Amy Winehouse ist tot

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Amy Winehouse im Bowery Ballroom, NY - fotografiert von Daniel Arnold

Amy Winehouse im Bowery Ballroom, NY - fotografiert von Daniel Arnold

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Amy Winehouse †

Amy Jade Winhouse war eine musikalische Ausnahmeerscheinung und begeisterte mit ihrer Stimme wie kaum eine andere Sängerin unseres jungen Jahrtausends. Sie sah sich selbst als Künstlerin, die Soul als Ausdruck von Subversion und Eskapismus verstand. Die meisten Kritiker beschreiben ihre Musik als zeitgenössischen Jazz oder Pop-Jazz. Ihr zweites Album »Back to Black« (in Großbritannien, Deutschland, Österreich und der Schweiz auf Platz 1 der Charts, in den USA auf Platz 2) nimmt deutliche Anleihen bei Motown und dem amerikanischen Soul & Funk der 1960er Jahre.

Amy Winehouse im Bowery Ballroom, NY - fotografiert von Daniel Arnold

Amy Jade Winehouse (* 14. September 1983 in London; † 23. Juli 2011 ebenda) im Bowery Ballroom, NY – fotografiert von Daniel Arnold

Während ihr erstes Album bereits beachtlichen Zuspruch fand und kommerziellen Erfolg hatte, lag ihr die Welt nach »Back to Black« vollends zu Füßen. Sie schrieb alle Songs selbst und sang dabei immer von persönlichen Erfahrungen. Das Album und der Song »Rehab« räumten 2008 bei den Grammy Awards in den Kategorien Song des Jahres, Single des Jahres, Bester neuer Künstler, Beste weibliche Gesangsdarbietung (Pop) und Bestes Gesangsalbum (Pop) ab.

Wie Brian Jones, Jimi Hendrix, Janis Joplin, Jim Morrison und Kurt Cobain gehört Amy Winehouse nun zum illustren Kreis des »Klub 27« – alle sind im Alter von 27 Jahren gestorben. Hendrix, Joplin und Cobain sind unter dem Einfluss von Alkohol und/oder anderen Rauschmitteln aus dem Leben getreten. Noch ist nicht bekannt, ob das auch für Amy Winehouse gilt.

Überraschend wäre es nicht: Amy Winehouse kämpfte mit sich und den Drogen. Erst vor gut einem Monat, nach einem nur scheinbar erfolgreichen Alkoholentzug, konnte sie sich beim Auftaktkonzert ihrer geplanten Europatournee in Belgrad kaum auf den Beinen halten; sie sang schief und nur eine oder zwei Strophen der meisten Songs, war vollkommen desorientiert.

Was bleibt, sind die Aufnahmen ihrer großartigen Stimme und ihr Stil, der wohltuend weit entfernt von all den austauschbaren Protagonisten des Casting-Stumpfsinns war. Ihr Gesang erzeugte auch bei einem Vokalmuffel wie mir Gänsehaut. Liebe Amy, mögest Du noch einen Groschen für den Fährmann am Styx übrig haben.

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Lesermeinungen (9)

zu 'Amy Winehouse ist tot'

  • Jens Geilich   24. Jul 2011   11:55 UhrAntworten

    Traurig, aber leider vorherzusehen ... RIP Amy!

  • cristbeats   24. Jul 2011   12:22 UhrAntworten

    sehr schöner 'nachruf'!!!

  • DelamarBooster   24. Jul 2011   12:31 UhrAntworten

    RIP

  • Katilena Rivera   24. Jul 2011   13:26 UhrAntworten

    Der Club 27 ist eine Gruppe von Musikerin die im Alter von 27 starben, aber nicht ausschließlich an Drogenmissbrauch oder deren Folgen. Da ist von Selbstmord bis Stromschlag am Mikrofon alles dabei.

    RIP Amy Winehouse

    • Felix Baarß (delamar)   24. Jul 2011   14:01 UhrAntworten

      Ich hab's berichtigt, Danke.

  • vanhold   24. Jul 2011   13:35 UhrAntworten

    Amy ist tot.... ich frage mich gerade, hat sie je gelebt?

    Auch wenn ich damit gegen den Strom schwimme, ich fand ihre Musik langweilig und sie als Person ab einem bestimmten Zeitpunkt uninteressant. Das Ende war abzusehen und überrascht wohl niemanden.

    Ein selbstverschuldeter Tod? Ich denke ja, denn wenn man angeblich erfolgreich eine Entziehung hinter sich gebracht hat, kurze Zeit später schon keinen Auftritt mehr hinbekommt, dann hat der Kopf wohl nicht richtig funktioniert.

    Ich frage mich allerdings, das nicht zum ersten Mal: Was wollen eigentlich diese "Stars", die erfolgreich sind, Geld mit dem besten was es gibt, der Musik, verdienen und von Menschen verehrt werden. Reicht das nicht für ein einigermaßen glückliches Leben?

    Es sind mehr als 90 Leute bei einem hinterhältigen Anschlag gestorben und ich soll mich um eine lebensmüde Person kümmern? Nein, ich denke nicht!

    Möge sie endlich ihren Frieden gefunden haben!

    • Thomas „thommytulpe“ Nimmesgern   24. Jul 2011   22:02 UhrAntworten

      Hallo!

      > Amy ist tot…. ich frage mich gerade,
      > hat sie je gelebt?

      Zweifelsohne. Wenn ich mir "Back To Black" und das Vorgängeralbum anhöre, dann klingt das ganz schön lebendig...damals zumindest.

      > Ein selbstverschuldeter Tod? Ich denke ja, denn wenn
      > man angeblich erfolgreich eine Entziehung hinter sich
      > gebracht hat, kurze Zeit später schon keinen Auftritt
      > mehr hinbekommt, dann hat der Kopf wohl nicht
      > richtig funktioniert.

      Das mag sein - es kann aber auch sein, dass da mehr als nur ein verirrter Geisteszustand eine Rolle gespielt hat.
      Es kann auch gut sein, dass in ihrem Umfeld einige nicht so sehr an ihrem Wohlbefinden interessiert waren, sondern an den Gewinnmöglichkeiten. Ich meine: Wer kommt auf die Idee, eine größere Tournee zu organisieren, während es ihr immer noch nicht richtig gut geht? Wer SOWAS organisiert, kann nicht am leiblichen oder künstlerischen Wohlbefinden interessiert sein, sondern nur an der Kohle.
      Amy Winehouse hat sich -in ihrem Zustand- womöglich blenden lassen und sich von ihrem Umfeld zu einer Tour überreden lassen - gerade weil sie in einem solchen Zustand war, kann es nicht überraschen, dass sie (vermutlich) den Blick für die Realität verloren hat. Das macht das Verhalten ihres Umfeldes noch schlimmer, finde ich: Man hat sie -so denke ich- nicht geschützt, sondern bis zum letzten Tag ausgesaugt.

      > Ich frage mich allerdings, das nicht zum ersten Mal: Was
      > wollen eigentlich diese “Stars”, die erfolgreich sind, Geld
      > mit dem besten was es gibt, der Musik, verdienen und
      > von Menschen verehrt werden. Reicht das nicht für
      > ein einigermaßen glückliches Leben?

      Diese Frage klingt so, als wären Drogen gewissermaßen die Krone auf dem Erfolg des öffentlichen Lebens: "ich hab 3 MIllionen Fanbs auf Facebook, ebenso viele Millionen aufm Konto - JETZT kann ich mich endlich auch mal zudröhnen."

      Das ist wohl nicht so. Die Reihenfolge ist manchmal anders, also zuerst Drogen, dann der Erfolg - und auch die Kausalität kann anders sein: nicht Erfolg durch Drogen, sondern Erfolg trotz Drogen.

      Manchmal heißt es auch: Drogen nach dem Erfolg - wenn Künstler den Druck um sie herum nicht aushalten und dann Drogen als Ausweg sehen.
      Wir mit unseren bescheiden Mitteln des Homercordings und dem ebenso bescheidenen Erfolg können uns wohl keine Vorstellung davon machen, wie groß insbesondere der geschäftliche und gesellschaftliche Druck ist, wenn man einmal Erfolg hatte - da kann ich zumindest halbwegs verstehen, dass man Gefahr läuft, daran zu zerbrechen.

      Um das mal bis hierher zusammenzufassen: Wenn es hier um Verantwortung geht, dann seh' ich diese nicht nur bei Amy Winehouse selbst, sondern auch bei ihrem Umfeld und auch all bei jenen, die von ihrem Niedergang profitiert haben (wie etwa die Boulevardpresse, die zwar nicht weiß, wie man das Wort "Musik" richtig buchstabiert, aber immer an Drogen und Brüsten interessiert sind).

      > Es sind mehr als 90 Leute bei einem hinterhältigen
      > Anschlag gestorben und ich soll mich um eine lebensmüde
      > Person kümmern? Nein, ich denke nicht!

      Für mich klingt das nach Aufrechnen: hier eine Person, dort 92 - da spielt die eine Person keine Rolle mehr.
      Ich sehe durchaus die Möglichkeit, beides unter einen Hut zu bekommen: Man kann sich sehr wohl mit dem Lebenswerk Amy Whinehouse' einerseits und den Hintergründen der Anschläge in Norwegen andererseits gleichzeitig auseinandersetzen - ein "entweder oder" ist da nicht zwangsläufig.

  • vanhold   24. Jul 2011   23:01 UhrAntworten

    Hallo!

    Nätürlich wird hier nicht eine Person gegen eine/mehrere andere aufgerechnet. Der Unterschied ist aber: (Achtung! Plakativ.) Die Eine, selber schuld und die Anderen eben nicht selber schuld. Mich betrübt der Tod von Amy Winehouse genau soviel oder sowenig wie der Tod jedes anderen Menschen den ich nicht kenne. Ich mache hier nur den Unterschied, das jemand der in seinem jungen Leben so viel Glück gehabt hat, wie alle, auch sein eigenes Säckchen zu tragen hat, aber viel mehr Möglichkeiten hat, sein Leben in den Griff zu bekommen. Solche Chancen hat nicht jeder!

    Alles auf das Umfeld zu schieben ist auch nicht mein Ding. Auch die Personen deren ausschliesliches Interesse an A.W. kommerzieller Natur gewesen ist, sind nicht die Meister des Lebens Anderer. Das muss man schon selber machen. Hat hier vielleicht die eigene Arroganz über das Leben bestimmt? Ich kann es nicht sagen, aber sie hat ihr Leben weggeschmissen, das ist allerdings sehr traurig. Manche Menschen taugen eben nicht zum glücklich sein und da liegt wohl die Wahrheit. Allerdings war das wohl das, was sie ausgemacht hat, als Mensch, als Künstlerin.

    Live hard, die young and leave a beautiful memory, kommt wohl auch nicht in Frage, aber das dunkle, das was in den Schatten lebt, das wird immer an sie erinnern. Das ist auch gut so!

  • Jörg Baarß   01. Aug 2011   21:48 UhrAntworten

    Diskutiert nicht darüber, ob Amy selber Schuld ist, an ihrem frühen Tod, oder wie sehr - mir wird übel davon. Und ob es Schlimmeres gibt auf der Welt - ja, sicher.

    Hört Euch lieber ihre Musik an und seid einfach mal still und traurig!

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