Eventide Omnipressor Testbericht

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Eventide Omnipressor Testbericht


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Was ist es?

Der Eventide Omnipressor ist ein Dynamikeffekt für Windows & Mac OS X, dessen Hardware-Vorbild im Rack seit 1971 in diversen Hit-Produktionen verwendet wurde. Negative Kompressionsraten und die Expansion des Signals sind möglich. Alles in allem kannst Du hier eine sehr forsche und aggressive Dynamikbearbeitung vornehmen und durch das doppelte Kompressionsknie lässt sich das Plugin gleichzeitig als Kompressor/Limiter und Expander nutzen. Auf Knopfdruck können die Bässe von der Kompression/Expansion ausgenommen und unbearbeitet durchgeschleust werden. Ein VU-Meter zur Anzeige von Input, Output oder Gain Reduction steht bereit.

Das Plugin ist in den Formaten VST, AU und AAX (Letzteres sowohl für 32 als auch 64 Bit) und zum Straßenpreis von 99,- Euro (inkl. MwSt.) im Fachhandel zu haben. Eine Demoversion steht zum Download bereit.

 

Eventide Omnipressor Testbericht

Erster Eindruck

Die Installation der rund 12 MB großen Datei (ich testete hier die VST-Version 2.1.0 für Windows) verlief zügig, wobei Du wählen darfst, in welchen Ordner die Daten verfrachtet werden sollen. Das Plugin wird recht fix geladen, die iLok-Lizenzierung sogleich erkannt.

Eventide Omnipressor Testbericht

Der Eventide Omnipressor Testbericht verrät, was das Plugin taugt

Denkt man sich das »mni« weg und wählt gleich das erste Preset »Beat Up the Drums«, kommt das dem Klangcharakter recht nahe – »Opressor« heißt Unterdrücker, Schinder, Diktator, und was das Plugin bei extremen Einstellungen besonders aus Drum-Sounds macht, bläst dir die Trommelfelle weg! Später mehr dazu.

 

Parameter

Generell ist positiv zu vermerken, dass Du bei gehaltener Strg-Taste (beim Mac dann wohl der Apfelknopf) die Parameter in Zehntel-Dezibel bzw. -Millisekunden verstellen kannst – fein genug abgestuft, um sich dem gewünschten Sound minutiös anzunähern.

Nachvollziehbarerweise steht der Regler für den Threshold ganz links. Dieser reicht bis -60 dB hinab –die erste Grundlage für extreme Kompressions- oder Expansionseffekte. Beim Attack kann 0,1 ms und beim Release 1 ms als Minimalwerte eingestellt werden. Die Mittelstellungen sind 10 ms bzw. 100 ms, während die Maxima bei 100 ms bzw. einer Sekunde liegen. Auch das lässt meines Erachtens genug Spielraum für praktisch alle Anwendungen.

Dann folgt der Regler für die Kompressions- bzw. Expansionsrate. Ganz links die höchste Expansion, im Uhrzeigersinn abnehmend, in der Mittelstellung quasi ein Bypass (keine Effektwirkung) und »nach 12 Uhr« dann die ansteigenden Kompressionsraten. An deren Zenit bei 15 Uhr findet sich die extrem hohe Rate von 32767:1 (für den Einsatz als Limiter und extreme Kompressionseffekte), woraufhin das Ganze schließlich in negative Raten umkippt, die bis -0,1:1 reichen.

Bei den negativen Raten kommt ein in Dynamikeffekten nicht allzu häufig anzutreffendes Verfahren zum Einsatz – das »dynamic reversal« bewirkt, dass die Hüllkurve eines Klangs ins Gegenteil verkehrt wird. So erklingen leise Anteile laut und laute werden leise. Dadurch kann etwa die Aufnahme eines Beckens so klingen, als würde es rückwärts abgespielt. Allerdings habe ich nur zu Testzwecken davon Gebrauch gemacht, der Effekt wirkt meist ziemlich hektisch und ist schwer zu bändigen, so dass nur selten ein halbwegs brauchbares Endprodukt entsteht.

Eventide Omnipressor Testbericht

Eine weitere Besonderheit des Omnipressor sind die Regler zur Begrenzung der Attenuation und des Gain. So wird ggf. die Effektstärke, die grundsätzlich durch den Regler für die Kompressions- btw. Expansionrate festgelegt wird, auf ein Maximum beschränkt, Grenzwerte von ±30 dB sind einstellbar.

Da je nach Eingangssignal und Threshold bei manchen Sounds sowohl Attenuation (Threshold unterschritten) und Gain (Threshold nicht unterschritten) greifen, dient mir die differenzierte Kontrolle über beide Parameter als sehr willkommenes Feature. Solchen Komfort sehe ich gerne, wobei alle Dynamikprozessoren, die ich bisher genutzt habe, lediglich einen dieser Regler hatten, nämlich den für die Attenuation. Klarer Punkt für Eventide.


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GUT

Eventide Omnipressor Testbericht am 15.01.2014

Produkt:      Eventide Omnipressor
Hersteller:  

Preis:  99,00 Euro
UVP:    119,00 Euro

Kurzfazit

Plugin zur Dynamikbearbeitung. Dieses Plugin geht auf Wunsch äußerst energisch und dabei sehr überzeugend zu Werke, ist recht flexibel und bietet sowohl Kompression als auch Expansion mit einigen Tricks.

Für wen

Alle, die ein charakterstarkes Plugin zur Dynamikbearbeitung von Einzelspuren oder kleinerer Spurengruppen suchen.

Wichtige Merkmale
  • Kompressor & Expander
  • Mono In/Out oder Stereo In/Out
  • Windows & Mac OS X
  • VST, AU, RTAS, AAX
  • iLok 2 benötigt

 


Lesermeinungen (5)

zu 'Eventide Omnipressor Testbericht: Unorthodoxer Kompressor & Expander'

  • nevian   15. Jan 2014   20:48 UhrAntworten

    super Bericht! Danke :)
    könnten vlt. nur etwas mehr Hörbeispiele sein, welche die versch. Ratio-Kurven repräsentieren... Ansonsten sehr aufschlussreich!

    • Felix Baarß (delamar)   16. Jan 2014   09:32 UhrAntworten

      Hi nevian, vielen Dank. :) Und Du hast recht - ich hoffe, dass ich demnächst noch etwas Zeit finde, um mehr Sounds zu machen.

  • Hirade   16. Jan 2014   09:25 UhrAntworten

    Im Beispiel extrem komprimiert ist aber nicht nur der Kompressor im Einsatz, sondern auch Raum und Hall und EQ hinzugefügt worden, oder??

    • Felix Baarß (delamar)   16. Jan 2014   09:31 UhrAntworten

      Nee. Die Kompression ist in diesem Beispiel tatsächlich so stark, dass der ganze Sustain-Anteil extrem prominent wird und es in der Tat so ähnlich klingt, als hätte ich noch einen Halleffekt draufgeworfen.

  • Florian Pilz   11. Jun 2014   21:13 UhrAntworten

    Taugt der Omnipressor unter Umständen auch zum Andicken von gesprochenem Wort?

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