Keith Richards: Netflix Porträt + Neues Album

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Keith Richards

Rocklegende Keith Richards kann ab sofort auf Netflix bestaunt werden. | Bild: "Keith Richards Berlinale 2008" by Siebbi - Keith Richards. Licensed under CC BY 3.0 via Wikimedia Commons.

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71 Jahre: Schnell noch ein neues Album + Film

Keith Richards, der mittlerweile 71-jährige Rolling Stones Gitarrist, besitzt seit Freitag dem 18. September 2015 ein exklusives Porträt in Filmform, welches ausschließlich auf Netflix zu sehen ist.

Einblicke in das, was Richards antreibt und wie er sich musikalisch zu der lebenden Legende entwickelte, die er heute ist, sowie Filmmaterial aus den Anfängen der Rolling Stones sind dort zu sehen.

Keith Richards

Rocklegende Keith Richards kann ab sofort auf Netflix bestaunt werden. | Bild: „Keith Richards Berlinale 2008“ by SiebbiKeith Richards. Licensed under CC BY 3.0 via Wikimedia Commons.

Nach ganzen 23 Jahren Pause, bringt Rock’n’Roll-Opi Richards wieder ein neues Album heraus. „Crosseyed Heart“ heißt es. Und wohl nicht ganz dem Zufall geschuldet, erschien es am selben Tag, ab dem es auf Netflix das filmische Porträt „Keith Richards: Under The Influence“ zu sehen gab.

Umgesetzt wurde der Film von Morgan Neville, der letztes Jahr sogar einen Oscar für seinen Dokumentarfilm 20 Feet From Stardom bekam.

Die etwas in die Jahre gekommene Legende hat also trotz gesundheitlichen Problemen und einem von Falten übersäten Gesicht noch nicht genug. So viel Rock’n’Roll wird jawohl noch sein dürfen oder? –Naja, nicht so ganz, denn Richards, der seine Wurzeln im Blues hat und Muddy Waters, Chuck Berry und Bo Diddley zu seinen größten Vorbildern zählt, möchte wieder mehr zu diesem Grundstein zurückkehren.

Richards: Altrocker mit Leidenschaft für Blues

Barfuß spaziert Richards zu Beginn über Wald und Wiese, während im Hintergrund klassische Musik zu hören ist. Dann legt er eine Platte auf und der Song „Blue & Lonesome“ von Little Walter ertönt. Damit und mit seinen folgenden passionierten Worten, stellt er seine große Liebe zur Musik und besonders zum Blues klar. Immer wieder fällt der Name Muddy Waters, den er zu tiefst zu verehren scheint.

Als es zu der Frage kommt, warum er nach so langer Zeit überhaupt nochmal mit der Musik angefangen hatbe, reagiert er gewohnt selbstverliebt und lässig: „Wahrscheinlich weil ich ein Buch geschrieben habe“. Dabei bezieht er sich auf seine 2010 veröffentlichte Autobiographie „Life“.

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Schelmisch grinst er und meint „wahrscheinlich das zweitwichtigste Buch neben der Bibel“. Daraufhin lacht er, genau so, wie man es von einem altgewordenen Rock’n’Roller erwartet: Angestrengt, vom Leben ermüdet und halb hustend dank einer jahrelang von Nikotin und anderen Nettigkeiten verwöhnten Raucherlunge.

Überhaupt überall, wo man den Mann sieht und in nahezu jeder Situation findet man ihn immer mit einer Zigarette im Mund auf. Wäre Keith Richards ein Deutscher, so dürfte er wenn es nach ihm selbst ginge sicherlich auch als einziger Mann neben Helmut Schmidt an nahezu jedem Ort im Lande rauchen. Immerhin bezeichnet er sich selbst als King des Rock’n’Roll. Na wenn das mal keine extra Privilegien legitimiert!

Manchmal fragt man sich bei dem ach so zuvorkommenden und bodenständigen alten Herrn: Ist das noch Größenwahn oder doch Alterswahn?

Keith Richards live

Trotz seines hohen Alters, weiß Keith Richards immer noch, wie man Spaß hat! | Bild: „KeithR2“ by MachocariocaOwn work. Licensed under Public Domain via Wikimedia Commons.

Über kleine Geheimnisse und Tricksereien

Natürlich musste es in einem solchen Porträt auch um die Musik und deren Aufnahme und Produktion gehen. Dabei verrät Richards ein interessantes Geheimnis über die Entstehung der Gitarrenaufnahmen von Jumpin‘ Jack Flash. Der prägnante Klang der Gitarre bei der Aufnahme wurde nämlich getrickst. Die leicht verzerrt klingende Aufnahme ist eigentlich eine akustische Gitarre, die er so laut gespielt hat, dass die Aufnahme extrem übersteuert wurde. Als Pickups, habe er dabei lediglich einen einfachen Kassettenrekorder mit Mikrofon benutzt.

Weiter erzählt er, wie aus Sympathy For The Devil, das ihnen erst zu langweilig und clean klang, ein peppiger Welthit wurde.
Irgendetwas fehlte dem Song, dachten sich die Stones, als sie ihn im Studio einspielen wollten. Da schnappte sich Billy Wyman den Bass und Mick Jagger begann auf einer Konga zu trommeln. Keith Richards beschreibt dies als „Sambafeeling“ und tatsächlich fanden danach alle den Song viel ansprechender, da er von da an viel mehr Drive und Groove besaß.

Tom Waits: Von Legende zu Legende

Eine Besonderheit des Films ist, das immer wieder Tom Waits auftaucht und den Film kommentiert. Bei einer der ersten Begegnungen mit Richards, begossen sie ihr gemeinsames Treffen gleich einmal zur Feier des Tages. Der damals noch sehr junge Tom Waits wollte mit seinem großen Idol mithalten, musste dann schließlich doch kläglich an Hochleistungstrinker Keith Richards scheitern.

Tom Waits

Eine wichtige Nebenrolle: Tom Waits ist in der Richards-Doku zu sehen. | Bild: „Tom Waits Praha 2008 01“ by Gut (Anna Wittenberg) – http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Tom_Waits_Praha_2008.jpg. Licensed under CC BY 3.0 via Wikimedia Commons.

Schlau gewählt als wichtiger Nebendarsteller dieses Porträts wurde er jedenfalls. Denn Waits hat immer ein paar nette Worte für sein Vorbild übrig, welches jetzt sein neues Album an den Mann bringen möchte. Er schrieb sogar ein liebevolles Gedicht über seinen guten Freund, welches Du im Rolling Stone finden kannst:

Tom Waits‘ Gedicht an Keith Richards (aus dem Rolling Stone) »

Gras, grüner, Jamaika

Für seinen Marihuanakonsum war Richards schon immer bekannt. In seinem Porträt beschwert er sich, dass er immernoch darauf reduziert werde, obwohl das heute und in seinem Alter gar nicht mehr auf ihn zu treffe.

Trotzdem merkt man ihm diesen Einfluss immer wieder an, besonders wenn man seine Reggae-Einflüsse bemerkt und an seine Auszeit an Jamaika zurück denkt. Abgekapselt vom Rest der Welt verbrachte er dort viel Zeit. In dieser lernte er das jamaikanische Volk, seine Kultur, vor allem der Musik und ab und an mal einem kleinen Joint, kennen. Insgesamt hatte er sicherlich äußerst inspirierende, nette und grüne Zeiten in Jamaika.

Auch heute noch erinnert er sich gerne an alte Erlebnisse und Geschichten aus Jamaica zurück. Bei diesen Einflüssen durfte auf seinem neuen Album auch ein Reggae-Track nicht fehlen. Diesen lieferte er mit „Love Overdue“ ab.

„Keith Richards: Under The Influence“: Tief scheinen hier nur die Falten in Richards Gesicht zu gehen

So wirklich tief geht der Film leider nie. Er zeigt Keith Richards in der Gewohnten Art: Selbstüberzeugt und stets locker lässig nach außen. Zum Schluss kommt es zwar zu den Themen Vater-Sohn-Beziehung und um seine geliebten Enkelkinder, doch auch die kurzen persönlichen Momente, in denen man vorrübergehend glaubt, sich endlich ein wenig dem Kern der Person Keith Richards anzunähern, lösen sich nach ein, zwei interessanten Sequenzen wieder in Luft auf.

Dieser Film stellt zwar keinen Dokumentarfilm dar, der sämtliche Details und Daten seiner Karriere und seiner Biografie anreißen soll, viel mehr soll er Richards portraitieren. Doch gerade dabei wünscht man sich eigentlich, dem wahren Charakter Richards etwas mehr auf die Schliche zu kommen und mehr darüber zu erfahren, was ihm auf seinem Weg zum Weltruhm Kraft gegeben hat und welche Auswirkungen dieser Ruhm schließlich auf ihn gewirkt hat.

Aber eines muss man Richards lassen: Er zeigt sich zwar nicht als großer Sympath, dafür schafft er es in der Öffentlichkeit eine Rolle zu spielen und sein wahres Privatleben zu schützen. Vielleicht zeichnet ihn gerade das aus, oder entspricht diese Rolle eventuell doch genau ihm selbst?

Das neue Album: „Crosseyed Heart“

Zu guter letzt noch ein paar kurze Wort zum neuen Album, das seit dem 18.09. zum Verkauf steht. Crosseyed Heart zeigt einen alt gewordenen, wenn auch in einer jüngeren Zeit stecken gebliebenen Keith Richards. Einige Riffs könnte er auch 1975 aufgenommen und so gespielt haben.

Fraglich bleibt nach wie vor, ob Richards sich nicht lieber doch einen fremden Sänger mit ins Boot holen und selbst ausschließlich seine Gitarre singen lassen sollte.
Zum Beispiel Justin Bieber, den er noch kurz zuvor als Möchtegern bezeichnet hatte, wäre doch mal was. Auf jeden Fall wäre das Aufeinandertreffen gerade dieser Beiden ein Großereignis für die Boulevardpresse. Doch mit Sicherheit wird das wohl nie passieren: Ein Popstar und ein Blueser oder ein Rock’n’Roller.

Wirst Du dir die Doku ansehen? Oder hast Du vor dir das neue Album zu kaufen? Wir freuen uns auf deinen Kommentar!
P.S.: Wenn dir kleine Filmtipps wie dieser gefallen und wir mehr davon schreiben sollen, lass es uns wissen :-)

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Lesermeinungen (2)

zu 'Keith Richards: Netflix Porträt + Neues Album'

  • vanhold   30. Sep 2015   21:56 UhrAntworten

    Na ja, was will man zu dem einzigen Menschen noch sagen, der wirklich noch Rolling Stone ist. Ich habe im Leben nur ein Album der Stones gekauft, aber von Keith habe ich alle und ich liebe sie. Will ich Disco-Jagger, nein das wirklich nicht, aber zu sagen, das hier ein alter Star seine Gitarrenriffs seit langer Zeit spielt, ist doch etwas mager. Was will man den hören? KR wie er auf einer Bongo trommelt? Das man im fortgeschrittenem Alter den Blues (wieder)entdeckt, liegt in der Natur der Sache, weil.... der Blues ist alt aber immer neu. Bieber ist jung und ist musikalisch gesehen schon von vorgestern, in unserer schnelllebigen Zeit. Man kann ja auch nichts daran ändern, das 12-jährige Mädels auf "tolle" Haare und Hühnerbrust stehen. Wenn Justin 70 Jahre alt ist und den Blues hat, höre ich den auch, ich bin dann ja erst 105 oder so. Ach so, ich finde KR Stimme bei weitem besser, als die von Jagger, weil besser zur Musik passend. Man sollte auch erwähnen, dass das neue Album hörenswert und abwechslungreich ist. Kleine Geschichte am Ende: Anfang der 1980 Jahre gab es ein Stones Konzert in Köln. Ich dahin. Habe mir Zeltinger, BAP, Maffay (Ja, der auch) angetan, bin dann nach vorn zur Bühne. Stones treten auf, ich mir Jaggers Falten angeguckt und einmal Richards Gitarrenspiel beobachtet. Dann bin ich nach Hause gefahren. Mission erfüllt.... nach einem Song! That's Rock'n'Roll!
    Danke für den Artikel und nein das Netflix-Video interessiert mich auch nicht.

  • Kalle   01. Okt 2015   09:31 UhrAntworten

    Ich bin ein alter Fan vom Keith,und vom Rest der Bande.Höre die Scheibe jetzt zum zweiten mal.Und kann sagen das sie mir ausgesprochen gut gefällt.Das er nicht singen kann nun ja das mag wohl stimmen im Sinne von Singen.Aber ich liebe diese Stimme denn was er hat das ist Gefühl.Der Man singt mit soviel Gefühl,Liebe und Hingabe das es "Singen" allemale wett macht.Ach ja und wer von alle den Rockern Bluesern kann schon Singen.Jagger Live? ein agressiver Schreihals.Trotzdem geh ich hin.Kult einfach nur Kult und endgeile Muke.
    Ich habe das Gefühl das diese Scheibe von Keith mei Favorit wird.
    Und wenn er auf Tour geht.Bin ich dabei.
    Rock&Roll never Sleeps

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