Wenn es einen Hersteller für Halleffektgeräte gibt, an dem in den letzten dreißig Jahren niemand vorbei konnte, dann ist es Lexicon. Vor einiger Zeit schnürten die Entwickler ein Plugin-Paket, das die berüchtigten Halleffekte in Software-Sphären transportiert. Wie gut das gelungen ist, erfährst Du in unserem Lexicon PCM Native Reverb Testbericht. Hereinspaziert…
Was ist es?
Unter dem Titel Lexicon PCM Native Reverb sind sieben Reverb Plugins für Windows (auch 64-bit) und Mac OS X versammelt – Chamber, Concert Hall, Hall, Plate, Random Hall, Room und Vintage Plate. Als Vorbilder dienten die erfolgreichen Hallgeräte Lexicon PCM96, Lexicon 224, Lexicon 480L sowie weitere Hardware des Herstellers.
Von den weiträumigen Halleffekten in Kathedralen und Konzerthallen über kleine Studioräume, die vor allem für Drums geeignet sind, bis hin zu Plattenhalleffekten sind alle Arten von Reverbs dabei, die in der Musikproduktion eingesetzt werden – ganz gleich, in welchem Genre Du dich bewegst.
Lexicon PCM Native Reverb Testbericht
Installation
Für diesen Testbericht haben wir uns die aktuelle Windowsversion 1.1.3 (welche übrigens schon seit September 2010 kein Update mehr erfahren hat) geschnappt. Die Setup-Datei ist gute 64 MB groß. Der Installationsprozess ist schnell erledigt. Zur Aktivierung der Plugins wird ein USB-Kopierschutzstecker (»Dongle«) des Typs iLok2 wird benötigt; das gilt auch für die Demoversion.
Ein Detail hätte man verbessern können: Erst als die Installation der RTAS-Plugins an der Reihe war, kam eine Fehlermeldung, dass Administratorrechte benötigt werden. Denn einige Dateien werden in ein Unterverzeichnis des Windows-Programmordners abgelegt, auf den Nutzer mit eingeschränkten Rechten keinen Schreibzugriff haben. Und da stets beide Plugin-Formate (VST und RTAS) installiert werden, musste ich die Setup-Prozedur nach der erwähnten Fehlermeldung stoppen und mit administrativen Rechten neu beginnen.
Presets
Für jedes Plugin gibt es zahlreiche Presets, die fast ausschließlich denen des herstellereigenen Hallgeräts PCM96 gleichen. Sie sind in Rubriken unterteilt, deren Benennung praktischerweise meist schon das bevorzugte Anwendungsgebiet verrät (Drums, Vocals etc.). Hier steht eine Fülle von sehr nützlichen Ausgangspunkten für die verschiedensten Instrumententypen und grundlegenden Raumtypen zur Verfügung. Vorbildich. Die Presets werden übrigens im XML-Format gespeichert.
Es erscheint es mir sehr sinnvoll, dass der Mix-Regler für die Gewichtung der Anteile von trockenem und verhalltem Signal beim Wechseln der Presets auf dem Wert verbleibt, den Du zuvor eingestellt hast.
Lästig: Die Plugins merken sich den modifizierten Status eines Presets nicht, wenn man zwischenzeitlich auf ein anderes Preset wechselt und dann wieder zu der Voreinstellung zurückkehrt, die man doch eigentlich abgeändert hatte. Als ähnlich störend empfinde ich, dass es keine Möglichkeit gibt, mit nur einem Klick schnell zum nächsten Preset zu wechseln. Kleine Vor- und Zurück-Buttons hätten das Zappen erleichtert.
Zur Sache
Alle Plugins bieten einen einheitlich gestalteten Kopfbereich, der die folgenden Elemente enthält: Felder zum Wechseln der Bänke und Presets, Pegelanzeigen für das Eingangs- und das Ausgangssignal, einen Bereich für drei verschiedene Visualisierungen der generierten Hallfahne bzw. der Hallimpulse sowie den Equalizer.
Letzterer bietet diese sechs Filterkurven: 2 x Tiefpass (ein- und zweipolig), 2 x Hochpass (ein- und zweipolig), Bandbreitenfilter mit variabler Flankensteilheit, Kerbfilter mit variabler Flankensteilheit. Eine ordentliche Auswahl, die dir viele Möglichkeiten lässt, zumal neben dem Regler für die Grenzfrequenz auch noch einer für die Gesamtanhebung/-absenkung der Filterkurve und ein zusätzlicher Kuhschwanzfilter vorhanden sind. Der Clou: Es gibt zwei unabhängige EQ-Einstellungen, einmal für die frühen Reflexionen und einmal für die Hallfahne.
Du kannst bis zu neun beliebige Parameter deiner Wahl in eine Hauptsektion (»Soft Row«) packen; dieser Abschnitt ist standardmäßig mit wichtigen Stellschrauben ausgefüllt, etwa für die Nachhallzeit, das Pre-Delay, den Mix (Dry/Wet) und dergleichen. So kannst Du zunächst schnelle Anpassungen an den Presets vornehmen, um dann tiefer in die Materie einzutauchen. Jedes Plugin bietet sehr viele, je nach Halltyp unterschiedliche Parameter zur komplexen Klanggestaltung ganz nach deinen Vorstellungen. Derartig umfassende Möglichkeiten wirst Du bei vielen anderen virtuellen Halleffekten vergeblich suchen. Als Sahnehäubchen lassen sich alle Parameter automatisieren, wobei bei meinem Test keinerlei Störgeräusche auftraten.
Sehr schön, dass die Oberfläche recht geräumig gestaltet wurde und alle Regler in gebührendem Abstand voneinander angeordnet sind. So lassen sich die Plugins gut bedienen.
An dieser Stelle möchte ich anmerken, dass ein Großteil der nun folgenden Kritikpunkte im Lichte der hohen Erwartungen an eine Plugin-Sammlung zu sehen sind, für die Du weit über 1.000 Euro hinlegen musst. Viele der von mir gewünschten Funktionen fehlen auch in Konkurrenzprodukten, doch diese sind allesamt günstiger zu haben.

19. Jan 2012 | 15:19 Uhr
Einfach ein großartiger Hall! Und ein guter Testbericht, ich finde es jedoch ein Unding, ausgerechnet den RandomHall unkommentiert zu lassen, der mM nach die anderen Algorithmen richtig blass aussehen lässt.
Und es ist zwar ein teures PlugIn, aber es kann auch problemlos und sogar mit Vorteilen jeden Hardware-Hall ersetzen, vielleicht ausgenommen den echten Lexicon PCM. Also für ein größeres kommerzielles Studio in jedem Fall lohnenswert!
20. Jan 2012 | 21:34 Uhr
Also ehrlich gesagt, gefällt mir der Klang dieses Plugins überhaupt nicht. Der Concert Hall z.B. hat wirklich nur Ähnlichkeiten mit seinem Vorbild. Diesen Zuckerwattehall bekommt er aber nicht hin.
Übrigens würde ich niemanden das LX480 empfehlen, da es schon seit Ewigkeiten kein Update mehr bekommen hat und anscheinend auch nicht mehr weiterentwickelt wird.
30. Jan 2012 | 14:44 Uhr
Ich hatte das Plugin neulich getestet, bin vom Klang und auch von der geringen Prozessorauslastung ziemlich angetan.
Das Einzige was mich gestört hat: auf meinem Windows-7 / 64bit-System lief das Bundle nur “ge-bridged” (mit jBridge), und jedes Mal, wenn ich das Plugin nach dem Schließen wieder neu geöffnet habe, ist es eingefroren. Gibt es inzwischen eine tatsächlich “native” 64-Bit-Version?
30. Jan 2012 | 16:12 Uhr
Soweit ich das verstehe, handelt es sich hier nicht um native 64-bit Versionen.
07. Apr 2012 | 15:59 Uhr
PCM Lexicon Native Reverb Plugin mit JBridge funktioniert, wenn man bei den JBridge Einstellungen “prevent main host control when the GUI window is closed” auswählt.
Dies ist die Lösung, damit das Plugin bei 64bit nicht ständig abstürzt.