Dimavery STW-60 Testbericht

8
SHARES
Dimavery STW-60 Testbericht

Das spielbereite Instrumente für den Dimavery STW-60 Testbericht auf delamar ... los geht's


anzeige


Was ist es?

In der Produktlinie des Herstellers findet sich die Dimavery STW-60 mit einem Verkaufspreis von etwas über 400,- Euro an der Spitze der erhältlichen Musikinstrumente. So haben wir es hier mit einem der Topmodelle des chinesischen Herstellers zu tun. Der Korpus besitzt eine sehr schmale Silhouette, die Zargen sind nicht sehr ausgeprägt und verleihen dem Instrument daher ein schlankes Äußeres. So sieht das gute Stück aus:

Als Tonholz wurde eine massive Fichtendecke gewählt. Boden, Zargen und Steg bestehen aus Palisander. Die Qualität der Hölzer ist in Ordnung, allerdings trübt eine kleine Unreinheit auf der Decke unseres Testinstruments das Bild ein wenig.

Umrandet werden Decke und Boden von einem cremefarbenen Binding, das zusätzlich von einer Schicht Perlmutt abgedeckt wird. Auf den ersten Blick wirkt das sehr edel und hochwertig, beim genaueren Hinsehen zeigt sich die eher günstige Qualität des verwendeten Perlmutts. Auch die Rosette rund um das Schallloch kommt als Perlmuttapplikation daher. Sämtliche Streben und Leisten sind sauber verarbeitet, von Spänen oder Leimresten keine Spur.

Dimavery STW-60 Testbericht

Die Rückseite der Dimavery STW-60

 

Dimavery STW-60 Testbericht

Details

Mahagoni ist das Holz der Wahl auch für den Hals, der sauber in den Korpus eingeleimt wurde und ein Griffbrett aus Palisander trägt. Die 22 Medium-Bünde bei unserem Textexemplar der Dimavery STW-60 wurden leider nicht perfekt abgerichtet. So ist an den Kanten ein leicht spürbarer Grat vorhanden.

Als eher ungewöhnlich ist das Profil der Bundstäbchen zu bezeichnen, welches auffällig steil ausfällt. Das macht sich bei Slides mit der linken Hand bemerkbar. Auf der anderen Seite werden sich aber gerade die Anfänger darüber freuen, dass der Ton nicht zu schnell abstirbt, wenn man einmal zu nah mit dem Finger am Bundstäbchen landet.

Als Orientierungspunkte wurden in den bekannten Lagen Rechtecke aus Perlmutt eingesetzt. Durch das weit ausgesägte Cutaway sind alle Regionen des Halses ganz easy zu erreichen, etwas schwieriger dürfte sich für manchen Spieler mit kleineren Händen allerdings das Halsprofil darstellen, welches doch recht kräftig ausgefallen ist.

Mechaniken

Die sechs an der Kopfplatte angebrachten No-Name-Mechaniken sind von der vollgekapselten Sorte und wurden mit einer goldenen Chromschicht überzogen. Wie so oft bei diesen Tunern aus fernöstlicher Fertigung hapert es auch hier etwas an Präzision beim Stimmen. Die einzelnen Wellen weisen in manchen Bereichen zu viel Spiel auf, was den Stimmvorgang natürlich nicht gerade erleichtert.

Das ist typisch für viele Instrumente dieser Preisklasse, ob aus europäischer oder eben chinesischer Fertigung. Irgendwo muss der Sparstift angesetzt werden, bei der Optik der Dimavery STW-60 war das jedenfalls nicht der Fall.

Preamp & Elektronik

Nicht nur zum Stimmen der Gitarre, sondern auch für die elektrische Abnahme steht der im oberen Zargen eingebaute Preamp bereit. Er besitzt ein Display und einen Dreiband-EQ der über Schieberegler (mit Mittenrastung) eingestellt werden kann. Dazu kommt ein Presence-Regler.

Dimavery STW-60 Testbericht

Der Clou ist aber sicher, dass der Preamp nicht nur den Piezo-Pickup unter dem Steg regelt, sondern auch das im Innern des Korpus an einer flexiblen Aufhängung befestigte Kondensator-Mikrofon. Donnerwetter, Überraschung gelungen!

Ein »Entweder, Oder« gibt es im Zusammenspiel der beiden Pickups nicht. Die Pegel beider Tonabnehmer lassen sich über einen weiteren Schieberegler am Preamp stufenlos überblenden bzw. zusammenwischen.

Dimavery STW-60 Testbericht

Versorgt wird die Elektronik von einem 9-Volt-Block, der sich im unteren Zargen befindet und neben der Klinkenbuchse sogar noch einen symmetrischen XLR-Ausgang bietet.

Bis auf die unsauber verarbeiteten und aufgrund ihrer Form gewöhnungsbedürftigen Bundstäbchen kann das Instrument sowohl handwerklich als auch von der Ausstattung für diese Preisklasse mehr als überzeugen.

Erfahrung und Praxis

Durch die schmale Bauform mit den nur wenig gewölbten Zargen liegt die Dimavery STW-60 sehr bequem auf dem Schoß auf, allerdings zeigt das Instrument dabei eine leichte Kopflastigkeit. Das Problem könnte man ja schnell mithilfe eines Gurtes beheben, aber leider besitzt die Gitarre neben dem obligatorischen Gurtknopf am unteren Ende der Zargen keinen weiteren. Wer also vorhat, die Gitarre auch mal im Stehen zu spielen, sollte sich im Shop um die Ecke am besten einen Knopf an den Halsfuß setzen lassen. Vom Anbringen des Gurtes an die Mechanik der tiefen E-Saite sei an dieser Stelle abgeraten.

Dimavery STW-60 Testbericht

Die Saitenlage ist ab Werk suboptimal eingestellt und dementsprechend hoch, was das Greifen natürlich unnötig erschwert. Mit Hilfe des mitgelieferten Inbusschlüssels lässt sich dieses Problem durch Drehen am Halseinstellstab aber schnell beheben. Nach dieser Prozedur lässt sich der Hals in seiner vollen Länge wunderbar bespielen.

Zu bemerken ist das ausgeprägte Shaping der Halsrückseite, hier hat man wirklich etwas in der Hand. Das dürfte nicht jedem Gitarristen gefallen. Dank des Cutaways gelingt auch das Bespielen der höchsten Lagen des Griffbretts mühelos. Allerdings werden dabei hin und wieder die nicht sauber abgerichteten Bundstäbchen am Schaft von Daumen und Zeigefinger spürbar. Jeder halbwegs begabte Gitarrentechniker kann das aber in wenigen Minuten beheben.

Klang der Dimavery STW-60

Der Klang überrascht zuerst durch eine kräftige Basswiedergabe und eine relativ hohe Lautstärke, die man bei diesem kleinen Korpus nie und nimmer erwarten würde. Stark zurückhaltend zeigt sich dagegen sowohl das Höhenspektrum als auch das Sustain der Gitarre. Mir fehlt hier Brillanz und auch die Ausklingphase der gespielten Noten und Akkorde, also das Sustain, ist nicht sehr kräftig ausgebildet.

Die Trennung der einzelnen Saiten und deren Lautstärkeverhältnis im Klangbild ist gut gelungen, wobei bei schnelleren Schlagmustern der Sound dann und wann schon mal etwas verwaschen rüberkommt. Wohlgemerkt: Für diese Preisklasse bewegt sich alles im rechten Rahmen.

Auch der Preamp kann natürlich nicht hexen und bemüht sich redlich, den Klang der Dimavery STW-60 möglichst unverfälscht (oder gar noch verfeinert) an einen Verstärker oder an ein Mischpult zu schicken. Der Piezo-Pickup liefert das erwartet harte, höhenreiche und sterile Klangbild…

… wohingegen das Mikrofon im Inneren des Korpus naturgemäß in den Mitten und Bässen punktet …

Beide Klangquellen einzeln gehört klingen eher nüchtern. Der Klang wandelt sich allerdings, wenn man Pickup und Mikrofon mit dem dazugehörigen Regler am eingebauten Preamp mischt. Zusammen mit dem EQ lassen sich brauchbare Sounds entlocken, ganz gleich ob durchsetzungskräftig für die Bühne oder eher differenziert für die Ballade danach.


Mehr zum Thema:
  

SEHR GUT

Dimavery STW-60 Testbericht am 10.01.2015

Produkt:      Dimavery STW-60
Hersteller:  

Preis:  339,00 Euro
UVP:    439,00 Euro

Kurzfazit

Westerngitarre mit integriertem Mikro, Preamp, EQ, Tuner & Co. Diese Dreadnought ist sehr gut ausgestattet, ertönt kräftig und ist klanglich sehr flexibel. Trotz kleiner Schwächen ein empfehlenswertes Gerät für Einsteiger und Fortgeschrittene.

Für wen

Einsteiger und Fortgeschrittene, die eine klanglich und aufnahmetechnisch vielseitige Westerngitarre suchen.

Wichtige Merkmale
  • Westerngitarre
  • Dreadnought mit Cutaway
  • Korpus: Palisander
  • Decke: Fichte, massiv
  • Brücke: Palisander
  • Hals: Mahagoni
  • Griffbrett: Palisander
  • Mensur: 650 mm
  • Hardware: verchromt
  • Preamp mit 3-Band-EQ + Präsenzregler
  • Stimmgerät
  • Ausgänge: 6,3 mm (Hi-Z) + XLR (Line)
  • Saiten: D`Addario

 


Sag uns deine Meinung!

EMPFEHLUNGEN