Line 6 James Tyler Variax JTV-69 Testbericht: Eine Gitarre – 25 Sounds

Vor wenigen Wochen wurde die Line 6 James Tyler Variax als beste Gitarre des Jahres 2011 mit dem MIA Award ausgezeichnet. Auf delamar hatten wir sie bereits im Vorfeld vorgestellt. Welche Eindrücke die Modeling-Gitarre auf unseren Redakteur Jens Geilich im Dauertest gemacht hat, erfährst Du in diesem Line 6 James Tyler Variax Testbericht.

Was ist es?

Bei den Modellen der Serie Line 6 James Tyler Variax handelt es sich um Gitarren, die eine eingebaute Modeling-Technologie mit an Bord haben. Sie lassen sich wahlweise als normale Gitarre über die eingebauten magnetischen Tonabnehmer spielen oder Du kannst das Modeling nutzen, um den Klang eines von 19 Gitarrenmodellen (unter anderem Akustikgitarren) zu spielen.

Die Modeling-Schmiede Line 6 wagte sich schon vor einigen Jahren an den Bau einer E-Gitarren-Serie, welche auf den Namen „Variax“ getauft wurde. Zwei Modelle gab es seinerzeit von diesem Instrument, die Variax 600 und die Variax 700 . Beide verkauften sich nach Markteinführung zwar wie warme Semmeln, mussten sich jedoch auch vereinzelter Kritik stellen.

Ich selbst hatte vor Jahren das Vergnügen, eine Variax 700 in einem Musikladen anzutesten und war damals von den technischen Möglichkeiten dieses Instruments sehr angetan. Die diversen Gitarrenmodelle, die in der Variax 700 zur Verfügung standen, klangen schon damals sehr authentisch. Der Körper selbst sah aber gewöhnungsbedürftig aus, allein schon wegen der fehlenden Pickups.

Auch die Bespielbarkeit der Variax 700 war nicht optimal und ich ließ sie seinerzeit zurück im Ausstellungsraum. Es blieb der Eindruck, dass da im Bereich des Gitarren-Modeling aus dem Hause einiges machbar und im Gange ist, wie sich dann mit der neuen Line 6 James Tyler Variax bewahrheitet hat.

 

Line 6 James Tyler Variax JTV-69 Testbericht

Einleitung

Im Frühjahr 2010, auf der Musikmesse 2010 in Frankfurt, wurde ein Prototyp einer neuen Gitarrenserie vorgestellt. Obwohl unter dem Namen „Variax“ gehandelt, stellte sich schnell heraus, dass dieses komplett neu gestaltet und konstruiert wurde, ein Neuanfang sozusagen. Hierzu kooperierte man mit dem bekannten amerikanischen Gitarrenbauer James Tyler, der schon für diverse Künstler Signature-Gitarren gebaut hatte (u.a. für Prince, Michael Anthony von Van Halen, Michael Landau etc.).

Der Hersteller hat mir für diesen Test eine Line 6 James Tyler Variax zum ausgiebigen Testen zur Verfügung gestellt, wofür ich mich an dieser Stelle schon einmal herzlich bedanken möchte.

Line 6 James Tyler Variax

Der Korpus

Drei Modelle der Line 6 James Tyler Variax

Die James Tyler Variax liegt in drei unterschiedlichen Modellen und jeweils in verschiedenen Lackierungen vor:

  • die JTV 59 mit einem an die Gibson Les Paul angelehnten Korpus in den Lackierungen Black, Cherry Sunburst und 3-Tone Sunburst,
  • die JTV-69 mit einem an eine Fender Stratocaster angelehnten Korpus in den Lackierungen Black, 3-Tone Sunburst, Apple Candy Red und Lake Placid Blue und
  • die JTV 89 mit einem an Ibanez angelehnten, modernen Superstrat-Korpus mit reversed Headstock in den Lackierungen Black und Blood Red.

Die verwendete Modeling-Technologie ist bei allen Modellen dieselbe.

 

James Tyler Variax JTV-69

Zum Testen stand mir (auf Wunsch) die JTV-69 in Candy Apple Red zur Verfügung. Dieses Modell wurde jüngst mit dem MIA-Award als beste Gitarre des Jahres 2011 gekürt. Hier die Details:

  • Die JTV-69 hat einen massiven Erlenkorpus mit einem Candy-Apple-Red Finish, einem ebenso massiven, aufgeschraubten Ahornhals (auf der Rückseite unlackiert) mit einem 22-jumbo-bündigen Palisandergriffbrett.
  • Wie ihr Strat-Vorbild verfügt die JTV-69 über eine Mensur von 648 mm (25,5 Zoll) und hat eine Sattelbreite von 41 mm.
  • Die versiegelten Stimmmechaniken weisen eine 16:1-Übersetzung auf und sind als sogenannte Lock-Mechaniken konstruiert: Die Saiten werden nicht aufgewickelt, sondern sehr bequem im Schaft festgeklemmt.
  • Beim Sattel handelt es sich um einen schwarzen Graph Tech TUSQ XL.
  • Die JTV-69 hat eine Tyler Custom Tremolo-Brücke, die mit Piezotonabnehmern vom Typ L.R. Baggs Radiance Hex ausgestattet ist. Der Tremolohebel wird gesteckt und mit einem (mitgelieferten) Mini-Imbus arretiert.
  • Die komplette Mechanik der JTV-69 ist in Chrom gehalten.
  • Die Gitarre besitzt zwei Tonabnehmer (James Tyler Vintage Single-Coil) in Hals- und Mittenposition sowie einen James Tyler PAF Humbucker in der Brückenposition.
  • Die JTV-69 hat einen 5-Weg-Schalter, einen Lautstärke- und einen Tonpoti. Darüber hinaus besitzt die Gitarre einen Poti zur Auswahl der verschiedenen Gitarrenmodelle und einen eingelassenen Drehschalter zum Auswählen der verschiedenen Gitarrenstimmungen.
  • Neben dem handelsüblichen Klinkeneingang zum Anschluss an den Verstärker hat die JTV-69 einen sogenannten VDI-Anschluss (Variax Digital Interface).
  • Ausgeliefert wird die JTV-69 in einem edlen und sehr robusten Gigbag. Im Lieferumfang befinden sich ein Lithium-Ionen-Akku, eine USB-Interface, ein USB-Kabel sowie ein Netzwerkkabel zum Verbinden der Gitarre mit dem PC oder Mac.

Als Gitarrist in einer Coverband muss ich klangtechnisch unterschiedliche Musikstile zugleich bedienen können. In Sachen Gitarrensound erweist sich dieser Stilmix als ein kaum lösbares Equipment-Desaster. Da wäre das altbekannte Geldproblem. Rein aus finanzieller Sicht kann man mal eben nicht drei, vier oder mehr Gitarren kaufen, soll es sich dabei gerade nicht um Billigstausführungen aus Fernost oder sonst woher handeln. Verstärkertechnisch bietet nicht zuletzt Line 6 selbst diverse Modeling-Lösungen an.

Line 6 James Tyler Variax

Der Übergang zwischen Hals und Korpus

Die neue James Tyler Variax ist also allein für Cover-Musiker betrachtet sehr interessant: 25 unterschiedliche Gitarren in einem Korpus. Hinzu kommen elf frei programmierbare Gitarrenstimmungen, die sofort via Poti zur Verfügung stehen. Ein Traum für jeden Gitarristen, der stilistisch polyvalent sein muss – zu schön, um wahr zu sein? Wir werden sehen…oder besser hören.

 

Der Test

Über zwei Monate hatte ich für diesen James Tyler Variax Testbericht Zeit. Die mir zur Verfügung gestellte JTV-69 begleitete mich in den Proberaum und auch auf die Bühne. Mehr als genug Gelegenheit, die James Tyler in natürlicher Umgebung auf Herz und Nieren zu prüfen.

Schon beim Auspacken fällt mir die gute Verarbeitungsqualität auf. Die Gitarre besteht den ersten unmittelbaren Seh- und Fühltest sofort – optisch wie haptisch lässt sich nichts bemäkeln. Keine Dings und Dongs, keine scharfen Kanten. Ein rundum sehr gut bespielbares Instrument mit Top-Saitenlage, ohne Scheppern und Schnarren. Das ist nicht selbstverständlich. Es kann direkt an den Amp gehen.

Ebenfalls sofort auffällig ist das doch hohe Gewicht der Gitarre. Da ich in meiner Sammlung überwiegend schwer ausfallende Gitarren mein Eigen nenne, hinterlässt das bei mir keinen negativen Eindruck. An dieser Stelle sei trotzdem darauf hingewiesen.

Genial finde ich die Locking-Mechaniken: Die Saiten werden bei der JTV-69 nicht auf die Schäfte gewickelt, sondern mittels Klemmmechanik in die Schäfte gesteckt und festgeklemmt. Erstens sorgt das für eine bessere Stimmstabilität und zweitens sind die Saiten ruckzuck aufgezogen bzw. gewechselt und wieder in Stimmung gebracht. Auf der Bühne eine entgegenkommende Eigenschaft der Line 6 James Tyler Variax JTV-69.

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Lesermeinungen (3)

zu 'Line 6 James Tyler Variax JTV-69 Testbericht: Eine Gitarre – 25 Sounds'

  • Olaf
    29. Jan 2012 | 16:30 Uhr Antworten

    Oh !!! Der Variax-Bericht ist endlich da … ;-)

    • Carlos San Segundo (delamar)
      29. Jan 2012 | 19:54 Uhr Antworten

      Mit sagenhaften 45 zusätzlichen Dateien zum Hören, Sehen und selbst ausprobieren…praktisch die neue Kinderüberraschung! ;)

  • christos
    30. Jan 2012 | 13:43 Uhr Antworten

    Hi super testbericht, die akustischen Gitarren klingen allerdings sehr sehr bescheiden, das kann nix.

Sag uns deine Meinung!



 

 

 


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