Die Vision des Eurovision Song Contest

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Conchita Wurst - Die Vision des Eurovision Song Contest

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Bei der Kunst hört der Spaß auf

Die Sängerin mit Bart, die sich seit einiger Zeit schon mit intoleranten Anfeindungen aus der Netzwelt auseinandersetzen muss, hat geschafft, was viele wohl vermieden sehen wollten. Die Mischung aus Wortwitzen und lustigen Sprüchen gilt hier nicht als Anfeindung. Steht immerhin bereits der Name für Spaß und gibt die besten Vorlagen für Wortspiele. Eine clevere Wahl, wenn man bedenkt, dass Humor und ein herzliches Lachen Hemmungen abbaut. In diesem Fall die Hemmungen gegen Homo- und Transsexualität. Gewohnt ordentlich und deutsch bezeichnen sich viele als tolerante Gutmenschen.

Betrachtet man allerdings die zahlreichen Kommentare bei YouTube, Twitter und Co., muss man sich doch ernsthaft fragen, ob Musik tatsächlich ein Stilmittel zur Grenzüberwindung ist, ob es wirklich für Verständigung über die normalen Bahnen hinweg steht und ob Musik faktisch eine Kommunikation ist, die jeder verstehen kann.

Immerhin reden wir hier nicht über die Anfeindungen aus Richtung der Medien, wie wir es von Musikern wie Adele, Marilyn Manson und Co. kennen, sondern über engstirnige Bürger aus deren Masse heraus das Gegenteil von Toleranz entspringt. Wir reden über Kommentare, bei denen sich zahlreiche Redaktionen einschalten und versuchen, derart scharfe Meinungsäußerungen zu unterbinden. Und das passiert in dieser Dimension nicht allzu oft.

Zensieren, was uns nicht schmeckt

„Ich möchte so etwas nicht sehen müssen“ – einer der oft wiederholten Sätze, die ich in den letzten Tagen aufgeschnappt habe. Ist es also so, dass ein wirklich schöner Song, der verdient gewonnen hat, am Ende am besten gestrichen wird, damit die „kleinen Leute“ nachts besser schlafen und ihren Kindern „so eine Welt“ nicht erklären müssen?

Wo ist die vielbesprochene Toleranz geblieben, wenn diese nicht einmal in der Musik einen Platz gefunden hat?

Wo hört der Spaß denn tatsächlich auf?

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Lesermeinungen (28)

zu 'Die Vision des Eurovision Song Contest'

  • Flo Müller   12. Mai 2014   12:46 UhrAntworten

    Inwiefern? Nun ich würde sagen damit Europa als politisch offen und tolerant dar steht. Vielleicht auch, weil man damit sagen will kommt alle nach Europa leute wir sind so sozial und tolerant wie niemand sonst. Hier wird es euch gut gehen. Keine Armut und kein Menschenhass ^^

  • Maik Ohl   12. Mai 2014   12:47 UhrAntworten

    Den Menschen ist nicht mehr zu helfen...

  • Klaus Zöllner   12. Mai 2014   12:48 UhrAntworten

    Abgesehen davon, dass mir der ESC bzw. der ehemalige Grand Prix Eurovision de la Chanson immer schon an der Oberfläche meiner Sitzpartie vorbei gingen (o.k. außer dem Auftritt von Guildo Horn), finde ich es auf jeden Fall gut, dass mal wieder einer die Stirn hatte, die allzu biedere Schlagerwelt durcheinander zu wirbeln ;-)

  • Flo Müller   12. Mai 2014   12:50 UhrAntworten

    Wobei es dabei überhaupt nicht um die Wurst geht ^^

    • Skellington   16. Mai 2014   11:36 UhrAntworten

      Dieses Argument sollte durchaus ernst genommen werden.

  • André von Kampen   12. Mai 2014   13:02 UhrAntworten

    Hat es wirklich der Sache gedient? Oder war es eher ein Flopp? Hat man hier die Musik in den Vordergrund gerückt? Oder einen Paradiesvogel gewählt?

    • Skellington   16. Mai 2014   11:38 UhrAntworten

      Immerhin ist die Musik in diesem Fall nicht ganz so banal, wie das bei vielen anderen Beiträgen der Fall ist. Sicher auch nichts, ohne das die Welt viel ärmer wäre, aber immerhin mehr als zwei Akkorde :)

  • Carlos San Segundo   12. Mai 2014   13:37 UhrAntworten

    Wenigstens mal ein Aufsehen erregender Künstler :)

  • VanHolt   12. Mai 2014   14:47 UhrAntworten

    Leider muss ich mir jetzt wohl diesen James-Bond-Abklatsch-Song öfter anhören müssen. Dazu kommt das mir dieser Bart absolut nicht gefällt, ohne wäre es ja ein besserer Anblick. Der Musik hat es eher geschadet, obwohl das beim ESC nichts Neues ist.

    Der Zwang zu zeigen, wie tolerant man doch ist (Bäh, Putin!), hat die Wahl wohl doch sehr belastet. Im Endeffekt kann man sagen, das den Die Niederlanden (Richtig: THE Netherlands ;-)) der Sieg durch Östereich geklaut wurde.

    Die hatten den Besten Song des Abends, kein EuroPop, EuroDisco, EuroSchmalz, EuroRalfSiegel, sondern Laidback-Country für Alle. Wer mehr Platten verkauft, Wurst oder Holländer-Country-Käse ist für mich klar.

  • Andreas Eberhardt   12. Mai 2014   15:42 UhrAntworten

    Ich finde der Beitrag war professionell gesungen und auch die Bühnenshow dazu stimmte, das es sich um einen Travestiekünstler handelt der den Mut zum Vollbart hegt, hat dem Erfolg sicherlich nicht geschadet.

  • Isaac Clarke   12. Mai 2014   16:04 UhrAntworten

    Irgendwie denke ich mir, dass Neuwirth sein Ziel verfehlt hat. Naja, die meisten Menschen sind doch bei so einem bizarren Auftritt geschockt und reagieren durchaus mit Verwunderung und, naja, Ekel, da es nicht der "natürlichen konservativen Norm" entspricht (Ob das so gut ist, ist eine andere Diskussion). Auf der anderen Seite muss ich zugeben, dass ich trotz gewisser Gruselreaktion mich dennoch mal informiert habe, was genau das soll und musste feststellen, dass die Realisierung seines Anstrebens durchaus genial ist.

    Ich weiß nicht, wie es ist, 'anders' aufzuwachsen und eine alternative sexuelle Orientierung zu haben, doch ich kann mir vorstellen, dass es manchmal schwer sein muss, je nachdem, wo man herkommt.

    Doch eine Frau mit Bart gruselt mich immer noch :D

  • Ben Kirmse   12. Mai 2014   16:53 UhrAntworten

    Naja, so gesehen ein schlauer Schachzug von ihm. Er ist besonders, über ihn können die Medien viel schreiben, er erregt Aufmerksamkeit. Spielt da die Musik noch eine Rolle ? Mehr als er braucht ein Gewinner nicht.

  • and-y   12. Mai 2014   17:34 UhrAntworten

    mit kurzen haaren und anzug hätte er wohl nicht gewonnen... schade auch das er überhaupt gewonnen hat auch wenn mir der ESC sonst wo vorbeigeht ...

  • Christopher Heil   12. Mai 2014   18:11 UhrAntworten

    meiner meinung nach haben schwule nichts in der öffentlichkeit zu suchen das schadet nur unseren kindern

    • Frank Funk   12. Mai 2014   18:42 UhrAntworten

      Hallo Christopher, wie viele Kinder hast du und sind es die Schwulen und Lesben die hier Schaden anrichten oder sind es Menschen mit einer stumpfen, blinden, ignoranten oder arroganten Meinung? Kinder haben als Letzte überhaupt ein Problem mit "anderen" Menschen. Es sind die "Erwachsenen" die so armselig sind.

      • Skellington   16. Mai 2014   11:44 Uhr

        Der Herr Heil kann sicher wissenschaftliche Studien nennen, die seine Meinung untermauern.

        Ich würde indessen auch eher meinen, dass Intoleranz Kindern schadet.

  • VanHolt   12. Mai 2014   18:17 UhrAntworten

    Eines möchte ich noch hinzufügen: Der ESC war wie immer ein Wettlauf der größten, uncoolsten, unlustigsten, wenig musikalischen und absolut überflüssigsten Darbietung der Welt.

    Leider wurde das alles noch übertroffen.... und zwar durch die auswendig gelernten, ungelenk vorgetragenen, nicht wirklich lustigen und uninspirierten Sprüche des deutschen Moderators, dessen Name ich mir nicht merken kann und will!

    Bei dem dummen Geblubber, war die Musik des Abends allerhöchste Kunst. Warum ich mir das Ganze antue? Ja, warum bloss... jedes Jahr die gleiche K****!

    • Thomas Mieler   16. Mai 2014   10:07 UhrAntworten

      Menschen wie Du es einer bist möchte auch keiner in der Öffentlichkeit ertragen müssen. Wir tun es trotzdem.

  • av   12. Mai 2014   21:51 UhrAntworten

    Ist doch mittlerweile wie bei dsds. Da kommen nur noch die Tunten, die Hässlichen und Bescheuerten vor die Kamera.

    Da kann ich doch gleich die Bildzeitung lesen. Das ist das selbe Niveau. Ich muss zwar vieles akzeptieren aber ich muss nicht alles tolerieren.

  • P.Chris   13. Mai 2014   01:48 UhrAntworten

    Ich denke, in den ESC wird von der Pro&Contra Gemeinschaft auch viel zu viel hineininterpretiert.
    Es ist keine Oscar- oder Nobelpreisverleihung, sondern einfach nur ein Unterhaltungszirkus.

    Es ist mit den teils heftigen Kritiken ungefähr so ähnlich wie zu Mc zu gehen und sich darüber zu beschweren, das man dort neben Burgerstulle und Brausewasser keinen Kaviar und Champagner bekommt- und das am Besten bitte noch zum Schleuderpreis.
    Und falls man dies doch bei Mc zum Schleuderpreis bekäme, dann wären Kritiken solche, das dies ja auch nur von minderer Qualität sein könnte. So verhält es sich mit dem ESC und seinen Kritiken.

    Ich verstehe daher nicht, weswegen man so ein Gedöns um den anscheinend so gehoben kulturellen Anspruch des ESC machen möchte. Ich denke, diesen Anspruch will, bzw. muss der ESC auch gar nicht (mehr) erfüllen.
    Ich denke, die Sternstunden und Wichtigkeit des ESC gehören nach ABBA schon lange der Vergangenheit an, so wie auch der Anspruch an Musik in Form von Kunst generell als reines "Hintergrundberieselungsgeschehen zur Langeweileüberbrückung" als fähiges Massenprodukt verkommen ist.

    Ob man da nun eine "große Botschaft" der Toleranz zur Rolle der "Conchita Wurst" als ESC-Sieger hineinbasteln möchte und dies gerechtfertigt sei, weiß ich nicht.
    Ich weiß auch nicht, ob Conchita Wurst in "High-Heels durch Afrika" bereits für diese Botschaft warb.
    Tat der Travestie-Künstler das ?
    Wenn ja, dann ist der Zweck das Mittel zur Kunst und das ist immer okay. Wenn allerdings Kunst als Mittel zum Zweck gemacht wird (bzw. jener Stempel hinterher auch noch aufgedrückt wird), wirkt das gestellt, unehrlich und ist für zumindest mich der wunde Punkt hinsichtlich der Artikelleitfrage, wo der Spaß bei der Kunst denn aufhört.

    • Skellington   16. Mai 2014   11:59 UhrAntworten

      Der ESC ist sicher nicht der Platz, an dem die westliche Musikkultur maßgeblich weiterentwickelt wird.

      ABER er ist ein Massen-Event, das eben sehr viele Menschen in Europa wahrnehmen und bei dem nicht nur alle "so etwas sehen müssen" –

      (müssen sie nicht, denn es gibt noch unzählige andere Sender, auf denen zur gleichen Zeit noch größerer Unsinn läuft, bzw. es gibt auch ein Leben außerhalb der Medien)

      – sondern auch noch eine Mehrheit diesem Titel, Künstler, Gesamtprodukt, soziopolitischen Statement mit ihrem "ja" Unterstützung signalisiert haben. DAS halte ich durchaus für kulturell relevant.

      "Kultur" ist ja nicht das, was eine akademische Minderheit für "wertvoll", schützens- und subventionierungswürdig hält, sondern "alles, was der Mensch selbst gestaltend hervorbringt" (Wiki). Dazu gehört eben auch McD und Transentum, ob es einem nun gefällt oder nicht.

  • Alex28   13. Mai 2014   07:38 UhrAntworten

    Einmal abgesehen von Toleranz oder nicht, ging es mir so, das die Songs die vorgeführt wurden, sich meiner Meinung nach nicht wirklich von einander abgehoben haben. Es klang vieles einfach auf einem Level und unter diesem Aspekt gewinnt nun die Frau mit Bart, deren Song ich jetzt nicht mehr im Ohr habe.

    Von daher denke ich, dass es sicher viele Intolerante Menschen unter uns gibt, aber immer noch weniger sind, als wir vielleicht vermuten.

  • Der Ulli   13. Mai 2014   07:55 UhrAntworten

    Es wird immer wieder übersehen, dass der ESC ein Songwriter Wettbewerb ist und keine Kasperletheater Aufführung. Und die bärtige Lady gab es früher schon in etlichen Zirkussen. Also: So What.
    Noch dazu war der Siegertitel definitiv nicht der beste Song. Aber Geschmäcker sind wie Ärsche. Jeder hat einen...

  • ah   13. Mai 2014   08:38 UhrAntworten

    Na gut "Toleranz" sieht bei mir anders aus. Warum wurde Putin kritisiert? Warum zollt man Putin keine Toleranz und Respekt über seine Meinung? Warum zeigt sich der Westen nicht Tolerant gegenüber Asad?

    Hier wird nur versucht mit falschen Vorgaben ab zu zocken.
    Die Menschen für blöd zu verkaufen. Das nur Europa friedlich und tolerant sei. Das ich nicht lache!

    Wer hat den Jugoslawien Krieg angezettelt? Wer war in Lybien mit dabei? Ach ja das kriegerische intolerante Europa.
    Normale Menschen sind wohl nichts mehr Wert.

  • Franz – Hermann Schmidt   13. Mai 2014   09:21 UhrAntworten

    Noch nie war der Werteverfall menschlicher Kultur so deutlich zu erkennen wie bei diesem Contest.
    Ich glaube es gibt genug Menschen, die dieses Schauspiel mit sehr gemischten Gefühlen betrachtet haben.

    Abgesehen von der Stimmee und dem Song, was beides eher Mittelmaß war.
    Wahrscheinlich aber haben andere Aspekte die Punkte in die Höhe schnellen lassen.
    Wie heißt es immer? Das Gesamtpaket muß stimmen.

    Gesamt Fazit : "Einfach nur schrecklich"

    LG Condor

    • Skellington   16. Mai 2014   12:05 UhrAntworten

      Abgesehen davon, dass – wie schon voher ausgeführt – der ESC eher mit McDonalds als mit Sterne-Küche zu vergleichen ist, würde mich mal interessieren, welche "Werte" hier deiner Meinung nach verfallen bzw. inwiefern die Frau Wurst (um die es hier schwerpunktmäßig geht) das in besonderer Weise illustriert.

      Als Udo Jürgens 1966 mit "Merci Cherie" gewonnen hat, da war noch alles in Ordnung, ja? Da waren Männer noch Männer und hatten eine ordentliche Frisur – oder wie darf man deinen Kommentat verstehen?

  • Rob   13. Mai 2014   11:06 UhrAntworten

    @ah und (av?)

    Das ist typisches naives schwarz-weiß-Denken.

    Sorry die Welt da draußen ist wesentlich komplexer als Du wahrhaben willst, daher funktioniert Deine naive und nicht richtige Herunterrechnung zwischen gut und böse nur für Dich.
    Mache Dir doch mal die Mühe und arbeite dich in die Jugoslawien-Kriege ein, dann wirst Du merken, dass es alles nicht so einfach war wie du glauben willst. Da ist sehr viel Arbeit um im Ansatz zu verstehen, was alles überhaupt erst zu den zeitlich und lokal verschiedenen Kriegen führte (Dann solltest du endlich auch wissen, dass es dort nicht nur DEN Krieg gab).

    Ach was red´ ich, Verschwörungstheoretiker sehen eh nur das, was sie in Ihrer kleinen bedeutungslosen Welt sehen wollen und kapieren können.

  • IrgendeinThomas   13. Mai 2014   17:04 UhrAntworten

    Eins hat er ja geschafft wie man hier und an anderen Kommentaren im Internet lesen kann - ordentlich zu polarisieren. Vielleicht war ja seine Inspiration Carlos sein Artikel zum "Alleinstellungsmerkmal" nur auf die Spitze getrieben.:-) (ich kam ja bei dem Artikel damals noch zu kuriosen Beispielen dachte aber damals nicht an einen Typen in Frauenaufmachung mit Bart)

    Er hat übrigens zuvor schon ohne dieser Aufmachung gesungen aber sehr mässigen Erfolg gehabt - das ist aber nichts Neues, überrascht es denn noch das in unserer oberflächlichen Konsumgesellschaft wo Menschen plötzlich angehimmelt werden weil sie paar Wochen in einem Dschungel sassen und Kakerlaken runtergefuttert haben (war der eine Typ von St.Pauli nicht auch eine ältere Conchita ohne Bart?) oder einfach nur oft genug vor die Kamera stellen um einen Clown abzugeben (wie zB Katzenberger) nur noch auffällige Erscheinungen und Aufmachungen zählen?
    Naiv wer glaubt beim ESC geht es hauptsächlich um die Musik, da bin ich ganz bei P.Chris...schon viele Jahre wird da im Regelfall nur die auffälligste Optik bewertet (wie zB die Band mit den Zombie-Masken oder was das auch immer war)
    Und letztendlich möchte ich mich dem Schlußsatz von "Der Ulli" anschliessen - es ist nutzlos über den "besten Song" zu streiten, weil es dafür keine objektiven Kriterien gibt und alles nur auf subjektive Geschmäcker beruht.
    Deswegen denke ich dass Viele diese Sendung einfach zu ernst nehmen oder falsche Erwartungen in ihr setzen.
    Für mich ist der ESC so spannend wie paar Stunden auf eine weisse Wand zu glotzen, aber mir ist es deswegen auch sowas von egal wer dann gewinnt.

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