FL Studio 12 Testbericht

14
SHARES
fl studio 12 Testbericht


anzeige


Was ist es?

Mit FL Studio 12 steht eine DAW-Software (Musikprogramm) zur Verfügung, die sich vor allem an Produzenten und Performer elektronischer (Tanz-)Musik richtet – viele erfolgreiche Acts aus EDM, HipHop, House, Techno & Co. nutzen dieses Programm, darunter Avicii und Martin Garrix. Der Fokus liegt auf einer Pattern- und Clip-basierten Produktionsweise.

 

FL Studio 12 Testbericht

FL STudio Version 12.0 bis 12.2

Im Fazit am Ende findest Du eine generelle Einschätzung des Programms im Wettbewerb mit anderen DAWs. Der Test fokussiert die Neuerungen seit Version 12.0, die wohl die größte Tragweite im Alltag der meisten Produzenten haben werden.

Zudem betrachten wir einige nachträgliche Verfeinerungen im Laufe der letzten Monate (zum Testzeitpunkt aktuell: Version 12.2). Die Änderungen betreffen sämtliche Editionen von FL Studio.

Erster Eindruck von FL Studio 12

Download und Installation verliefen recht schnell. Um es vorwegzunehmen: Im Testbetrieb, bei dem ich vor allem die neuen Funktionen ausprobiert habe, ist mir nur eine kleine Ungereimtheit beim Audio-Export aufgefallen (Details siehe unten). Es gibt keine schwerwiegenden Fehler zu vermelden –sehr gut.

Das Interface baut nun zum Großteil auf Vektorgrafik. Die Oberfläche und die meisten der darauf versammelten Bedienelemente werden mit steigender Pixelzahl bzw. Fenstergröße so skaliert, dass sie nicht grobpixelig werden.

Zunächst kannst Du eine Grundskalierung von 100% (der bisherige Standard) bis 400% wählen. Letztere wird automatisch reduziert, falls die Desktop-Auflösung es nahelegt. Damit werden die Menüs viel besser lesbar, Buttons lassen sich einfacher anvisieren und dergleichen mehr. Klasse (wurde auch Zeit).

Mixer wird dynamisch skaliert

Insbesondere beim Mixer kommt eine gewisse dynamische Skalierung ins Spiel. Diese lässt sich schwer in Worte fassen, also schau dir einfach das nun folgende Kurzvideo an:

Das nächste Feature ist nicht ganz so eindrucksvoll, taugt aber zum Gestalten der graphischen Oberfläche nach Gusto: Diverse Module aus der Kopfzeile können voneinander gelöst und an einer anderen Stelle platziert (angedockt) werden.

Bisher war alles starr aneinander gekettet; auf Wunsch ist das nach wie vor möglich, wobei sich der »Magnetismus« beim Verbinden der Module mit der Maus als praktisch erweist.

FL Studio 12 Testbericht

FL Studio 12 bietet verschiedene Anordnungsmöglichkeiten für kreatives Arbeiten an der DAW.

FL Studio 12: Browser

Die neuen Kategoriereiter bereichern den Browser und vereinfachen den Workflow. Es handelt sich um stets mit einem Klick zugängliche, durch Icons klar visualisierte Tabs für a) Alles, b) NUR die im Projekt verwendeten Elemente sowie c) NUR die Liste aller Plugins.

Zum schnellen Tab-Wechsel drückst Du hier einfach die Tasten 1, 2 oder 3. Wer sich bisher ein wenig verloren fühlte im weitverzweigten Hierarchiebaum, wird sich freuen.

FL Studio 12

FL Studio 12 bringt einige neue Features mit. Uns gefällt was wir sehen.

Ferner gibt es nun die Möglichkeit, Inhalte im Browser per Rechtsklick zu löschen – eine schöne Möglichkeit, unnötige Samples, Presets und mehr direkt über Bord zu werfen. Gerade beim Ausmisten qualitativ durchwachsener Pakete mit Free Samples kommt mir das gelegen.

Integration mit dem Explorer

Alles, was mit Drag & Drop zu tun hat, begrüße ich wärmstens. Du kannst nun mehrere Audiodateien aus dem Windows Explorer (oder anderen Dateimanagern) direkt in die Playlist von FL Studio 12 ziehen. Diese Samples werden automatisch auf mehrere Spuren verteilt.

Dabei werden der Zeitstempel und der Startpunkt der aufsteigenden Spurenbelegung durch die Position des Mauszeigers beim Loslassen der Maustaste bestimmt. Prima.

Pianorolle & Step Sequenzer

Step-Sequenzen und Pianorollen sind nun nicht mehr getrennt, stattdessen lässt sich die Ansicht im Channel Rack jederzeit umschalten. Es gibt ja auch keinen Grund, an der bisherigen Insellösung festzuhalten. So wird der Workflow deutlich verbessert.

Multi-Touch Funktion bei FL Studio 12

Nun kann auch der Mixer per Multi-Touch bedient werden. Bei Gelegenheit werde ich das auf einem Windows-Tablet unter die Lupe nehmen, doch grundsätzlich ist diese Erweiterung zu begrüßen – auch wenn konzentriertes Arbeiten auf hohem Niveau nach wie vor nur per Maus möglich sein dürfte.

Envelope Controller

Der Envelope Controller wurde stark erweitert. Jetzt gibt es acht Slots für separate Hüllkurveneinstellungen innerhalb eines einzigen Presets, ein X/Y-Koordinatenfeld für spielerisches Parameter-Morphing und mehr. Nun lassen sich ausgefeilte Modulationen viel bequemer erstellen – in dieser Form wünsche ich mir das bei allen DAWs.

Skalierbare Plugins

Image-Line hat nach dem Launch der Version FL Studio 12.0 Feinschliff vorgenommen. Beispielsweise wurden die graphischen Oberflächen von einigen hauseigenen Plugins vektorisiert, etwa beim DrumSynth Live und beim X-Y Controller. Leider sind deren Interfaces nicht »live« und stufenlos skalierbar, aber die verpixelungsfreie Größenänderung anhand der globalen Skalierung funktioniert.

Appell an die Entwickler: Es wäre fabelhaft, wenn pünktlich zum Versionssprung auf 13.0 alle Plugins derart aufgefrischt würden.

FL Studio 12 Export in FLAC

Sehr praktisch ist der Export ins verlustfrei komprimierende, mittlerweile sehr weit verbreitete Format FLAC – ein Test mit 24 Bit, der höchsten Kompressionsstufe (8) und der dem besten Resampling (512-point sinc) funktionierte jedoch nicht ganz einwandfrei. Der »Remainder« (in diesem Fall die Delay-Fahne) wurde abgeschnitten.

So ein Fehler dürfte von den Entwicklern schnell zu beheben sein. Bis dahin kannst Du den zu rendernden Song-Bereich etwas verlängern.

Live-Performance

Zum Schluss möchte ich auf schöne Neuerungen für den Live-Einsatz hinweisen – im Performance-Modus triggern eingehende MIDI-Noten über 120 (ab C10 aufwärts) diverse Navigationshilfen: Hoch- und Runterscrollen der Playlist bzw. Clip-Ansicht, Steuerung des Scene-Modus‘ und mehr.


Mehr zum Thema:
        

SEHR GUT

FL Studio 12 Testbericht am 03.06.2016

Produkt:      FL Studio 12
Hersteller:  

Preis:  89,00 – 680,22 Euro
UVP:    89,00 – 680,22 Euro

Kurzfazit

DAW-Software für Windows, die in vier Editionen erhältlich ist. Für elektronische Musik bestens gerüstet – FL Studio aka Fruity Loops ist eigenwillig, überzeugt aber auf voller Linie bei Produktionen »in the box«. Bei den Neuerungen ist insbesondere das Vektor-Interface sehr bemerkenswert.

Für wen

Produzenten und Performer elektronischer (Tanz-)Musik sowie alle, die auf klassische Recording-Funktionen weitgehend verzichten können.

Wichtige Merkmale
  • DAW-Software für Windows
  • In 4 Editionen erhältlich
  • Virtuelle Instrumente & Effekte enthalten
  • Step-Sequenzer und Timeline mit Performance-Modus (Clips)
  • Als VST-Plugin (32 & 64 Bit) in anderen Hosts lauffähig
  • Kostenlose Updates auf Lebenszeit

 


Lesermeinungen (1)

zu 'FL Studio 12 Test: DAW Software mit Vektor-Interface'

  • Tom   04. Jun 2016   13:06 UhrAntworten

    Hallo Felix,

    ein sehr schöner Artikel wie ich finde und alles gut auf den Punkt gebracht.
    Seit 2007 arbeite ich mit Fl-Studio und wie ich finde hat sich in der Entwicklung sehr sehr viel getan und es wird stetig besser. Was das recorden angeht gebe ich dir Recht. Für anspruchsvolle Aufnahmen von Bands oder Live Mitschnitte ist Fl ein wenig hakelig. Aber möglich ist es. Durch das interne Editier Plugin Edison (ebenfalls vektorisiert) kannst du auch jederzeit aufgenommene Audiosachen sehr sehr gut bearbeiten. Ich denke da benötigt mann dann auch keine externen Programme mehr um sowas zu tun.

    Vielleicht solltest du noch die Community erwähnen die es gibt. Es gibt 2 große Foren bei denen dir jederzeit freundlich und hilfsbereit geholfen wird. Im englisch sprachigen Forum von Imageline: http://forum.image-line.com oder im deutsch sprachigen eben falls klasse Forum: www.flstudio-forum.de.

    Denn für viele ist es wichtig sich auch austauschen zu können und Fragen beantwortet zu bekommen.

    Grüße Tom

Sag uns deine Meinung!

EMPFEHLUNGEN