Gitarre aufnehmen: Monitoring der Gitarrenaufnahme (Teil 4)

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Gitarre am PC aufnehmen

Du willst deine Gitarre am Computer aufnehmen? Erfahre hier, wie das geht ...

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Klassisches Monitoring der Gitarre

Wir gehen hier davon aus, dass wir den Gitarristen einzeln aufnehmen und sich das restliche Playback innerhalb des DAW-Projekts befindet. Für eine gute Performance des Gitarristen (und aller anderen Künstler) ist es essentiell, dass sich der Instrumentalist bei der Aufnahme wohl fühlt und sich und das Playback gut hören kann.

Wenn es sich um eine akustische Gitarrenaufnahme handelt oder wir eine elektrische Gitarre klassisch mit einem Mikrofon vor dem Verstärker (bzw. der Box) abnehmen, dann ist im Regelfall schon einmal dafür gesorgt, dass sich der Gitarrist selbst hören kann.

Unsere Aufgabe besteht in diesem Fall nur darin, dem Gitarristen einen möglichst guten Mix des Playbacks aufs Ohr zu geben. Dies wird im Regelfall durch einen (geschlossenen) Kopfhörer geschehen, der mit einem Submix des Projekt angesteuert wird. Je nach Bauart des Kopfhörers empfiehlt es sich, das durch das Mikrofon aufgenommene Signal ebenfalls auf den Kopfhörer zu geben.

Monitoring der Gitarrenaufnahme

Die meisten Audio Interfaces bieten eine einfache Monitoring-Funktion für deine Gitarrenaufnahme.

Selbstverständlich können wir dem Gitarristen das Playback auch über normale Monitorboxen vorspielen. Wir müssen dann aber darauf achten, dass das von den Boxen wiedergegebene Signal nicht durch das im selben Raum befindliche Mikrofon wieder aufgenommen wird und dadurch unsere Aufnahme verzerrt oder schlimmstenfalls zerstört. Kopfhörer sind hier sicherlich der einfachere Weg.

Der einfachste Weg, das Playback für den Instrumentalisten bereitzuhalten ist sicherlich, den Masterausgang (die Summe) unverändert auf den Kopfhörer zu geben. In den meisten Fällen werden die Gitarristen aber das ein oder andere Instrument lauter / leiser haben wollen und so kann es von Vorteil sein, einen separaten Submix auf einen anderen Stereoausgang bzw. auf den Kopfhörerausgang zu legen. Sämtliche Lautstärkeverhältnisse können dann dem subjektiven Empfinden und Wohlfühlen des Gitarristen angepasst werden ohne die Level in der Summe je antasten zu müssen.

Ich weiß, dass ich mich mit dem nächsten Satz wiederholen werde, aber es ist sehr sehr wichtig: Beim Erstellen des Submixes sollte man unbedingt den Wünschen des Gitarristen Folge leisten, damit er sich während der gesamten Aufnahme richtig wohl fühlt.

Monitoring der Gitarre bei der Aufnahme mit externem Effektgerät

Wenn wir die Gitarre über eine externe Effekteinheit aufnehmen wollen, sieht das Monitoring etwas anders aus. Besonders einfach gestaltet sich das Monitoring in dieser Aufnahmesituation, wenn wir zusätzlich zu Computer, Sequencer und Effekteinheit auch noch ein Hardware-Mischpult besitzen. In diesem Fall können wir den Kopfhörermix nämlich einfach im Mischpult erstellen.

Die meisten von Euch werden aber kein externes Mischpult zur Hand haben und so müssen wir das Gitarrensignal einmal in das Audio Interface zur Aufnahme hinein- und dann zum Monitoring wieder herausführen. Da das Gitarrensignal bereits aufnahmefertig aus der Effekteinheit herauskommt, brauchen wir uns darum keine Sorgen machen.

Die meisten aktuellen Soundkarten bieten Direct Monitoring, ein Feature, das eingehende Audiosignale (fast) ohne Verzögerung wieder auf die Ausgänge des Audio Interfaces gibt.

Um dieses Feature für unsere Aufnahme der Gitarre verwenden zu können müssen wir nun lediglich darauf achten, dass die verwendete Aufnahmesoftware Direct Monitoring unterstützt und dass wir diese Funktion auch noch aktiviert haben. Wir müssen nur noch den Submix zusammen mit dem Gitarrensignal auf einen Ausgang bzw. auf den Kopfhörerausgang legen und können dann direkt mit der Gitarrenaufnahme beginnen.

Monitoring bei direkter Aufnahme der Gitarre

Wenn wir die Gitarre direkt an unser Audio Interface anschliessen, um das cleane Signal mit VST-Plugins im Sequencer weiterzuverarbeiten, stossen wir auf ein neues Problemfeld: Latenzen. Jeder Computer und jede Soundkarte (und externe Effekteinheiten im Übrigen auch) benötigt eine gewisse Zeit, um das eingehende Audiosignal zu verarbeiten und anschliessend wieder auszugeben. Diese Zeitspanne nennt sich Latenz und sie kann sich negativ auf unser Spielverhalten bei der Aufnahme auswirken.

Tutorial: Gitarre am Computer aufnehmenDie Aufnahmelatenz kann von einer Vielzahl von möglichen Dingen verursacht werden und es würde für dieses Tutorial definitiv zu weit führen, alle Probleme und Ursachen zu diskutieren (wenn Interesse besteht kann ich zu einem späteren Zeitpunkt einen Artikel hierüber schreiben).

Hier und heute nur der kurze Rat, die neuesten (ASIO-)Treiber für dein Audio Interface zu installieren und die Latenz über die Einstellungen deiner Recording-Software auf ein Minimum zu reduzieren.

Alles zur Latenz in der Musikproduktion »

Das Gitarrensignal in dieser Aufnahmesituation wird, wie in Teil 3 dieses Tutorials erklärt, auf die aktivierte Gitarrenspur im Sequencer geroutet. Auf dieser Spur befindet sich dann das Gitarren-Plugin deiner Wahl und sorgt für den richtigen Sound und auch hoffentlich für den nötigen Druck. Innerhalb der Recording-Software kannst Du nun einen Submix nach den Wünschen und Vorstellungen des Gitarristen erstellen und ihm diesen auf den Kopfhörer geben.


Schlusswort

Mit diesem vierten Teil beenden wir die Artikelreihe rund um die Aufnahme einer Gitarre am Computer. Die ersten Teile des Tutorials kannst Du nach einem Klick auf die untenstehenden Links lesen. Solltest Du noch Fragen, Kritik oder Anregungen haben, dann kannst Du Kommentarfunktion am Ende des Artikels nutzen oder mir eine Email über das Kontaktformular senden.

Gitarre am Computer aufnehmen – Alle Teile

Teil 1: Grundlagen
Teil 2: DI-Box, Effektprozessor & Soundkarte
Teil 3: Richtig Einpegeln
Teil 4: Monitoring Einstellungen « Du bist hier

Mehr zum Thema:
            


Lesermeinungen (18)

zu 'Gitarre aufnehmen: Monitoring der Gitarrenaufnahme (Teil 4)'

  • peter   25. Jan 2008   09:30 UhrAntworten

    also manche leute könne nja seitenweise reden ohne auch nur eine einzige wichtige information zu verraten.
    ich verstehe nicht wie man dieses geschwafel tutorial nennen kann ...

  • carlos (delamar)   25. Jan 2008   11:32 UhrAntworten

    Was hättest Du denn gerne erfahren, was nicht drin stand?

  • d.a.   11. Feb 2008   23:04 UhrAntworten

    eine sehr gute idee ist es, das gitarrensignal "pur" also ohne jeden effekt aufzunehmen und möglicherweise eine zweite guidspur mit dem effekt, die dann auch als monitorsound für den gitarristen geroutet wird, damit er sich beim spielen wohlfühlt und so spielt wie es sein muß, da man eine verzerrte gitarre sicher anders spielen muß als eine cleane.
    das pure gitarrensignal kann später im rechner mittels amp simulator genauer in den mix eingepaßt werden. außerdem gibt es die möglichkeit die gitarre später z.b. in einem anderen studio wieder in einen (oder wenn man kann testweise in mehreren amps) abzuspielen und mit mikrophonen abzunehmen (reamping). dadurch verhindert man das man z.b. beim mix merkt das man es beim aufnehmen mit effekten übertrieben hat, dies aber nicht mehr ändern kann...
    d.a.

  • carlos (delamar)   12. Feb 2008   10:18 UhrAntworten

    Der einzige Nachteil dieser Methode ist, dass man alle Edits und Cuts doppelt ausführen muss, da man ja zwei Spuren jeweils zur Verfügung hat. Aber erstrebenswert nichtsdestotrotz!

  • Udo Kosemund   24. Feb 2008   23:34 UhrAntworten

    für mich als anfänger (recording) ist die seite informativ.
    gruss:udo - der guitarplayer!!

    • Jürgen Bast   11. Nov 2012   15:39 UhrAntworten

      Hallo Udo. Es schreibt Dir Jürgen Bast. Bist Du der Udo, mit dem ich in Castrop-Rauxel mal gespielt habe? Der mit F.Höller in Heiligenhaus gearbeitet hat? Wenn ja, schreib doch mal zurück.

  • carlos (delamar)   25. Feb 2008   01:08 UhrAntworten

    :)

  • benni   07. Jun 2008   23:45 UhrAntworten

    Wow, wie der Udo sagte, für mich als schon recht langen Gitarrenspieler (2Jahre na okay XD) bin ich aber in solchen Sachen ein nix xD danke für dieses Tutorial,
    sehr empfehlenswert!

  • carlos (delamar)   08. Jun 2008   17:09 UhrAntworten

    gerne!

  • Lars (Source of Insanity)   09. Jun 2009   21:06 UhrAntworten

    Bezieht sich zwar wirklich eher auf die Grundlagen,
    hat sich aber auf jeden Fall gelohnt. ;)

    Gutes Tutorial, thx.

    gruß,
    der Lars
    (http://www.myspace.com/dimicatio)

  • Carlos (delamar)   10. Jun 2009   08:16 UhrAntworten

    Danke!

  • Isma   23. Jul 2009   12:21 UhrAntworten

    Ich bin auch froh über dieses Tutorial, vielen Dank Carlos! Es hat mir sehr geholfen bei einigen grundsätzlichen Fragen (z.B. Line in Eingang am PC nur mit DI-Box)
    Und: ..... wenn der Peter alles kommentiert, was ihn im Internet nicht gefällt, geht er uns wenigstens im "echten" Leben nicht auf den Sack.(Zeitmangel)

  • Alex Mühle   29. Jul 2009   14:41 UhrAntworten

    Danke für die Artikel.- Gut zu lesen und gut informativ über die wichtigsten Grundinfos. Mit hat's geholfen.
    Und alles kostenlos....

  • spiritzone80   21. Sep 2009   02:32 UhrAntworten

    Hi Carlos!

    Würd Dich gern mal fragen ob Du ein Tip geben kannst, wie man das " digitale" von pod und co " natürlicher" aufnehmen könnte?

    Ich meine vielleicht ein röhren bodentretter zwieschen schalten oder irgendwelche eq einstellungen?

    Vielen Dank!!

  • Michael   08. Apr 2010   18:44 UhrAntworten

    Hallo Carlos, ich finde das Tutorial auch gut!! Danke dafür!
    Vielleicht kannst Du mir bei einem Problem helfen!? Ich habe meine e-Gitarre über ein Zoom G 2.1u (also usb) an meinem PC angeschlossen. Wenn ich in Ableton 7 aufnehmen will knallt das Signal dermaßen rein, dass ich es überhaupt nicht runter regeln kann. Egal wie leise ich die Gitarre anspiele, sehe ich nur rote Balken für Vollausschlag und höre nur ein vollkommen zermatschtes geräusch. Hast Du eine Idee, was ich da falsch mache oder falsch einstelle??
    PS: Für die weiteren Einstellungen in Software etc. (Treiber, Asio u.s.w.) könntest Du gerne noch Tutorial 5 bis ??? schreiben.
    Gruß Michael

    • Carlos (delamar)   08. Apr 2010   20:24 UhrAntworten

      Hallo Michael,
      danke für die netten Worte. Meine Vermutung wäre, dass Du eine Art Feedbackschleife auf dem Weg in Ableton erzeugst. Soll heissen: Das Signal, das in Ableton reingeht wird wieder herausgegeben, dann wieder in Ableton aufgenommen. Überprüf doch bitte mal, ob sich die Anzeige auch bewegt, wenn Du nur etwas abspielst in Ableton.
      Ansonsten kann ich nur das Übliche als Lösung anbieten: Treiber updaten, Ableton updaten.
      Herzliche Grüße
      Carlos

  • Thomas   09. Jun 2010   11:30 UhrAntworten

    Hallo Carlos,
    ich mache schon relativ lange Musik am Computer und bin gerade dabei, meine ersten Gitarrenparts aufzunehmen. Intuitiv habe ich erstmal alles so eingestellt wie Du es schon beschrieben hast. Allerdings stelle ich bei der Aufnahme (44kHz, 16 Bit) ganz besonders bei unverzerrtem Signal immer wieder fest, dass die Aufnahme mit der Zeit immer leiser wird (.., während ich immer lauter spiele). Ich liege weit unter 0dB und automatische Eingangsregelung gibt es auch nicht. Ich benutze kein Line-Inn sondern einen Mikrofoneingang am Rechner. Dieses Problem tritt bei jeglicher Recording-Software auf und ebenso bei unterschiedlichen Effektgeräten bzw. Vorverstärkern. Ich hatte gehofft, in diesem Tutorial zu erfahren, dass ich irgendetwas falsch verkabelt habe. Anscheinend ist das aber nicht so. Sind Dir solche Effekte bekannt und gibt es Dinge, die man dagegen tun kann? Hast Du Tipps für weitergehende Lektüre zu dem Thema?

    Gruß, Thomas

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