LAG Roxane Racing 1500 Testbericht

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LAG Roxane Racing 1500 Testbericht

Um diese Gitarre geht es im LAG Roxane Racing 1500 Testbericht auf delamar


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Was ist es?

Frankreich ist bekannt für gutes Essen mit fabelhaftem Wein und elegante, stilvolle Mode. Doch nicht nur Genießer der guten Küche kommen bei unserem Nachbarland auf ihre Kosten. Die kleine südfranzösische Gemeinde Bédarieux hält eine Überraschung parat, die das Herz eines jeden Gitarristen schneller schlagen lassen sollte. Die Manufaktur des Gitarrenherstellers LAG stellt dort jährlich rund 1.700 E-Gitarren in Handarbeit her und spricht damit hauptsächlich Kunden an, die sich fernab des üblichen Mainstream bewegen möchten.

Aufgrund finanzieller Probleme des Vertriebspartners, die schließlich in den 90ern zur Einstellung der Instrumentenimporte hierzulande führten, war es Anfang der 2000er Jahre beinahe unmöglich eines der Modelle zu erwerben. Nun versucht LAG, sich mit interessanten Konzepten und bemerkenswerter Qualität neu zu profilieren und ein Comeback zu starten.

Unser heutiger Testkandidat LAG Roxane Racing 1500 entsprang der Zusammenarbeit von Gitarrenbauer Michel Lag und dem Algam Design Studio. Die gemeinsame Kernidee bestand darin, eine Modellreihe zu kreieren, die sowohl optisch als auch funktionell an schnelle Rennwagen angelehnt ist. Rein äußerlich – das darf schon mal vorher angemerkt werden – ist das bestens gelungen.

Doch erinnern auch alle anderen wichtigen Merkmale der Gitarre an die Präzision und Performance eines Sportwagens?

 

LAG Roxane Racing 1500 Testbericht

Optik der LAG Roxane Racing 1500

Die Rennwagenthematik begegnet uns bereits beim Auspacken der LAG Roxane Racing 1500, denn sogar der firmeneigene Gigbag kommt – ganz nach Vorbild einer Lederausstattung – in Kunstleder gekleidet und dadurch in der passenden Optik zu Hause an. Korpus, Hals und Kopf wurden mit einer absolut makellosen Hochglanzlackierung überzogen, die selbst bei genauem Betrachten der schwer zugänglichen Stellen keinen Zweifel an der Arbeit der französischen Lackierer zulässt.

Bei unserem ferrariroten Testmodell wurde außerdem die hintere Seite der Korpusoberfläche mit einem breiten, weißen Rallyestreifen verziert, der einen runden Bannerkreis mit der Nummer 46 enthält. Je nach Lackfarbe ist das grundlegende Design sowie die Nummer etwas anders, um somit an verschiedene Automobile, die als Meilensteine des Motorsports in die Geschichte eingingen, zu erinnern.

Bei Schlagbrett, Kopfplatte sowie der üblichen rückseitigen Abdeckung wurde nicht (wie gewöhnlich) auf Kunststoff, sondern auf Aluminium gesetzt. Eine Vielzahl kleiner Schrauben erinnert an die Vernietung aus dem Karosseriebau und hält dabei jedes Einzelteil fest an seiner Stelle.

Des Weiteren trägt die Abdeckung, hinter der sich die gesamte Verkabelung befindet, die Modellbezeichnung sowie das LAG Firmenlogo, in unübersehbaren Großbuchstaben.

Holz & Hals

Für den Korpus wurde amerikanische Pappel verwendet, die in Verbindung mit dem eingeleimten Mahagoni-Hals und -Kopf das Grundgerüst bildet. Interessant ist dabei die runde Ausfräsung am Hals-Korpus-Übergang, die ein Bespielen in hohen Lagen zu einem Kinderspiel machen soll.

Ein Hals aus Ebenholz mit sogenannten Roxane Racing Inlays, die nicht nur namentlich weiterhin zum angepeilten Thema passen, sind wunderbar in das Holz eingelassen und dem schematischen Aussehen einer Rennflagge nachempfunden.

Es wäre vermutlich sogar mit einer Lupe schwierig, auch nur eine einzige Unregelmäßigkeit in der Linienführung zu entdecken. Trotz relativ dicker Lackschicht ist der Hals im Vergleich zu einer klassischen Paula eher schmal, während ein Strathals aus dem Hause Fender doch eher knochig wirkt.

Hardware

Nach so viel Rennsport ist es vermutlich nur Einbildung, aber die feste, verchromte Brücke aus dem Hause Schaller ruft die Assoziation mit einem Heckspoiler hervor. Die beiden Hauptschrauben, die diese am Korpus halten, wurden in dafür speziell ummantelte Fräsungen eingelassen und lassen sich dadurch sehr leichtgängig drehen.

LAG Roxane Racing 1500 Testbericht

Die verchromte Brücke

Obwohl die Werkseinstellung bereits vollkommen zufriedenstellend ist, wird somit das Einstellen der Gitarre zu einer wahren Freude. Nicht das kleinste Schräubchen steht unnötig unter Spannung oder wurde schief hereingedreht. Dies zeugt nicht nur von sehr guter Verarbeitung, sondern auch von einem gut durchdachten Gesamtkonzept.

Mechaniken

Ebenso wie die Brücke sind auch die verchromten Mechaniken aus dem Hause Schaller und ähneln durch ihre etwas unübliche Form einem Autozylinder. Auch an dieser Stelle lassen sich selbst nach vorsichtigem Rütteln keinerlei Mängel feststellen – was vermutlich auch noch lange Jahre so bleiben wird.

Der verbaute Sattel wurde von der namenhaften Firma GraphTech hergestellt, deren Fertigung nur den allerhöchsten Qualitätsmerkmalen entspricht. Extrem widerstandsfähiges, künstlich hergestelltes Elfenbein mit einer Teflonbeschichtung verspricht selbst bei brachialem Tremolo-Gebrauch Langlebigkeit und gute Klangeigenschaften.

LAG Roxane Racing 1500 Testbericht

Die Kopfplatte und die Mechaniken von Schaller

Tonabnehmer

Für einen druckvollen und nuancenreichen Sound sollen bei der LAG Roxane Racing 1500 zwei Humbucker der Marke Seymour Duncan sorgen. Dabei handelt es sich um den Seth Lover SH55, der sowohl in der Neck- als auch in der Bridgeausführung verbaut wurde und von einem einfachen, robust erscheinenden 3-Wegeschalter angesteuert wird.

Neben einem Tone-Poti finden wir zwei Push-Pull-Potis, die nicht nur die Lautstärke des jeweiligen Pickups regeln, sondern zusätzlich die Humbucker in den Singlecoil-Modus versetzen. Sie können damit die Flexibilität enorm bereichern.

Alle Regler lassen sich butterweich drehen und bestehen ebenfalls aus Aluminium, um dem Gesamtbild das berühmte i-Tüpfelchen aufzusetzen.

Sound der LAG Roxane Racing 1500

Laut und spritzig klingt die Gitarre schon, bevor sie überhaupt an einem Amp hängt. Mit elektrischer Unterstützung dürften bei jedem Rockfan die Mundwinkel Richtung Himmel wandern – und das absolut zurecht. Die beiden Seymour Duncan Tonabnehmer verrichten ihre Arbeit tadellos und selbst stark verzerrte Akkorde kommen perlenklar durch, ohne im oftmals befürchteten Matsch zu verschwinden.

Selbstverständlich klingt der Singlecoil-Modus nicht gänzlich wie ein echter, kommt diesem doch trotzdem sehr nahe. Gerade im Rockbereich kann diese Auswahlmöglichkeit enorm hilfreich sein, um das gefühlvolle Balladensolo von der nächsten, etwas härteren Nummer klanglich zu unterscheiden.

Obwohl der übliche Verzerrtest die Tonabnehmer ins gute Licht rückt, ist unsere LAG definitiv keine Metal-Gitarre – und das versucht sie auch nicht zu sein. Der sehr cremige Sound eignet sich perfekt für Rock/Bluesrock, wobei der höhenlastige, knackige Bridge-Pickup gerne auch mal zum Country oder Rockabilly einlädt.

Die Pappel klingt im Vergleich zu einem Mahagonibody wesentlich heller und „stratiger“, obwohl eine SG – sowohl konzeptionell als auch klanglich – unserer Testgitarre am nächsten kommt. Auf diese Weise ist LAG eine sehr schöne Mischung aus den beiden großen Fraktionen gelungen.





 

In der Praxis

Die amerikanische Pappel hat einen weiteren, vor allem in der Praxis angenehmen Effekt: das angenehme Gewicht. Mit 3,5 Kilogramm auf der Schulter wird selbst am Tag nach einem mehrstündigen Gig kein Besuch beim Orthopäden nötig werden.

Ob man lackierte oder doch lieber unlackierte Hälse bevorzugt, bleibt natürlich jedem selbst überlassen. Allerdings fällt die saubere Lackierung bei unserem Probanden fast gar nicht auf und erlaubt auf diese Weise langwieriges Spielen, ohne dabei haften zu bleiben – auch mit schwitzigen Händen.

Die bereits erwähnte Ausfräsung am Hals-Korpus-Übergang stellte sich während der Testphase als exzellente Idee heraus, denn die Hand trifft bis hin zum 22sten Bund auf keinerlei Hindernisse.

Flexibilität im Ton

Beide Volume-Potis ermöglichen der LAG noch ein weiteres großes Stück an Flexibilität. Eine Kombination von etwas lauterem Bridge- und leiserem Neck-Pickup beispielsweise kann gerade bei cleanen Songpassagen etwas mehr Höhen herbeizaubern, ohne dabei am Tone nachregeln zu müssen. Die geriffelte Oberfläche erleichtert es dabei sehr, das Push-Pull-System zu bedienen, ohne abzurutschen.

Das Tonepoti kommt genauso mit Bravour durch unseren Test, wie alle anderen Einzelteile es bisher getan haben. Sehr fein Klangnuancen werden dank hochwertiger Elektrik gewährleistet und selbst, wenn der Regler komplett heruntergedreht ist, verschwindet der Frequenzreichtum nicht.


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EXZELLENT

LAG Roxane Racing 1500 Testbericht am 14.09.2015

Produkt:      LAG Roxane Racing 1500
Hersteller:  

Preis:  1.349,00 Euro
UVP:    1.499,00 Euro

Kurzfazit

Die LAG Roxane Racing 1500 startet von der Pole-Position – mit einem extravaganten Design, meisterlicher Präzisionsarbeit und hoch qualitativen Komponenten gelingt LAG ein eindrucksvolles Comeback auf dem europäischen Markt. Französische Präzisionsgitarre für Rock und Bluesrock mit dem gewissen Etwas hinsichtlich des Designs. Ausschließlich Bauteile von ausgesprochen guter Qualität, wie etwa zwei original Seymour Duncan Pickups oder Schaller Brücke und Mechaniken.

Für wen

Für Liebhaber des Rock n' Roll und einzigartiger Konzepte/Ideen, die sich ein fabelhaft verarbeitetes und zudem optisch auffälliges Instrument wünschen.

Wichtige Merkmale
  • Korpus aus amerikanischer Pappel
  • Mahagonihals
  • Ebenholzgriffbrett
  • 22 Medium-Bünde
  • Sattelbreite 42 mm
  • Mensur 628 mm
  • Hardware von Schaller
  • Aluminium Pickguard
  • Seymour Duncan Pickups
  • 2x Volume (Push-Pull),
  • Dreiwegeschalter
  • Master-Toneregler
  • Original LAG „Racing Tasche“ im Lieferumfang

 


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