American Music Awards: Ist noch Musik übrig?

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American Music Awards - Taylor Swift

Taylor Swift bei den American Music Awards | Foto: Disney | ABC Television Group

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Zirkus American Music Awards

Die Namen lesen sich fast wie ein Déjà-vu. Justin Timberlake, Rihanna und Taylor Swift. Dazwischen tummeln sich immer mal wieder eine coverlastige Teenieband und ein Newcomer. Aber statt musikalisch mal so richtig etwas mitzunehmen, steht nur noch die Show im Vordergrund. Lady Gaga reitet auf einem (unechten) Pferd über den roten Teppich, Miley Cyrus glänzt mit zu engen Höschen und Heidi Klum trägt einen Vorhang am Leib. Das sind die Infos, die durchsickern, aber musikalisch kommt sehr wenig auf die Titelblätter.

American Music Awards - Taylor Swift

Taylor Swift bei den American Music Awards | Foto: Disney | ABC Television Group

Taylor Swift gilt als die Abräumerin des Abends und nahm vier Auszeichnungen mit nach Hause, unter anderem in der Kategorie Rock/Pop, obwohl sie doch eigentlich Country-Sängerin ist. Natürlich wurden die Preisträger sorgfältig ausgewählt und verdienen mit Sicherheit zu Recht ihren Award. Aber es stellt sich doch die Frage, ob man auch eine Chance hat, wenn man nicht ohnehin in den wichtigen Klatschblättern regelmäßig auftaucht, so wie es alle Preisträger und Interpreten tun. Wie viel Publicity muss sein, um ein »richtiger« Star zu werden? Zuweilen hat man das Gefühl, man ist besser informiert über die Beziehungsprobleme von Justin Timberlake, als über seine Musik.

So ist es auch eine gesetzte Tatsache, dass sich eher die Modemagazine um die Berichterstattung zu den American Music Awards reißen. Ich finde online die meisten Kritiken und Berichte über die Outfits der AMAs, statt über die musikalischen Darbietungen und Auszeichnungen.

Geht der Sinn dieser Preisverleihungen nicht immer mehr verloren, wenn aus Musik- und Filmveranstaltungen eigentlich nur noch Entertainment-Shows gemacht werden und das richtige Kleid wichtiger ist, als die mittelmäßige Live-Performance?

Und so sind die AMAs vielleicht ein Spiegel der ganzen Branche: Löst der Entertainment-Faktor die Musik an sich wirklich ab? Ist am Ende der viel erfolgreicher, der es versteht in die Klatschspalten zu kommen, als die, die noch Vollblutmusiker sind?

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Lesermeinungen (11)

zu 'American Music Awards: Ist noch Musik übrig?'

  • Carlos San Segundo   27. Nov 2013   11:22 UhrAntworten

    Der rote Teppich hat da natürlich nur gelegen, um die Akustik in den Griff zu bekommen...nicht zum Flanieren ;)

  • Hoody   27. Nov 2013   11:38 UhrAntworten

    Ist doch klar, dass enge Höschen von Miley Cyrus wesentlich spannender sind als ihre Musik. Und da ohnehin dann alle bei den American Music Awards nur noch deswegen abgelenkt sind, bemerkt eben keiner, dass Taylor Swift in der falschen Kategorie ausgezeichnet wird.

    Hauptsache schöne Gesichter...das verkauft mehr Alben als gute Musik.

  • Der maskierte Muchacho   27. Nov 2013   11:43 UhrAntworten

    Seit wann wird auf solchen Veranstaltungen Musik bewertet? Hype verkauft sich. Wer sich nicht wirklich mit Musik befasst dem reicht der Mist aus dem Radio - dann muss man sich auch nicht so sehr damit befassen was man hören könnte. Was? Justin Bieber hat mit einer Prostituierten in Brasilien geschlafen? Das neue Album muss ich mir mal anhören.

  • Cristián Elena   27. Nov 2013   13:10 UhrAntworten

    Es gab mal eine Zeit, da hatten solche Preise etwas, was man irgendwie als "Relevanz" bezeichnen könnte. Am Absurdesten bleiben vielleicht die EMAs von MTV. Ich habe den Eindruck, dass die großen Gewinner solcher Veranstaltungen eher die Event-Manager als die Künstler selbst sind.

  • VanHolt   27. Nov 2013   13:52 UhrAntworten

    Ich habe das Gefühl, dass es in der sogenannten Musikwelt eh nur noch um Disney-Zombies und deren Eskapaden und "Modelinien" geht. Die "Black-Music" besteht seit 20 und mehr Jahren nur aus fetten Ärschen und Blingbling und alle singen den selben Song.

    Habt ihr den schon gehört, dass Angelina Jolie ihrem Brad aus Liebe eine Insel in Herzform geschenkt hat? Hat nur 14 Millionen Dollar gekostet!

    Manchen Menschen sollte man ihr Geld nur einfach abnehmen. Genauso wie der Titel Musiker, den sollten auch nur einige der "Stars" tragen dürfen. Gaga darf das... Cyrus nicht. Aber Brittneys Platz in der Klapse wartet schon auf den nächsten Disney-Clone. Wer ist eigendlich Justin Timberlake, ist der musikalisch wichtig?

    Und ob Taylor Swift wirklich Country ist? Nee, ich glaub nicht.

    Wie hiess es zu meiner Zeit: Bay City Rollers we love you!

    Ich habe es überlebt!

    Es gibt keine schlechte Musik, es gibt nur schlechten Geschmack!

  • MadMan   27. Nov 2013   17:47 UhrAntworten

    Eine spannende Frage nach dem Geschmack. Vielleicht hast du recht und es ist tatsächlich eine Frage des Geschmacks...auf jeden Fall ist es eine Frage der Menschenmassen, die sich lieber über einen Justin Timberlake oder Justin Bieber unterhalten als sich ein gescheites Album anzuhören.

  • Michael Beyer   27. Nov 2013   20:45 UhrAntworten

    Gibts in anderen ländern eigentlch auch kein musikfernsehen mehr? Wenn das der fall ist, rückt vielleicht wieder die musik und das können in den vordergrund.

  • Andy L.   28. Nov 2013   02:53 UhrAntworten

    Sich über die AMA oder EMA auszulassen ist ungefähr genauso anspruchsvoll, wie über den Anspruch von DSDS zu diskutieren. Man darf die AMA natürlich nicht als künstlerisch wertvollen Musikpreis missverstehen. Er ist einzig ein reiner Kommerzpreis der Industrie ohne künstlerischen Wert und Anspruch. Hier geht es nur um Verkaufszahlen und Charts.

    Der Grammy mit der Grammy Hall Of Fame ist ein Preis künstlerischer Natur und Reputation.
    Anscheinend wird hier der AMA als wichtiger Kunstpreis missverstanden und auch noch als solcher empfunden, da ihm eine Gleichbedeutung zum wichtigen Grammy beigemessen wird, bei dem es wirklich in einigen seiner 295 Kategorien um außergewöhnlich künstlerisches oder historisches Schaffen und Handwerk geht.

    Daher darf und brauch man auch erst gar nicht nach dem musikalischen Anspruch bei den American Music Awards fragen.
    Das träfe da besser auf den Grammy zu bei dem man sich manchmal mit Hinsicht auf künstlerisch wertvollen Gehalt fragt, warum ausgerechnet nun diese Person einen Grammy gewonnen haben mag ?

  • IrgendeinThomas   28. Nov 2013   07:36 UhrAntworten

    Für mich stellt sich bei solchen Veranstaltungen immer die Frage wer da bewertet und wie unabhängig, neutral bewertet wird. Wäre mal interessant die ganzen Mechanismen dahinter kennenzulernen denn für mich drängt sich der Verdacht auf das die Jury unter großem Einfluss der großen Labels steht und das Ganze mehr als Selbstbeweihräucherung dient als ein tatsächlicher Qualitätsmaßstab an den man sich orientieren könnte. Wobei sowas bei Musik sowieso immer subjektiv ist was den musikalischen Inhalt anbelangt, was für ein Zufall das dann die Jury bei solchen Veranstaltungen immer den absoluten Mainstreamgeschmack zu haben scheint als gäbe es sonst keine andere Musik mehr.

  • addy   28. Nov 2013   19:41 UhrAntworten

    Wer sagt denn, dass Jt, miley oder auch miss Swift keine Vollblutmusiker sind? Die sind doch alle seit Kindesbeinen schon im Musikbusiness, länger als mancher der hier so locker über die 3 herzieht. Klar ist das ne Show. SO WHAT. Musik hört man doch immer noch mit den Ohren, wer' s nicht mehr sehen kann, der schalte ab.

  • kutte   18. Jun 2015   13:14 UhrAntworten

    Hallo Katja, da sprichts du mir aus der Seele, das ganze Theater hat nicht mehr viel mit Musik zu tun. Da sagt ausschliesslich die Musikindustrie an wer "geadelt" wird, und stellt ihre Stars ins richtige Erfolgslicht. So kommt es mir jedenfalls vor. Zum Glück muss ich mir ja diese "roter Teppich Feiern" nicht ansehen, denn die musikalischen Darbietungen sind ja eher nicht der Burn out. Aber so ist das Business halt.

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