Songwriting: Die 13 ultimativen Tipps für bessere Songs

Songwriting: Die 13 ultimativen Tipps für bessere Songs

Und hier sind die 13 ultimativen Tipps für besseres Songwriting, mit denen Du in Zukunft noch bessere Songs schreiben wirst:

1. Schreib nur die Titel der Songs

Wenn eine Aufgabe sehr umfangreich und/oder aufwändig ist, hilft es, sie in mehrere kleinere Schritte aufzuteilen (Milestones) und diese dann abzuarbeiten. Beim Songwriting erscheint es sicher nicht nur mir manchmal erschlagend, gleich zwei Strophen, einen Chorus und eine Bridge schreiben zu müssen. Deswegen: Einfach mal einen Tag nur Titel für Songs schreiben und die Inspiration kommt wie von selbst.

 

2. Fokussier dich auf den Hook beim Songwriting

Ist der Titel für den Song erst einmal klar, kannst Du dich auf den vielleicht wichtigsten Teil des Songs konzentrieren: Die Hook (engl. für Haken). Die Hook ist normalerweise der Teil, der dem Hörer im Ohr bleibt und kann aus einem Text (Pa-Pa-Paparazzi), einer Melodie (z.B. das Saxophon bei Baker Street), einem Soundeffekt oder Signature-Sound (zum Beispiel das ‘Uh’ von Jacko) oder einer Kombination aus diesen bestehen.

Wenn Du dich für eine Hook in Textform entscheidest, dann kannst Du dir ein Beispiel an der Bild-Zeitung nehmen. Die schaffen es mit ihrem kurzen, unvollständigen Überschriften die Neugier im Menschen zu wecken wie kein anderer. Oder hast Du noch nie in die Bild an der Tankstelle reingeschaut? ;) In den Strophen kannst Du dann die Geschichte um die Hook herum spinnen.

 

3. Das Thema beim Songwriting

Du kannst über Gott und die Welt schreiben und hier auf delamar haben wir dazu auch schon eine Menge Tipps und Tricks für dich veröffentlicht. Ein Aspekt, den wir bisher noch nicht erwähnt hatten ist dieser: Die meisten Menschen führen ein durchschnittliches Leben, ohne grosse Abenteuer, treiben sich an gewöhnlichen Plätzen herum und lernen dadurch auch nur durchschnittliche Menschen kennen.

Das ist deine Chance: Gib dem Zuhörer schon mit den ersten Worten das Gefühl, ein besonderer, interessanter oder aufregender Mensch zu sein – und binde damit seine Aufmerksamkeit.

 

4. Das Pareto-Prinzip aka 80/20 Regel

Auch beim Songwriting gilt die Regel, dass nur 20% des Geschriebenen es am Ende in die finale Version des Songs schaffen. Wenn Du also noch zwei Zeilen zur Komplettierung deines Songs benötigst, dann schreib am besten gleich zehn. Damit kannst Du die Qualität deiner Songs und Texte sehr hoch halten – ein Merkmal, das nur wenigen Bands zu eigen ist und welches dir hilft, dich von den anderen abzuheben.

 

5. Sorge für guten Kontrast

Was zunächst wie ein Tipp für Grafikdesigner oder Webdesigner aussieht, entpuppt sich in seiner Gültigkeit auch für das Songwriting. Du kannst sowohl inhaltlich als auch melodisch starken Kontrast dazu nutzen, mehr Spannung für den Song zu erzeugen. Wenn zum Beispiel die Melodie in der Strophe hauptsächlich aus Halben oder Viertelnoten besteht, dann wirkt der Chorus mit seinen Achteln schon deutlich schneller.

Dasselbe kannst Du auf Reimschemata, inhaltliche Ideen oder Anzahl der Verszeilen anwenden.

 

6. Gute Künstler kopieren, große Künstler stehlen

Ein Zitat von einem der grössten Künstler der jüngeren Geschichte: Pablo Picasso. Wenn Du einen Song hörst, der eine ausgefallene Songstruktur nutzt, die dir gefällt: Kopiere diese einfach. Nutze diese Songstruktur für deinen nächsten Song. Die Songstruktur wird sich am Ende auf eine ganz natürliche Art und Weise verändern und sich in deinen Song einpassen.

Wenn ein Song eine Akkordfolge nutzt, die dir gefällt – dann nutze diese für deine Songs. Es gibt in unserer westlichen Tonleiter nur zwölf Töne, von denen meistens nur 8 gut zueinander passen. Die Permutationen sind also endlich und andere Musiker und Bands machen das genauso…

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Lesermeinungen (20)

zu 'Songwriting: Die 13 ultimativen Tipps für bessere Songs'

  • Matthias
    11. Mrz 2010 | 17:13 Uhr Antworten

    Habe den Artikel *trotz* des “BILD-würdigen” Titels gelesen. ;-)

    Gut geschrieben, gute Anregungen, gute Arbeit – danke!

    Wann kommt die abgewandelte Fassung für Instrumentals?

  • Dominik
    12. Mrz 2010 | 16:21 Uhr Antworten

    Danke für deine Tips; alles sehr einleuchtend. Sesonders 13 finde ich interessant und nennenswert. Es gibt sehr viele Menschen, die einen (zu) kleinen Horizont haben.

    Bei 4. “Pareto-Prinzip” hast Du indessen etwas falsch verstanden: Dieses besagt eigentlich, dass in 20% der Zeit bereits 80% der Arbeit geschafft werden, dass die Arbeit also gegen Ende immer ineffizienter wird. Ich kann das aus Erfahrung bestätigen (“Kunstwerke werden nie fertig, sie werden nur irgendwann aufgegeben”).

    Es besagt NICHT, dass man 80% wegschmeißen kann. Das mag zwar auch oft so sein, es ist aber nicht die Grundidee des Pareto-Prinzips.

    Mehr Info hier:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Paretoprinzip

  • Sib
    12. Mrz 2010 | 23:39 Uhr Antworten

    1a! :-)

  • Jeff Saima
    14. Mrz 2010 | 14:30 Uhr Antworten

    Lieber Carlos,

    erst einmal ein Lob für diese tolle Seite. Ich habe mir diese gleich in den Favs, gepackt.

    Aber zum Thema “Songwriting” Tipps und Tricks musste ich bei einigen Punkten schon ein wenig schmunzeln. Ich behaupte mich selbst als professionellen Songwriter und ich kann aus eigener Erfahrung sprechen.

    Songwriting ist kein Beruf welches man in Lehre erlernen kann. Songwriting ist und bleibt erstmal eine Begabungsangelegenheit.

    Und da wären wir auch schon beim nächsten Punkt: Punkt 6.
    Wer keine Begabung zum Songwriting besitzt, dem helfen auch die aufgeführten Tipps nicht, gute Songs zu schreiben. Und auch der Tipp, Vorlagen zu benutzen und ab zu ändern, SORRY, wer das nötig hat, wird nie ein guter Songwriter werden. Sondern er ist und bleibt abhängig von Leuten, die Songwriter sind. Punkt !
    Ich finde diesen Punkt für mich sehr diskriminierend und beleidigend. Ich mache großen Bogen um fertige Musik, da wie ich finde im Gegenteil den eigenen Fluß nachteilig beeinträchtigen. Also nix unter Punkt 6, „so machen das die anderen auch“. Davon distanziere ich mich.

    Wer eine Begabung zum Songwriting hat, sollte dann nicht nur ein Instrument gut erlernen sondern auch einführende Harmonielehre studieren und das Improvisieren üben und erlernen. Dieser Punkt ist sehr wichtig und sollte nach meiner Meinung schon in den ersten Abschnitten Bedeutung finden. Das wäre professionell.

    Die meisten meiner Songs entstehen durch Improvisation !!! Ein echter Songwriter improvisiert aber nicht nur, sondern komponiert auch im Kopf. So kommen Songs beim spazieren gehen und in den Nachtträumen, lassen einem zugeflüsterte Melodien oder sogar gesamte Songteile im Kopf nicht mehr los. Dies können auch andere Gegebenheiten sein wie Gartenarbeit …. Hauptsache Ruhe, allein, keine dudelnde Musik.

    Ein Aufnahmegerät oder andere Hilfsmittel helfen Notizen zu nehmen, denn solche Eingebungen sind meist nur von kurzer Dauer. So was steht immer parat in meinem Zimmer. Komponiere ich außerhalb und kann ich die Ideen nicht festhalten, so wiederhole ich diese stundenlang in Abständen in meinem Kopf und hoffe, diese bei der nächsten Gelegenheit zu festigen. Fremde Musik (Radio, CD’s, Partys) sind für mich generell Gift und höre in meiner Freizeit so gut wie gar nicht !!!

    Wer gute Melodien komponieren will, muss sich selbst erstmal als Künstler erfinden. Wer das nicht kann oder schafft und abhängig von Mitmenschen ist, der sollte das Songwriting bleiben lassen. Nicht jedem liegt Musik. Das ist Fakt. Um das klar zu stellen: Was nützt mir der beste Pinsel und die teuerste Ölfarbe, wenn ich rätselnd vor einer weißen Leinwand stehe ? Soll ich dann von Picasso abkupfern ?

    Also mein Tipp für angehendes Songwriting: Finger weg von Kopierereien und Abändern anderer Ideen und erfindet euch lieber selbst, entwickelt euren eigenen Stil. Und zwar von Anfang an. Es ist eure Musik und eure Melodie. Wer Begabung besitzt, hat bereits alles was ein Songwriter braucht. Der Rest ist Übung und Erfahrung. Die Weiterentwicklung kommt mit den Jahren. Unter Punkt 6 belügt und betrügt man nur seine eigene Wahrnehmung, das hat ein guter Songwriter nicht nötig und schadet sogar der Weiterentwicklung. Schade also um das Talent.

    Ich hoffe mit meinem Beitrag noch etwas sinnvolles hinzugefügt zu haben. Wer auf Dauer ein gefestigter und guter Songwriter sein möchte, der braucht neben viel Talent, noch mehr „jahrelange Erfahrung“.

    Herzlichst
    Jeff Saima

    “Eine Melodie entsteht aus dem Nichts. Sie ist nicht analysierbar oder erklärbar. Sie ist auch nicht für ewig. Sie ist nur ein kurzer flüchtiger Gedanke, ein Zufall. „

  • Paul Tunyogi-Csapo (delamar)
    15. Mrz 2010 | 20:43 Uhr Antworten

    Hallo Jeff,
    ich habe deinen Betrag mit großem Interesse gelesen, und gebe dir in bestimmten Dingen recht, das man sich als Songwriter oder Künstler selbst definieren lernen muss. Nur wie geht man es an ? Talent, oder ein Händchen dafür sollte man haben, das ist klar. Wer aber nie Musik hört, oder sich von Musik nicht beeinflussen lässt von dem kann auch nichts eigenes kommen. Es gehört zur ganz normalen Ausbildung von Komponisten, andere große Komponisten mit ihren Stilen zu kopieren, um danach seinen eigenen Weg zu finden, was man unbedingt frühzeitig angehen sollte.
    Im Produktionsbereich oder Kommerziellen Bereich muss man lernen welche Klänge oder Instrumente zusammenpassen. Wer das beherrscht hat sich die Freiheit geschaffen seinen ganz eigenen Stempel seiner Musik oder Produktion aufzudrücken. Zum erlernen mit welchen Mitteln etwas erzeugt wird ist ein kopieren zunächst unerlässlich. Der Einzelkämpfer mag einen eigenen Stil besitzen, nur
    oftmals hört man, das dies weitab von dem stattfindet was sich vielleicht verkaufen lässt. Natürlich hat jeder das recht zu sagen, das man nicht mit mischen will. Man ist dann nicht dabei, aber dann bist du auch nicht dabei. Zu einem guten Songwriter oder Komponisten gehört es nunmal, mit Regeln und Beschränkungen souverän umgehen zu können. Das geht nur über Erfahrung und Wissen was bisher auf welche Art und Weise erzeugt wurde, und gerade Hits sind die am strengsten geschriebenen Stücke. Keine Note oder Takt zuviel. Daher ist für mich Punkt 6 völlig legitim und in Ordnung, und durchaus ein muss. Man sollte nur wissen wann man abspringt und sich selbst findet.

  • aLf
    19. Mrz 2010 | 22:44 Uhr Antworten

    Ein klasse Buch zu diesem Thema:

    “Songtexte schreiben
    Handwerk und Dramaturgie”

    von Masen Abou-Dakn

    Liest mal durch und schreibt eure nächsten Hits :-)

  • Gerhard Steirer
    19. Mai 2010 | 16:27 Uhr Antworten

    Jeff Saima
    Paul Tunyogi-Csapo (delamar)

    Hallo zusammen,
    habe mit großem Interesse eure Berichte gelesen. Ich stimme soweit mit beiden Meinungen überein, abgesehen davon das ein Talent nicht nur wünschenswert sonder erforderlich ist. Meine ganz persönliche Erfahrung punkto Songwriting ist folgende: zuerst mal nenn ich mich gerne Liederbastler. Das kommt daher das ich nie die Möglichkeit hatte Musik zu studieren (oder war zu faul*grins*). Zum erlernen von Musikinstumente(Gitarre, Klavier) hat sich mir nur die Möglichkeit des Abschauens/Nachspielen geboten, und Noten lesen…..nö da hab ich heute keinen Bock mehr(nach fast 20 Jahren).
    Sprachen sind meine Leidenschaft und ein gewisser Herr Heinz Erhardt… Um auf den Punkt zu kommen in Kurzform —- junge Band, geiler Groove, kein Sänger, keine Songstruktur, nur viel Herz und Eier…wenn ich das hier so sagen darf. Ich wach in der Nacht auf und hör eine Melodie….mit der kompletten Band im Hintergrund….
    Und das ist mir geblieben. Wir haben dann nachgeforscht woher ich dieses Lied eigentlich her habe (?) aus allen Einflüssen und Erlebnisse die ich aufgesaugt hab. Dh eine Begabung oder Gabe gehört genauso dazu. Ohne diese Attribute wird das Songschreiben zum technischen Abarbeiten möglicher und unmöglicher Abfolgen von Tönen und Geräusche. Deshalb stellt es mir immer wieder die Haare zu Berge wenn mit Hilfe der Technik Song bis in den perfekten Liederhimmel kaschiert werden. Das ultimative Lied, der Supersong, alles nur Schlagwörter der Musikindustrie, Songs Schreiben ist Herz, Hirn und ein Gespühr fürs Wesentliche. Zugegeben, erlernen kann man viel, Tips zum Komponieren/Somgwriting zu geben find ich ok, ich könnt da keinen abgeben ausser: wenn ihr euch entscheidet eigenes Liedergut zu schaffen — Finger weg von abgekupfertem,geklautem Material!!! Anlehnen an Bestehendem geht ok, wir können ja kaum die Musik neu erfinden.
    Somit verbleibe ich
    Euer
    Gerhard aus der Steiermark

  • Jonathan
    21. Mai 2010 | 16:34 Uhr Antworten

    Hallo zusammen,

    also jetzt möchte ich auch noch was zu Punkt 6 sagen:

    Meine Erfahrung ist, dass man, wenn man etwas zu kopieren versucht (oder etwas so ähnlich wie in einem anderen Song machen will), eher dadurch blockiert als weitergebracht wird. Das führt zumindest bei mir dann zu einen unbefriedigenden Ergebnis. Ich hatte schon oft das Erlebnis, dass ich eine bestimmte Stelle/einen bestimmten Einsatz/etc. in einem Song so toll fand, dass ich daraufhin versucht habe, selber einen Song zu schreiben, in dem ich eine ähnliche Stelle einbaue. Wie gesagt, blockiert mich sowas und ich lasse diese Idee normalerweise nach einiger Zeit wieder fallen. Ich versuche daher, keine Ideen/Effekte/etc. zu “klauen”, denn wenn der Ursprung einer Idee aus mir selber kommt, gelange ich erfahrungsgemäß eher zu einem zufriedenstellenden Ergebnis.

    Allerdings darf man auch nie vergessen, dass jeder von uns mindestens unbewusst die Ideen anderer “klaut”, da wir alle unseren eigenen Stil aus der Musik entwickeln, die wir hören.

    Masen Abou-Dakn (der Autor des von “aLf” empfohlenen Buches (2 Beiträge über mir)) hat mal folgendes zu mir gesagt und das damit m.M.n. ganz treffend formuliert:
    “Kreativität bedeutet nicht, neues zu erfinden, sondern bereits vorhandenes neu mit einnander zu verknüpfen”.

  • Murc
    29. Mai 2010 | 16:31 Uhr Antworten

    Interessante Diskussion..mir fallen schon seit ewigkeiten Songs ein, hab aber erst vor wenigen Jahren ernsthaft angefangen, die Ideen festzuhalten und Freunden zu zeigen und mit mir bekannten Songwritern darüber zu diskutieren. Dabei gab es auch oft heftige Diskussionen darüber, wie viel man von anderen Songs kopieren, klauen oder lernen kann.
    Genau wie hier finde ich aber die meisten Meinungen einfach zu extrem. Melodien und Songideen sind nicht greifbar, sondern entstehen einfach, ob man beim jammen auf eine tolle Melodie stößt, gerade an etwas ganz anderes denkt und plötzlich einen kompletten Part im Kopf hat oder sich an einen unvollständigen Teil setzt und gezielt überlegt. Sicherlich sind wir von Musik beeinflusst, die wir gerne hören, aber bewusst einen bestehenden Part zu kopieren und abzuändern wäre mir auch zu unselbstständig.
    Mir ist zum Beispiel einmal ein Gitarrenpart eingefallen, der im Nachhinein ein bisschen wie ein Van Halen-Intro klingt. Als Inspiration ist das ja auch nix wofür man sich schämen muss. :) Aber wenn ich versucht hätte ein solches Intro selber abzuändern wäre ich gescheitert. Damit mir ein Song gefällt, muss er in sich stimmig sein, und solch eine Grundlage möchte ich wiederum nicht forciert abändern müssen.
    Genausowenig finde ich es aber richtig, sich abzuschotten und privat keine Musik mehr zu hören. Das musikalische Gehör wächst und wird geschult, wenn man Kunstwerke anderer Komponisten hört. Man lernt die Charakteristika der verschiedenen Instrumente und Spieltechniken kennen – so weit sollte man sich schon an bestehendem orientieren, toll ists natürlich wenn man noch eine ganz eigene Spielweise einbringt oder sogar eigene Klänge oder Instrumente einbringen kann.

    Und dieses Zitat von Masen Abou-Dakn find ich völlig daneben. So was hört man in ähnlicher Form leider öfter, und in jeglicher Kunstform sind Zitate ein wichtiges Stilmittel, klar. Eine Komposition muss zumindest zu einem bestimmten Teil Erwartungen erfüllen und wenn eine Melodie auf Anhieb vertraut klingt, muss das auch nicht verkehrt sein. Aber ganz so einfach ist es eben nicht, in jedem wirklich interessanten Stück steckt auch ein gutes Stück eigener Charakter – Songwriting ist kein Patchwork aus recycelten LPs.

  • Carlos (delamar)
    02. Jun 2010 | 15:57 Uhr Antworten

    Der Masen hat schon recht mit seiner Aussage. Bei zwölf Tönen, von denen nur acht zueinander passen, wird es schwierig etwas zu komponieren, das nicht schon dagewesen ist.

    Der eigene Stil entsteht von ganz alleine dadurch, dass die bereits vorhandenen Stücke auf eine ganz persönliche Art neu zusammengesetzt werden. Das ist dann Stil…

  • Murc
    03. Jun 2010 | 13:22 Uhr Antworten

    Klar, ihr habt schon irgendwie recht, man kanns so oder so auslegen.
    Wenn man die Töne als “das Vorhandene” ansieht, kombiniert natürlich jeder Komponist nur noch und niemand erfindet was neues. Selbst wenn man krampfhaft noch nie dagewesene Hundertsiebenunddreißigstufige Tonleitern benutzt, kreiert man keine neuen Töne sondern greift auf Frequenzen zurück, die schon existieren.

    Ich sag ja auch gar nicht, dass das Zitat falsch ist. Nur, dass ichs daneben finde. :)
    Es ist deprimierend formuliert und damit lassen sich eben auch prima Aussagen unterstreichen wie zB “kopiert ruhig Songstrukturen, sie werden sich ganz natürlich an eure eigenen Kompositionen anpassen”. :P

    Das Zitat basiert zunächst auf einer ganz allgemeinen Ebene (wir greifen fast alle auf den selben Tonvorrat zurück) und dann wirds zur Rechtfertigung auf einer spezifischen wieder angewendet (kopiere einfach Songstrukturen, denn man kann ja sowieso nichts neues erfinden) – das ist ein Unterschied. Auf einer Ebene lässt sich das Zitat nicht anzweifeln, auf der anderen wird es hier benutzt. Und auf letztere bezog sich auch mein Kommentar.

    Wenn mir eine Melodie in einer Tonart einfällt, die ich selber vorher noch nie gehört oder gelernt habe, würde ich nicht sagen, dass ich aktiv auf etwas vorhandenes zurückgreife (wie zB wenn ich mir ungewöhnliche Stücke von anderen Künstlern anhöre und schaue, welche Tonarten mir besonders gefallen), sondern dass ich es selber herleite, egal, ob es jemand anders schon benutzt hat.

  • Jasmin V.
    01. Sep 2010 | 14:07 Uhr Antworten

    Guten Tag zusammen, interessante Diskussion und für mich neu entdeckte Website – dafür grosses Kompliment.

    Zum songwriting denke ich folgendes: Es ist ein Unterschied, ob der “Druck” zur Expression von aussen oder von innen kommt. Mit “von aussen” meine ich berufliche songwriter die einfach in einer bestimmten Zeit abliefern müssen, die quasi Auftragsarbeit erfüllen müssen, wie dies ein Haydn auch getan hat. Der Druck von innen ist das, was ich selbst kenne, fühlt sich an wie eine Gefühls-Eruption, ein Ausbruch und man kann glücklich sein, wenn man das dazu notwendige Handwerk (spielen eines Instrumentes, Umgang mit Sprache, Gesang etc.) beherrscht – bzw. einfach mit Talent beschenkt wurde. Ein Talent zu haben ist Glück, Geschenk und nicht zuletzt Aufgabe: Man muss sich darum kümmern, üben, arbeiten, dran bleiben, Fragilität behalten, sich Emotionen aussetzen uvm

    Ich kann nicht mehr nicht songs schreiben ohne mein Innenleben zu schädigen – klingt pathetisch -ist aber nicht überheblich gemeint sondern nur zusammengefasst meine Erfahrung der letzten Jahre.

    Was das “Abkupfern” betrifft denke ich rein sachlich ist es selbstverständlich so, dass keine Melodie komplett neu erfunden ist – sie wird an irgendeiner Stelle immer ein kleines musikalisches Zitat finden lassen – das ist auch ok – ich denke, jeder Musiker oder jeder Künstler überhaupt weiss eigentlich ganz genau, wenn er zu sich ehrlich ist, ob er gnadenlos abgekupfert hat und sich solche Geschmacklosigkeit dann auch vorwerfen lassen muss oder ob in der Kopie eine dann aber zu erklärende Absicht und somit ein Ausdruck von Kreativität wird (absichtliches Zitat) oder ob einfach eine kleines Zitat einfach so vorkommt, unabsichtlich und dann meist auch von einem selbst unbemerkt.

    Wer ehrlich zu sich ist,weiss ob er kreativ tätig oder ein Puzzlespieler ist – ist doch klar.

    Liebe Grüsse an alle
    Jasmin V.

  • eli
    30. Okt 2010 | 17:08 Uhr Antworten

    danke das sind sehr gute tipps!!!!

  • Serafin
    21. Sep 2012 | 18:53 Uhr Antworten

    Ich finde dass wenn man einem die Idee für den Song kommt, dadurch dass man einen Anderen Song hört, dass das total OK ist, aber wenn man alles oder 2 Zeilen “Kopiert” Ist das schon ein bisschen viel und Einfallslos. Also, Ein paar Akkordfolgen sind ja meistens eh gleich, aber Text Kopieren bitte nicht, und schon gar nicht wenn es ein bekannter Song ist, denn das kann ziemlich auffallen, das wäre sehr blöd.
    Ciao
    Serafin

  • My Six String Rescue
    24. Nov 2012 | 20:03 Uhr Antworten

    gerade heute habe ich einen gitarren-song geschrieben, der auf einer rythmik basierte, die ich heute morgen von einem musiker im fernsehen hörte.

    dieser song ist für sich selbst und eigenständig, einzig die fast gleiche rhythmik ist geblieben. ich erkenne nichts daran, was falsch ist.

    ich schreibe songs mit meiner gitarre, seitdem ich 10 jahre alt bin (heute 37)und vieles meines könnens, meiner technik, basiert auf dingen, die ich hörte und mir dachte: sehr geil!!! das will ich auch können!!! akkordfolgen habe ich teilweise fast ganz übernommen, aber eine völlig andere gesangslinie dazu komponiert. ich spiele diesen song heute noch sehr gern…

    so findet sich auch die nötige intrinsische motivation, mit viel fleiss und disziplin zu üben.
    dieser prozess endet niemals, zu jeder zeit in meinem musikerleben hatte ich etwas anderes geübt, habe neue techniken erlernt.

    das talent muss da sein, ABER: ich hatte mal einen gitarrenschüler, der mit einer leichten spastischen behinderung in meinen unterricht kam. er war auch einigermassen talentfrei, jedoch hoch motiviert. heute spielt er ganz passabel. damit will ich sagen, dass fleiss so einiges retten kann.

  • Opportunity
    10. Apr 2013 | 22:19 Uhr Antworten

    Soll man sich erst den Text überlegen oder die Melodie, Rhytmus und Akkorde. Und wenn man die ganze Zeit auf ein schon bekanntes Lied hinkommt, weil man einen Ohrwurm hat was kann man da tun, dass es ein neues Lied wird und nicht genau das gleiche. Weil wenn ich die Musik dazu schreiben will denke ich immer an den text von einem Lied, dass es schon gibt aber wenn ich den text erst suche weis ich nicht wie ich einsteigen soll?

    Danke für Antworten,
    Opportunity

  • Opportunity
    11. Apr 2013 | 12:35 Uhr Antworten

    Noch eine Frage zum HTML dieser Seite wie hast du das gemacht, dass das eingegebene hier im Kommentar dann oben erscheint und mit der E-Mail, dass es eine echte sein muss? Weil ich will auf meine Seite auch so was zum Kommentare schreiben hinzufügen, find aber nichts nützliches in Google dazu

    (^.^)

    von Opportunity

  • Magdalena
    27. Apr 2013 | 18:14 Uhr Antworten

    furchtbarer Artikel… alleine der 3. Punkt lässt mir die Haare zu Berge stehen… ,,Gib dem Zuhörer schon mit den ersten Worten das Gefühl, ein besonderer, interessanter oder aufregender Mensch zu sein – und binde damit seine Aufmerksamkeit.”
    Für wen schreibt man denn die Lieder, für die anderen (kommerzielle Musik) oder für einen selbst (künstlerischer Ausdruck)? Musik muss von innen heraus kommen, nur so kann sich persönlicher Ausdruck entfalten, und nur so kann sie Neues und Eigenes schaffen. Wer sich verstellt hat keine Chance aus seinem Potential zu schöpfen, geschweige denn Gefühle zu verarbeiten & auszudrücken.

    • Skellington
      27. Apr 2013 | 21:16 Uhr Antworten

      Magdalena – ich gebe dir im Grunde recht damit, dass man sich mit dem Geschaffenen erst einmal selbst gut fühlen muss. Aber man schreibt doch wohl auch für Leute, die das nachher anhören, oder nicht?

      Die richtige Balance zwischen “Künstlerischem Ausdruck” und “Kommerzieller Musik” zu finden, ist nach meinem Empfinden einer schwierige, aber zentrale Aufgabe. Kalkulieren kann man dabei wahrscheinlich keins von beiden.

  • Mark
    17. Apr 2014 | 11:12 Uhr Antworten

    Interessante Ansätze zum Thema.
    Meine herangehensweise ist eigentlich immer unterschiedlich und ich denke, das macht einen Songwriter aus.
    Ich lasse mich inspirieren von Büchern, Filmen etc und natürlich auch von bereits vorhandener Musik.
    Irgendwann ist sie dann da…die zündende Idee für einen Text, oder eine Melodie kommt beim üben von Pentatoniken. Dann geht meisstens alles ganz schnell und fertig ist ein neuer Song.

    Ich kann mal ein Beispiel geben, wie mein Song “DER LETZTE OUTLAW”, den ich über Gunter Gabriel geschrieben hab, entstanden ist.

    Durch Zufall bekam ich sein Buch “Wer einmal tief im Keller saß” in die Hände. Nachdem ich es gelesen hatte, war schon fast der gesamte Text für einen Song über ihn in meinem Kopf.

    So schrieb ich den Text nieder und feilte hier u da noch etwas dran, bis er mir (und vor allem erstmal mir) gefiel und schlüssig klang.
    Dannn machte ich mich an die Melodiefindung
    Klar, es musste irgendwie ein Country-style-song (passend zum besungenen) werden.

    So hörte ich ein paar country-songs, versuchte meine lyrics da rein zu packen und bin dabei auf eine eigenständige Melodie gestossen, die zu meinen Lyrics passt.

    Das Ergebnis könnt ihr euch unter folgendem Link anhören

    www.youtube.com/watch?v=zxP_EitHg2k

    Klar ist das jetzt nicht DER HIT den die WELT GESUCHT hat.
    Aber immerhin etwas eigenes, kreatives und immerhin gefällt es selbst dem darin besungenen Herrn Gabriel.

    So oder so ähnlich sind einige meiner Texte und Melodien entstanden…und es werden immer mehr

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