103 Testbericht am 16.11.2016

Produkt:      Neumann TLM 103
Hersteller:  

Preis:  885,00 Euro
UVP:    1.069,81 Euro

Kurzfazit

Großmembran-Kondensatormikrofon mit Nierencharakteristik. Ein echtes Neumann, aber weitaus erschwinglicher als gewohnt – das Neumann TLM 103 bietet die gleiche Membran und die gleiche Elektrode wie das legendäre U87 und klingt dabei etwas heller. Fein für Stimmen und akustische Instrumente fast aller Art, gut verarbeitet noch dazu.

Für wen

Fortgeschrittene und (semi-)professionelle Anwender im Recording und Rundfunk.

Wichtige Merkmale
  • Kondensatormikrofon mit Großmembran
  • Richtcharakteristik: Niere
  • Benötigt Phantomspannung von 48±4 V
  • Übertragungsbereich: 20 – 20.000 Hz
  • Feldübertragungsfaktor: 23 mV/Pa @1 kHz & 1 kΩ
  • Nennimpedanz: 50 Ω
  • Nennlastimpedanz: 1 kΩ
  • Ersatzgeräuschpegel: 7 dB(A)
  • Grenzschalldruckpegel: 138 dB @ 0,5% Klirr
  • Gewicht: ~450 g
  • Maße: 60 x 132 mm
  • Schwenkgelenk & Holzetui liegen bei

 


Sag uns deine Meinung!

EMPFEHLUNGEN